Fukushima: 1 Jahr danach

7. Februar 2012
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Wie viele Krebsfälle wird es aufgrund des Unfalls in Fukushima geben? Einige Forscher glauben, dass es wenige bis gar keine sein werden. Trotz aller Kritik haben die Behörden zügig gehandelt – zumindest was den Schutz der Bevölkerung vor Strahlenexposition angeht.

Am 11. März 2011 zerstörten ein Erdbeben und ein darauf folgender Tsunami den Nordosten Japans. Mehr als 15.000 Menschen starben dabei, über 3.000 gelten noch immer als vermisst. Im Kernkraftwerk Fukushima Daiichi führten verschiedene Stör- und Unfälle zur Freisetzung großer Mengen an Radioaktivität und zur Einstufung als „katastrophaler Unfall“ auf der Internationale Bewertungsskala für nukleare Ereignisse.

Dekontamination: ein Unterfangen mit Hindernissen

Es gibt keine genauen Angaben über die momentane Situation im Kernkraftwerk Fukushima. In regelmäßigen Abständen hört man noch immer, dass kleinere Lecks auftreten. Doch insgesamt scheint die Situation so weit unter Kontrolle zu sein, dass keine größeren Mengen an Radioaktivität mehr austreten werden; kleinere Freisetzungen sind noch immer möglich. Diese werden jedoch, nach Aussage von Dr. Peter Jacob, dem Leiter des Instituts für Strahlenschutz am HelmholtzZentrum München, die Kontaminationen der Umgebung nicht wesentlich verändern. Dennoch sind die direkte Umgebung des Kernkraftwerkes, sowie besonders der Nordosten Japans von zum Teil starker Kontamination der Böden betroffen. Hier spielt besonders das Radionuklid Cäsium-137 mit einer Halbwertszeit von etwa 30 Jahren eine Rolle. Aus diesem Grund planen die japanischen Behörden eine Dekontamination.

Gebiete außerhalb der 20km-Evakuierungszone, in denen die prognostizierte Strahlenexposition der Bevölkerung im ersten Jahr nach dem Unfall zwischen einem und 20 Millisievert liegt, sollen schrittweise dekontaminiert, und damit wieder bewohnbar und für die Landwirtschaft nutzbar gemacht werden. Bis August 2013 sollen die Strahlenwerte mindestens halbiert werden. Einen Zeitplan für das Gebiet innerhalb der 20km-Evakuierungszone gibt es bisher nicht. In einigen Gemeinden hat bereits eine Abtragung des Bodens begonnen, doch – wie Dr. Peter Jacob aus mehreren Quellen erfahren hat – gibt es derzeit noch keine geeigneten Orte, um das kontaminierte Erdreich zu lagern. So scheint es in manchen Orten riesige Berge an strahlendem Boden zu geben, die unter Planen und Erdreich abgedeckt aufbewahrt werden. Die Regierung strebt die Einrichtung eines Zwischenlagers für etwa 30 Jahre an, um die mehreren Millionen Kubikmeter Erdreich zu deponieren.

„Das könnte ein großes Tal sein, das mit besonders quellfähigen Tonmineralen abgedichtet wird. Eine weitere Tonschicht oben auf dem Lager könnte verhindern, dass Regen eindringt. Da sich das Cäsium fest an Tonminerale anlagert, dürfte es nicht entweichen. Allerdings müssten wir Wasser, das eventuell aus dieser Deponie heraussickert, überwachen“, wie ein Mitarbeiter einer japanischen Organisation erklärt, der mit seiner Firma Böden dekontaminiert. Doch bis dahin müssen die Gemeinden den strahlenden Boden selbst lagern. Angeblich wird die belastete Erde zum Teil direkt am Ort der Abtragung vergraben. Besonders absurd erscheint es, Schulen und Kindergärten abzuwaschen und in Schulhöfen den Boden abzutragen, um ihn dann im Schulhof zu vergraben. Die Werte sinken zwar auf ein Niveau, wie es auch natürlich vorkommt, doch die Eltern sind selbstverständlich beunruhigt.

