Choosing Wisely: Auf zur Leitlinie 2.0

20. März 2015
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Was in anderen Berufszweigen selbstverständlich ist, braucht bei den Medizinern eine eigene Initiative: „Gemeinsam klug entscheiden“ hat sich die DGIM auf die Fahnen geschrieben und damit der medizinischen Über- und Unterversorgung in Deutschland den Kampf angesagt.

„Klug entscheiden sollen Ärzte in Zukunft“, propagierte Prof. Dr. Ulrich Fölsch, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) beim 121. Internistenkongress im Februar in Berlin. Diese Aussage impliziert, dass Ärzte das bisher offenbar nicht immer tun. Warum ist das so?

Die Ökonomisierung der Medizin sei der Hauptgrund, warum Ärzte derzeit für kluge Entscheidungen finanziell bestraft würden, so Fölsch. Im Klartext bedeutet das: Wenn ein Arzt nicht behandelt oder untersucht, verdienen er bzw. die Klinik nichts. Das führe nicht selten zu einer Überversorgung für den Patienten und belaste die Gesundheitskassen finanziell schwer. Hier will die DGIM Abhilfe schaffen.

Dank Überbehandlung auf der sicheren Seite

Doch nicht nur finanzielle Anreize spielen offenbar bei der medizinischen Überversorgung hierzulande eine Rolle. Auch die Unsicherheit des behandelnden Arztes trägt laut Fölsch maßgeblich dazu bei. „Verzichtet der Arzt auf eine Untersuchung, die möglicherweise erforderlich ist, zieht das nicht selten juristische Konsequenzen nach sich“, so Fölsch. Mit oft überflüssigen bildgebenden Verfahren wägten sich viele Ärzte auf der sicheren Seite.

Aber auch das Anspruchsdenken der Patienten habe sich gewandelt. Ein Paradebeispiel seien die Patienten-Erwartungen bei Erkältungskrankheiten: „Gerade hier möchten viele Patienten die Praxis mit einem Rezept für ein Antibiotikum verlassen, obwohl das bei viralen Infekten gar nicht wirkt“, so Fölsch.

„Choosing Wisely“ als Vorreiter

Die US-Amerikaner haben das Problem schon früher erkannt und bereits vor vier Jahren die Initiative „Choosing Wisely“ ins Leben gerufen. Mit mehr als 60 medizinischen Fachgesellschaften hat die US-amerikanische Organisation Kataloge aufgestellt, in denen auf Basis der Leitlinien überflüssige Behandlungen und Diagnostikverfahren aufgelistet wurden, mit deren Verzicht sich ordentlich Geld sparen lässt. „Ein anschauliches Beispiel für eine Überbehandlung bzw. Überdiagnostik ist die Bildgebung bei Rückenschmerzen, wenn diese kürzer als sechs Wochen anhalten“, veranschaulichte Fölsch. Die Pädiater würden gerne auf CTs bei nur leicht gestürzten Kindern verzichten, die Neurologen auf EEGs bei Kopfschmerzen.

DGIM nimmt das Zepter in die Hand

Die DGIM sieht sich als Dachverband der deutschen medizinischen Fachgesellschaften, die das „Choosing Wisely“-Konzept auch in Deutschland unter dem Titel „Gemeinsam klug entscheiden“ etablieren will. Dazu hat sie die Fachgesellschaften bereits postalisch über die Initiative informiert und um ihre Mithilfe gebeten. Nach dem amerikanischen Vorbild soll nun jede Fachgesellschaft anhand der bestehenden Leitlinien festhalten, unter welchen Umständen es zu einer Über- oder auch Unterversorgung der Patienten kommt.

Auch die Patienten sollen in Zukunft verstärkt miteinbezogen werden. „Wir müssen Therapie- und Diagnostikpläne in Zukunft besser erklären, damit der Patient versteht, warum manche Dinge erforderlich und andere überflüssig sind“, so Fölsch. Doch dazu fehle bisher schlichtweg die Zeit der behandelnden Ärzte. „Wir sind uns sicher, dass durch ein sorgfältiges Gespräch viele diagnostischen Maßnahmen wegfallen können“, erläuterte der Generalsekretär. Wenn jedoch auf diagnostische und therapeutische Maßnahmen aus medizinischer und finanzieller Sicht verzichtet wird, dürfe sich die Behandlungsqualität dabei „nicht im geringsten verringern“, so Fölsch.

