Lungenkrebs: Gen unterdrückt Abwanderung

27. Februar 2015
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Bei dem Gen ZNF677 handelt es sich sehr wahrscheinlich um einen Tumor-Suppressor, der das Wachstum und die Abwanderung von Tumorzellen unterdrückt. Die DNA-Methylierung reguliert das Gen: Im Tumorgewebe ist es stillgelegt, außerhalb davon jedoch nicht.

Sabine Zöchbauer-Müller von der Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUni Wien und Mitglied des Comprehensive Cancer Center (CCC) und ihr Mitarbeiter Gerwin Heller setzten sich mit ihrem Team in ihrer aktuellen Studie mit der Rolle des Gens ZNF677 auseinander. Dazu wurde Tumorgewebe der Lunge von 101 Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom mit Proben aus dem gesunden Lungengewebe der selben Patienten verglichen. Das nicht-kleinzellige Lungenkarzinom (NSCLC – Non Small Cell Lung Cancer) ist eine Unterart von Lungenkrebs, und umfasst rund 80 Prozent aller Lungenkrebsfälle, das sind etwa 3.500 Neuerkrankungen pro Jahr in Österreich.

DNA-Methylierung legt Gen still

Dabei wurde deutlich, dass das Gen im Tumorgewebe stillgelegt war, im gesunden Gewebe jedoch nicht. Die Ursache dafür ist die DNA-Methylierung. Zöchbauer-Müller: „Das Gen wird durch die DNA-Methylierung reguliert. Die Methylierung ist ein wichtiger biochemischer Mechanismus in unserem Organismus, der regelt, welche Gene wann aktiv sind. Sind Gene methyliert, sind sie quasi ausgeschaltet.“

Um die Bedeutung von ZNF677 weiter zu untersuchen erzeugten die Forscher Zellen, bei denen ZNF677 übermäßig produziert wurde. Dabei zeigte sich, dass Zellen mit überaktivem Gen deutlich langsamer wuchsen als Vergleichszellen. „Unsere Ergebnisse legen den Schluss nahe, dass es sich bei ZNF677 um ein potenzielles Tumor-Suppressor-Gen handelt, also um ein Gen, das das Tumorwachstum und die Abwanderung der Zellen unterdrückt. Mit unserer Studie präsentieren wir weltweit die ersten Daten zur Bedeutung dieses Gens bei Lungenkrebs. Unser nächster Schritt wird sein, diese Daten in-vivo zu überprüfen“, erklärt die Studienleiterin.

Originalpublikation:

DNA methylation transcriptionally regulates the putative tumor cell growth suppressor ZNF677 in non-small cell lung cancers
Gerwin Heller et al.; Oncotarget; 2014

11 Wertungen (4.82 ø)

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1 Kommentar:

Sehr interessante Studie, die frühere Erkentnisse bestätigt, dass Methylierung in der Mehrzahl der bislang untersuchten Fälle inhibierend auf die Genaktivität wirkt. Interessant wäre es, nun die ZNF677-Methylierungsmuster bei Hochrisikopersonen wie Rauchern zu untersuchen. Ob da das Gen bereits im gesunden Gewebe weniger methyliert ist, also Inktivierugstendenzen offenbart?
Jedenfalls besteht am starken epigenetischen Einfluss auf die Karzinogenese wohl kein Zweifel mehr. Rauchen (allg. Zellgifte), Fehlernährung, vielleicht auch (Mal)Stress sind da nach gegenwärtiger Evidenz besondere Risikofaktoren.
(Keine Kritik, aber das Titelbild ist für den traurigen Themenhintergrund fast zu schön.)

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