Hobby-Doping: Die Anonymen Anaboliker

2. März 2015
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Doping ist nicht nur im Spitzensport ein Problem: Hunderttausende Fitness-Enthusiasten nehmen leistungssteigernde Substanzen, ohne sich um die Risiken zu scheren. Die Symptome eines solchen Medikamentenmissbrauchs werden häufig falsch gedeutet und therapiert.

Jan Ullrich, Lance Armstrong, Diego Maradona, Marion Jones – die Liste der Dopingsünder im Spitzensport ist lang, doch auch abseits des Rampenlichts wird fleißig gedopt. Dennoch wird über Doping im Breiten- und Freizeitsport nur selten berichtet, aktuelle Zahlen fehlen. Studien gehen jedoch davon aus, dass 10 bis 15 % aller Fitnessstudio-Besucher dopen. Männer greifen dabei anscheinend deutlich häufiger zu den verbotenen Substanzen als Frauen. In Deutschland waren 2014 8,55 Millionen Menschen Mitglied in einem Fitness-Studio, im selben Jahr waren 23,69 Millionen Mitglied in einem Sportverein. Die Zahl der deutschen Hobby-Doper wird in Deutschland auf 350.000 bis 400.000 geschätzt, die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher liegen.

Fitness liegt im Trend: Die Zahl der Fitness-Studio-Mitglieder steigt seit Jahren stetig, in den letzten 10 Jahren hat sie sich hierzulande fast verdoppelt. Die Sport- und Fitness-Branche boomt, und damit auch der Markt für leistungssteigernde Mittel. Der Einstieg ins Doping erfolgt häufig über harmlos scheinende Nahrungsergänzungsmittel, beispielsweise Kreatin, Glutamin, Protein-Vitamin-Mischungen und pflanzliche Mittel zum Muskelaufbau. Das Problem: Diese Mittel werden nicht wie Medikamente nach GMP-Standards hergestellt und sind daher oft verunreinigt. Zudem gibt es kaum klinische Studien zu den gesundheitlichen Folgen der Einnahme – insbesondere, wenn diese über viele Jahre erfolgt.

Das Who-is-who der Dopingmittel

Zu den beliebtesten Dopingsubstanzen gehören anabole androgene Steroide (AAS) wie Stanozolol und Nandrolon. Diese synthetischen Testosteron-Derivate sollen eine rasche Regeneration und einen schnellen Muskelaufbau ermöglichen. Überschüssiges Testosteron wird jedoch im Körper durch das Enzym Aromatase in östrogenartig wirkende Substanzen umgebaut. Um den feminisierenden Eigenschaften dieser Testosteron-Abbauprodukte entgegenzuwirken, verwenden AAS-User häufig gleichzeitig Aromatase-Hemmer wie Anastrozol und Letrozol oder Östrogen-Rezeptor-Antagonisten wie Tamoxifen. Hier zeigt sich, dass sich Doper meist nicht mit dem Missbrauch einer Substanz oder Substanzklasse zufrieden geben. Die Gefahr für Wechselwirkungen ist bei einer solchen Polymedikation natürlich groß.

Weitere Medikamente, die zum Dopen missbraucht werden, sind Beta-2-Sympathomimetika wie Clenbuterol und Hormone wie Insulin, hCG und Wachstumshormone, beispielsweise Somatotropin. Außerdem werden häufig Diuretika eingesetzt, um die Muskeln stärker hervortreten zu lassen, schnell Gewicht zu verlieren oder um Dopingsubstanzen auszuschwemmen und so den Missbrauch zu maskieren.