Leitlinien nicht aussagekräftig?

Warum sind die geplanten Listen nach amerikanischem Vorbild überhaupt notwendig? Sind sinnvolle therapeutische und diagnostische Maßnahmen nicht bereits in den Versorgungsleitlinien zu finden? „Grundsätzlich schon. Doch oft sind die Leitlinien so umfangreich, dass sie für den Praxisalltag schlichtweg zu viele Informationen enthalten“, so Fölsch. Ein einfaches Umschreiben und Vereinfachen der Leitlinien sei jedoch keine Lösung des Problems. Die DGIM will stattdessen lieber alle „Player im Gesundheitssystem“ ins Boot holen: Neben den Fachgesellschaften, Krankenkassen, Versicherungen, Krankenhausträgern auch die Medien und Patientenorganisationen. „Wir sitzen alle im selben Boot. Daher nützt es nichts, nach Schuldigen zu suchen. Vielmehr wollen wir doch alle eine hohe Versorgungsqualität erhalten“, so Fölsch.

Dazu plant die DGIM Großes: Über Flyer sollen Mediziner und Ärzte besser über Über- und Unterversorgung informiert werden. Auf speziellen Veranstaltungen und im Zuge von Ärztefortbildungen soll künftig auf die laufenden Entwicklungen im Projekt „Gemeinsam klug entscheiden“ hingewiesen werden. Die Gesellschaft wird auch den Dialog mit Politikern und Versicherern suchen. Denn für Änderungen der finanziellen Anreizsysteme für Ärzte sei vor allem eine breite öffentliche Meinungsbildung nötig, so Prof. Dr. Britta Siegmund von der Charité Berlin. „Die Tugend des Arzt-Seins soll wieder in den Vordergrund rücken“, ergänzte Prof. Dr. Michael Hallek, Vorsitzender der DGIM. „Unser Wunschdenken ist es, dass das ausführliche Arzt-Patienten-Gespräch derart honoriert wird, dass überflüssige Behandlungen wegfallen können“, sagte Fölsch.

Einfach bei den Amerikanern abgucken?

Lohnt sich der Aufwand in Deutschland oder reicht es nicht einfach, bei in den Listen der Mediziner jenseits des Atlantiks abzugucken? „Das geht leider nicht“, so Fölsch. Die Leitlinien hierzulande und in den USA seien zu unterschiedlich, als dass man die „Choosing Wisely-Listen“ eins zu eins übertragen könnte. „Es wird Überschneidungen geben, aber wir müssen uns selbst Gedanken machen.“

Auch das Deutsche Netzwerk für Evidenzbasierte Medizin macht sich für den Import von „Choosing Wisely“ nach Deutschland stark. „Sollte es hierbei Überschneidungen geben, werden wir natürlich zusammenarbeiten“, versicherte Fölsch.

47 Wertungen (4.55 ø)

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22 Kommentare:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

“Die alten Chinesen haben ihre Ärzte für das Gesunderhalten bezahlt und kaum fürs Behandeln von Kranken!”
Das ist leider unrealistisch, auch in USA, wo es alle möglichen Systeme nebeneinander gibt schon versucht und gescheitert. Also eher ein Mythos. Denken Sie einfach daran, dass dann der, welcher am wenigsten macht, am meisten bekommt.
Ärztliche Tätigkeit darf sich ausschließlich an ihrer Effektivität messen
und hier erleben wir einen verhängnisvollen Wandel ins Gegenteil,
wirkungslose Behandlung greift immer mehr um sich,
am Ende bleiben nur noch Psychotherapeuten und Quacksalberer übrig.
In der Politik in Deutschland sitzen nur noch Laien, die Journalistenberuhigung betreiben, aber keine Gesundheitspolitik, außer Kostendämpfung.
Die werden noch nicht einmal mit einer lächerlichen Masern-Epidemie fertig.
Hierfür gibt es z.B. den Begriff Blockierungsimpfung, eine uralte Maßnahme.
Aber keiner tut was!!!! Jede Woche gibt es in Berlin neue Fälle, seit Oktober 2014, 1/4 davon landet im Krankenhaus!
Eine wahrhaft mittelalterliche Methode der (unvollständigen!) Immunisierung, menschenfeindlich!
Es geschieht nichts!!!
Als primitives Ablenkungsmanöver wird wieder die “nosokomiale” Keule geschwungen
und Ärzte beschuldigt.

