Wenn die Prostataampel auf rot springt

17. März 2015
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Zwischen gesundem und bösartig verändertem Prostatagewebe zu unterscheiden, ist schwierig. Ein neues Gerät könnte Ärzten zukünftig die Diagnose erleichtern: Mithilfe einer optischen Analyse trifft es binnen weniger Minuten eine Aussage, ob ein Karzinom vorliegt oder nicht.

Das Prostatakarzinom ist der häufigste Tumor bei Männern in Deutschland. Es gehört zu den Krebsarten, die meistens frühzeitig erkannt werden und deshalb eine gute Aussicht auf Heilung haben. Besteht bei einem Patienten Verdacht auf Prostatakrebs erfolgt normalerweise eine Gewebeuntersuchung, um die Diagnose abzusichern. Der behandelnde Arzt entnimmt dafür dem Patienten mit einer Hohlnadel zehn bis zwölf Proben aus der Prostata. Anschließend werden aus diesen Proben hauchdünne Gewebeschnitte angefertigt, die ein Pathologe unter dem Mikroskop auf Veränderungen untersucht. Die Biopsie der Prostata ist nicht nur zeitaufwändig, sondern auch nicht völlig fehlerfrei: „Nicht immer gelingt es den Pathologen, zwischen gut– und bösartigem Gewebe zu unterscheiden“, sagt Jörg Opitz vom Fraunhofer-Institut für Keramische Technologien und Systeme IKTS in Dresden.

Präsentation des Geräts auf Fachmesse

Der Wissenschaftler hat mit seinem Team ein Diagnosegerät entwickelt, mit dessen Hilfe die Untersuchung in Zukunft schneller und präziser ablaufen könnte. Der Prototyp des Diagnosegeräts, den Opitz und sein Team kürzlich in Düsseldorf auf der internationalen Fachmesse Compamed vorgestellt haben, wiegt rund 30 Kilogramm und hat die Abmessungen eines größeren Druckers. Er lässt sich einfach bedienen und zeigt dem Arzt in Ampelfarben an, ob ein bösartiger Tumor vorliegt oder nicht. Die rund 1,5 Zentimeter langen und 100 Mikrometer dicken Gewebeproben werden auf einen Träger gelegt und einzeln in das Gerät geschoben.

Um sie zu analysieren, nutzt das Diagnosegerät den physikalischen Prozess der Fluoreszenz. Dabei regt die Bestrahlung mit einem Laser einer bestimmten Wellenlänge verschiedene Moleküle im Gewebe an. Diese sogenannten Fluorophore geben einen großen Teil der aufgenommenen Energie in Form von langwelligerem Licht wieder ab und leuchten kurz auf. Das Diagnosegerät fährt stückchenweise die jeweilige Probe ab und misst innerhalb von zwei Minuten an 15 Stellen jeweils das abklingende Fluoreszenz-Signal. „Das Gerät schaut dabei nicht auf einzelne Moleküle, sondern auf Strukturen, die aus vielen Zellen und Molekülen bestehen“, sagt Opitz. „Denn Krebsgewebe zeichnet sich dadurch aus, dass Strukturen verloren gehen und Zellen weniger differenziert sind.“

Schwellenwert entscheidet bei Diagnose

Der Strukturverlust im Gewebe führt zu einer Veränderung des Fluoreszenz-Signals, die das Gerät misst. Überschreitet die Veränderung einen bestimmten Schwellenwert, handelt es sich um ein Karzinom. Der Schwellenwert hilft so dabei, eine genaue Aussage zu treffen, ob in der untersuchten Probe bösartiges Gewebe vorkommt oder nicht. Nach der Messung kann die Probe weiter aufgearbeitet und zusätzlich von einem Pathologen bewertet werden.

Nach einer kleinen Pilotstudie haben die Wissenschaftler das Gerät nun auch in einer größeren Studie getestet. Dafür verwendeten sie 732 Proben aus 61 Prostatae. Die Proben stammten von Patienten, bei denen die Prostata aufgrund einer eindeutigen Krebsdiagnose entfernt wurde. Insgesamt untersuchten sie mithilfe des neuen Geräts 10.248 Messpunkte. Danach begutachtete ein Pathologe die Proben genau an den Stellen, wo das Gerät gemessen hatte, ohne die dabei gewonnenen Ergebnisse zu kennen. Für die anschließende Analyse zogen Opitz und seine Mitarbeiter 5.953 Messpunkte heran, da sie nur bei diesen Punkten eine eindeutige räumliche Korrelation zur mikroskopischen Auswertung durch den Pathologen herstellen konnten.

