Lungenkrebs: Screening-Blick über den Tellerrand

2. März 2015
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Bestimmte, bei nicht-kleinzelligem Lungenkrebs vorkommende seltene Mutationen haben eine ungünstigere Prognose. Besonderer Wert sollte daher auf der Bestimmung dieser liegen, um geeignete Patienten für eine angepasste Therapie miteinzubeziehen.

Lungenkrebs ist der Spitzenreiter in der Krebsmortalität mit jährlich fast 1,4 Millionen Todesfällen weltweit. Oft sind es Mutationen, die dazu führen, dass sich Krebs entwickelt. Beim nicht-kleinzelligen Lungenkrebs (NSCLC) werden Mutationen nur in etwa 50 Prozent der Fälle nachgewiesen. Mutationen der Epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptoren (EGFR) sind aus therapeutischer Hinsicht die am häufigsten vorkommende genetische Veränderung beim NSCLC. Als Therapiemaßnahme wird versucht, EGFR mit Tyrosinkinaseinhibitoren (TKIs) auszuschalten. Nun gibt es aber seltene EGFR-Mutationsformen mit unbekannter Epidemiologie, Prognose und Ansprechen auf TKIs. Eine Studie der Medizinischen Universität Wien zeigt auf, dass diese Mutationen bei einem Screening berücksichtigt werden sollten, um die Zahl der für eine Anti-EGFR-TKI-Therapie geeigneten Patienten zu erhöhen, zur Verbesserung ihrer Lebensqualität und auch ihrer Prognose.

Seltene EGFR-Mutationen mit ungünstigeren Prognosen

Eine Studie an der Klinischen Abteilung für Thoraxchirurgie der MedUni Wien gemeinsam mit dem Nationalen Lungenzentrum Koranyi in Budapest stellte fest, dass bestimmte – doch vor allem nicht alle – seltene Mutationen des EGFR (diese stehen oft in Verbindung mit Rauchen) eine ungünstigere Prognose haben. In den meisten Fällen weisen hier EGFR-TKIs einen geringeren Behandlungserfolg auf als bei den „klassischen” EGFR-Mutationen. Nicht alle selten vorkommenden EGFR-Mutationen sind gleich, weshalb jede einzelne Mutation getestet und für die Therapieansprechbarkeit untersucht werden müsse.

„Klassische” EGFR-Mutationen wie Deletionen im Exon 19 oder eine Punktmutation im Exon 21 sind prädiktive Marker für das Ansprechen auf eine Therapie mit EGFR-TKIs und werden daher häufig und manchmal ausschließlich beim NSCLC getestet. Allerdings können auch seltenere EGFR-Mutationen vorliegen, wie zum Beispiel G719x- und L861Q-Mutationen. Diese scheinen für das Ansprechen einer TKI-Therapie ebenfalls von Bedeutung zu sein. Die vorliegende Studie wurde mit insgesamt 814 Patienten mit histologisch gesichertem Adenokarzinom – einer histologischen Untergruppe des NSCLC – durchgeführt. Im Rahmen der Untersuchung wurden die epidemiologischen und klinischen Parameter bei den seltenen und klassischen EGFR-Mutationen miteinander verglichen. Es konnten die klinischen und pathologischen Daten von insgesamt 645 (von 814) Patienten und davon Daten zum Krankheitsverlauf bei 419 Patienten gesammelt und ausgewertet werden.

Rauchen begünstigt bestimmte seltene Mutationen

Zwanzig bisher unbeschriebene Mutationen, die durch Aminosäuren-Austausch bedingt sind, wurden gefunden. Den Erwartungen entsprechend waren die klassischen Mutationen mit dem Nichtraucherstatus (p<0.0001) assoziiert, während die seltenen Mutationen einen Zusammenhang mit dem Rauchen (p=0.0062) aufwiesen. Die Patienten mit klassischen Mutationen hatten eine signifikant längere Überlebenschance verglichen mit den Patienten, die seltene Mutationen hatten. Auch hinsichtlich der Therapie-Ansprechbarkeit konnten in der klassischen Mutationsgruppe signifikant bessere Ergebnisse gezeigt werden (71% versus 37%), sie hatten auch ein längeres progressionsfreies Überleben (12 statt 6,2 Monate).

Screening-Methoden anpassen

Die beiden Senior-Autoren dieser Studie, Balázs Döme und Balázs Hegedűs, stellen zusammenfassend fest: „Seltene und klassische EGFR-Mutationen weisen ausgeprägte epidemiologische Besonderheiten auf, die mitunter unterschiedliche Einflüsse auf die Prognose und auf das Ansprechen auf eine EGFR-TKI-Therapie haben. Aus unseren Ergebnissen lässt sich schließen, dass die Bestimmung der einzelnen seltenen Mutationen eine wichtige klinische Bedeutung hat. Die molekularen Screening-Methoden sollten daher über die Bestimmung der klassischen EGFR-Mutationen hinausreichen, um geeignete Patienten für eine mögliche Anti-EGFR-Therapie mit einbeziehen zu können”.

Originalpublikation:

Distinct epidemiology and clinical consequence of classic versus rare EGFR mutations in lung adenocarcinoma.
Zoltán Lohinai et al.; Journal of Thoracic Oncology, doi: 10.1097/JTO.0000000000000492; 2015

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