Folgen des Dopingmittel-Konsums

Doping kann eine Vielzahl von Symptomen verursachen, die aber häufig nicht mit dem Medikamentenmissbrauch in Zusammenhang gebracht werden – in der Folge kommt es dann zu einer Fehltherapie. Typische Anzeichen für den Gebrauch von Dopingmitteln sind:

Anabole androgene Steroide (AAS)Beta-2-Sympathomimetika
AkneTremor
WasserretentionSchwindel
AlopezieHyperhidrose
KopfschmerzenTachykardie
HypertonieHypokaliämie
StimmungsschwankungenHyperglykämie

 

Die körperlichen Folgen eines Dopings sind so vielgestaltig wie die Dopingsubstanzen selbst. Der dauerhafte Einsatz von Wachstumshormonen wie Somatotropin kann zu Akromegalie und Diabetes mellitus Typ 2 führen. AAS dagegen schädigen die Leber, was zu Läsionen, Peliosis hepatitis, hepatischen Adenomen und hepatozellulären Karzinomen führen kann. Zudem kann der Gebrauch von AAS Herz-Kreislauf-Schäden verursachen, beispielsweise ventrikuläre Hypertrophien, eine erhöhte Thrombozyten-Reaktivität, Arrhythmie, Myokardinfarkt oder Apoplex. Weiterhin kann es zu Störungen des Lipidstoffwechsels (erhöhtes LDL, vermindertes HDL) sowie Atherosklerose kommen.

Auch das Liebesleben leidet unter dem AAS-Gebrauch: Es können erektile Dysfunktion, Libidoverlust und testikuläre Atrophie auftreten. Zudem tritt bei Männern durch die Konversion der AAS in Östrogene häufig eine Gynäkomastie auf, bei Frauen dagegen findet sich oft ein ausgeprägter Virilismus. Die Verwendung von AAS kann auch psychische Folgen haben, beispielsweise manische oder hypomanische Veränderungen, eine Steigerung der Aggressivität und – nach Absetzen der AAS – Depressionen, die bis zum Suizid führen können. Bei Jugendlichen haben AAS noch einen zusätzlichen schädlichen Effekt: Sie stoppen das Knochenwachstum.

Leistungsdruck und Körperkult

Doch wer sind diese Menschen, die illegale Doping-Substanzen einnehmen? Das Bild vom muskelbepackten Bodybuilder, der sich mit Anabolika vollpumpt, ist lediglich eine Facette der Wirklichkeit. Neben Bodybuilding sind nämlich auch andere Sportarten wie Fitness- und Gesundheitssport für Doping anfällig. Und das, obwohl die Dachverbände der Bodybuilder und der Fitnessstudio-Branche sich klar gegen Doping positionieren. Doch überall, wo ein schöner, durchtrainierter Körper im Vordergrund des Trainings steht, ist die Versuchung groß, durch Hilfsmittel schneller ans Ziel des Traumkörpers zu gelangen. Ebenfalls gefährdet sind Sportler, für welche die Wettkampfleistung im Vordergrund steht, beispielsweise Marathonläufer und Radfahrer.

Fitness und Leistung gelten heute als Indikatoren für Erfolg. Doping ist daher auch Ausdruck unserer leistungsorientierten und körperfixierten Gesellschaft. Dies macht nicht nur Erwachsenen zu schaffen: Kinder und Jugendliche leiden besonders unter dem Druck, und so verwundert es nicht, dass auch immer mehr junge Menschen zu Dopingmitteln greifen. Bis zu 9 % aller Schüler haben schon mindestens einmal selbst Dopingmittel genommen, das Einstiegsalter liegt bei 16 bis 19 Jahren. „Anfällig für diese Substanzen sind Jungs und junge Männer“, erklärt Professor Heiko Striegel, stellvertretender ärztlicher Direktor der Sportmedizin am Universitätsklinikum Tübingen. „Ihr Ziel ist es, einen muskelgestählten Traumkörper zu erreichen, so wie wir ihn von vielen Hochglanzmagazinen her kennen.“

Doping auf Rezept?

Hobby-Doper sind immer in eingeschworene Netzwerke eingebettet. Der Erstkontakt mit Doping erfolgt häufig über Trainer, Trainingspartner oder Studiobesitzer; in einschlägigen Internetforen werden fleißig Tipps und Erfahrungen mit den verschiedensten Medikamenten-Cocktails ausgetauscht. Dank Bekannter im Fitnessstudio und blühendem Internet-Versandhandel ist es heute ein Leichtes, an Dopingmittel zu kommen – dass eine Vielzahl der illegal importierten Mittel jedoch zu wenig, gar keine oder falsche Inhaltsstoffe enthält, scheint die User nicht zu beunruhigen. Wenn es sich um Präparate handelt, die subkutan injiziert werden, kommt noch die Gefahr einer Sepsis durch unsterile Nadeln oder Injektionslösungen hinzu, an der Einstichstelle kann sich zudem ein Abszess bilden.

