Krebs: Endocannabinoide als Protein-Gegenspieler

5. März 2015
Teilen

Der Hedgehog-Signalweg ist in die Gewebe-Regeneration involviert. Hedgehog gibt dabei Signale über ein weiteres Protein namens Smoothened weiter. Auffällig ist, dass dessen hohe Aktivität zu Tumoren führen kann. Endocannabinoide entpuppen sich als mögliche Gegenspieler.

Der Hedgehog-Signalweg reguliert viele wichtige Vorgänge während der Entwicklung eines Lebewesens. Bei Wirbeltieren sorgt er für die Orientierung an einer symmetrischen Rechts-Links-Achse und spielt – auch im ausgewachsenen Organismus – eine wichtige Rolle bei der Regeneration von Gewebe. Das Protein Hedgehog gibt dabei Signale über ein weiteres Protein mit dem Namen Smoothened weiter. Auffallend ist, dass eine sehr hohe Aktivität von Smoothened zu Tumoren führen kann und in einige Krebsarten involviert ist. Es gibt körpereigene Substanzen, die diese Signalkette blockieren können, bisher waren diese Moleküle aber kaum erforscht. Wissenschaftlern am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik ist es nun mit biochemischen Methoden gelungen, die hemmenden Substanzen genau zu identifizieren: Es handelt sich dabei um Endocannabinoide. Als zukünftiges Therapieprinzip könnten diese Stoffe gezielt als Gegenspieler zu Smoothened eingesetzt werden.

So wichtig das Protein Hedgehog während der embryonalen Entwicklung auch ist, so problematisch kann es in ausgewachsenen Organismen werden. Dann nämlich ist es wichtig für die Regeneration von Gewebe, wirkt dazu aber in einer sehr kontrollierten Weise. Das kann außer Kontrolle geraten: Bei einigen Tumorarten, wie etwa bestimmten Hautkrebs– und Hirntumorarten, zeigt sich eine extrem hohe Aktivität des Proteins Smoothened. Schon länger sieht man deshalb in der klinischen Forschung eine Manipulation der Aktivität dieses Proteins als einen vielversprechenden Ansatz. Unser Körper scheint entsprechende Moleküle zu produzieren, die die problematische Wirkung von Smoothened in der Regel wirkungsvoll unterbinden können – was sie aber genau sind und wie sie funktionieren, das war bisher völlig unklar.

Das Labor von Suzanne Eaton hat die Substanzen nun genau identifiziert. Erste Versuche in Fliegen gaben Hinweise darauf, dass die gesuchten Verbindungen in Lipoprotein-Partikeln existieren. Dazu züchteten die Forscher Gewebe aus menschlichen Zellen, und spalteten die enthaltenen Lipide in einem Massenspektrometer in ihre Bestandteile auf. Es zeigte sich: Die Substanzen, die das Protein Smoothened blockieren können, sind Endocannabinoide. Sie wirken auf die gleiche Weise wie Cannabinoide, die bisher ausschließlich in der Hanfpflanze nachgewiesen werden konnten. Des Weiteren konnten die Dresdner Forscher zeigen, dass dieser Mechanismus nicht nur in Fruchtfliegen vorkommt, sondern auch in höheren Entwicklungsstufen, sogar in Säugetieren, und dort identisch wirkt.

Kiffen gegen Krebs?

Das Potential von Cannabis als Arzneimittel speziell in der Krebstherapie wird schon länger erforscht, allerdings waren bisher keine positiven Effekte von Cannabis bei Krebserkrankungen belegbar. „Unsere Ergebnisse bedeuten nicht automatisch, dass der Konsum von Marihuana gut gegen Krebs sein muss“, so Suzanne Eaton, die an dem Dresdner Institut eine Forschungsgruppe leitet. Eher weist sie darauf hin, dass der Hedgehog-Signalweg in Säugetieren auch bei der Heilung und beim Nachwachsen von Gewebe der Leber oder der Haut entscheidend ist – diese wichtigen Funktionen könnten durch Marihuana-Konsum ebenfalls gestört werden.