Verfahren erreicht hohe Spezifität und Sensivität

„Wir erzielten eine sehr hohe Übereinstimmung mit einer Spezifität und Sensitivität von jeweils über 90 Prozent“, berichtet Opitz. „Die Aussagekraft der Studie wird allerdings durch die Tatsache ein wenig eingeschränkt, dass schon von Anfang an klar war, dass die in dieser Studie verwendeten Organe krebsbefallen sind.“ Deswegen haben die Wissenschaftler um Opitz kürzlich eine neue Studie begonnen: Dieses Mal stammen die Gewebeproben von Patienten, bei denen nicht sicher war, ob Krebs vorlag, und die sich deshalb einer Gewebeentnahme unterziehen mussten.

Fachärzte erhoffen sich vom neuen Diagnosegerät, dass durch seinen Einsatz die Subjektivität bei der Beurteilung von Prostata-Gewebeproben wegfällt: „In rund 20 bis 30 Prozent der Fälle kommen verschiedene Pathologen zu unterschiedlichen Ergebnissen bezüglich der Aggressivität des Prostatakarzinoms“, sagt Georg Salomon, Leitender Arzt an der Martini-Klinik, dem Prostatazentrum am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Der Urologe, der vor einigen Jahren die Grundidee für das Diagnosegerät hatte, plädiert für den flankierenden Einsatz von bildgebenden Verfahren wie der MRT oder der Elastographie, um sicherzustellen, dass die Proben auch an den richtigen Stellen in der Prostata, also dort wo die potenziellen Tumorherde sitzen, entnommen werden. In den vergangenen Jahren, so Salomon, hätten diese Verfahren enorme Fortschritte gemacht, auch wenn eine Biopsie bei Krebsverdacht nach wie vor unverzichtbar sei.

Forscher haben weitere Krebsarten im Visier

Die Dresdner Forscher wollen das Einsatzgebiet des Diagnosegeräts weiter ausbauen: Eine erste Studie zur Untersuchung von Proben aus Mundhöhlenkarzinomen habe laut Opitz ebenfalls eine hohe Korrelation zu den histologischen Befunden ergeben. Prinzipiell, so der Wissenschaftler, lässt sich das Gewebe von vielen weiteren Krebsarten mit dem Gerät analysieren, sofern man den spezifischen Schwellenwert für die jeweilige Krebsart kenne.

105 Wertungen (4.6 ø)
Medizin, Onkologie

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10 Kommentare:

Urologin
Urologin

Es ist sehr zu begrüßen, wenn es auch mal Fortschritte bei der Frühdiagnose des häufigsten männlichen Krebses gibt.
Da tut man sich immer besonders schwer und die USA immer als Vorbild (PSA-Verbot durch ein Gremium, in dem kein einziger Urologe saß!)
@Marion Prengel, Nestbeschmutzer hat es bei den Ärzten immer schon gegeben.

#10 |
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Gast
Gast

Liebe Frau Prengel, das hat auch niemand behauptet :)
Eine kritische Meinung ist grundsätzlich wichtig, man sollte alles kritisch hinterfragen, aber dann muss man auch bereit sein, von verschiedenen Richtungen Meinungen zuzulassen.
Es gibt ja wirklich Leute, die meinen, Vorsorge sei schwachsinnig, aber in den meisten Fällen sind diese nicht vom Fach und die allerersten, die herumschreien, warum sie den Krebs bekommen haben.

#9 |
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Heilpraktikerin

Ich habe leider nicht die Ausführungen von Herrn Zimmermann gelesen, aber ich habe am Dienstag, 17.03.2015 der 3sat Themenabend Diagnose mit Interesse verfolgt.
Um 19:30 h lief der Bericht “Krank durch Früherkennung”. Interessantes wurde von Ärzten, Professoren, Forschern berichtet. Ein junger Arzt, der sich starkt macht, die Vorsorgeuntersuchungen zu hinzerfragen….

Sicherlich findet man es noch in der Mediathek.
(Das heißt nicht, ich bin gegen Früherkennung!)