Das Ziel einer Dekontamination ist es, langfristig die jährliche Strahlendosis auf weniger als 1 Millisievert (mSv) zu senken. Zum Vergleich: auch 20 Jahre nach dem Unfall in Tschernobyl gab es Gebiete, in denen die jährliche Strahlendosis bei zwei oder drei Millisievert lag. Wie viel ist eigentlich 1 mSv? Was ist beispielsweise eine Strahlendosis, die jeder Bürger in Deutschland pro Jahr aufnimmt? Das Bundesamt für Strahlenschutz gibt den Mittelwert für die gesamte natürliche Strahlenexposition in Deutschland mit 2,1 mSv an. Dieser Wert setzt sich zusammen aus der natürlichen Höhen- und Bodenstrahlung, der Inhalation von Radon und der Ingestion durch Nahrungsmittel. Eine Exposition von 1 mSv und darunter wird als unbedenklich angesehen; der zulässige Grenzwert der effektiven Dosis für berufliche Strahlenexposition beträgt in allen europäischen Ländern 20 mSv pro Kalenderjahr, bzw. 100 mSv in fünf Jahren.

Strahlenexposition der Bevölkerung – ein Vergleich mit Tschernobyl

Eine Kontamination der Bevölkerung durch Nahrungsmittel spielt in Japan eine untergeordnete Rolle – auch dank der strengen Grenzwerte, die die japanische Regierung sehr frühzeitig festgelegt hat. Lebensmittel werden in verschiedenen Phasen kontaminiert: direkt nach der Katastrophe erfolgte die Kontamination über die Oberfläche der Pflanzen. Daher waren Blattgemüse mit großer Oberfläche besonders stark kontaminiert. Pflanzen, die zum Zeitpunkt der Freisetzung der Radionuklide noch keine Früchte trugen, wurden zu diesem Zeitpunkt nur an den Blättern und am Stamm kontaminiert. Doch über die so genannte Translokation wurden die radioaktiven Substanzen aufgenommen und durch inneren Transport in die reifenden Früchte transportiert. In den Folgejahren erfolgt die Kontamination dann durch inkorporierte Radionuklide aus dem Boden. „Der größte Unterschied zwischen Tschernobyl und Fukushima vom Gesichtspunkt der Strahlenexposition der Bevölkerung, ist der Konsum der kontaminierten Milch. Japan hat sofort Grenzwerte gesetzt, während in der ehemaligen UdSSR die Milch weiter getrunken wurde“, erklärt Dr. Jacob. „Aus diesem Grund gibt es dort so viele zusätzliche Fälle von Schilddrüsenkrebs. Das 131Iod wurde mit der Milch inkorporiert.“

Ein Unterschied zu der Situation in Tschernobyl liegt darin, dass in Japan ein großer Teil der radioaktiven Emissionen über dem Pazifik niedergegangen ist, und dass auch kontaminiertes Wasser ins Meer geleitet wurde und möglicherweise noch geleitet wird. Wie viel Aktivität tatsächlich in das Meer gelangt ist, ist nicht bekannt. Offenbar ist aber die Verdünnung so stark, dass es bis auf Ausnahmen keine wesentliche Belastung von Fisch aus der Region gibt.

Mehr Krebs durch das Reaktorunglück in Fukushima?

