Krämpfe: Pillen gegen flotte Waden

20. Februar 2015
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Neue Studien konnten zeigen, dass Wadenkrämpfe saisonal gehäuft auftreten. Bei der Pharmakotherapie spielt Chinin eine zentrale Rolle. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen wird der Arzneistoff bald verschreibungspflichtig.

Jeder zweite Erwachsene kennt das Problem: Wie aus heiterem Himmel treten während der Nachtruhe Wadenkrämpfe auf, und vorbei ist es mit dem Schlaf. Meist vergehen die Beschwerden von selbst, können aber wiederholt und episodenweise auftreten. Mit periodischen Wadenkrämpfen haben sich jetzt Forscher um Scott R. Garrison, Alberta, befasst.

Auf heißer Spur

Garrisons Idee basiert auf bekannten Phänomenen: Viele Patienten geben Symptome oder vermeintlich richtige Diagnosen in Suchmaschinen ein, bevor sie Heilberufler um Rat fragen. Auf diesem Prinzip beruht Google Flu Trends, ein webbasiertes Frühwarnsystem bei Influenza. Ähnliche Phänomene fand das Team beim Suchbegriff „leg cramps“: In den USA häuften sich derartige Eingaben im Juli, während Australiens Bürger zeitversetzt im Januar recherchierten. Damit nicht genug: Scott R. Garrison wertete aus, wann Ärzte besonders häufig Chinin verordnen – in vielen Ländern ist das Alkaloid bereits heute rezeptpflichtig. Und siehe da: Während der Sommermonate schnellten Verschreibungszahlen nach oben.

Der praktische Nutzen

Welche Stoffwechselprozesse durch jahreszeitliche Schwankungen genau beeinflusst werden, bleibt auch mit der aktuellen Veröffentlichung unklar. Trotzdem zieht der Forscher ein Fazit für die Praxis. Dass Patienten Chinin teilweise prophylaktisch in Dauertherapie einnehmen, ist seiner Studie zufolge nicht nötig. Er rät, nach ärztlichem Rat nur während der Sommermonate zu therapieren. Damit könnten mögliche Nebenwirkungen reduziert werden.

Schluss mit OTC

Zum Hintergrund: Seit 2010 warnt die FDA in regelmäßigen Abständen vor hämatologischen Komplikationen. Mitunter hatten Thrombozytopenien zu schweren Blutungen geführt. Bei den Kontraindikationen sind Hypokaliämien, Herzrhythmusstörungen oder QT-Verlängerung relevant. Interaktionen können mit Antiarrhythmika oder Antikoagulanzien auftreten. In Deutschland hat Chinin zur Therapie von Wadenkrämpfen nach wie vor einen OTC-Status. Grund genug für die Bundesregierung, Änderungen bei der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) zu veranlassen. Kein Scherz – ab 1. April 2015 dürfen chininhaltige Präparate zur Therapie von Wadenkrämpfen nur auf ärztliche Verordnung hin abgegeben werden.

12 Wertungen (4.58 ø)
Forschung, Pharmazie

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2 Kommentare:

Arzt
Arzt

Das fängt mit banalem Kochsalz-Mangel an, der im Sommer oder durch Sport (Schwitzen) losgeht, einfach mal den Dr. fragen.
Wer viel trinkt, wird ja ständig von Laien gepredigt, gerät besonders schnell in Na-Mangel.

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Apothekerin

Ob die saisonale Häufung wohl mit verstärktem Magnesiummangel aufgrund vermehrten Schwitzens und mehr Bewegung in den Sommermonaten zusammenhängt? Der Verdacht liegt doch sehr nahe…

#1 |
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