#22 |
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Dr. med. Christa Giese
Dr. med. Christa Giese

An der Krankheit wird viel verdient, an den schlimmsten am meisten, insbesondere an KRebsmitteln, und von den Herstellern der Geräte zur Diagnostik.
Die KAssen bezahlen die teuren MEdikamente und Untersuchungen fast ohne mit der Wimper zu zucken, wir niedergelassenen müssen mit Budgets auskommen, bei denen die meisten sich zu einer 5-Minuten-Medizin gezwungen sehen, kein Wunder, eine gute Anamnese braucht Zeit, und die wird nicht bezahlt, menschliche Zuwendung ist auch nicht von Interesse. Auf uns Menschen kommt es in der Krankheitswirtschaft nicht an, egal auf welcher Seite des Schreibtisches oder in der Pflege.
Das ist natürlich übertspitz und krass gesagt.
Die alten Chinesen haben ihre Ärzte für das Gesunderhalten bezahlt und kaum fürs Behandeln von Kranken!

#21 |
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Dr. med Herbert Hagen
Dr. med Herbert Hagen

in 14 Jahren Studium, Weiterbildung und Subspezialisierung habe ich umfassend gelernt Krankheiten zu Heilen und zu Lindern. Dieses umfassende Wissen stelle ich jeden Tag gerne meinem Patienten zur Verfügung, berate und behandle sie nach bestem Wissen und Gewissen. Keine Sekunde meiner Ausbildung war der Finanzierung, Kontigentierung und Vorenthaltung medizinischer Leistung aus politischen und finanziellen Erwägungen auf Wunsch von Politikern und Krankenkassen gewidmet. Das geht mich schlicht nichts an, sondern ist Sache der zuständigen Politiker, der Krankenkassen und letztendlich der Versicherten selbst. Die Ausrichtung meiner Tätigkeit kann nur an den Erfolgsaussichten einer Behandlung orientiert sein und niemals an finanziellen Erwägungen der Inanspruchnehmer einer Leistung. Alles andere wäre unethisch. Es handelt sich immer , auch bei IGel, um Leistungsangebote, niemals um Zwang. Leitlinien sind sicher hilfreich zur Orientierung für Laien, wie zum Beispiel Statistikern und Richtern. In der konkreten Entscheidungssituation spielen sie eine untergeordnete Rolle. Dort sind viel wichtiger die Erfahrung des Arztes und die Erwartungshaltung des Patienten. Welche Leistungen dann von der Solidargemeinschaft übernommen werden sollen oder nicht bedarf dann eines breiten gesellschaftlichen Konsens und keiner ideologisch gefärbten Meinung von Interessengruppen, gleich welcher Art. Schon gar nicht von Theoretikern wie z.B. der DGIM oder schlimmer noch des medizinischen Dienstes der KK. Das alptraumartig organisierte Gesundheitswesen der USA werden wie uns nicht zum Vorbild nehmen, das wäre ein Rückschritt um ca. 144 Jahre.

#20 |
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Arzt
Arzt

Herr @Karl-Heinz Licht, Medizinkritiker-journalist, so ist das nicht!
Der noch nicht planwirtschaftlich verbogene Doktor hat das einzige Ziel, Krankheit zu heilen, und damit dem Mensch ein selbstgewähltes Leben zu ermöglichen!!!

Dass er dabei vor gesundheitsschädlicher Lebensweise wie Rauchen, “Fraß und Völlerei” etc. abraten MUSS, sollte bitte selbstverständlich sein.
Sie sollten also das Kind nicht mit dem Bade ausschütten und vernünftige Medizin kritisieren! Der Löwenanteil vorbeugender vernünftiger Lebensweise ist keine ärztliche Aufgabe sondern Privatsache.