Der überwiegende Teil der Strahlendosis der Bewohner der kontaminierten Gebiete ist auf die externe Exposition zurückzuführen. Die japanische Regierung hat mit der Evakuierung der Menschen im 10km-, später im 20km-Umkreis um das Kernkraftwerk bereits am 11. März begonnen, also zu einem Zeitpunkt, als die Freisetzung großer Mengen an Radioaktivität noch nicht stattgefunden hatten. Daher haben die Evakuierten sehr wenig Strahlung abbekommen. „Es ist so unendlich viel Kritik an der japanischen Regierung geäußert worden und an der einen oder anderen Stelle kann man das auch unterstützen, aber generell haben sie sehr gut und sehr vorsichtig gehandelt. Abgesehen von der Bevölkerung weniger Orte wird es nur sehr wenige Japaner geben, die mehr ionisierende Strahlung durch die Unfälle in Fukushima abbekommen, als durch eine oder zwei CT-Untersuchungen“, gibt Dr. Jacob zu bedenken. Die mittlere effektive Dosis eines CTs liegt bei 8,1 mSv, die Brustdosis einer Mammografie bei 5 mSv (0,5 mSv effektive Dosis).

Im Oktober 2011 wurde ein Screening-Programm für Kinder aus der Nähe von Fukushima initiiert. Etwa 360.000 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollen bis zu ihrem 20. Lebensjahr alle zwei Jahre untersucht werden, anschließend alle fünf Jahre. Dadurch sollen Veränderungen der Schilddrüse und weitere Erkrankungen entdeckt werden, die auf den Einfluss ionisierender Strahlung zurückgeführt werden können. Der Strahlenforscher Dr. Jacob ist jedoch der Meinung, dass in Japan mit hoher Wahrscheinlichkeit keine messbare Zunahme an Krebsfällen auftreten werde: „das wäre im Widerspruch zu allem, was wir bisher wissen“. Davon geht auch Wolfgang Weiss aus, Vorsitzender einer wissenschaftlichen Kommission, die im Auftrag der UN die Folgen radiaktiver Strahlung untersucht (UNSCEAR). Einzig die Tatsache, dass nun intensiver untersucht wird, könnte nach seiner Einschätzung zu einer Erhöhung der Zahlen führen: Untersuchungen des Instituts für Strahlenschutz zeigen, dass nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl in Weißrussland dreimal mehr spontane Schilddrüsenkarzinome registriert wurden, als vor dem Unglück. Hier muss abgeschätzt werden, wie groß der Effekt ist, der allein durch intensivere Untersuchungen begründet ist. Autopsiestudien haben in der Vergangenheit gezeigt, dass zwischen zwei und 30% der Untersuchten zuvor unentdeckte Mikrokarzinome der Schilddrüse haben, die vermutlich nie Krankheitswert erlangt hätten. Im Fall von Tschernobyl zeigten Dr. Jacob und seine Kollegen im Jahr 2006 in einer Studie, dass etwa 60% der Schilddrüsenkarzinome in Weißrussland unter denjenigen, die zum Zeitpunkt des Unfalls Kinder oder Jugendliche waren, durch die Strahlung verursacht wurden.

Auch wenn kein Anstieg der Krebserkrankungen zu erwarten ist, hat die Katastrophe für betroffene Japaner lebenslange Folgen: ob sie das Trauma der Entwurzelung und den psychosozialen Stress verarbeiten können, ist unklar. Psychosozialer Stress kann auf die Dauer extremere Auswirkungen auf die Gesundheit haben, als eine Strahlenexposition innerhalb niedriger Grenzen.

Der Reaktorunfall in Japan hat für uns in Deutschland keine Gesundheitsgefahr zur Folge gehabt, die Folgen der Explosion in Tschernobyl spüren wir dagegen noch heute: Pilze und Schwarzwild, besonders aus dem Bayrischen Wald, sind noch immer stark belastet. Doch der Verzehr von 200g Pilzen mit 4.000 Bequerel 137Cäsium pro Kilogramm hat beispielsweise eine Exposition von 0,01 mSv zur Folge, ist also vernachlässigbar, wenn die Pilze nicht täglich genossen werden. Mit einem Flug von Frankfurt nach Tokio belastet man sein persönliches Strahlenkonto übrigens mit 0,06 mSv.

