Zahnverfärbung: Farblehre für Lächeldiagnostiker

27. März 2015
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Von Tetrazyklinen ist bekannt, dass sie Verfärbungen der Zähne verursachen. Auch andere Pharmaka, Erkrankungen, Nahrungsbestandteile oder Drogen verfärben die Zähne. Die charakteristischen Farbnuancen eröffnen zusätzliche Diagnosemöglichkeiten.

Die Ursachen für Zahnverfärbungen sind vielfältig, wobei zwischen extrinsisch und intrinsisch bedingten Verfärbungen unterschieden wird. Im Falle extrinsischer Ursachen lagern sich organische oder anorganische Substanzen der Zahnoberfläche an oder werden in der Folge in die Schmelzstruktur integriert.

Metallsalze als Auslöser

Fluoridtabletten werden im Säuglings- und Kindesalter zur Zahnhärtung empfohlen. Wenn es die Eltern besonders gut meinen, steigern sie die Dosis. Die Folge der überhöhten Fluoridmenge in der Zahnbildungsphase sind kleine weiße Flecken im Zahnschmelz. Zahnverfärbungen können auch durch Ablagerungen auf der Schmelzoberfläche entstehen. Der Arzneistoff lagert sich auf den Zähnen ab und färbt diese. Bekannt ist das beispielsweise für flüssige Zubereitungen mit Eisensalzen.

Auch Mundspüllösungen mit Zinn(fluorid) können die Zähne trüben. Besonders wenn der Anwender eine metallische Zahnspange trägt, kann es zu hartnäckigen, metallischen Ablagerungen kommen.

Many shades of grey

Wenn Kinder linienartige, schwarze Verfärbungen, sogenannte „black stains“ haben, sollte an chromogene Bakterien im Bereich des Gingivasaumes gedacht werden. Auch andere Erreger, wie grampositive Stäbchen, können als Stoffwechselprodukt Schwefelwasserstoff bilden. Dieses Gas reagiert mit dem im Speichel gelösten Eisen zu Eisensulfid, das dann eine Schwarzfärbung verursacht. Neben grauen und schwarzen Verfärbungen kann es auch zu erregerbedingten Orangetönen kommen.

Vermutlich ist eine bakterielle Besiedelung auch der Mechanismus, der bei einer längerfristigen Anwendung des Mund- und Rachendesinfiziens Chlorhexidin auftritt. Auch orale Antibiotika können zu einer Störung der natürlichen Mundflora führen und auf diese Weise zusätzlich die Zähne färben.

Es muss nicht immer Metall sein

Nichtmetallische Pigmente sind zum Beispiel in Tee, Kaffee, Rotwein, roten Beerensorten oder Curry zu finden. Nicht nachvollziehbar ist, weshalb zahnfeindliche Farbstofflösungen zur Behandlung von Zahnfleischentzündungen angeboten werden. Zu ihnen zählen etwa Zahnfleischfluids, die Auszüge der kanadischen Gelbwurz (Hydrastis Canadensis) enthalten. Sie sollen gegen Entzündungen von Zahnfleisch und Pulpa dentis angewendet werden. Dokumentierte Nebenwirkungen: gelbe Zahnverfärbungen.

 

Verfärbung mögliche Ursache Beispiel
braunNahrungsmittelKaffee, Tee, Rotwein (Tannine)
MundspüllösungenChlorhexidin
schwarzNahrungsmittelJohannisbeeren
Metalle, industrielle Stäube, DesinfektionslösungenEisen, Mangan, Silber
braun-schwarzTabakkonsumTeer
grampositive Stäbchen„Black Stains”
gelb-braunberufliche MetalleinwirkungCadmium
MundspüllösungenZinnfluorid
grünberufliche MetalleinwirkungKupfer, Nickel
dunkelgrün-schwarzchromogene Bakterien„Green Stains"
violettNahrungsmittelWaldbeeren
violett-schwarzDesinfektionslösungKaliumpermanganat
orange industrielle EinwirkungChromsäure
chromogene Bakterien„Orange Stains"
rötlichNahrungsmittelSafran, roter Pfeffer
gelblichNahrungsmittelCurry, Curcuma

