Mütterliche Ernährung prägt Nachkommen-Fitness

16. März 2015
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Mütterliche Ernährung beeinflusst die körperliche Leistungsfähigkeit der Kinder – zumindest bei Mäusen. Nachkommen von Müttern, die fettreiches Futter erhalten, sind trotz Lauftrainings weniger leistungsfähig. Das hilft, die Verbindungen von Ernährung und pränataler Prägung zu erfassen.

Ebenso sprach die Muskulatur der Nachkommen nicht gut auf das Lauftraining an. Die Studie weist darauf hin, dass bei langanhaltender Aktivität die Muskeln dieser Tiere nur unzureichend mit Energie versorgt werden. Die Leistungsschwäche könnte mit fortschreitendem Alter das Risiko für Übergewicht erhöhen.

Nach Angaben der World Health Organisation hat sich die Zahl der krankhaft übergewichtigen Menschen seit 1980 weltweit verdoppelt, wobei verschiedene Faktoren das Entstehen von Übergewicht begünstigen. Zu diesen zählen eine gewisse erbliche Veranlagung, die Ernährung und nicht zuletzt auch die körperliche Aktivität. Verschiedene wissenschaftliche Studien weisen darauf hin, dass die mütterliche Ernährung während der Schwangerschaft und Stillzeit die Nachkommen beeinflussen und diese im ungünstigen Fall im Erwachsenenalter für Übergewicht und Typ-2-Diabetes empfänglicher machen kann. Zudem ist bekannt, dass die fetale Entwicklungsphase für die Ausprägung der Muskulatur entscheidend ist, da nach der Geburt die Zahl der Muskelfasern nicht mehr zunimmt. Bislang gibt es kaum Studien, die die Effekte der mütterlichen Ernährung auf die Muskulatur der Nachkommen hinsichtlich deren Trainierbarkeit sowie Leistungsfähigkeit untersucht haben. Daher gingen die Wissenschaftler des DIfE diesen Effekten am Mausmodell unter kontrollierten Bedingungen nach.

Leistungsschwäche scheint mit Stoffwechselstörungen einher zu gehen

Insgesamt untersuchten die Forscher 20 Nachkommen von Müttern, die während der Trag- und Stillzeit fettarmes Futter bekommen hatten, sowie eine Gruppe von 21 Tieren, die von Müttern stammten, die eine fettreiche Diät erhalten hatten. Nachdem die Tiere entwöhnt waren, erhielten alle jungen Mäuse fettarmes Futter. Jeweils einer Hälfte der beiden Mausgruppen stand zusätzlich ein Laufrad zur Verfügung, das die Tiere nach Belieben nutzen konnten.

Die Nachkommen aller Gruppen waren in etwa gleich schwer, fraßen gleich viel und verfügten über gleiche Mengen an Körperfett und Muskelmasse. Allerdings stellten die Wissenschaftler Unterschiede zwischen den beiden Gruppen fest, die für 28 Tage das freiwillige Laufradtraining absolviert hatten. So waren nach dem mehrwöchigen Training die Nachkommen der fettreich ernährten Mütter bei einem Ausdauertest nur etwa halb so leistungsfähig wie die Nachkommen der fettarm ernährten. Ihre Leistungsschwäche scheint mit Störungen des Fett- und Zuckerstoffwechsels einher zu gehen, da im Vergleich zur anderen Mausgruppe verschiedene Gene anders reguliert waren, die für die Fett- und Zuckeraufnahme in die Zellen eine Rolle spielen.

Zusammenhänge zwischen Ernährung und pränataler Prägung besser verstehen

„Mit unserer Untersuchung zeigen wir zum ersten Mal, dass der mütterliche Verzehr einer sehr fettreichen Kost während der Schwangerschaft und Stillzeit die muskuläre Leistungsfähigkeit und Trainierbarkeit der Nachkommen beeinflusst – selbst dann, wenn die Mütter nicht übergewichtig sind“, sagt Susanne Klaus, die am DIfE die Arbeitsgruppe Physiologie des Energiestoffwechsels leitet. Zukünftig will Klaus die zugrunde liegenden molekularen Mechanismen weiter untersuchen, wobei sie nicht ausschließt, dass auch epigenetische Veränderungen der Gene eine Rolle spielen können. Um Rückschlüsse auf den Menschen zu ziehen, sei es sicher noch viel zu früh, dennoch lohne es sich, diesen ersten Hinweisen nachzugehen, um die Zusammenhänge zwischen Ernährung und pränataler Prägung besser zu verstehen, so Klaus.

Hintergrundinformation zur Studie

Pro 100 Gramm enthielt das fettarme Futter etwa 4,3 Gramm Fett (dies entspricht ca. 10 Prozent des Energieanteils der Nahrung). Pro 100 Gramm enthielt das fettreiche Futter etwa 21 Gramm Fett (dies entspricht ca. 30 Prozent des Energieanteils der Nahrung). Das verwendete Fett setzt sich zusammen aus einem Anteil Sonnenblumenöl (70 Prozent), einem Teil Kokosnussöl (18 Prozent) und einem Teil Leinsamenöl (12 Prozent).

Originalpublikation:

Maternal high-fat diet consumption impairs exercise performance in offspring
I. Walter et al.; Journal of Nutritional Science, doi: 10.1017/jns.2014.55; 2015

23 Wertungen (4.17 ø)
Gynäkologie, Medizin

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3 Kommentare:

Gast
Gast

Danke @Silke Schuster, Zustimmung, das Sonnenblumenöl hört sich auch nicht sehr “mäusetypisch” an und vor allem fehlt das wichtigste für jedes Wachstum:
Menge und Qualität der Eiweißquelle.

#3 |
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Evi Wimberger
Evi Wimberger

Genetische Vererbung – soziale Vererbung – mütterliche Ernährung wirkt über die Schwangerschaft hinaus in die Säuglings-, Kleinkinderernährung wie ein roter Faden. Darüber hinaus lassen sich oft über die Ernährungsweise auch Rückschlüsse über den gesamten Lebensstil ziehen.

#2 |
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Ärztin

Mäuse sind Nager. Ihre natürlichen Futterbedürfnisse entsprechen NICHT denen des Menschen. Die Ergebnisse sind NICHT auf den Menschen übertragbar.
Man sollte die Studie mit Schweinen wiederholen, die ähnliche Ernährungsansprüche wie der Mensch haben.

#1 |
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