129 Wertungen (4.13 ø)
Medizin, Onkologie

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22 Kommentare:

Sehr geehrte Frau Hutterer ,ebenfalls von meiner Seite herzlichen Dank für wissenschaflich überzeugenden und sachlich vorgetragenen Daten über den Super-Gau von Fukushima !
Auch die übrigen KOmmentare jeder Denkweise sind sehr interesant – leider auch manchmal aufschlußreich für das angstbetonte ( limbisches System ! ) Mitläufertum des ” deutschen Michels” , v.a. der ” MIcheline ” !
Wie ich noch einmal betonen darf , ist die Kernenergie nun einmal die sicherste Energieform – auch wenn leider die Vergleiche mit allen anderen – gern in Anspruch genommenen -Energieschäden nicht zur Kenntnis genommen werden .
Bemerkenswert auch , daß die “biolgische Halbwertszeit ” , die Boden und Nahrung betrifft , immer so außer Acht gelassenwird .
Schließlich sind wir Ärzte (- ” Halbwissenschaftler “) gehalten , mit dem Frontalhirn zu denken und der wahrheit zuzustreben – als Christen sowieso ….
Dr. Hoyme

#22 |
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Ein hervorragender Artikel: Noch deutlicher kann man/frau die Ideologisierung der Kernenergie als “harmloser Fortschrittsbringer” nicht veranschaulichen! Schön, daß es immer wieder Leute gibt (auch einige der “Koryphäen” in diesem Forum), die “offizielle” (getürkte und wissenschaftlich fragwürdige) Untersuchungen/Statistiken als sich selbst beweisende Fakten herunterbeten.
Und zu Beitrag 6 (Glaubenskrieg): Es stimmt zwar, daß viele Ursachen, u.a. auch der Autoverkehr, zum Tod von Menschen führen, letztlich ist das Leben an sich auch lebensgefährlich und endet mit dem Tod. Aber wer hier die Konsequenzen der Atomenergieerzeugung und ihrer Risiken so gedankenlos relativiert, sieht die unterschiedlichen Dimensionen (menschlich, gesundheitlich, finanziell) von “konventionellen” und nuklearen Energien nicht – Aufwand der Erzeugung, Beseitigung der Abfälle, Folgen von “Unfällen”. Aber der/die Verfasser von Beitrag 6 hat/haben sicherlich schon einen Plan, wie und wo der strahlende Abfall, der auch ohne Explosionen und Tsunamis anfällt, für die nächsten 10.000 Jahre (eher länger) kontrollierbar ohne zusätzliche lebensfeindliche Folgen gelagert werden kann… Bitte um Mitteilung, wie das gehen soll! JW

#21 |
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zu #14 Herr Dr. med. Horst Pöhlmann,
wieviele Patienten mit “Strahlentumoren behandeln Sie denn?

mfG

#20 |
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horst wolf
horst wolf

absolut überflüssiger artikel
eine meinung ohne jegliche ahnung

#19 |
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Dr. sc. nat. Jürgen Voigt
Dr. sc. nat. Jürgen Voigt

Frau Dr. Hutterer hat versachlicht und ist nicht der “German Angst” verfallen. Vielen Dank.

#18 |
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Dipl. Biol. Thorsten Walter
Dipl. Biol. Thorsten Walter

Tepco: Radiation levels from Fukushima increasing ¿ Now releasing 70,000,000 Bq/hr

http://enenews.com/tepco-admits-radiation-levels-fukushima-increasing-releasing-70000000-bqhr-reactor-3-leaking
Source: Jiji Press
Date: Jan 23, 2012

#17 |
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Sylvia Reisberg
Sylvia Reisberg

http://www.redicecreations.com/radio/2012/01/RIR-120105.php
fiel mir sofort bei diesem verharmlosenden Artikel ein. James Corbett hat auch ständige Aktualisierungen zum Fukushima Desaster in seinem bekannten Report auf corbettreport.com

#16 |
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Sven Adam
Sven Adam

Hr. Rinast schrieb: “Es scheint auch kaum etwas anderes als schwarz und weiß zu geben, und jeder Versuch einer unaufgeregten sachlichen Betrachtung, die ja nicht absolut in jeder Hinsicht und vollständig richtig sein MUSS, scheint von vornherein zum Scheitern verurteilt.”

