Demenz: Aktiver durch MAKSismus

1. Februar 2012
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Demenz schreitet früher oder später fort. Zeitgewinn verspricht das nichtmedikamentöse Aktivierungsprogramm MAKS, das nach einem Jahr besser abschneidet als Medikamente.

Demenz ist eine Volkskrankheit. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung schätzt im Demenz-Report vom Februar 2011, dass hierzulande bereits 1,3 Mio. Menschen betroffen sind. Experten rechnen bis zum Jahr 2050 mit einer annähernden Verdopplung der Erkrankungszahlen. Denn Europa schrumpft und altert, es fehlt an allem: Wer soll nötige Leistungen zahlen, wer soll die Demenzkranken versorgen? Die Prognose ist düster, dabei das Angebot an Therapien bei Demenz groß: Medikamente, kognitives Training, Musiktherapie, biografische Ansätze, sensorische Stimulation. Doch die meisten Behandlungen weisen nur einen sehr begrenzten Erfolg auf, insbesondere als Monotherapie.

Im Angesicht der Unheilbarkeit von Demenzen ist jede Behandlung willkommen, die den geistigen Verfall hinauszögert und Betroffene länger im Alltag bestehen lässt. Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen untersuchten nun ein spezielles Behandlungsprogramm bei Demenzpatienten, das sich anderen medikamentösen Behandlungsansätzen als überlegen erweist. „MAKS-aktiv“ ist seit 2008 eines von insgesamt 29 Leuchtturmprojekten ‘Demenz’ des Bundesgesundheitsministeriums.

Mit MAKS mindestens ein Jahr Gewinn

MAKS ist eine gruppentherapeutische multimodale Aktivierungstherapie, die aus motorischer Stimulation (M), Alltagsaktivitäten (A), kognitiver Stimulation (K) und spiritueller Stimulation (S) besteht. Die einzelnen Behandlungsbestandteile sind bekannt, doch die Kombination ist speziell auf Demenzpatienten in Pflegeeinrichtungen ausgerichtet.

Insgesamt 98 Patienten mit primär degenerativer Demenz aus fünf Pflegeinrichtungen in Bayern erhielten in der randomisierten kontrollierten Studie, die in der Fachzeitschrift BMC Medicine veröffentlicht wurde, das MAKS-Programm oder eine gewöhnliche Therapie. Die MAKS-Behandlung bestand in sechsmal wöchentlichen Gruppeninterventionen zu je zwei Stunden. In jeder Gruppe befanden sich zehn Teilnehmer. Patienten mit MAKS-Intervention konnten zusätzlich Medikamente oder andere Behandlungen erhalten, wenn die jeweilige betreuende Einrichtung dies verordnete.

Eingangs und zwölf Monate nach der Behandlung wurden kognitive Veränderungen mit der Alzheimer Disease Assessment Scale (ADAS-kog) gemessen, Fähigkeit des Ausführens von Alltagsaktivitäten mit dem Erlangen Test of Activities of Daily Living (E-ADL-Test). Nach einem Jahr waren die Gehirnleistung und Alltagsfähigkeiten von Patienten der MAKS-Gruppen stabil und unverändert, während Patienten der Kontrollgruppe abgebaut hatten. Besonders Patienten mit milder bis moderater Demenz profitierten von MAKS. Unklar ist, ob und wie lange dieser Effekt nach dem Ende der Therapie anhält.

MAKS ist ohne Nebenwirkungen

Entwickelt wurde die standardisierte Aktivierungstherapie von Psychologen und Soziologen der Psychiatrischen und Psychotherapeutischen Klinik der Universität Erlangen. Neben klassischen Trainingsaufgaben zum Erhalt der Kognition sind Aktivitäten bedeutsam, die an bisherige Lebenserfahrungen der Patienten anknüpfen. Handwerkliches Geschick, Gymnastik und Sitztanz haben ebenso große Bedeutung wie Computertraining und Spiritualität. Neben den kognitiven und Alltagsfähigkeiten zeigten sich offenbar auch Verbesserungen der Stimmung und des Verhaltens.

