CED: HLA-Region in die Zange genommen

2. Februar 2015
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Das humane Leukozyten-Antigen-System (HLA) ist wichtig für die Fähigkeit des Immunsystems, „selbst“ von „fremd“ zu unterscheiden. Umfassende Analysen schreiben diesem eine größere Rolle bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen zu als bisher vermutet.

Wesentliche Bestandteile des menschlichen Immunsystems werden auf Chromosom 6 im sogenannten Haupthistokompatibilitätskomplex (MHC) kodiert. In diesem Komplex befinden sich unter anderem die Gene für das humane Leukozyten-Antigen-System (HLA).

Dr. Eva Ellinghaus und Professor Andre Franke, Mitglieder im Exzellenzcluster Entzündungsforschung und Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB) der Universität Kiel, sowie der Bioinformatiker Ingo Thomsen (IKMB) analysierten mit internationalen Forscherkollegen die genetischen Daten von mehr als 32.000 CED-Patienten und 34.000 gesunden Personen. Dr. Eva Ellinghaus erläutert: „Die Analyse der HLA-Region ist sehr komplex, unter anderem, weil sich diese Region durch eine extrem hohe Gendichte sowie starke Variation auszeichnet. Bisher sind insgesamt 163 Risikoregionen inklusive der HLA-Region für CED bekannt, allerdings konnten die Assoziationssignale und kausativen Allele innerhalb der HLA-Region bisher nicht klar bestimmt werden. Mit unserer Studie konnten wir dies ein Stück weit ändern.

Die Ergebnisse seien überraschend gewesen: Die HLA-Region spielt bei der Entstehung einer CED eine deutlich größere Rolle als bisher gedacht. Außerdem unterscheiden sich die beiden CED-Typen Colitis ulcerosa und Morbus Crohn bezüglich der assoziierten HLA-Allele weit stärker, als die Forscher bisher annahmen. Die Analysen zeigten ferner, dass man vor Colitis ulcerosa signifikant geschützt ist, wenn man möglichst viele unterschiedliche HLA-Allele von den Eltern erbt. Colitis ulcerosa-Patienten zeichnen sich durch eine geringere genetische Vielfalt am HLA-Locus aus. Die Wissenschaftler konnten außerdem Genvarianten identifizieren, welche speziell mit einer Entzündung des Dickdarms assoziiert sind. Diese Genvarianten spielen sowohl bei der Colitis ulcerosa als auch bei Morbus Crohn-Patienten eine Rolle.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie können nicht unmittelbar zur therapeutischen Anwendung genutzt werden. Doch die Grundlagenforschung sei mit den aktuellen Ergebnissen wieder ein Stück weiter, so Ellinghaus: „Komplexe Erkrankungen wie CED vollständig zu verstehen, ist eine immense Herausforderung an die Wissenschaft. Unsere aktuellen Ergebnisse helfen dabei, wieder ein wenig mehr Licht ins Dunkel dieser schweren Erkrankungen zu bringen.“

Originalpublikation:

High-density mapping of the MHC identifies a shared role for HLA-DRB1*01:03 in inflammatory bowel diseases and heterozygous advantage in ulcerative colitis
Eva Ellinghaus et al.; Nature Genetics, doi: 10.1038/ng.3176; 2015

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Innere Medizin, Medizin

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