Dem ist nichts hinzuzufügen.

#15 |
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Dr. med. Horst Pöhlmann
Dr. med. Horst Pöhlmann

Frau Kollegin Reinsperger hat wenigstens einen Teil der Problematik angesprochen. Die Autorin des Artikels – und andere “Autoritaeten” – haben schlagend bewiesen, dass sie von Physik, insbesondere Kernphysik keine Ahnung haben. Von der Umwandlung von Plutonium in Americium und die dann, nach ca 20 Jahren auftretende Gamma Strahlung, hat sie sicherlich noch niemals gehoert. Auch nicht davon, wie es um Tschernobyl herum jetzt aussieht. Die Tochter eine Atomphysikers faehrt jedes Jahr mit dem Motorrad durch die Gegend, ihre Berichte und Fotos sind im Internet zu finden. http://www.kidofspeed.com Dies spricht eine viel deutlichere Sprache als die sog. Fachleute – wenn sie denn welche waeren. Aber was tut man nicht alles fuer Geld. Auch die Plutonium verseuchten Feuerwehrleute (und daran verstorbenen) in New York werden in den Medien nicht erwaehnt. Und schliesslich weiss jeder gut ausgebildete Arzt, dass viele bestrahlte Patienten, die trotz Radiatio ueberleben, nach 10-12 Jahren ihren Strahlentumor haben. Im Vergleich zu Fukushima war Tschernobyl ein harmloser kleiner Unfall. Und wenn sich jemand die Muehe macht kann er herausfinden, dass in Fukushima eine Reaktor explodiert ist, der gar kein radioaktives Material mehr enthielt und auch noch offen war, weil er gerade ueberholt wurde. Er konnte also gar nicht aus den angegebenen Gruenden explodieren. Irgendwer hat hier gewaltig gelogen. Anstatt blind zu glauben, was die Medien vorluegen, sollte man sich lieber unabhaengig informieren. Vielleicht soll mit dem Artikel auch nur der Irrsinn von Schilddruesen Scintigrammen mit Radiojod verharmlost werden. Wenn Herr Prof Scherthan von den veroeffentlichten Studien spricht hat er vielleicht recht. Die wahren Studien hat man wohlweislich nicht veroeffentlicht.

#14 |
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Dr. Regina Reinsperger
Dr. Regina Reinsperger

Ein bemerkenswert, naiver Artikel. Ich empfehle zumindest die offizielle japanische Presse zur Kenntnis zu nehmen: Japan Times und The Manichi Daily News (kostenlose englische Online Ausgabe) oder Asia News, weiterhin die regelmäßigen Lageberichte von Greenpeace International und die Berichte des IPPNW.
Interessant sind z.B. auch die Statisiken des Tokyo Metropolitan Institute of Public Health bezüglich der Infektionskrankheiten 2011 im 10-Jahres-Vergleich.
Im übrigen würde es Zeit, dass die WHO ihren Knebel- Vertrag von 1959 mit der IAEA kündigt und künftig unabhängig ohne Placet durch die IAEA über radioaktiv bedingte Folgeerkrankungen berichtet.

#13 |
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dr. med.dent. Wolfgang Stute
dr. med.dent. Wolfgang Stute

Endlich mal einige deutliche Aussagen :Auch in Fukushima bleibt die Krebsproblematik der Frage nach der Leistungsfähigkeit der Mitochondrien unterstellt .Die evolutionsbiologisch tief konservierten Stoffwechselprozeße haben mit einer derartigen Strahlenbelastung in den Jahrmillionen öfter zu tun gehabt . Bei Krebs finden sich die Beantwortung der Problematik im sog. doppelten Genom ( Kerngenom u. Mitochondriengenom ),der Höhe der ATP-Produktion ,der Feinsteuerung der Gasotransmitter ( NO,CO,CN,H2S). Hier muß die Auswirkung der Strahlenexposition bewertet werden .by the way : woran sterben denn Krebspatienten (letztlich)eigentlich ? :
an einer Schwefelwasserstofffehlsteurung -Überlast .