Tabelle: Extrinsische Zahnverfärbungen und mögliche Ursachen (mod. nach Beheim-Schwarzbach, Hoffmann, Axthelm, Kielbassa & Wrbas, Schiedseder, Weber)

Antibiotika: Färbung von innen

Sind die Ursachen intrinsischer Art, handelt es sich häufig um Einlagerungen, die sich während der Zahnentwicklung vollziehen. Der Zahnschmelz ist nur geringfügig durchlässig. Eine mögliche Ursache von Zahnverfärbungen ist die Einlagerung von Farbstoffen in das Dentin während der Zahnbildung. Diese unerwünschte Nebenwirkung ist insbesondere durch Antibiotika vom Typ der Tetrazykline bekannt. Tetrazykline bilden mit Calcium unlösliche Verbindungen, die in Schmelz, Dentin und Zement irreversibel eingelagert werden und zu Zahnverfärbungen führen. Deshalb ist diese Antibiotikaklasse bei Schwangeren, Stillenden und Kindern vor Abschluss der Zahnungsphase kontraindiziert.

Eine Studie von Antonini und Luder ergab, dass Minocyclin und andere Tetrazykline während der Zahnbildung in alle mineralisierenden Zahnhartsubstanzen eingelagert werden können. Es verursacht auf diesem Weg eine bräunliche Verfärbung der Kronen sowie der Wurzeln.

Die Stärke der Verfärbung ist abhängig von Menge und Dauer der Antibiotika-Applikation. Die Art der Verfärbung wird durch das jeweilige Tetracyklinderivat bestimmt. Gelbe Verfärbungen sind auf Ledermycin, Terramycin oder Achromycin, braune auf Aureomycin zurückzuführen. Phenoxymethylpenicillin kann eine Gelb- bis Braunverfärbung der Zähne hervorrufen.

Erythromycin, Clavulansäure, Metronidazol & Co

Unter Amoxicillin/Clavulansäure können Zahnschmelzdefekte und eine Grauverfärbung auftreten. Die Zahnverfärbungen sind größtenteils innerhalb weniger Wochen bis Monate reversibel. Sie können beispielsweise durch gründliches Zähneputzen entfernt werden. Von dieser unerwünschten Nebenwirkung sind häufig die Schneidezähne und Eckzähne betroffen. Der Mechanismus und die prädisponierenden Faktoren sind bis jetzt nicht bekannt. Auch bei Trimethoprim-Sulfamethoxazol (Cotrimoxazol), Erythromycin, Metronidazol und Cefaclor sind Zahnverfärbungen dokumentiert. In Einzelfällen verbleiben die Verfärbungen hartnäckig für bis zu 6 Monate oder sind nur mechanisch entfernbar.

 

Verfärbung mögliche Ursache Beispiel
braunstärkere FluoroseFluorid
grau-braunTetrazyklineAureomycin
gelb-braunTurner-Zahn, Amelogenesis imperfectaJod, flüchtige Öle
TetrazyklineLedermycin
gelbmittlere Fluorose, AlterungsvorgängePulpaobliteration, Sekundär- oder Tertiärdentinbildung
TetrazyklineLedermycin
rötlichPulpahämorrhagieTrauma, iatrogen
rötlich-braunkongenitale PorphyrieHämatoporphyrin
grünlich-gelbkongenitale GallengangsdefekteGallenfarbstoffe
grünlich, graublauErythroblastosis fetalis, ThalassemieBiliverdin, Bilirubin
grauschwarzFüllungsmaterialien, postendodontischAmalgam, unvollständige Trepanation
schwarzbrauniatrogene UrsachenSilbernitrat
bernsteinfarben-bläulichDentinogenesis imperfecta
weißlich-opaklokale Veränderung der SchmelzdichteFluorose, Schmelzreifungsstörungen
schwarzWurzelkanalfüllungsmaterialien, schwefelhaltige MedikamenteSilberstift

Tabelle: Intrinsische Zahnverfärbungen und mögliche Ursachen (mod. nach Beheim-Schwarzbach, Hoffmann, Axthelm, Kielbassa & Wrbas, Schiedseder, Weber)

Kranke Lunge – kranke Zähne?