Noch erschreckender ist jedoch, dass anscheinend jeder vierte Hobby-Doper seine Substanzen von einem Arzt bezieht. In einer Umfrage gab sogar jeder dritte User an, dass er unter ärztlicher Überwachung steht. Dabei sollte die ärztliche Position eigentlich klar sein: Laut einer Stellungnahme der Zentralen Ethikkommission „widerspricht die Mitwirkung am Doping der elementaren Pflicht des Arztes zur Erhaltung der Gesundheit seines Patienten“. Doping ist jedoch nicht nur mit dem ärztlichen Berufsethos unvereinbar, es ist auch laut § 6a des Arzneimittelgesetzes strafbar: „Es ist verboten, Arzneimittel […] zu Dopingzwecken im Sport in den Verkehr zu bringen, zu verschreiben oder bei anderen anzuwenden“. Ein Verstoß wird mit einer Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit einer Geldstrafe geahndet.

Bei Dopingverdacht: Vor Risiken warnen

Erlangt der Arzt Kenntnis davon, dass sein Patient dopt, ist er jedoch weder zu einer Strafanzeige verpflichtet noch dazu berechtigt, da eine Anzeige eine Verletzung der ärztlichen Schweigepflicht darstellen würde. Der Arzt sollte jedoch den Patienten eindringlich und unmissverständlich vor den Risiken warnen und auf das Verbot des Dopings hinweisen. Ob er die Behandlung abbricht, muss jeder Arzt im Einzelfall selbst entscheiden. Prinzipiell darf er aufgrund der bestehenden Vertragsabschlussfreiheit durchaus die ärztliche Behandlung von dopenden Personen ablehnen – eine Ausnahme stellt selbstverständlich die Notfallversorgung dar. Die Ethikkommission spricht sich aber aufgrund des Genfer Gelöbnisses gegen eine generelle Nichtbehandlung von Dopern aus. Sollte der Patient jedoch trotzdem weiter dopen wollen oder sogar die Unterstützung des Arztes beim Doping einfordern, so gesteht die Ethikkommission dem Arzt das Recht zu, die Behandlung abzubrechen.

Anders sieht die Lage beim Doping von Kindern und Jugendlichen aus. Hier wäre der Bruch der Schweigepflicht zum Schutz eines höherwertigen Rechtsguts vertretbar. Der Arzt sollte in jedem Fall mit den Eltern sprechen und nötigenfalls den behandelnden Arzt anzeigen. Laut Arzneimittelgesetz liegt bei Abgabe oder Anwendung von Arzneimitteln zu Dopingzwecken im Sport an Personen unter 18 Jahren ein besonders schwerer Fall vor, der mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren geahndet wird.

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17 Kommentare:

Student der Humanmedizin

Sicher sollte man bei einer Überdosierung von Nahrungsergänzungsmitteln vorsichtig sein, aber glauben Sie mir alle: Sämtliche Leistungssportler nehmen Eiweiß- oder Kreatinpräparate,gegen die tatsächlich nichts einzuwenden ist. Natürlich handelt es sich hierbei um in Deutschland hergestellte Produkte, weshalb auch der entsprechend hohe Preis verlangt wird. Allerdings spielt der Preis im Leistungsport keine Rolle. Beispielsweise nimmt ein großer Teil der Fußballbundesligaspieler Eiweiß- und/oder Kreatinpräparate zu sich.
Insgesamt finde ich es nicht korrekt solche Produkte in eine Schublade mit Anabolika zu packen. Selbstverständlich besteht bei Produkten aus dem Ausland eine Verunreinigungsgefahr. Dieses Problem gibt es aber nicht nur bei Nahrungsergänzungsmitteln solcher Art, sondern bei sämtlichen Vitaminpräparaten und Medikamenten. Sie möchten sicher auch ungern als Patient eine Aspirintablette nehmen oder ein Vitaminpräparat nehmen, das in China hergestellt wurde. Selbiges gilt für oben beschriebene Nahrungsergänzungsmittel.