#12 |
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Herr Meik Weiß
Herr Meik Weiß

Wer kann denn genaue Angaben über Fukuchima machen?! Soweit ich gehört habe regelt das Japan und Tepco Landesintern. Es werden keine “ausländischen” Experten am AKW zugelassen. Auf Informationen aus Japan möchte ich mich nicht verlassen, es gibt eine Lobby. Man wird wohl erst in den nächsten Jahren erkennen welche Folgen der Gau hatte. Und Erde von A nach B zu transportieren ist suboptimal. Ganz zu Schweigen vom Einsatz von Hochdruckreinigern an Schulen und Kindergärten zwecks Kontamination.

#11 |
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Hans-Peter Schwarz
Hans-Peter Schwarz

Wie kann man nur so eine Katastrophe noch schönreden ?
Es hat über 8 Monate gedauert, bis die erste Überdachung frei der Witterung ausgesetzter Brennstab- Reste installiert war. Die angheuerten Leichtlohnhelfer ohne Ausbildung zum Katastrophenhandling schliefen mitten im Kontaminationszentrum und waren über Wochen der entsprechenden Strahlung ausgesetzt.

#10 |
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Dr. rer. nat. Karl-Albert Rinast
Dr. rer. nat. Karl-Albert Rinast

Es scheint tatsächlich ein Glaubenskrieg zu sein.
Es scheint auch kaum etwas anderes als schwarz und weiß zu geben, und jeder Versuch einer unaufgeregten sachlichen Betrachtung, die ja nicht absolut in jeder Hinsicht und vollständig richtig sein MUSS, scheint von vornherein zum Scheitern verurteilt.
Ich selbst bin SD-Krebsbetroffner und werde in der Selbsthilfe immerwieder mit Fragen konfrontiert, ob hier bei uns nicht doch vielleicht genau dieses oder jenes SD-Karzinom durch Tschernobyl verursacht sei oder gar durch Fukushima enstehen könne. So verständlich es ist, dass ein Betroffnener die Ursache seiner persönlichen Erkrankung kennen möchte, so unnmöglich ist es in aller Regel, diese Ursache anzugeben. Zur Frage nach bei uns durch Tschernobyl verursachten SD-Karzinomen kann man jedoch klar sagen: So gut wie unmöglich, und das gilt erst recht für Fukushima.
Auch in Japan selbst sind die Verhältnisse nun mal nicht mit denen nach Tschernobyl vergleichbar. Dazu sind die Abläufe des Unglücks, die Größenordnung und die Art der Freisetzung, die Maßnahmen nach dem Unglück etc. einfach viel zu unterschiedlich. Auch wenn jedes zusätzliche mSv an Exposition eines zuviel ist und vermieden werden sollte, ist die dortige Exposition der Bevölkerung doch immer noch um Größenordnungen zu niedrig um signifikante Auswirkungen zu haben. Diese Einschätzung hat der Nuklearmeiziner Prof. Reiners, der selbst viele an SD-Krebs erkrankte Kinder aus der Tschernobyl-Region hier behandelt hat, schon im April in einem Interview in der Süddeutschen Zeitung geäußert (http://www.sueddeutsche.de/politik/jahre-super-gau-von-tschernobyl-tschernobyl-hat-mein-leben-veraendert-1.1086775), und ihn darf man in dieser Hinsicht sicher als Experten sehen.
Die Kataststrophe in Japan hat in anderer Hinsicht immens schlimmere Auswirkungen gehabt und hat sie auf viele Jahre hin weiterhin, wie man anschaulich z.B. aus Berichten von vor Ort entnehmen kann (http://kreuzkirche-tokyo.blogspot.com/). Die Probleme, die durch den Tsunami verursacht wurden, wiegen um ein Vielfaches schwerer als die durch den kerntechnischen Unfall, aber man beschäftigt sich hier im Westen fast ausschließlich mit den Folgen eben dieses Reaktorunfalls.
Nichts desto Trotz halte ich die Kernenergie insgesamt für ein nicht dauerhaft beherrschbares Risiko und daher für eine schnellstmöglich abzuschaffende Technologie, obwohl mir sehr wohl bewusst ist, dass ich und viele andere mit meiner und anderen Erkrankungen auf den Betrieb von Reaktoren für die Erzeugung von Radiodiagnostika und -therapeutika angewiesen bin.