“Die Amerikaner” sind weder “ökonomisch” noch “sozial” ein Vorbild. Hier ist Ihnen 100% Recht zu geben. Was man von denen allerdings durchaus lernen kann, ist ein wesentlich höheres Maß an “Selbstverantwortung” des betroffenen Patienten, die bei uns politisch offensichtlich tabuisiert wird. Das ist schon an dem viel höheren Aufklärungsniveau des durchschnittlichen US-Amerikaners für viele Krankheiten zu erkennen, welche nicht daran denken “Ärzte” zu kritisieren, wie Sie. Es geht bei Kosteneinsparung auch bei Ihnen merkwürdigerweise immer GEGEN die Ärzte. Natürlich hängt an denen immer ein gigantischer Rattenschwanz an “Mitverdiener” dran, die man NICHT den Ärzten anlasten darf, Mitverdiener, nicht nur aus der boomenden Industrie, sondern auch das überflüssige Heer von selbsternannten Beratern, Zertifizierern und Leitlinienmachern.
Dass Heilung neben dem humanitären Aspekt Kosten spart, haben Sie immer noch nicht begriffen
Der “planwirtschaftliche Regulierungstrend”, den Sie vielmehr kritisieren sollten, bei uns hier, geht eindeutig GEGEN Heilung, sondern in Richtung Dauerkrankheit und Dauerbehandlung, (disease-management etc.)
fragen Sie mal einen Psychologen, wie lange er denn für eine ordentliche Psychotherapie benötigt, die früher vielleicht ein Familienangehöriger oder der Pfarrer durchgeführt hat.
Und ein zunehmender Teil dieser Planwirtschaft zwingt den Arzt, nicht den Verursacher, dem Kranken mitzuteilen, warum er (aus Kostengründen) nicht optimal behandelt werden soll, kann, etc.
Man wünscht auch ihnen Herr Licht lieber ein “sozialverträgliches” frühes Ableben.
Dafür plädieren Sie.

#19 |
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Medizinjournalist

Na endlich, eine Erkenntnis weiter.

Die Massen sind dumm und der Einzelne entscheidet unklug, aber ein Gremium wird das hinkriegen.

Und absolut der Hammer, die Amerikaner sind schon vier Jahre weiter.

Mir fallen die Haare aus, bei so viel gebündelter Unintelligenz.

Nur das Geld, regiert die Welt. Alle diese Scheinerkenntnisse stammen aus der Erkenntnis, das Geld reicht nicht. Ohne diese schmalhüftige Weisheit setzt noch nicht mal kritisches Denken ein, geschweige denn erbrächte sie irgendwelche Resultate. Das ist das klassische Doktern am schon verbrannten Busch.

So knapp es geht: Das heutige medizinische Wissen passt in keinen Arztkopf und erst recht nicht in Patientenköpfe. Erkenntnisse nutzen absolut nichts, wenn alle Betroffenen ganz falsche Motivationen haben. Die Ursachen liegen ganz tief im Lebwesen. Überwiegend artgerechte Haltung bringt alle in den Gesundheitskorridor. Zivilisiertes Leben ist da aber nicht drin, sondern weit außerhalb. Der überragend größte Teil aller medizinischen Anstrengungen ist der Versuch einen riesigen Marshmallow in einen Fingerhut zu pressen. ergo: täglich werden viele Millionen extrem komplizierter Versuche unternommen für etwas, was einfach nicht geht. Und nur weil das alles viel zu teuer ist, will man es ein wenig anders organisieren. No chance to win – für niemanden.

#18 |
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Gast
Gast

Wäre an dieser Stelle nicht die Frage notwendig, wie die DGIM zu der Auffassung kommt, dass es notwendig sei, “überflüssige” Diagnostikverfahren abzuschaffen? Gibt es aussagekräftige Studien über eine “Überversorgung”?

Die Argumentation hier im Chatbereich bezieht sich ausschließlich nur auf ökonomische Aspekte. Was ist aber mit der Fragestellung, ob solche SOP´s die Qualität der medizinischen Versorgung verbessern würde? Der Aspekt der Unterversorgung wird hier nicht thematisiert.