#17 |
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Arzt
Arzt

@Alexander Schütz die “richtige Dosis” ist bei frei verkäuflichen Vitaminen etc. kein echtes Problem, da weitgehend vorgeschrieben mit den “Empfehlungen” der DGE, die eher sehr vorsichtig Mindestwerte angeben,
bei Vt.D sicher immer noch zu wenig. Hier kann der Arzt durch Bestimmung der Blutwerte wirklich auf Nummer sicher gehen, nicht nur den Vit.-Spiegel, sondern auch Ca und Phosphat um einen gar nicht so extrem seltenen Hyperparathyreoidismus auszuschließen.
Es ist immer problematisch feste Regeln für alle Menschen festzulegen,
oder umgekehrt, wegen Risiken einzelner gleich die Allgemeinheit schlecht zu “substituieren”.
Doping im eigentlichen Sinne (Hormone) ist selbstverständlich auch außerhalb des Sports gesundheitsschädlich.

mfG

#16 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Vielen Dank an alle beteiligten zu diesem Thema, ich habe fast eigenhändig und in Eigeninitiative ! :D die Moderation zu diesem Thema übernommen (deswegen wird aber trotzdem kaum was daran ändern).. :) und vielleicht könnte der eine oder andere (auch ich :) interessante Erkenntnisse daraus ziehen), kollegiale Grüße (wie man bei Verdi sagt) und bis dann. ;)

#15 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

@Dr. Bayerl – ja da stimme ich Ihnen zu, wenn die Medikation in der richtigen Dosis eingesetzt wird, gibt aber öfter Probleme für alles richtige Dosis zu finden.

@Dr. Stefan Graf – ich finde nicht dass alle Anabolika Konsumenten alle typisch disproportioniert und seltsam überwuchert sind, es ist wie überall eine ziemliche Mischung aus unterschiedlich ausgebildeten Individuen (nicht alle nehmen das gleiche, über gleichen Zeitraum und alle haben ja auch untersch. Konstitutionen) das was Sie meinen geht in ein Extrem.
Ein durchtrainierter Typus gibt nun mal optisch “gesunden” Eindruck, dass die Organgeweben bereits Schäden durch diverse Mittel tragen können denkt kaum einer nach.
Und Nahrungsergänzungsmittel etc. natürlich muss man wissen was man seinem Körper zumutet, da ist man meistens auf sich allein und sein Fachwissen gestellt, einen versierten Berater wird man vergebens suchen, wenn man beispielweise bedenkt was man bei einer banalen Erkältung alles in der Apotheke zum Kauf angeboten bekommt (auf 85% des Angebots kann man absolut verzichten) und kaum einer würde jemanden Erklären was für Arbeit die Nieren leisten müssen, wenn man paar “gesunde” Eiweiß- Shakes zu sich nimmt, aber man darf nun mal nicht alles verbieten oder unter Rezeptpflicht stellen, jeder ist letztendlich für sich selbst verantwortlich.

#14 |
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Ärztin
Ärztin

Hallo, Herr @ Karl-Heinz Licht, gegen zusätzliches Eiweiß ist besonders bei Krafttraining nichts auszusetzen, da das tatsächlich den Muskelaufbau durch Training nachweislich erleichtert. Nur ist es rausgeschmissenes Geld, hierfür “Pulver” zu nehmen, statt Fleisch, Fisch, Eier und Milch, die alle gesünder (und billiger) sind als Pulver, auch deshalb weil gleichzeitig wichtige Mikronährstoffe mitenthalten sind.
Doch Reklame und Glaube kann Berge versetzen.
Je nach Quelle kann man leider auch nie ganz ausschließen, dass dem “Pulver” einiges beigemischt ist, siehe #10. Zudem gibt es auch für Eiweiß eine “biologische Wertigkeit”! Die Industrie geht aber nicht danach, sondern nach dem Einkaufspreis der Eiweißquelle, und hier sind Pflanzen (Soja etc.) wesentlich billiger, was unverschämterweise auch noch als Vorteil beworben wird.
Der ganze “Vegetariertrend” ist ja ebenso von dieser “Industrie” vorsätzlich gepuscht, was wenige wissen. Ein “vegetarisches” Curry-Würstchen ist also in der Herstellung viel billiger und macht daher wesentlich höheren Gewinn, als ein echtes.
Bei “Käse” (Pizza) fängt man ja auch schon mit dem Pantschen an.

