Telemetrie: App in die Sprechstunde

4. März 2015
Teilen

Ein neuer Trend aus den USA: Per App kommt der Arzt virtuell zum Patienten. Laien sind begeistert, schließlich sparen sie Zeit und Geld. Hierzulande gibt es ähnliche Trends – trotz fehlender Infrastrukturen. Auch das Fernbehandlungsverbot erschwert Innovationen.

Kopf– und Gliederschmerzen, Schüttelfrost und Halsschmerzen: Grippale Infekte stehen momentan auf der Tagesordnung. Jetzt noch zum Arzt – einen Termin bekommen, das halbe Wartezimmer anstecken – nur für eine Krankschreibung und ein Rezept? Zumindest in den USA gibt es Alternativen.

Beratung per Chatnachricht

Derzeit wachsen Anbieter von Online-Sprechstunden wie Pilze aus dem Boden. Beispielsweise setzt „first opinion“ auf Textnachrichten. Per Software wählt der Anbieter über Kriterien wie Geschlecht, Schwangerschaft oder Alter geeignete Ärzte aus. Ein Abo schlägt mit 25 US-Dollar zu Buche. Dafür stehen Ärzte rund um die Uhr zur Verfügung. Patienten bleiben anonym, nur ihr Vorname erscheint. Stellen sie medizinische Fragen, antworten Ärzte per Chatfunktion, ähnlich wie bei WhatsApp. Sie melden sich auch, falls der Weg zur Sprechstunde erforderlich ist. Patienten schätzen diesen Service: Bereits vier Monate nach der Einführung haben dem Entwickler zufolge 20.000 Menschen Dienste über „first opinion“ in Anspruch genommen.

Video statt Wartezimmer

„Doctor on Demand“ verfolgt ähnliche Ziele, jedoch mit anderen Technologien. Wer Ärzte per App kontaktieren möchte, beantwortet zuerst Fragen rund um seinen Gesundheitszustand. Dann wird ein audio- oder videobasierter Besuch bei Health Professionals arrangiert. Für 40 Dollar gibt es virtuelle Konsultationen inklusive Diagnose und, falls erforderlich, Rezept. Psychologen oder Stillberater stehen ebenfalls bereit. Der Anbieter verspricht, „akute gesundheitliche Probleme wie grippale Infekte oder Migräne zeitnah und unkompliziert zu behandeln und entsprechende Medikamente zu verschreiben“. Patienten können ihren Arzt oder Experten anschließend über ein Punktesystem bewerten.

Gut und günstig

Keine Einzelfälle: American Well, TelaDoc, Interactive MD oder Healthcare Magic konnten sich schon länger auf dem Markt behaupten. Wer jetzt über die vermeintliche Technikverliebtheit amerikanischer Patienten schmunzelt, wird von Pat Basu eines Besseren belehrt. Der Chief Medical Officer von „Doctor on Demand“ kritisiert, Konsultationen würden in den Staaten durchschnittlich drei Stunden Zeit in Anspruch nehmen – falls Patienten überhaupt Termine bekommen. Damit nicht genug: Arztbesuche schlagen mit bis zu 120 US-Dollar zu Buche, beim Bereitschaftsdienst werden schnell 160 US-Dollar fällig. Selbst Versicherte, deren Zahl steigt dank Barack Obamas „Patient Protection and Affordable Care Act“ stetig an, müssen 40 US-Dollar Zuzahlung berappen. Genau hier setzen Apps mit günstigen Preisen an. In Europa geht es eher darum, Zeit zu sparen.

„Arztbesuch sinnvoll ergänzen“

Einige Beispiele: Während in Großbritannien DrEd mit virtuellen Konsultationen schon seit Jahren für Schlagzeilen sorgt, bietet Patientus entsprechende Dienstleistungen auch hierzulande an. Nicolas Schulwitz, Gesellschafter-Geschäftsführer bei Patientus, will „den Arztbesuch sinnvoll ergänzen, aber nicht ersetzen“. Mittlerweile haben Entwickler Betatests ihrer Software erfolgreich abgeschlossen. Seit August 2014 sind Konsultationen auch in Deutschland per Videokonferenz möglich. Ärzte können beim Erstkontakt allgemeine Fragen zu Therapiemöglichkeiten und zur Kostenübernahme klären – Patientus bezeichnet dies als „Informationssprechstunde“. Bestandspatienten haben die Möglichkeit, Nachkontrollen oder kontinuierliche Kontrolltermine per Videoschaltung wahrzunehmen. Bleibt noch die „Zweitmeinungssprechstunde“, falls Laien weitere Einschätzungen zur geplanten OP benötigen. Sie können mit einem Arzt auch Bildmaterial diskutieren. Abgerechnet werden entsprechende Leistungen gemäß EBM wie eine telefonische Beratung. Ärzte zahlen 189 Euro pro Monat. Damit nicht genug: Bei Klara, früher goderma, fotografieren Patienten Hautläsionen und tauschen sich mit einem Dermatologen aus. Auch hier spricht der Anbieter von Verlaufskontrollen oder weiteren Ratschlägen – schließlich greift das Fernbehandlungsverbot gemäß Musterberufsordnung: „Ärztinnen und Ärzte dürfen individuelle ärztliche Behandlung, insbesondere auch Beratung, nicht ausschließlich über Print- und Kommunikationsmedien durchführen. Auch bei telemedizinischen Verfahren ist zu gewährleisten, dass eine Ärztin oder ein Arzt die Patientin oder den Patienten unmittelbar behandelt.“