Medikamente können das Fortschreiten der Demenz um durchschnittlich sechs Monate verzögern. Dabei sind Nebenwirkungen meist dosisabhängig in Kauf zu nehmen. Ob die Kombination aus Medikamenten und MAKS-aktiv einen potenzierten Nutzen hat, sollte Gegenstand weiterer Forschungsarbeiten sein. Auch die Anwendbarkeit und Wirksamkeit von MAKS im ambulanten Bereich ist von großem Interesse.

133 Wertungen (4.29 ø)
Medizin

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14 Kommentare:

Altenpfleger

Hallo,
Ich arbeite hauptsächlich mit mittelschwer bis schwer demenzkranken Menschen in einer Wohngemeinschaft. Meine Erfahrung ist, dass jede Art von sinnvoller Beschäftigung, die schlimmen Symptome, wie (scheinbar) zielloses Umherlaufen, Agitation, depressives Verhalten u.a. deutlich reduziert. Allein das Anstimmen eines Liedes entspannt meist sofort die Atmosphäre.

Ich bin gespannt, wie das MAKS-Programm aussieht und hoffe, dass ich es in meinem Arbeitsalltag einsetzen kann.

#14 |
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Damit haben wir also die Quittung für unseren Frühberentungswahn,den wir in den Siebzigern angestoßen und im Dienste der Faulheit perfektionnierten.
Aktiv bleiben -insbesondere geistig- ist die beste Medizin und vielleicht hilft das Engagement als au pair Großeltern auch, wo doch die eigenen Kinder die Alten nicht mehr einbeziehen, weil sie lieber auf Luxuslinern im Wohlstand schwelgen, als Kinder zu kriegen und Familiensinn zu pflegen.

#13 |
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Es liegt wohl in keines Menschen Absicht, krank zu werden. Am “Bemühen sapiens zu bleiben” (Nr. 15) kann das doch bitte nicht festgemacht werden. Da gibt es immer noch eine Grundkrankheit! Deswegen halte ich eine Überbetonung von Psychotherapien (Nr. 5) zwar für modebewußt aber vom Grundansatz her sekundär.
Zur referierten Studie: Bei aller Freude um für einige Monate erhaltene Lebensqualität bleibt für mich die Frage: War das wirklich das Ergebnis von MAKS? Wurde hier nicht vielleicht einfach “nur” einem Hospitalismus gegengesteuert, der nachweislich den dementiellen Verlauf protegiert? Wozu neue Therapie, tolle Namen, wenn ein menschenwürdiges, zuwendungs- und ressourcenorientiertes Engagement den gleichen Effekt generiert?
Die Probleme sind eine rein “pflegetechnische” Bepunktung von Leistungen, die Führung von Gesundheitseinrichtungen als gewinnorientierte Wirtschaftsunternehmen und damit auch verbunden die sinkende Qualifikation von Mitarbeitern.

#12 |
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FTA für Rinderklinik Walter Beretta
FTA für Rinderklinik Walter Beretta

Demenz, Demenz… der Mensch, als Homo sapiens, kann nicht dement werden solange er sich bemüht “sapiens” zu bleiben.

#11 |
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Montserrat Rama
Montserrat Rama

Hallo! Könnte mir jemand Bescheid geben wo in Spnaien über “Gedächtnislückken” (z.Bsp.: Alzheimer)studiert wird?
Ein freundlicher Gruss (montseperillo@yahoo.es)

#10 |
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Medizinphysiker

Der Umkehrschluss dieses Test ist: Fortsetzung einer Beschäftigung nach der Pensionierung. Nichtstun führt zu Demenz. Eine Beschäftigungstherapie könnte darin bestehen, daß Pensionäre in der Betreuung von Kranken und Kindern mitwirken.

#9 |
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Dr. Reinhold Muraskowsky
Dr. Reinhold Muraskowsky

ridiculous…
Kosmetik
Job Creation…
die beste “Therapie”
beginnt
wenn ich noch gesund bin…
alle Probleme
werden nur potenziert
sobald ich zum Arzt gehe¿

#8 |
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Altenpflegerin

Ich schliesse mich den Ausführungen von Günther Straub an,
Es werden immer mehr Stellen in der Altenpflege abgebaut, da bleibt nicht viel Zeit für die Klienten.