#13 |
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Medizinjournalist

Das sind doch alles nur Eiweißshakes. Jedenfalls höre ich die Schütteleien in der Umkleidekabine bei jedem Besuch in meinem Studio. Die deutlich gedopten Figuren sind häufig die beratenden Händler. Ein Schelm, wer dabei auf die Idee kommt, dass die ganz großen Jungs ihren eigenen Bedarf mit Verkauf verdienen.
Das Zeug gibt es mittlerweile in Drogeriemärkten. Da muss mit einer rasch steigenden Verwendung gerechnet werden. Die Inhaltsstofffe kann kein Sportler bewerten. Die glauben einfach – also noch eine Religion.

#12 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

eine verordnete Indikation kann niemals “ein Zuschütten bis zum Platzen” sein, sondern ein Ersatz von Defiziten zum Herbeiführen von normalen Werten, ausnahmsweise werden bei Krebsbekämpfung auch “Antihormone” eingesetzt, wenn diese Krebse hormonabhängig sind.
Grundsätzlich bleibt eine Überdosierung wie eine Unterdosierung gesundheitlich schädlich und Muskeln wachsen nun mal nicht von alleine.

#11 |
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Ärztin
Ärztin

Bei “Nahrungergänzung” muss man allerdings unterscheiden zwischen Substanzen die tatsächlich Teil der Nahrung sind, oder seien sollen, wie Vitamine und Spurenelemente (Mineralien) und dem Heer von mehr oder wenig obskuren Mittelchen gegen alles Mögliche, die lediglich die Hürde eines Arzneimittels nicht nehmen können oder wollen (viel zu teuer) und nur deshalb in die “gesetzliche” Sammel-Gruppe von “Nahrungsergänzung” fallen.
Letztere allein haben überwiegend auch durch Internetvertrieb den schlechten Ruf der ganzen Gruppe verursacht, weil sie auch häufig illegal “gepanscht” sind mit verschreibungspflichtigen Pharmaka, Nr.1 natürlich Viagra und Co., sich aber als harmlose Pflanzenextrakte tarnen.
Leider wird dadurch echte Nahrungsergänzung wie Eisen (Nr.1-Defizit global) Jod Vitamine etc. sogar von der DGE in ein schiefes Licht gezogen, was insbes. z.B. für Vegetarier LEBENSWICHTIG ist.
Die richtige Ernährung, nicht nur zu viel, auch zu wenig, ist und bleibt eine zentrale Herausforderung für JEDE gesunde Lebensführung.
Nach meiner Überzeugung sollte sie daher Pflichtschulfach sein, ebenso wie Turnen, was durch unsere verhängnisvolle Femininisierung paradoxerweise verhindert wird.
Statt dessen haben Frauen erfolgreich das Rauchen “gelernt”.

#10 |
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Hallo Herr Schütz: zu Ihrem Kommentar (#5) “….und natürlich unterliegen auch Bodybuilder einem Druck [..]Dass die gesellschaftliche Akzeptanz bei einem leistungsfähigen, optisch gesunden und kräftigen Individuum mehr gegeben als bei einem schwachen, kränklichen und weniger leistungsfähigen – ist auch kein Geheimnis mehr”. Finden Sie wirklich, dass die typische Anabolika-Konstitution (dis-/hyerproportionierte Muskelberge, kurzer dicker Hals, typische Physiognomie, extremes Misserhältnis zw. Muskelmasse und oft verkürzten Begleitstrukturen, gezwungn breitbeiniges Gangbild…) irgendetwas mit “optisch gesundem” und “leistungsfähigen” Erscheinungsbild zu tun hat? Gesellschaftlich mag das akzeptiert werden, aber das Renommee des offensichtlich “pharmakologisch” produzierten Extrembodybuilders (insbesondere hinsichtlich des “Oberstübchens”) ist doch im Großteil der Bevölkerung ein negatives. Wenn hier ein Leistungsdruck besteht, dann nur innerhalb der “Szene”. Auch für den Schmerzmittel schluckenden Marathoni ist gesellschaftliche Anerkennung nicht das entscheidenden Druck erzeugende Moment.
Wie weit man den Dopingbegriff fasst, ist meines Erachtes zweitrangig. Die Gefahr beginnt bereits bei den unzähligen im Diskounter feil gebotenen Nahrungsergänzungsmittel, die heute schon jeder zweite nach Gutdünken – oft gemäß dem Motto “viel hilft viel” regelmäßig einnimmt. Auch hier lauern dokumentierte Überdosierung und Wechselwirkungsgefahren.