#9 |
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Sven Adam
Sven Adam

Die Ideologisierung und auch kommerzialisierung der Wissenschaft darf inzwischen als größeres Risiko für Menschenleben angesehen werden als eine einzelne Technologie: Das nach Fälschungsskandalen und fraglichen Meßmethoden immer löchriger werdende Klimamodell hat eine CO2-Hysterie entfacht, die surrilste Blüten bis hin zur Forderung nach einer CO2-freien Welt getrieben hat (in der wir dann alle tot wären). Landwirte bauen keine Nahrungsmittel, sondern “nachhaltige, regenerierbare Energiequellen” an, so daß Lebensmittelpreise steigen und Menschen in Entwicklungsländern verhungern. Wir stellen in Deutschland AKWs ab und beziehen nun Atomstrom aus Frankreich, aus Tschechien, aus einem eigens für den Stromexport nach Deutschland hochgefahrenen Schwerölkraftwerk bei Graz und den Standby-Gaskraftwerken, die inzwischen auf Hochtouren fahren.
Das alles wofür? Für ein Gesellschaftsdesign einer gutmenschlichen Minderheit in Medien und Politik (in dieser Reihenfolge), die durch Dilettantismus, Inkompetenz, Größenwahn und Narzißmus glänzt. Gestützt von Angstentscheidern, die als vermeintlich mündige Bürger bei jeder Wahl ihr Kreuz von einer Momentaufnahme abhängig machen, obwohl der Oberste Sowjet in Brüssel stets die Bevölkerung ignoriert.

#8 |
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Dr. med. Christoph Zink
Dr. med. Christoph Zink

1. Ganz so unproblematisch wird die Zukunft in Ostjapan gewiss nicht verlaufen! Hier wird suggeriert, die beiden Leitisotope Iod und Caesium seien die einzigen Beiträge zur Strahlenbelastung, obwohl alle übrigen freigesetzten Radionuklide in der Dosisschätzung unberücksichtigt bleiben. Die tatsächliche Exposition ist gesichert höher als die hier errechneten Annahmen.
2. Das Ziel einer Dekontamination der weniger stark belasteten, für bewohnbar gehaltenen Gebiete innerhalb von zwei Jahren “auf die Hälfte” der heutigen Aktivität ist schon alleine durch den natürlichen Zerfall von Caesium-134 in zwei Jahren fast erreicht. Die derzeitige Praxis der kleinräumigen “Dekontamination” widerspricht den Erfahrungen nach der Tschernobyl-Katastrophe, denn die dabei entstehende Strahlenexposition der Beteiligten ist ein sehr hoher Preis für geringe Effekte. Die Umsiedlung großer Teile der Bevölkerung der ostjapanischen Präfekturen – nach einem genau und vor allem ehrlich erstellten Kontaminationskataster bleibt strahlenmedizinisch unbedingt geboten. Hier findet vor aller Augen ein unkontrolliertes Massenexperiment, vor allem mit Ungeborenen, Kindern und Jugendlichen statt.
3. Ob Herr Professor Jacob Recht behält und seine optimistischen Rechenmodelle etwas mit der klinischen Wirklichkeit zu tun haben, wird deshalb leider erst die Zukunft erweisen.

