Vulvakarzinom: Bestrahlung als OP-Zugabe

13. März 2015
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Frauen mit Vulvakarzinom erleiden nach der operativen Entfernung des Tumors weniger Rückfälle, wenn eine zusätzliche Bestrahlung durchgeführt wird. Das gilt auch dann, wenn bereits zwei der Lymphknoten in der Leiste vom Tumor befallen sind.

Der Gynäkologe Dr. Sven Mahner, Leitender Oberarzt der Klinik für Gynäkologie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) und seine Kooperationspartner trugen für die Studie mit der Bezeichnung „AGO-CaRE-1“ die Daten von Patientinnen zusammen, die zwischen 1998 und 2008 deutschlandweit in 29 Zentren der Studiengruppe der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) behandelt wurden. „Wir wollten herausfinden, was in Deutschland bei der Behandlung des Vulvakarzinoms überhaupt Standard ist“, erklärt Mahner. Mit den Behandlungsdaten von 1.618 Frauen verfügen die AGO-Forscher nun über die weltweit größte Datenbank zu dieser seltenen Krebserkrankung. In Deutschland erkranken jährlich etwa 4 von 100.000 Frauen, Tendenz steigend. 2015 werden rund 4.000 Neuerkrankungen erwartet. Bislang gibt es nur sehr wenige Studien zur optimalen Therapie dieser Erkrankung.

Risiko um ein Drittel reduziert

In der ersten Analyse der Daten haben die Wissenschaftler sich zunächst auf die Patientinnen mit den größten Risiken konzentriert: Das sind Frauen, bei denen der Krebs bereits die Lymphknoten in der Leiste befallen hat. Das Ergebnis: Bei Patientinnen, die nach der chirurgischen Entfernung des Tumors eine adjuvante Radiotherapie erhalten hatten, war das Risiko, dass der Tumor erneut auftritt, um ein Drittel niedriger. 44,1 Prozent der bestrahlten Frauen waren zwei Jahre nach der Therapie frei von Krebs; bei den nicht bestrahlten Patientinnen waren es lediglich 31,1 Prozent.

Der Nutzen der zusätzlichen Bestrahlung hängt insbesondere von der Zahl der befallenen Leisten-Lymphknoten ab. „Frauen, bei denen die Krebszellen bereits zwei, drei oder mehr Lymphknoten erreicht haben, profitieren vermutlich von einer Bestrahlung“, sagt Mahner. Bei Frauen mit lediglich einem betroffenen Lympknoten war das Ergebnis nicht eindeutig. „In den bisherigen Behandlungsleitlinien in Deutschland wurde eine Bestrahlung erst ab drei befallenen Lymphknoten empfohlen. Eine Änderung dieser Empfehlung ist allerdings bereits in Arbeit“, so Oberärztin Priv.-Doz. Dr. Linn Wölber.

Neue Studie: Hilft eine zusätzliche Chemotherapie weiter?

Ein weiteres Ergebnis der nun publizierten AGO-CaRE-1-Studie ist, dass Frauen mit Lymphknotenmetastasen insgesamt eine deutlich schlechtere Prognose aufweisen (Gesamtüberlebensrate nach drei Jahren: 56,2 Prozent verglichen mit 90,2 Prozent bei Frauen mit tumorfreien Lymphknoten). Die Hamburger Gynäkologen wollen daher nun im Rahmen der Studiengruppe der AGO und in Kooperation mit der Deutschen Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO) mit einer prospektiven Studie untersuchen, wie sich die Therapie weiter verbessern lässt. „Wir wollen die Standardtherapie – OP plus Bestrahlung – vergleichen mit einer zusätzlichen Chemotherapie“, erläutert Mahner. Denn bei vielen anderen Plattenepithelkarzinomen, zu denen das Vulvakarzinom auch gehört, sei es erwiesenermaßen besser, wenn die Bestrahlung um eine Chemotherapie ergänzt wird. „Beim Vulvakarzinom gibt es solche Studien aber noch nicht.“

Originalpublikation:


Adjuvant Therapy in Lymph Node–Positive Vulvar Cancer: The AGO-CaRE-1 Study
Sven Mahner et al.; JNCI, doi: 10.1093/jnci/dju426; 2015

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Gynäkologie, Medizin, Onkologie

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