Welche Konsequenzen hätte denn die Einführung solcher SOP’s? Wären es Standards, die gewährleistet werden müssen oder wären es Vorschriften, die es mir verbieten, doch eine weitere Untersuchung durchzuführen?
Bei alle Polemik hier, wär von den Kollegen glaubt denn wirklich, dass es in diesen “Empfehlungen” keine Ausnahmereglungen geben wird, die es dem Arzt ermöglichen, nicht doch eine Ausnahme zu machen?

Warum wird das Thema “Standards” / Algorithmen / Therapierichtlinien in der Medizin immer nur negativ gesehen?
Wäre das nicht mal eine interessantere Frage, die sich jeder hier stellen sollte, anstatt andere persönlich anzugreifen oder alles sofort zu verurteilen?

#17 |
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Gast
Gast

Dipl.-Ing. Sonja Schmitzer Ihre Antwort in #7 kann allerdings nur bedeuten, dass der Ansprechpartner NICHT die eigenen Ärzte, sondern die falschen “Regulierer” also Politik und “Kostenträger” wären!
Deshalb geht der Schuss ach hinten los.

#16 |
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Ärztin

HIER KOMMT NOCH DAS VERGESSENE “ist” .

#15 |
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Ärztin

Je mehr Leitlinien es gibt, desto eher wird vielleicht auch klar, dass die Heilkunde keine “Bauanleitung” sondern “Kunst”. Und wer sollte Kunst maßregeln wollen?

#14 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

@Sven Väth der Ideologe sind Sie, da Sie davon reden, wie einst der polemische Spiegel, dass Ärzte “Patienten direkt in die Taschen greifen”, was für ein Niveau.
Schämen Sie sich!

#13 |
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Dr. Jutta Scheiderbauer
Dr. Jutta Scheiderbauer

Äh, das ist nicht sachlich argumentiert.
1. IGEL-Leistungen sind ja gerade keine GKV-Leistung, d.h. es wird dafür kein Geld aus der Solidargemeinschaft genommen, außerdem sind es Leistungen am Patienten. Über Sinn und Unsinn von IGEL-Leistungen habe ich damit nichts gesagt.
2. Die Formulierung war teils persönlich abwertend, teils stellte sie meine Position ein einer zugespitzt grotesken Weise dar (“böse GKV-Parasiten”, “nach Versichertengeldern gieren”), das sind Stilmittel manipulativer Rhetorik, wenn man keine echten Argumente hat oder nicht auf den Inhalt des Gesagten eingehen will.

Nebenbei, die Menschen, die im Gesundheitssystem die eigentlichen Leistungen erbringen, sind ja keineswegs nur Ärzte. Die Pflege wird gerade auch kleinrationalisiert.

#12 |
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Sven Väth
Sven Väth

Sehr geehrter Frau Scheiderbauer, ihre Elogen über die bösen GKV-Parasiten, die nach Versichertengeldern gieren, in allen Ehren. Leider lasssen Sie außer Acht, dass die von Ihnen so geschätzten Kollegen sich auch nicht zu fein sind, mit IGeL und Co. Patienten direkt in die Taschen zu greifen. Sie reihen sich also nahtlos in ihre Aufzählung ein. Das nur der Vollständigkeit halber – denn in Ihrem ideologischen Wahrnehmungsfeld scheint es da einen kleinen blinden Fleck zu geben.

#11 |
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Dr. Jutta Scheiderbauer
Dr. Jutta Scheiderbauer

Ich frage mich, ob Sie absichtlich Formulierungen verwenden, die die Kollegen gegen die Choosing wisely-Initiative aufbringen müssen. Die Initiative stammt aus den USA, einem Land mit einem überteuerten, ineffektiven und völlig dem freien Markt ausgelieferten Gesundheitssystem, in dem sinnlose Überversorgung für zahlende Patienten mit krasser Unterversorgung für die Nicht-Versicherten gepaart ist. Das ist das Entstadium der Entwicklung, die hier auch schon begonnen hat.