#9 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Dr. Bayerl deswegen erwähnte ich in meinem Kommentar auch mögliche Verstöße gg. das AMG, rein theoretisch kann man sich auch mit verschreibungspflichtigen Dopingmitteln zu- und überschütten bis man platzt (oder auch der besagte Eimer zuerst platzt), wenn das nicht zu Dopingzwecken, sondern für eine verordnete Indikation geschieht. Bei Ihrem Beispiel mit Amphetaminen – da ist klar, da BtMG (illegaler Besitz und Konsum strafbar).
Und “privat” darf man mit weit mehr Substanzen “verunreinigt” sein, als es im Leistungssport der Fall sein dürfte.

#8 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Die Nebenwirkungen sind ja von Frau Aho-Ritter und Vorrednern dankenswerterweise schon aufgezählt. Im Falle von Anabolika ist es keine Sucht, medizinisch ist aber sowohl zu viel an Hormonen ebenso eine gut definierte Erkrankung, wie zu wenig davon, beides führt deutlich zu verkürzter Lebenserwartung. Und die testosteronähnlichen Anabolika bremsen obligatorisch, also unvermeidlich auch die Eigenproduktion, ich sach den Jungs immer dass die Hoden schrumpfen, was die aber offensichtlich nicht genug abschreckt,
und wenn man dann aufhört, kommt man erst mal in die ebenfalls ungesunde Unterfunktion.

#7 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

zu#2 und #3 auch für Erwachsene sind anabole Hormone oder Amphetamine rezeptpflichtig und ohne das illegal,
völlig unabhängig ob “privat” oder im Leistungssport.
Coffein (und einige harmlose Dinge) ist bekanntlich nicht rezeptpflichtig fällt aber beim Sport unter Doping, weil es schlicht wirksam ist. Bei der Kontrolle gibt es allerdings Dosisgrenzen, eine Tasse Kaffee reicht wohl nicht.
Das Ziel des sowieso ungesunden Spitzensports, der damit sein Geld verdient, ist ja noch irgendwie nachvollziehbar, wenn auch gelegentlich tödlich, siehe Beitrag Dr. Stefan Graf,
aber im Privatbereich beim besten Willen nicht.
Die Wünsche, die damit in Erfüllung gehen sollen, sind selbstverständlich totale Illusion,
ohne wirklich hartes (und vernünftiges) Training ist auch mit maximalem Doping kein gut sichtbares Muskelwachstum möglich.

#6 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Eigentlich versteht man unter dem Begriff Doping nur die Einnahme von unerlaubten Substanzen zur Leistungssteigerung im Sport (und das sind bei weitem nicht nur die anabolen Steroide oder Wachstumshormone) und natürlich unterliegen auch Bodybuilder einem Druck (gibt es diverse Gründe für eine Motivation dazu).
Dass die gesellschaftliche Akzeptanz bei einem leistungsfähigen, optisch gesunden und kräftigen Individuum mehr gegeben als bei einem schwachen, kränklichen und weniger leistungsfähigen – ist auch kein Geheimnis mehr.
Wenn man heute außerhalb des Sports seine Leistung bzw. Befinden mit diversen Substanzen zu modifizieren versucht fällt dies wahrscheinlich unter den Begriff des “schädlichen Gebrauchs oder Konsums” (auch hier sicher Substanz, Dosis und Häufigkeit abhängig).