#7 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

es sollte endlich zur Kenntnis genommen werden , daß der derzeitige Mainstream bei dieser zunehmenden Problematik immer noch nicht die exzellenten Ergebnisse der Evolutionsbiologie ,Mitochondrien – u. Gasotransmitterforschung insbes. hinsichtlich des Finetunings von H2S überhaupt beachtet .Bis dahin wird es bleiben wie bei den Krebs/ Tumor-“Erfolgen” .von den “banalen” Therapien wie Amalgam – u. Schwermetallsanierung ,Anwendung BIOidentischer Hormone ,Polyphenolen , Isoprenoiden …will ich gar nicht ausweiten . ( s. a. Spiegel – Artikel über Vitamine – u. ähnliche Volksver…artikel .)

#6 |
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Yvonne Böttcher
Yvonne Böttcher

Demenz ist keine Krankheit! Sondern eine KANN eine Folgeerscheinung einer anderen Krankheit seit!Mir wird zu schnell Alzheimer(Krankheit)und Demenz als over Head in einen Topf geworfen!So lange das geschieht,wird nichts an Therapeutschen Möglichkeiten greifen,da immer noch nicht ernsthaft hinterfragt wird!Ursache behandeln und eine Dementielle Entwicklung kann eingedämmt oder gar gelöst werden!Ich schließe mich unbedingt dem Kommentar des Dr.Dörings an-psychotherapeutische Unterstützung bzw.Psycho Therapie!Denn auch Traumatische u.a.Erlebnisse gleiten oftmals in eine Dementielle Entwicklung,so wie Diabetes usw.es gibt mehr als 150 verschiedene Arten von “Demenzen”.Ein Symptom und keine Krankheit!Vorsicht vor allem zur sportlichen früh Diagnostik!Damit der Patient der Übersetzung nach nicht wirklich der Leidende ist und stigmatisiert seine Lebenskräfte verliert.Auch der Kommentar von Herrn Straub ist nicht zu unterschätzen,denn jene müssen die Scherben aufkehren,die andere zerbrochen haben…

#5 |
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Dirk Dr.Döring
Dirk Dr.Döring

Eine stützende psychotherapeutische Behandlung dürfte besonders durch ihre generell entspannende Wirkung sehr positive Auswrkungen haben

#4 |
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Eine sehr schöne Arbeit,
mit einem verdienten Seitenhieb auf die Medikamentengläubigkeit.
Sie erlaubt im Umkehrschluss Einblicke in die Ursachen des “geistigen” Abbaus.
Herr Straub, wie recht Sie haben.

mfG

#3 |
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schön wäre es, mehr Details zu erfahren über:
“Neben klassischen Trainingsaufgaben zum Erhalt der Kognition sind Aktivitäten bedeutsam, die an bisherige Lebenserfahrungen der Patienten anknüpfen. Handwerkliches Geschick, Gymnastik und Sitztanz haben ebenso große Bedeutung wie Computertraining und Spiritualität”

Und was gibt es Neues zu der Nikotinpflaster-“Verbesserung” von Alzheimer – nur 46 Probanden……….

#2 |
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Altenpfleger

Hallo Frau Dr. Hofmann,
ein liebe- und verszändnisvoller Umgang, Respekt vor dem Betroffenen und vor allem Zeit, waren meine Schlüssel zum Seelenleben dieser Menschen. Was nutzen die ganzen Methoden wie Validation,klientenzentrierte Gepräche.., die auch ich augiebig studieren durfte, wenn den Fachkräften nicht einmal die notwendige Zeit haben eine halbwegs vertretbare Grundpflege durchzuführen.
So lange die Altenpflege sich auf das “Sicher,sauber und satt” konzentrieren muß bleibt kein Platz für Menschlichkeit!
Gruß Günther Straub (guenther.strab@web.de)

#1 |
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