Doktortitel: Mehr als nur zwei Buchstaben

8. Februar 2012
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Als "Flachforscher" bezeichnet und häufig verlacht, ist die Realität meist härter als erwartet. Die medizinische Doktorarbeit, die Freizeit verschwinden und dafür irgendwann zwei Buchstaben vor dem Namen erscheinen lässt, ist auch heute noch eine der großen Hürden des angehenden Arztes.

Die medizinische Doktorarbeit ist immer wieder in der Diskussion und wird häufig in ihrer Wichtigkeit angezweifelt. Trotzdem besitzen heute zwei Drittel aller Ärzte den ominösen Titel, der sie zum Herrn (respektive Frau) Doktor macht. Die Vorteile liegen auf der Hand: Er ist natürliche Grundvoraussetzung für jede wissenschaftliche Karriere und soll bessere Anstellungschancen garantieren. Letzten Endes sorgt er vor allem auch für ein höheres Ansehen in der Bevölkerung, bei welcher der Titel häufig – fälschlicher Weise – mit Behandlungsqualität gleichgesetzt wird. So verdienen promovierte niedergelassene Ärzte im Schnitt 20.000 € mehr pro Jahr als ihre nicht-promovierten Kollegen.

Labormäuse oder dunkle Kellerräume

Gehört man zu denjenigen, die sich für den Titel entscheiden, muss man schon wieder wählen: zwischen einer experimentellen und statistischen Arbeit. Die experimentelle Arbeit verspricht meist bessere Noten, wertet den Lebenslauf auf und es können zahlreiche Fertigkeiten und Kenntnisse erworben werden. Aber mit einer Abbruchquote von 70% kann diese Doktorarbeit schnell zum Reinfall werden. Die statistische Doktorarbeit wird dagegen in 70% fertiggestellt. Sie ist meist schneller, dafür aber oft langweilig und dient “nur” dem Titelerweb.

Bei beiden Typen erkennt man trotzdem, dass man scheitern kann. Daher ist die richtige Vorbereitung und Herangehensweise beim Schreiben sehr wichtig.

Doktortitel aberkannt

Doch wer alles beachtet, kann immer noch Pech haben. Selbst ein “summa cum laude” kann dann im Nachhinein aberkannt werden… So ergeht bzw. erging es Mainzer Medizinstudenten. Es war am 15. Dezember 2011, an dem die Uni Mainz die Änderung der Ausführungsbedingungen bekannt gab. Geschmückt mit schönen Worten, dass die Qualität wissenschaftlicher Arbeiten angehoben werden soll, wird unter Mithilfe von studentischen Mitgliedern des Fachbereichsrates eine große Änderung verabschiedet: §4 besagt, dass eine Promotion nur noch anerkannt wird, wenn die Ärztliche Prüfung mit einer Gesamtnote von befriedigend (3) oder besser bestanden wird. Alle anderen werden nicht anerkannt, und die Arbeit war umsonst. Erst durch juristischen Druck seitens des Hartmannbundes wurde die Änderung am 10. Januar dieses Jahres zurückgenommen. Im Mai/Juni wird neu verhandelt. Diesmal möchte der Fachschaftsrat aufmerksam sein und hofft, dass die Zulassung der Promotion nicht durch die Studiumsendnote beeinflusst wird.

Der Einstieg

Die Suche nach der geeigneten Doktorarbeit sollte schon nach dem Physikum beginnen, da sie meist mindestens zwei Jahre, eher drei bis vier Jahre dauert und die Fertigstellung im Berufsleben erheblich schwerer ist. Leider konnte noch niemand den ultimativen Trick herausfinden, wie man sich die Doktorarbeit viel leichter gestaltet (außer man kauft sie sich). Daher nun zwei Tipps, die häufig missachtet werden:

  1. Die Planung am Anfang aller Experimente, gerade auch im zeitlichen Rahmen, wird häufig übersehen. Oft lohnt es sich schon vor den Experimenten bei der Statistikberatung nach der Power der Studie zu fragen und gegebenenfalls die Anzahl an Probanden zu erhöhen.
  2. Mit dem Schreiben sollte man schon frühzeitig, auch vor Beginn der Versuche beginnen. Außerdem gestaltet es sich am einfachsten, wenn man mit dem Teil “Material & Methoden” beginnt, da hier nur beschrieben werden muss, was man gemacht hat.

Alles in allem ist die medizinische Doktorarbeit – trotz der Bezeichnung als “Flachforscher” – eine große Herausforderung. Dafür bietet sie jedoch auch mehr als zwei Buchstaben vor dem Namen: viele interessante Erfahrungen, Einblicke in die lebendige Forschung und auch ein bisschen Spaß!

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Studium

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1 Kommentar:

Student der Humanmedizin

Interessanter Artikel. Der Vollständigkeit halber sollte erwähnt werden, dass es noch einen dritten Typ inhaltlicher Art gibt: medizinhistorische Doktorarbeiten.
Wir wurden sogar explizit im 1. Semester auf diesen Typus hingewiesen, jedoch mit der Anmerkung, dass diese zu den zeitaufwändigsten gehören (überproportional viel Recherche). Zudem werden die Methoden der Geisteswissenschaften im Medizinstudium nicht gelehrt, sodass man hier ziemlich bei 0 anfängt.

#1 |
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