Bei Kindern mit Asthma bronchiale kommt es vergleichsweise häufig zu Zahnschäden und Zahnverfärbungen. Vermutlich ist der Grund ein krankheitsbegleitender gastroösophagealer Reflux. Die Säure greift den Zahnschmelz an. Ursache dafür können jedoch auch die Pulverinhalatoren sein. Die sauren Arzneistoffe vermögen den Zahnschmelz direkt zu attackieren. Nach der Anwendung von betamimetikahaltigen Dosieraerosolen sollte der Mund mit lauwarmem Wasser gespült werden. Die Zähne sollten unmittelbar nach der Anwendung nicht geputzt werden, da der angelöste Zahnschmelz entfernt wird.

Eine Arbeitsgruppe um Schulz-Katterbach der Klinik für Präventivzahnmedizin, Parodontologie und Kariologie der Universität Zürich untersuchte den Einfluss eines Cannabiskonsums auf die Zahngesundheit. 43 Personen mit und 42 ohne Cannabiskonsum im Alter von 18 bis 25 Jahren wurden untersucht. Auch in der Kontrollgruppe waren alle Probanden Raucher. Neben der Untersuchung des Zahnfleischs, des Zahnbelags und des Speichelflusses wurde auch der DFS-Index erhoben. Dieser ergibt sich aus der Anzahl der Zähne, die entweder kariös sind (engl.: decayed) oder bereits behandelt wurden (engl.: filled surface). Alle Teilnehmer füllten einen Fragebogen zu ihrer Zahnhygiene, zu persönlichen Essgewohnheiten und zur körperlichen bzw. psychischen Gesundheit aus.

Zahnverfärbungen bei Cannabiskonsumenten

Cannabiskonsumierende Männer wiesen einen höheren DFS-Index auf als die Männer der Kontrollgruppe. Sie hatten deutlich mehr erkrankte, verfärbte und/oder bereits behandelte Zähne. Wurde nur die Anzahl erkrankter, aber noch unbehandelter Zähne betrachtet, so waren die Unterschiede für beide Geschlechter signifikant. In der cannabisfreien Gruppe war durchschnittlich ein Zahn erkrankt, bei den Cannabiskonsumenten durchschnittlich fünf Zähne. Cannabiskonsumenten putzen sich seltener die Zähne, gehen seltener zum Zahnarzt und trinken häufiger Limonaden bzw. gesüßte Getränke. Ein Grund könnte die durch Cannabis verursachte Hypoglykämie sein, die zu Heißhungerattacken führen kann.

84 Prozent der Cannabiskonsumenten gaben an, nach dem Konsum einen trockenen Mund zu haben. Normalerweise kann Speichel einen erhöhten Säuregehalt infolge von Limonaden oder Süßigkeiten kompensieren. Mundtrockenheit fördert indirekt die Kariesentwicklung. Auch andere Drogen wie Methamphetamin werden mit deutlichen Zahnverfärbungen und Schäden in Verbindung gebracht.

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Medizin, Zahnmedizin

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8 Kommentare:

Dr. med.dent. Christoph Hutschek
Dr. med.dent. Christoph Hutschek

Seit einigen Jahren gibt es eine Empfehlung der DGZMK (Deutsche Gesellschaft für Zahn-Mund-und Kieferheilkunde) auf die regelmäßige Tablettengabe mit Fluoridtabletten zu verzichten. Leider wird von den Kinderärzten NICHT auf diese Empfehlung hingewiesen oder es ist noch nicht zu ihnen durchgedrungen!!!
Auch sollte man den Eltern sagen, daß es alternative Möglichkeiten gibt, mit Shüsslersalzen oder homöopath. Medikmenten die gleiche Festigkeit des Zahnschmelzes zu erreichen.

