Notfallkontrazeptiva: Apothekers Gebet erhört

10. März 2015
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Grünes Licht für den OTC-Switch von Notfallkontrazeptiva: Die Präparate ellaOne® mit Ulipristalacetat und PiDaNa® mit Levonorgestrel werden verschreibungsfrei – mit Einschränkungen. Ländervertreter sehen als Vertriebsweg öffentliche Apotheken, nicht aber Versandapotheken.

Deutschland unter Zugzwang: Nachdem Brüssel entschieden hatte, Notfallkontrazeptiva mit Ulipristalacetat aus der Verschreibungspflicht zu entlassen, musste Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) trotz starker Bedenken nachziehen. Eine Gesetzesinitiative für Ulipristalacetat und für Levonorgestrel folgte – und warf im gleichen Atemzug etliche Fragen auf.

Kassenleistung trotz OTC-Status

Das beginnt bei der Kostenübernahme. Gesetzliche Krankenversicherungen erstatten nur verschreibungspflichtige Präparate, von einzelnen Ausnahmen abgesehen. Notfallkontrazeptiva wären ebenfalls aus der Erstattung gefallen. Nachdem Politiker einen Anstieg von Teenagerschwangerschaften befürchtet hatten, machten sie jetzt Nägel mit Köpfen und legten einen angepassten Gesetzesentwurf vor. Der Bundestag beschloss, dass Frauen und Mädchen bis zu ihrem 20. Geburtstag Anspruch auf Kostenübernahme durch ihre Krankenkasse haben.

Machtworte gegen Marketing

Damit gaben sich Verantwortliche nicht zufrieden. Sie haben im Heilmittelwerbegesetz den Paragraphen 10 angepasst. Werbung für Notfallkontrazeptiva über Laienmedien soll verboten bleiben, um nicht den Eindruck zu wecken, eine Alternative zu klassischen Verhütungsmethoden zu bieten.

Streit um Beratung

Dispute um die Abgabe von Ulipristal-haltigen Notfallkontrazeptiva gehen trotzdem weiter. Der Berufsverband und mehrere Fachgesellschaften der Gynäkologen warnen vor einer unzureichenden Beratung in öffentlichen Apotheken. Stein des Anstoßes ist ein Beratungsleitfaden der Bundesapothekerkammer. In diesem Dokument seien „grundlegende Beratungsinhalte nicht enthalten“, heißt es in einer Stellungnahme des Berufsverbandes der Frauenärzte, der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe und der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologische Endokrinologie und Fortpflanzungsmedizin. Ihre Kritikpunkte: die nachlassende Wirkung von Levonorgestrel bei einem Körpergewicht über 75 Kilogramm sowie ähnliche Effekte von Ulipristalacetat bei Kundinnen mit mehr als 90 Kilogramm. Frauenärzte bemängeln fehlende Hinweise auf die „Spirale“ sowie auf nichthormonelle Verhütungsmethoden bis zum Eintreten der nächsten Monatsblutung. Jetzt sind Apotheker einmal mehr unter Zugzwang.

Nicht auf dem Versandweg

Politiker sehen noch weitere Problemfelder. Auf Anregung mehrerer Länder wird die „Pille danach“ nicht über den Versandhandel zu beziehen sein. Der Bundesverband Deutscher Versandapotheken (BVDVA) widersprach dem Vorwurf, eine versendende Apotheke berate nicht genügend. Das Gegenteil sei der Fall: „Versandapotheken schneiden seit Jahren nicht schlechter ab, als die reine Vor-Ort-Apotheke“, heißt es in einer Stellungnahme. „Das Argument der nicht sofortigen Verfügbarkeit im konkreten Fall des Notfallkontrazeptivums bei einem Bezug über den Versand läuft genauso ins Leere. Eine sehr zeitnahe Einnahme, wie es die medizinische Indikation vorsieht, ist bei Nicht-Bevorratung zu Hause in keinem Fall möglich.“ Hat der Interessenverband da nicht eine Kleinigkeit übersehen, Stichwort Nacht- und Notdienste?

18 Wertungen (4 ø)

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6 Kommentare:

Apotheker

Ich “freue” mich schon auf die ausführliche Beratung incl. Abarbeiten einer Checkliste nachts an der Notdienstklappe…! Und zum Schluss höre ich dann womöglich noch den Satz “…die habe ich letztes Mal in der XY-Apotheke aber billiger bekommen!”

#6 |
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Jörg Heilemann
Jörg Heilemann

Pille dananch wird dann wohl zum Renner im Notdienst – plus Diskussion um Kosten und Notdienstgebühr.
Dieses Gebet wurde von keinem diensttuenden Apotheker, sondern nur von der Industrie gesprochen.

#5 |
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Olga Assenheimer
Olga Assenheimer

Was für ein Schwachsinn: “Apothekers Gebet erhört”!!!
Ich kenne keine/n einzige/n Apotheker/in, die/der die Pille danach im OTC befürwortet.
“Gebet der Pharmaindustrie erhört”, würd ich sagen!!
Was für eine Unterstellung!!

#4 |
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Arzt
Arzt

etwas geschmacklos Leistungserbringer als “Bittsteller” darzustellen,
gesundheitspolitisch geht es THEORETISCH um das Risiko für den Patient.
Das schein immer unwichtiger zu werden.
Liebe Apotheker #1 und #2
ebenso unwürdig ist das Meckern über Ärzte!
Wir sitzen alle in einem Boot.

#3 |
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Apotheker

Wenn ich bisher die Kundin wegen der Rezeptflicht zum Arzt geschickt habe, dann war die binnen 5 bis 10 min wieder bei mir mit Rezept.
Wie gerne wäre ich Mäuschen bei dieser turbo-Beratung gewesen.

:)

#2 |
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Apotheker

ich hatte nicht gebetet. 72 Std. sind doch wohl Zeit genug….
Und das ganze nur wg. der EINEN Patientin, die in einem katholischen Kölner Krankenhaus abgewiesen wurde

#1 |
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