Sonnenbrand: Schmerz nicht eindimensional

29. April 2013
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Schmerz ist nicht eindimensional, sondern eine Kombination aus Entzündungsreaktionen sowie Prozessen im Zentralnervensystem und in Gedächtniszellen. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Studie von Schmerzforschern.

Entdeckt wurde das mit Hilfe des so genannten “Sonnenbrandmodells”. Dabei wurde nachgewiesen, dass nicht nur der Sonnenbrand selbst Schmerzen verursacht, sondern dass diskrete Reizungen des peripheren Hautgewebes ebenfalls Schmerzen auslösen. Mit Hilfe eines “künstlichen Sonnenbrands” durch UVB-Strahlung wurde ein kleines Hautareal schmerzempfindlich gemacht. Nach 24 Stunden war die Schmerzintensität am (leichten) Sonnenbrand am höchsten, aber zum Beispiel durch sanfte Nadelstiche oder leichte Erwärmung zeigte sich das periphere Gewebe gereizt und schmerzempfindlich.

Gleiches Phänomen: Entfernung eines Pflasters

“Das ist der Nachweis“, so Burkhard Gustorff, Studienverantwortlicher und Leiter des Universitätslehrgangs für interdisziplinäre Schmerzmedizin der MedUni Wien, “dass beim Sonnenbrand die Überempfindlichkeit der Haut nicht nur durch die oft schmerzhafte Entzündungsreaktion ausgelöst, sondern auch durch Erregungsprozesse im Zentralnervensystem gesteuert wird.” Das gleiche Phänomen sei etwa beim Entfernen eines Pflasters gegeben, so der MedUni-Forscher. “Wenn man ein Pflaster runterreißt, schmerzt es bekanntlich rund um die verletzte Stelle, weil genau dort Schmerzempfindungen auftreten. Das passiert dadurch, dass der Schmerz ans Rückenmark gemeldet wird und dort eigentlich gesunde Nervenbahnen erregt werden und wiederum Schmerz retour an die gesunde Hautstelle melden.”

Die aktuelle Studie, die nun im Magazin “Pain” veröffentlicht wurde, entstand an der MedUni Wien unter Leitung von Burkhard Gustorff sowie in Kooperation mit der Universität Mannheim-Heidelberg und der Gruppe um Rolf-Detlef Treede.

Originalpublikation:

The pattern and time course of somatosensory changes in the human UVB sunburn model reveal the presence of peripheral and central sensitization

Burkhard Gustorff et al.; Pain, doi: 10.1016/j.pain.2012.12.020; 2013

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Juergen Schwertner
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