#5 |
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Gesellschaftlichen Leistungsdruck kann ich gerade bei den “aufgepumpten Anabolikamonstern” auch nicht erkennen. Da geht es um Imponiergehabe in einer Szene.
Im breitensportlichen Ausdauerbereich (Marathon,Triathlon) ist besonders der Konsum der bekannten freiverkäuflicher Schmerzmittel (Ibuprofen, Diclofenac, Paracetamol) fast schon Gang und Gäbe. Professor Kay Brune von der FAU Erlangen hat bereits 2009 und 2010 anlässlich des Bonner Marathons Studien durchgeführt. Von über Tausend per Fragebogen interviewten Teilnehmern, die das Laufen freizeitsportlich betrieben, räumte über ein Drittel ein, regelmäßig Schmerzmittel einzunehmen, um die Trainingsbelastungen besser zu verkraften. Sage und schreibe 60% der Befragten gestanden ein, sich bereits vor dem Startschuss “analgetisch präpariert” zu haben. Rechnet man in beiden Fällen die Dunkelziffer hinzu, graust es einen. Pervertierung des Sports! Gerade die Leichtathletik gilt ja als Intellektuellensport. Aber die Naivität, mit der hier teilweise das Mehrfache der im Beipackzettel angegebenen Maximaldosis “eingeworfen” wird, erschreckt. Der frühere Weltklasse-Kugelstoßer Ralf Reichenbach war einer der ersten, der sich zum Dopen bekannt und für Legalisierung ausgesprochen hat. Mit 48Jahren ist er an akutem Herzversagen gestorben – sein Fitnessstudie wird heute noch betrieben. Es darf bezweifelt werden, dass sein Beispiel dort abschreckende Wirkung hat. Dass der Erwerb von Dopingmitteln in Studios und I-Netz (Medikamentfälschungen als weiteres Problem) “ganz easy” ist, wird recht offen kommuniziert. Wenn – wie im Artikel beschrieben – sogar Ärzte in das Doping verstrikt sind – potenziert es das Problem erheblich. Es ist allerhöchste Zeit für erheblich strenge Regularien und deren Überwachung – andersfalls entgleitet die Sache völlig mit fatalen bzw. letalen Folgen.

#4 |
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Biologisch- / Chemisch- / Physikalisch-technischer Assistent

Privat kann jeder so viel dopen wie er will oder verkraften kann – meinetwegen Eimerweise – es gibt keine strafrechtliche Verfolgung dagegen – selbst wenn man sich dies wünschte. Zu Problem wird es nur im Profisport oder bei konkreten Verstößen gegen das Arzneimittelrecht.
Zu # 2 nee gibt gar kein Leistungsdruck heute, man braucht nur heutige Schulkinder anschauen und wie die auf Leistung im Erwachsenenleben getrimmt werden (wäre vl. erster Ansatzpunkt zur Prävention des Wunsches zur Leistungssteigerung).
Zweiter Ansatzpunkt wäre vl. den heutigen hohlen Schönheitsidealen nicht hinterher zu laufen, sondern vl. mehr Wert auf geistige Vorteile und enspanntere Lebensweise legen. Dritter Ansatzpunkt wäre kritisch zu sein bevor man Hardcoresachen jemanden verschreibt und richtig an die Folgen denken.

#3 |
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Arzt
Arzt

Der Beitrag ist richtig und wichtig,
natürlich ist das gesundheitsschädlich.
Die Abgabe solcher Hormone an Jugendliche ist selbstverständlich illegal
und sollte sowohl überwacht, wie unter Strafe gestellt werden.
(Konzessionsauflage)
Mit guten Worten erreicht man nichts.
Es gibt keinen wirklichen “Leistungsdruck” , der ist nur selbstgemacht oder eingebildet.

#2 |
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Dr. med. Michael Freytag
Dr. med. Michael Freytag

Zitat: “Die Zahl der deutschen Hobby-Doper wird in Deutschland auf 350.000 bis 400.000 geschätzt, die Dunkelziffer dürfte noch deutlich höher liegen.”
Verständnisfrage:
Was ist denn der Untschiede zwischen der geschätzten Anzahl und einer “Dunkelziffer” ? Nach meinem Verständnis ist das dasselbe. Die geschätzte Anzahl ist die Dunkelziffer, oder habe ich da etwas falsch verstanden?

#1 |
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