#8 |
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Ärztin

Ich gebe Herrn Dr. Staudenmaier recht.

#7 |
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Medizinphysiker

Warum hat die Redaktion den umstrittenen Beitrag entfernt? Hält sie den Leser für so unmündig, dass er sich nicht selber ein Urteil bilden kann? Ich finde Zensur in jedem Fall schrecklich, glaube aber auch, dass sich jeder (Herr Zimmermann?) so gut er kann blamieren darf?

#6 |
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Caroline Mutz
Caroline Mutz

Herzlichen Dank Herr Dr. Martin Lorenz für Ihre Offene Meinung die wir ABSOLUT
teilen.
Es ist unverantwortlich den Patienten gegenüber,was der Herr “Medizininformatiker”
vom Stapel lässt.

Wir hoffen nicht,dass er mal in diese Situation kommt,aber ich glaube dass er dann seine Aussage ( Arztpraxen meiden bis es weh tut ) relativ schnell revidiert und glücklich ist wenn IHM geholfen wird.

B.Mutz

#5 |
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Heilpraktiker Michael Habakuck
Heilpraktiker Michael Habakuck

Es sollte von Seiten Doccheck schon klar ersichtlich sein, ob ein Kommentar einen Bezug bzw. eine Antwort auf den Beitrag oder auf einen anderen Kommentar hat. Der Kommentar des Informatikers ist selbst meiner Meinung nach, und ich bin “nur” Heilpraktiker, verantwortungslos und dumm.

#4 |
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Gast
Gast

Das ist einfach nur Angst vor einer möglichen Erkrankung, die wird dann auf die Person des Arztes projiziert.
Das entspricht einer komplizierten Maschine, bei der man auf eine Wartung verzichtet,
wenn sie dann kaputt geht, kann man sie gleich wegschmeißen.

#3 |
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Unfassbar.
Normalerweise müsste dieser Beitrag, weil er Menschen konkret gefährdet, gelöscht werden.
Da trainiert man seit Jahrzehnten, daß die Leute zu Früherkennungsuntersuchungen gehen, dann schreibt jemand wie Herr Zimmermann eine solche verantwortungslose und fachfremde Scheiße (jetzt habe ich das Wort mal benutzt).
Was haben Sie in der Medizin verloren? Woher nehmen Sie die Qualifikation, über sowas zu urteilen? Medizininformatiker sollen die Medizin unterstützen, nicht das Ersatzhirn des Auftraggebers spielen.
Sind Sie schlauer als alle gewissenhaften Ärzte, die dafür plädieren, einen kleinen Tumor, der gut behandelbar ist, frühzeitig durch Vorsorgeuntersuchungen zu finden und dem Patienten harte Therapieregime zu ersparen und ihm eine halbwegs normale Lebenserwartung zu ermöglichen?
Welch ein Nobelpreiskanditat sind Sie? Gibt es auch einen Nobelpreis für Hirnlosigkeit?
Jeglicher Vorsorgeuntersuchung fern zu bleiben, einen größeren, Verzeihung, liebe Admins, hirnloseren Schwachsinn habe ich noch nicht gehört.
Es hat viele Jahre gedauert, bis sich einigermaßen Brustkrebs-, Darmkrebs, Melanom- usw. Vorsorgeuntersuchungen etabliert haben und da wischt ein Informatiker (!), von Medizin ungefähr soviel Ahnung wie ein Staplerfahrer vom Raketenflug, die gesamten wissenschaftlichen Erkenntnisse mit einem Federstrich weg.
Es ist unfassbar. Wo ist die Verantwortung, die Sie für sich selbst haben, die Sie sofort, falls nicht irgendein Arzt Ihre Problematik sofort vollumfänglich erfasst und löst, egal, wie desaströs das Ergebnis sei, wenn Sie denn mal zum Arzt gehen, nicht auch bei Ihnen angesiedelt ist? Sowas habe ich noch nie gelesen, hoffe auch, ich werde es nie mehr lesen.
Sie sind der richtige Kandidat, der sich dann bei der Ärztekammer beschwert, “die Ärzte” hätten Ihre Diagnose nicht rechtzeitig festgestellt.

#2 |
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Medizininformatiker

[Der Beitrag wurde von der Redaktion entfernt.]

#1 |
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