Eaton sieht es eher so, dass ihr Team mit den Endocannabinoiden einen vielversprechenden Ansatz für neue Therapiemöglichkeiten entdeckt hat. Es gibt bereits Medikamente, die an Smoothened ansetzen: „Das Problem ist, dass sie nur gegen manche Tumorarten gut wirken, gegen andere gar nicht, und dass Tumore oft eine Resistenz entwickeln“. Die jetzt identifizierten Substanzen könnten als ein weiterer, leicht anderer Weg dienen, um die Aktivität von Smoothened zu heilenden Zwecken gezielt zu steuern.

Originalpublikation:

Endocannabinoids are conserved inhibitors of the Hedgehog pathway
Suzanne Eaton et al.; PNAS Early Edition, doi: 10.1073/pnas.1416463112; 2015

14 Wertungen (4.86 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

5 Kommentare:

Arzt
Arzt

Mich stört schon die Bezeichnung von “Endocannabinoiden” , da hier suggeriert wird und inzwischen wohl auch soll, dass der Einsatz einer Droge nützlich sein soll!!!
Natürlich hat der Stoffwechsel irgendwelche Rezeptoren, an denen Cannabis wirksam wird, das macht ja die Drogenwirkung; wobei diese Droge selbstverständlich mit den körpereigenen Wirkstoffen NICHT identisch ist!
Ob nun deshalb Cannabis gegen Krebs hilft, wie hier geradezu unterstellt wird, ist weder belegt noch wahrscheinlich.
Warten wir es ab.

#5 |
  0
ein anderer Gast
ein anderer Gast

@geheilter Patient: die Nutzung von Cannabis zur Krebstherapie sollte natürlich begleitet werden von einem “Schulmediziner” schon alleine um die Verbesserungen zu dokumentieren!
Nach dem meine Mutter eine Brust durch Brustkrebs verloren hat, ein fortgeschrittenes Alter hat und die schmerzen einer OP und die leiden einer Chemotherapie scheut und evtl. eine Massive Bestrahlung in jungen Jahren der von Ihr vermutete auslöser ist, die Schulmediziner und die Familie Sie nicht von einer konventionellen Behandlung überzeugen kann,… Warum sollte es dann nicht versucht werden, meine Mutter mit Cannabinoiden zu behandeln?
Zumal ja bei konventioneller Behandlung auch Cannabis zum Einsatz kommen kann?
Durch diverse andere Gebrechen ist meine Mutter auf Schmerzmittel auf Opiat Basis angewiesen, auch könnte Cannabis hier eine Reduktion der Opiat Gabe zur Folge haben,..
Meine Mutter würde aber einer Cannabis Behandlung offen gegenüber sein, obwohl Sie noch gar keine Erfahrung damit hat nur die bisherigen Schulmediziner die Sie behandelt haben sind leider noch nicht auf die Idee gekommen, bzw. haben diese nicht kommuniziert da ja illegal, man abhängig werden könnte (Opiate wohl nicht?!) und die Krankenkasse es nicht zahlen würde.
Soll jetzt meine Mutter weiter leiden? Oder kann man hier endlich mal Cannabis versuchen, was in vielen Einzelfällen geholfen hat aber auch bei konventioneller Chemotherapie unterstützend eingesetzt wird?

#4 |
  0
geheilter Patient
geheilter Patient

@Gast#1 bitte ohne Medizinstudium Hände weg von der Krebstherapie!

#3 |
  0
Gast
Gast

der Fliegenpilz ist auch Naturprodukt

#2 |
  0
Gast
Gast

“allerdings waren bisher keine positiven Effekte von Cannabis bei Krebserkrankungen belegbar” ist eher eine Behauptung (der Pharmabranche) als Wahrheit. Cannabis ist Naturprodukt und damit frei zugänglich. Hingegen hat die übliche megateure Krebstherapie nachgewiesenermaßen keine positiven Effekt bei krebserkrankungen, dies anhand statistischer Untersuchungen über Jahrzehnte.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: