Diese Woche: IGeL am Spieß

6. Februar 2012
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Sinnvolle Ergänzung in einem maroden Gesundheitssystem oder pure Geldmacherei? Kassen, Kollegen und Kunden streiten über den Mehrwert individueller Gesundheitsleistungen (IGeL). Die Macher des Portals „IGeL-Monitor“ gießen jetzt weiter Öl ins Feuer: Bewerten sie Zusatzangebote wirklich objektiv?

Diese Woche besonders günstig: Manager-Check, Stoßwellen-Therapie oder Zahnreinigung – was darf es sein? Medien berichten von basarähnlichen Zuständen, sobald es um Diagnostik oder Therapie für Selbstzahler geht. Mehr als 1,5 Milliarden Euro pro Jahr landen auf diesem Weg in Praxiskassen, für schätzungsweise 360 verschiedene Dienstleistungen. Statistisch gesehen bekam jeder vierte Versicherte entsprechende Angebote – dreimal mehr als noch vor zehn Jahren. Auch wurden IGeL mit zunehmendem Haushaltseinkommen und steigender Schulbildung weitaus häufiger offeriert, ergab eine Studie. Obwohl eigentlich naheliegend, fanden die Autoren jedoch keine Korrelation zum Alter oder zur generellen Morbidität. Ein Urteil ist schnell gefällt: Reine Beutelschneiderei – die „IGeL-Plage“ muss endlich gestoppt werden. Oder bringen manche kostenpflichtigen Zusatzleistungen vielleicht doch etwas?

Sparen, sparen, sparen

Dass Krankenkassen manche Therapien nicht mehr übernehmen, lässt generell keine Rückschlüsse auf deren Nutzen zu. Bestes Beispiel sind OTCs, Arzneimittel, die aus gesundheitsökonomischen Gründen nicht mehr zu Lasten der GKV verordnet werden dürfen, von Ausnahmefällen einmal abgesehen. Trotzdem gelten viele dieser Pharmaka als höchst wirksam und teils sogar als gefährlich, etwa Paracetamol. Auch wurde die Kostenübernahme bei Glucoseteststreifen trotz des erwiesenen Nutzens für Typ II-Diabetiker stark eingeschränkt. Ganz klar – Leistungsträger können heute für gesetzlich Versicherte keine Rundum-Sorglos-Pakete schnüren. Vielmehr entscheidet der Gemeinsame Bundesausschuss nach wissenschaftlichen sowie finanziellen Kriterien, welche Angebote in den Katalog gehören – und welche eben nicht. Vertreter der Bundesärztekammer (BÄK) wiesen auf genau dieses Problematik hin: Angesichts immer rigoroserer Sparmaßnahmen wurden etliche Positionen aus der Erstattung genommen, teilweise trotz ihres Nutzens. „Die Leistungen müssen ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sein; sie dürfen das Maß des Notwendigen nicht überschreiten“, heißt es dazu im V. Sozialgesetzbuch. Sind Behandlungsverfahren nicht erforderlich oder eben unwirtschaftlich, wie man das auch immer definieren mag, ist eben schnell Schluss. Bleibt nur die Selbstzahlung, doch sind Patienten angesichts der zunehmenden IGeL-Vielfalt immer häufiger verunsichert.

IGeL unter Evidenzkriterien

Darauf hat jetzt der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) reagiert und einen „IGeL-Monitor“ ins Netz gestellt. Ärzte bewerten hier Zusatzangebote nach Kriterien der evidenzbasierten Medizin: Liegen systematische Übersichtsarbeiten beziehungsweise Studien hoher Qualität vor? Das Ergebnis verpacken sie in eine Bewertungsskala von „positiv“ über „tendenziell positiv“ und „unklar“ bis hin zu „tendenziell negativ“ beziehungsweise „negativ“. Auch werden durchschnittliche Kosten entsprechender Heilbehandlungen genannt.

Ihr Fazit: Von 24 Angeboten, die bisher unter die Lupe genommen wurden, bekamen vier das Prädikat „negativ“, sieben „tendenziell negativ“, und bei sieben weiteren schien die Sachlage unklar zu sein. Unter ferner Liefen rangierten einige Labor-IGeL: Thrombose-Checks mit der Protein-C-Aktivität („tendenziell negativ“), PSA-Tests zur Früherkennung von Prostatakrebs („tendenziell negativ“), HBA1c-Bestimmung zur Diabetes-Vorsorge („unklar“), Screenings von Immunglobulin G gegen Nahrungsmittel („negativ“) oder Toxoplasmose-Suchtests („negativ“). Messungen des Augeninnendrucks schnitten ebenfalls schlecht ab.

Ein Dorn im Fleisch der Fachärzte

Das hat Kollegen des Bundesverbands der Augenärzte auf den Plan gerufen. Bei der Glaukomfrüherkennung seien eigentlich nur isolierte Tonometrien negativ evaluiert worden, nicht aber die Kombination aus Tonometrie und die Beurteilung des Augenhintergrundes, speziell den Bereich, in dem der Sehnerv in das Auge eintritt. Auch erstaunt, dass die Kunsttherapie bei Krebspatienten und deren Angehörigen ein mageres „unklar“ bekam. Einrichtungen zur medizinischen Rehabilitation beziehungsweise Anschlussheilbehandlung haben schon seit Jahren entsprechende Angebote – wie jetzt auf das Votum des Expertenkreises zu reagieren ist, wird sich zeigen. Bei der sonographischen Früherkennung des Eierstockkrebses geht der „IGeL-Monitor“ noch einen Schritt weiter: Die Autoren finden vermeintliche Belege für Schäden durch falsch-positive Befunde, gefolgt von unnötigen Therapien. Gynäkologen halten dagegen, Tastuntersuchungen, immerhin eine Kassenleistung, würden eben nicht ausreichen, gelten Ovarialkarzinome mit bis zu 7000 Neuerkrankungen pro Jahr als bösartigste Erkrankung von Frauen. Und zwar mit schlechten Chancen: Nur 30 bis 40 Prozent überleben die ersten fünf Jahre, vor allem wegen zu später Diagnosen. Aufgrund des schnellen Wachstums sind jährliche oder halbjährliche Tastuntersuchung einfach zu wenig, da hilft nur ein Griff in die eigene Tasche. Ohne IGeL geht es also nicht, einige Punkte sind dennoch zu achten.

Seriös mit System

Bereits 2006 hat die Bundesärztekammer Eckpunkte für kostenpflichtige Zusatzleistungen verabschiedet. In dem Papier heißt es, nur seriöse Offerten könnten das unverzichtbare Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Ärzten erhalten. Standespolitiker legten deshalb einen Kriterienkatalog fest, der auch heute noch aktuell ist. Im Mittelpunkt stehen Information und Aufklärung, unter medizinischen sowie ökonomischen Aspekten. Auch muss eine korrekte und transparente Indikationsstellung vorliegen – im Idealfall ergänzt die Zusatzbehandlung dabei gesetzliche Leistungen. Um Patienten nicht zu übervorteilen, rät die Bundesärztekammer zu schriftlichen Behandlungsverträgen mit angemessener Bedenkzeit. Jetzt fordern Vertreter der Kassen sogar eine 24-stündige Sperrfrist, in der Versicherte alle Punkte in Ruhe überdenken können. Überrumpeln ist hingegen tabu, laut zweier Umfragen aber durchaus nicht unüblich. Wichtig für das Praxisteam: Falls Patienten nur in die Sprechstunde kommen, um IGeL durchführen zu lassen, müssen sie keine Praxisgebühr berappen. Und beim Honorar rät die BÄK, als Grundlage die Gebührenordnung für Ärzte heranzuziehen, wobei bis zum 3,5-fachen Satz abgerechnet werden darf. Für Patienten existieren mittlerweile diverse Checklisten, um entsprechende Punkte abzufragen – und eben der „IGeL-Monitor“. Ob dieses Portal aber neutral bewertet, bezweifeln manche Kollegen.

Wirklich frei von Interessen?

Zwar bietet der MDS keine Leistungen für Selbstzahler an. Frei von Interessen ist er deshalb noch lange nicht: Über den GKV-Spitzenverband finanziert, agiert er in unmittelbarer Nähe von Krankenkassen. Und deren Interesse ist klar: Schließlich wollen die „Gesetzlichen“ ihren Kunden beweisen, dass sie alle sinnvollen und medizinisch notwendigen Leistungen im Katalog haben. Damit bleibt nur eine Konsequenz: Zusätzliche Angebote müssen einfach schlecht sein.

78 Wertungen (4.17 ø)

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15 Kommentare:

#14 Freya Matthiessen, noch einmal,
was soll der Spott?

Man kann es MIT RECHT auch genau umgekehrt sehen.

Ärzte behandeln nur noch das, was über externe Bevormundung, insbesondere ökonomischer (und juristischer) Art vorgeschrieben wird!
Ich könnte dafür reichlich aus dem Nähkästchen plaudern.
Tu ich aber nicht.
Ein interessanter Hinweis ist z.B. das hier kürzlich wiedergegebene Verhältnis des Patienten zur pharmakologischen Behandlung, die ganz überwiegend Kassenleistung ist
und die NICHT
mt dem Gesundheitszustand korreliert.
Sie erinnern sich vielleicht,
lieber ein “Antirheumatikum” (zahlt Kasse)
als Vit.D (zahlt Kasse nicht)

Gerade finanziell besser Gestellte “konsumieren”
WENIGER Arzneimittel, wie wir lesen konnten
und sind eher gesünder
zweifellos mit Maßnahmen, die nichts mit Kassenleistungen zu tun haben.
Ärztekritik hat es immer gegeben,
therapeutische Entscheidungen kann Ihnen aber letztlich keiner abnehmen.
Ich wiederhole, selbstverständlich ist Ergebniskontrolle legitim, ….
wenn die nicht auch schon wieder zu teuer ist :-)

mfG

#15 |
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#17 Ihr Einwand “nur zur Therapie”, gerade bei der Häufigkeit und natürlich der Dunkelziffer bei Diabetes ist nicht beruhigend,
dann könnte man analog auch das Röntgen verbieten, bevor eine Fraktur nicht schon nachgewiesen ist.
Kassen und Ärzte sollten etwas freundlicher miteinander umgehen.

mfG

#14 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Morgens brachte ich meine Augen kaum auf und ich hatte bei Lidbewegungen ein kratziges Gefühl. Also doch mal zum Augenarzt. Der soll sich das mal ansehen. An der Empfangstheke drückt mir die AH einen Zettel mit Infos zum Glaukom in die Hand:”Bitte lesen Sie das.” Ich gebe es Ihr zurück mit der Bemerkung:”Ich kenne das und brauche es nicht lesen”.”Dann müssen SIe da unten unterschreiben”. Ich entscheide selbst was ich unterschreibe, wir leben in einem Rechtsstaat, da muss ich erst mal gar nichts unterschreiben.”

Beim betreten des Behandlungszimmers konnte ich einen Blick auf den Monitor werfen. In einem großen roten Rechteck stand: Patient hat nicht unterschrieben!
Ich schilderte dem jungen Arzt mein Anliegen, er tippte was in den Computer, murmelte etwas von trockenem Auge, der Drucker begann zu rattern, er drückte mir ein Selbstzahlerrezept in die Hand, sagte :”Da habe ich Ihnen was aufgeschrieben, wenn es nichts nützt fragen Sie Ihren Apotheker,es gibt etwa 40 bis 50 weitere Medikamente dieser Art, probieren Sie was zu Ihnen passt.
Damit war ich entlassen. Ins Auge hat mir der Augenarzt nicht geschaut, nicht mal beim Gespräch, was ja unter normalen Menschen vorkommen soll.
Ich ging zu meiner Kasse und schilderte den Vorgang um zu erreichen, dass diese Schlechtleistung nicht auch noch bezahlt wird. Leider haben die Kassen da keine Handhabe, weil alles über die KV läuft. Also streiten sich Ärzte und Kassen und die völlig unnötige Behörde KV verhindert den Weizen von der Spreu zu trennen.

#13 |
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Augenoptiker / Optometrist

Nur zur Glaucomvorsorge:
Diese halte ich für alle Menschen ab 40 für unumgänglich. Da die GKV diese Vorsorge nicht finanziert, ist es eine IGEL. Die paar Euro für die Gewissheit, dass ich nicht in ein paar Jahren erblinde, halte ich für angemessen. Allerdings nicht, wenn nur der reine Augendruck gemessen wird, ohne Begutachtung von HH-Dicke und Sehnervkopf.

#12 |
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Dass der iGeL-Monitor nicht objektiv ist und dass viele iGe-Leistungen einen zweifelhaften Nutzen haben, meinetwegen.
Aber wo ist der GKV-Monitor, der einmal die Kassenleistungen unter die Lupe nimmt? Wie wär’s bspw. mit Rücken-Ops bei Bandscheibenproblemen? Während dem Operateur die (eigene!) Indikationsstellung zum Arbeiten ausreicht (trotz laut Studienlage zweifelhaften Nutzens) muss die Physiotherapeutin eine Verordnung für die (nach Studienlage wirksamste!) Therapie bekommen.
Gönnt sich der Patient, weil der Arzt vor lauter Budgetrestriktion keine Verordnung mehr ausstellt, bei ihr dann den iGeL, muss sie dafür auch noch MwSt verlangen!
Und wo ist der Monitor für Heilpraktiker und Schamanen? Bachblüten- und Kristalltherapie? Und sonstigen Unfug?
Hoffentlich kommen wir bald dahin, dass für alle Therapien, die per Umlage (GKV oder PKV) bezahlt werden, Studien vorliegen, die den lebensverlängernden oder beschwerdenlindernden Nutzen belegen müssen.
Genau solche Portale brauchen wir, nur bitte ohne Beeinflussung durch KK-Manager und Politiker, die glauben, alleine zu wissen, was gut für die Leute ist? Die Patienten könne ja auch Autos kaufen und teure Häuser bauen, nur bei der Gesundheit werden sie entmündigt.
Selbstzahlen mit Kostenerstattung ist das einzig Wahre. Was nichts kostet wird auch nicht wertgeschätzt.
MfkG,
RS

#11 |
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Christiane  Lücker
Christiane Lücker

Ich möchte auf ein paar Tatsachen hinweisen:

1) der MDK muß auf Grund eines Gesetzes von allen gesetzl. Krankenkassen gemeinsam finanziert werden.- Er ist damit aber kein Handlanger oder med. Vollstrecker der KK- Interessen, sondern er ist ein unabhängiger Dienst mit medizinischem Sachverstand- der nach bestem medizin. Wissen, Gewissen und wirtschaftlich unabhängig beurteilt. Kein Mitarbeiter des MDK, MDS ist wirtschaftl. bevor- oder banachteiligt durch die Resultate seiner Artbeit.- Die Begutachtungsergebnisse sind oft nicht die , die KK gerne hätte. Aber so ist das eben, wenn man unabhängig beurteilt.

2) das viele falsch positive Ergebnisse auch viel Leid verursachen ist nicht neu- s. Brustkrebsfrüherkennung.

3) Wenn Studien keinen Vorteil belegen, oder der Effekt dem eines Placebos entspricht, dann spricht das eben nicht für das geprüfte Verfahren/ Medikament etc..
Das Einzelne mit einzelnen Dingen gut klarkommen, hat keinen wegweisenden Charakter.
Es gibt auch 90- jährige, schwere Raucher. Das ist aber kein Beweis dafür, das man mit Rauchen alt wird.

4) Inzwischen wird – gerade bei Gynäkologen, Augenärzten und Orthopäden- soviel ge- IGeLT, das man bald den Überblick verliert- selbst als ärztl. Patient.Ich möchte weiterhin zum Arzt gehen können, und nach bestem med. Wissen und Gewissen behandelt werden, und nicht mit einer Latte von Igel- Leistungen bombardiert werden, die auch ich teilweise zu Hause ersteinmal googlen und recherchieren muß, bevor ich für mich sagen kann, das es einen Vorteil bringen könnte.
Wie soll hier in normaler Nicht- Mediziner noch klarkommen? Nicht alle Menschen hören sich an, was der Artzt sagt , schreiben mit, damit sich auch nichts vergessen, holen sich dann eine Zweitmeinung und googlen die mitgeteilten Diagnosen und Therapien, damit sie dann eine informierte Entscheidung treffen können. Man will sich immer noch vertrauensvoll in die Hände des Arztes begeben und behandelt werden- nicht wirtschaftl.ausgenutzt.
Wurst und Medizin sind immer noch zwei verschiedene Dinge !!

#10 |
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Anke Hagen-Meyer
Anke Hagen-Meyer

@2. Ich glaube nicht, dass die gesetzlichen Krankenkassen nicht ordnungsgemäß bezahlen, sondern schon abwägen. Manche Igel-Leistungen können im Bedarfsfall ja auch in eine gesetliche Leistung umgewandelt werden, wenn eine med. Begründung vorliegt. Bestes Beispiel, der Ultraschall bei der Krebsvorsorge. Jedoch wird von ärztlicher Seite auch nicht immer darauf hin gewiesen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt

#9 |
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Dr. med. Edith Schneider
Dr. med. Edith Schneider

über Biofeedback bei Migräne schreibt der Igel-Monitor, sie sei nutzlos und auf keiner Leitlinie zu finden. Das ist schlicht falsch, denn die Deutsche Gesellschaft für Neurologie stuft Biofeedback bei Migräne als wirksam ein.
Demnach sind die Kollegen beim Igel.Monitor nicht in der Lage sauber zu recherchieren und verbreiten Behauptungen,die nicht stimmen.
In der Zwischenzeit gibt es eine Studie der BKK Advita zusammen mit der Deutschen Gesellschaft für Biofeedback bei der die Effektivität von Biofeedback bei Migräne untersucht werden soll (Bericht im Focus). Dass Vasokonstriktionstraining vielen Menschen mit Migräne hilft und ihnen eine Methode an die Hand gibt mit der sie Medikamente sparen und Krankheitstage vermeiden können, sollte eigentlich im Sinne der Krankenkassen sein. Aber in der Medizin war es schon immer nicht einfach neue Methoden einzuführen – man denke z.B. an Herrn Semmelweiß.

#8 |
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Dirk Reske
Dirk Reske

Wo ist das Problem? Schon früher wurde beim Fleischer gefragt: darf es noch etwas mehr sein? Und dann konnte jeder ja oder auch nein sagen. Zwischenzeitlich spielen sich die GKVen auf als wären sie alleinige Inquisitatoren. Es handelt sich hierbei doch nur um gezielte Wechsel der eigentlichen Spielwiese da im eigenen Nest keineswegs gereinigt wird. Sind die unnützen bürokratischen Kosten mal unter die Lupe genommen worden? Und was ist passiert? Der unmündige Patient und Versicherte ist der Kassen liebstes Kind. Schnauze halten, bezahlen, keine Forderungen stellen und wenn Forderungen berechtigt sind dann hoffentlich nach der ersten Kostenabsage einknicken und selber zahlen. Wenn aber der Unternehmer Arzt zusätzliche Leistungen anbietet erst einmal so tun als ob das alles nichts Wert sei.Wenn der Ausverkauf der Kassenpatienten so weitergeht werden sich einige wundern, wenn erst einmal die Monopolgesellschaften entstanden sind, wie teuer plötlich ihre ” einfache ” Behandlung geworden ist.

#7 |
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Marina  Morsdorf
Marina Morsdorf

Igel-Leistungen für viele Arzthelferin ein ROTES-TUCH!
Verkaufen wie im Dicounter!!!

#6 |
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Ich stimme Kollege Dannemann und Schätzer zu!
Zudem belastet die IGEL-Leistung keinen Fremden (Solidargemeinschaft) mit.

Ein Igel-Monitor der GKV ist eher eine Provokation.
Was sind “OTCs, Arzneimittel, die aus gesundheitsökonomischen Gründen nicht mehr zu Lasten der GKV verordnet werden dürfen”
anders als NOTWENDIGE Igel-Leistungen?
Gerade im Einzelfall zeigt sich doch,
dass oft an falscher Stelle “gespart” wird (siehe Schätzer).

Als Antwort könnte man mit viel mehr Berechtigung einen Monitot für “überflüssige” GKV-Leistungen aufstellen, denn hier zahlt die “Solidargemeinschaft” mit!
Auch solche gibt es ohne Zweifel. Gerade Nichtmediziner (und Politiker) haben eine Schwäche für unwirksame Alternativmedizin :-)

Ich frage mich, warum diese Konfrontation?
Haben denn nicht beide Seiten den gleichen Anspruch,
die Gesundheit ihrer Klienten zu fördern?

Also wenn von der GKV und der PKV, na klar auch da
gespart werden soll,
dann wird es sinnvollerweise auch Igl-Leistungen geben müssen.

#5 |
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Eingefleischte Vegetarier?

Im IGeL-Monitor heißt es: “…IGeL..(sind)…medizinische Maßnahmen…, die nicht zeigen…, dass sie ausreichend, zweckmäßig und wirtschaftlich sind und das Maß des Notwendigen nicht überschreiten”. Aber indem der Gemeinsame Bundesausschuss G-BA restriktiv über Art und Umfang der aktuellen GKV-Leistungspflicht mit Wirtschaftlichkeitsgebot nach § 12 SGB V entscheidet (“Leistungen, die nicht notwendig oder unwirtschaftlich sind, können Versicherte nicht beanspruchen, dürfen die Leistungserbringer nicht bewirken und die Krankenkassen nicht bewilligen”), liegt der entscheidende Sprengstoff. A l l e Leistungen j e n s e i t s des Wirtschaftlichkeitsgebotes mit Wunsch-, Zusatz- und Luxusleistungen können gerade k e i n e GKV-Leistungsinhalte sein. Dazu gehört z. B., dass der G-BA entgegen positiver Datenlage die Verordnungsfähigkeit von Blutglucose-Teststreifen bei Typ-2-Diabetikern massiv zu Lasten von Patienten und Ärzten eingeschränkt hatte.

Wenn aber der GKV-Kassenverband Lichttherapie bei saisonaler Depression und Akupunktur zur Migräneprophylaxe in seinem IGeL-Monitor als “tendenziell positiv” einschätzt, müssten diese beiden Therapien nicht längst Kassenleistungen sein?

Besonders perfide ist die kassenseitige Einschätzung zur sonografischen Ovarialkarzinomprophylaxe. Wohlwissend, dass diese “fünfthäufigste Krebstodesursache bei Frauen” durch “ein jährliches Abtasten ab dem 20. Lebensjahr” als GKV-Pflichtleistung überhaupt nicht rechtzeitig detektiert werden kann, wird auch noch der Unsinn verbreitet “mit Ultraschalluntersuchung sterben gleich viele Frauen an Eierstockkrebs wie ohne Untersuchung”. Als ob irgendeine Diagnostik und n i c h t die bisher hilflosen bis vergeblichen Therapiemöglichkeiten die extrem hohe Ovarialkarzinommortalität wesentlicher beeinflussen würden? Doch damit nicht genug, den Patientinnen wird auch noch Angst gemacht! “Frauen (werden) durch Fehlalarme häufig unnötig beunruhigt und sogar eigentlich gesunde Eierstöcke entfernt” ist, mit Verlaub pure Demagogie angesichts einer in der Regel tödlich verlaufenden Tumorerkrankung.

Stichwort “Kunsttherapie” bei Krebs und psychischen Erkrankungen: Wie können denn derartige IGeL-Leistungen im GKV-Monitor als “unklar” bewertet werden, wenn andererseits Kunst- und übrigens auch die Musiktherapie in fast jedem Fachkrankenhaus, in REHA- und AHB-Kliniken integraler Bestandteil interdisziplinärer Behandlungskonzepte bei diesen Morbiditäten sind?

Stichwort HbA1c-Bestimmung als Prädiktor für die Manifestation eines Diabetes mellitus: “Zur Diabetes-Vorsorge wird im ‘Check-up’, den die gesetzlichen Krankenkassen ab dem 36. Lebensjahr bezahlen, der Zuckergehalt direkt im Blut und im Urin bestimmt” sagt der IGeL-Monitor. Jedem, der medizinisch auch nur halbwegs bei Verstand ist, muss klar sein, dass es sich bei der GKV-Leistung nur um eine Stoffwechsel-Momentaufnahme handelt; dass Glucose im Urin erst ab einer Harnschwelle von ca. 180 mg% Blutglucose nachweisbar ist; und dass der HbA1c die Berechnung des durchschnittlichen Glucosespiegels der letzten 60 Tage ermöglicht. Nicht zuletzt deshalb haben US-amerikanische und auch europäische Fachgesellschaften ein generelles HbA1c-Screening empfohlen.

Die Liste der Fehleinschätzungen im IGeL-Monitor des Spitzenverbandes der GKV-Kassen ließe sich noch fortsetzen. Mein persönliches Resümee ist, dass hier eingefleischte Vegetarier die Zubereitung von Fleischgerichten beschrieben haben.

Mf+kG, Dr. med. Thomas G. Schätzler, FAfAM Dortmund

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Nichtmedizinische Berufe

Guten Tag, das es einzelne Igel-Angebote gibt, deren Nutzen fraglich ist, dass ist ja nicht neu und auch nicht umstritten.

Kürzlich war ich mit einem Fremdkoerper im Auge bei einer Augenärztin. Sie machte natürlich auch die da üblichen Igelangebote. Dieses nahm ich an, obwohl mir klar war, das Teile davon einfach unnötig sind. Warum? Weil ich weiß, dass sie EUR 10 für die Entfernung des Fremdkoerpes von der Kasse bekommt. Und das extrem wenig ist. Versuchen Sie mal einen Klempner zu finden, der für den Betrag etwas macht…

Im Prinzip sollte das Igeln nicht zu einem Missbrauch führen und nur sinnvolles angeboten werden. Da ein Arzt auch nur Unternehmer ist, muss er Umsatz generieren. Dieser kommt nunmal nicht von selbst und nicht alle Aerzte sind Heilige. Insofern ist eine Patientenaufklaerung unabdingbar. Daher ein herzliches Willkommen dem “Igel-Monitor”.

#3 |
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Würden die Krankenkassen sinnvolle ärztliche
Leistungen ordnungsgemäß bezahlen, gäbe es keine
IGEL-Leistungen mehr.
D.h.die Ursache für die IGEL-Misere liegt
eindeutig bei den Krankenkassen.

#2 |
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Medizinjournalist

Als Ergänzung möchte ich folgenden Beitrag empfehlen. Ich habe den Redakteur und Mitinitiator des IGeL-Monitors interviewt:
http://www.medien-doktor.de/sprechstunde/recherchetipp-igel-im-visier/

Ob das so einfach ist mit der Abhängigkeit (“Zusätzliche Angebote müssen einfach schlecht sein.) muss sich erst noch erweisen …

#1 |
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