#7 |
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Ärztegemeinschaft  Amedis
Ärztegemeinschaft Amedis

Die Diskussion um die Kernkraft ist ein Glaubenskrieg! Durch CO2 Anstieg, Klimaerwärmung werden auch Tausende sterben. Es sterben heute schon sehr viel mehr in der Förderung von Kohle und deren Verstromung als durch Kernkraft. Das will man einfach nicht hören und daher wird in den Medien halt Panik gemacht. Wären wir wirklich so Risikobewusst, dann müsste man als erstes das Autofahren mit mehr als 2000 Toten im Jahr verbieten. Bei konsequenter Nutzung der Bahn etc. Wäre die Zahl der Verkehrstodesopfer wesentlich geringer. Mit klarem Menschenverstand hat diese Diskussion nichts zu tun.

#6 |
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Heilpraktikerin

Interessanter Artikel. Eine fachliche Einschätzung in Bezug auf die Richtigkeit der Angaben kann ich aufgrund mangelnder Sachkenntnis nicht vornehmen. Allerdings fällt es mir schon schwer, mir vorzustellen, dass es sich tatsächlich um eine faktisch so fgeringe Strahlenbelastung handelt, wie ausgeführt, aber das steht ja auch in dem Beitrag.
Begrüßt habe ich den Absatz (ich zitiere): “Auch wenn kein Anstieg der Krebserkrankungen zu erwarten ist, hat die Katastrophe für betroffene Japaner lebenslange Folgen: ob sie das Trauma der Entwurzelung und den psychosozialen Stress verarbeiten können, ist unklar. Psychosozialer Stress kann auf die Dauer extremere Auswirkungen auf die Gesundheit haben, als eine Strahlenexposition innerhalb niedriger Grenzen.”

Aus juristischen Gründen noch ein Hinweis in eigener Sache: Meine korrekten Berufsbezeichungen sind: (u. a.) Diplom-Sozialarbeiterin, Psychotherapist ECP, Heilpraktikerin für Psychotherapie. Damit bin ich berechtigt, Psychotherapie als Heilverfahren professionell anzuwenden. Die hier in diesem Forum verwendete Bezeichnung Psychotherapeut/in ist jedoch mit dm Psychotherapeutengesetz nicht vereinbar. Ich lehne jegliche Haftung dafür ab, dass dies hier verwendet worden ist.

#5 |
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Dr. Sonja von Lorenty
Dr. Sonja von Lorenty

Diesen Verharmlosungen geht die deutsche Bevölkerung nicht mehr so ohne weiteres auf den Leim: der katastrophaler Unfall von Fukushima war nicht schlimm, nur der Tsunami und daß aus Hysterie die Menschen evakuiert werden mußten, was psychische Folgen haben wird.
Glauben Sie das wirklich Herr Kollege?

#4 |
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Vielen Dank und auch Respekt Frau Hutterer für den Mut zur Wahrheit,
die eigentlich jeder Arzt mit Strahlenschutzfachkunde kennen sollte.

MfG

#3 |
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Wer dies alles glaubt, ist mehr als selig! Es lebe der Lobbyismus…gute Nacht …sleep well…

#2 |
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Prof.  H. Scherthan
Prof. H. Scherthan

Frau Dr. Hutterer stellt in ihrem Artikel die Abschätzung der Risiken so dar, wie sie durch Wissenschaftler aus dem NCI und anderen Institutionen, die vor Ort in Japan tätig waren, berichtet werden. Auch die veröffentlichten Expositionen lassen keinen anderen Schluss zu. Wir arbeiten in meiner AG an SD-Tumoren nach Strahlenexposition und haben einsehen müssen, dass Untersuchungen dieser Art in Fukushima nicht angebracht sind – es ist einfach zu wenig an Exposition passiert. Wo keine Strahlung, da auch kein Effekt, auch wenn in der nicht-Fach-Presse ein völlig anderes Bild beschrieben wird.

Prof. Dr. M.Sc. Michael Abend, Radiobiologe

#1 |
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