Der Kollege Chirurg hat richtig nachgefragt, wer denn noch alles Gelder aus dem Gesundheitssystem ziehen will, ohne selbst was mit der Behandlung kranker Menschen zu tun zu haben. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit zähle ich mal auf: Aktionäre von Krankenhäusern, Pharmaunternehmen, Medizinproduktherstellern, aber auch Medizincontroller, Qualitätsmanager, kaufmännische Direktoren, Krankenkassen- und KV-Funktionäre, Lobbyisten im Gesundheitswesen, und last not least Medizinportale im Internet.

Mit solchen Beiträgen wir Ihrem werden Kollegen gegen an sich sinnvolle Maßnahmen eingenommen, und davon abgelenkt, dass eine Untergrabung der Solidargemeinschaft in Gange ist, durch unfähige Politik, Lobbyismus, Neoliberalisierung, die das Geld denen vorenthält, die die eigentlichen Leistung erbringen, und es anderen zuschustert.

#10 |
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Prof. Dr. med. Hans Pistner
Prof. Dr. med. Hans Pistner

Die DGIM : macht sie überhaupt sich die Mühe, Leitlinien nach den strengen Kriterien der AWMF zu erstellen ???

#9 |
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Prof. Dr. med. Hans Pistner
Prof. Dr. med. Hans Pistner

Das ist offensichtlich ein Rückschritt : Weg von beleggestützter Medizin zurück zur Eminenz-gestützter (weiser) Medizin .
Den wer schreibt auf welcher Basis diese Weisheitslehren ?

#8 |
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Medizinjournalistin

Liebe Leser,

in anderen Berufszweigen ist es selbstverständlich, für kluge Entscheidungen NICHT finanziell bestraft zu werden.

Herzliche Grüße
Sonja Schmitzer

#7 |
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Arzt
Arzt

Mich würde auch interessieren, “Was in anderen Berufszweigen selbstverständlich ist,”

#6 |
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Gast
Gast

vermutlich fragt ein Richter auch erst eine “gemeinsame?” „Choosing Wisely“ – Firma, bevor er ein Urteil fällt, deshalb dauert das immer so lange.
Wo ist es sonst noch längst selbstverständlich?
Nun ja das “Beraterunwesen” floriert ja auch bei uns, allerdings sind die auch nicht “gemeinsam”, der eine sagt investieren, der andere sparen, Mitarbeiter entlassen,
wem soll man nun glauben.
Ach ja, der Firma “Wisely”

#5 |
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Chirurg
Chirurg

Wahrscheinlich soll jetzt so ein flyer, natürlich nicht kostenlos in der Medizin, mir sagen, ob ich jetzt den Blindarm von Herrn Schmitz operieren darf oder nicht.
Wer will noch an meiner schlecht bezahlten Arbeit verdienen, OHNE die Verantwortung dafür zu übernehmen?

#4 |
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Gast
Gast

Der Slogan “Gemeinsam klug entscheiden” ist von der AWMF als Marke angemeldet – die DGIM sollte sehr vorsichtig sein, Markennamen für eigene Zwecke zu benutzen, ohne dies mit dem Markeninhaber abgesprochen zu haben.
Auch die Aussage “Die DGIM sieht sich als Dachverband der deutschen medizinischen Fachgesellschaften” ist sehr vollmundig: Der Dachverband ist in Wirklichkeit die “AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften”. Davon ist die DGIM ein Teil.

#3 |
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Ärztin
Ärztin

@Sonja Schmitzer “Was in anderen Berufszweigen selbstverständlich ist,”?
Meinen Sie vielleicht Medizinjournalisten? oder Steuerberater? oder Taxifahrer?
oder Rechtsanwälte?
was ist denn bei denen genau selbstverständlich?

Offensichtlich haben all diese Berufe mehr Ahnung von Medizin als Ärzte?
Liegt wahrscheinlich daran, dass die alle nicht so lange studieren müssen?
Nicht so viel Fortbildung machen müssen, auch wenn sie schon alte Hasen sind?
Nicht so viele Laienvorschriften beachten müssen?

#2 |
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Gast
Gast

noch so eine Leitlinienkrankheit.

#1 |
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