#8 |
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ZA ADe
ZA ADe

Ich vermisse in der Tabelle folgenden Materialhinweis:
Russisch Rot
engl.: Resorcinol-Formaldehyde-Resin, “Russian Red”; zur kurzen Erläuterung
nachfolgender Link: http://www.zahnwissen.de/frameset_lexi.htm?lexikon_rn-rz.htm
Tritt an endodontisch anbehandelten Zähnen v.a. bei Osteuropäern häufiger auf.

@Dr. Streicher: Differentialdiagnostisch Molaren-Inzisiven-Hypomineralisation wenn kein Nachweis von Durchfallerkrankungen etc. im Baby/Kleinkindalter

#7 |
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Katharina Jenne
Katharina Jenne

Was ist n hier los? [Kommentare, auf die diese Frage Bezug nimmt, wurden aus SPAM-Gründen von der Redaktion gelöscht. Die DocCheck News Redaktion]

#6 |
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Zahnarzt

Der Zahnschmelz macht nicht den Unterschied, vielmehr das durchscheinende Dentin, was bspw. im Frontzahnbereich die Eckzähne dunkler als die Schneidezähne erscheinen lässt. Leider lassen sich einige Zahnärzte in Sachen Keramik zu leicht auf den Wunsch ihrer Patienten nach strahlend weißen Zähnen ein, was imho nicht unbedingt als Referenz für eine ästhetische Restauration taugt. Eine gute Keramik – und da sind der Kunst kaum Grenzen gesetzt – verät nicht den Zahnersatz. Aber das will der Patient leider oft gar nicht wissen.

#5 |
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Dr. med. dent Theo Streicher
Dr. med. dent Theo Streicher

Dr. Theo Streicher
Zahnarzt
zu #1: Kleine Anmerkung: Auch im “tiefsten” Afrika werden die Zähne geputzt. Man verwendet dafür häufig Wurzelstückchen des sog. Zahnputzbaumes.

Bleibende Zähne sind meist etwas dunkler oder “weniger milchig weiß” als die Milchzähne, da sie u.a. eine etwas andere Schmelzstruktur haben. Darum haben auch adhesive Füllungen an Milchzähnen einen schlechteren Halt als bei bleibenden.
Eine extreme Gelbbraunvervärbung der Schneidekanten von Frontzähnen und Höckern der 6-Jahres-Molaren, oft in Verbindung mit Schmelzbildungsstörungen, deutet auf schwere Erkrankungen im Babyalter hin.

#4 |
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MARTIN MEINHOF
MARTIN MEINHOF

Nach meiner Erfahrung sind die Milchzähne fast immer weißer als als die Bleibenden
Auch bei nachweislich keinem Kontakt mit Tetrazyklinen.

#3 |
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Heilpraktiker

Hallo Kunzkidney,
Ich verstehe leider nicht ganz den Zusammenhang von Tetrazyklinen – weißen Zähnen von schwarzen in Afrika – Zahnputzwahn.
Danke für weitere Info.

#2 |
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kunzkidney
kunzkidney

In der Tat fiel mir bei unseren Kindern auf, dass nach Ausfall der Milchzähne die nachstossenden Zähne bereits beim Durchtritt durch das Zahnfleisch eine Gelbfärbung aufwiesen, so dass die Tetrazyklintheorie ggf; Zufuhr durch Tetrazykline im Fleisch…hier eine Erklärung bietet. Von Zahnärzten wird die Tetrazyklintheorie hartnäckig bestritten. Es gibt Zahnärzte, die die auffallend gesunden weissen Zähne in einem noch grossen – aber auch immer kleiner werdenden – Teil der schwarzafrikanischen Bevölkerung mit einer optischen Täuschung durch die dunkle Hautfarbe erklären…
Eine solche Theorie würde den gesamten Zahnputzwahn in Frage stellen und Markteinbrüche in Milliardenhöhe verursachen.

#1 |
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