Auf in die Zukunft

Experten kritisieren diesen Passus immer häufiger. Beim vierten E-Health-Forum in Freiburg forderten sie, besagte Regeln weiterzuentwickeln. Damit ist es nicht getan. In Deutschland fehlen Hermann Gröhe (CDU) zufolge bei der Health IT sichere, hochwertige Infrastrukturen. Grund genug für den Bundesgesundheitsminister, mit seinem E-Health-Gesetz Druck zu machen. Mittlerweile sehen Ärzte, dass es ihm nur um die elektronische Gesundheitskarte (eGK) und um die Arzneimitteltherapiesicherheit geht. Start-ups müssen weiterhin ihre eigenen Technologien entwickeln. Das Interesse vom „Patienten 2.0“ ist jedenfalls da.

44 Wertungen (4.16 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

17 Kommentare:

Vielen Dank Herr Kollege. Dramatisch und für mich eine neue Überlegung ist dabei das Potential der fehlenden Erfahrungen heutiger junger Kolleginnen und Kollegen!

Ein ähnliches Thema kann da angeschlossen werden: die “Zwangs”-Kalorienzufuhren. Sagte doch ein Oberarzt einer internistischen Abteilung zur bis zum Erbrechen mit Sondennahrung erfolgten Überernährung meiner Mutter, dass das ja die Diätassistentin des Hauses “angeordnet” habe. Ich habe mir dann allerdings schon erlaubt, darauf hinzuweisen, ob wir Ärzte nicht doch auch noch nach den Zustand des Pat. ein Wörtchen in dieser Verordnung mitreden sollten.

Extreme Formen kenn ich da in Altenheimen. Wieder zusammen mit der Diätassistenten eines Altenheimkonzerns und leider auch noch unterstützt vom vertrauensärztlichen Dienst wurde eine Aussage der Deutsch. Gesellschaft für Ernährungsmedizin so umgedeutet, dass faktisch jeder Alte eine ihm teilweise sehr unverträgliche Überernährung zu bekommen hatte. Als ich ihnen diese Verdrehung nachweisen konnte, stellten sich allmählich alle diese Ernährungspläne zum Wohle der Betroffenen ein – aber ohne dass jemals die besagte Diätassistentin mit mir sprach, was ich ihr angeboten hätte.

Es ist so manches los im Staate Dänemark …

#17 |
  0
Arzt
Arzt

Unglaublich gut Kollege Franz Geyer.
Mit der “Wundmanagement”-Schilderung perfekt ins Schwarze getroffen.
Ich erinnere mich in einem kurzen Gastspiel eines großen regionalen Zentralkrankenhauses der größten Klinikkette Deutschlands, bei dem ich die Ehre hatte,
den Chefarzt in seiner Ambulanz zu vertreten, beim dem ein Patient zu einer Routine-Kontrolle erschien, mit einer wirklich sorgfältig gepflegten Sekundärheilungswunde der Bauchdecke nach offener Appendektomie, soll ja noch vorkommen (in Zentren),
in der man tatsächlich eine ganze Hand reinstecken konnte;
gut, er war etwas adipös unten herum aber sonst eher topfit unter 50J, vor allem auch intelligent und zuverlässig nach meinem Eindruck.
Ich fragte ihn ganz harmlos wie lange denn das ambulante Erfolgsteam (3xpro Woche) wohl plane diese Behandlung fortzuführen,
darauf kam die Antwort, bei dieser Wundtiefe sicher noch mindestens ein 3/4 Jahr, habe man ihm gesagt.
Ich fragte ihn ob er damit einverstanden sei sie heute zuzunähen.
Er hatte Vertrauen und stimmte begeistert zu, auch unter Verzicht einer Lokalanästhesie aus Gründen des Infektionsrisikos.
Gott sei Dank befand sich im Verbandswagen eine riesige Nadel mit monofilem Faden dran und ich schlug zu, da es wohl eine einmalige Gelegenheit war und ich den Chef sonst nicht vertreten konnte.
Drei riesige Rückstichnähte, die Wunde war wirklich bis zum Grund sauber granuliert, diese wegen der rel. großen Spannung der großen Ränder mit je drei Tupfern etwas gepolstert und der Anweisung erst mal bis zur nächsten kurzfristigen Kontrolle niemand dran zulassen.
Und schon beim nächsten mal war sie recht fest verklebt, die Fäden wurden wegen der Spannung rel. rasch entfernt. In 2 Wochen war die dicke Baudecke zu und epithelbedeckt. 2 Wochen statt ein geplantes 3/4 Jahr. Noch mit etwas mechanischem Schutz durch eine breite Bauchbinde, an die er sowieso gewöhnt war. Er war glücklich und auch wieder unabhängig, voll arbeitsfähig und freute sich besonders über das private Wannenbad, auf das er vorher lange verzichten musste.
Junge Ärzte können das nicht mehr lernen, da das nun Pflegeaufgabe geworden ist, auch im Haus.
Nicht alle waren glücklich über mein brutales Eingreifen. :-)

#16 |
  0

Die “Vervollkommnung” der Telemedizin bestünde wohl darin, dass dadurch das Medizinstudium völlig „eingespart“ werden könnte: Eine Katastrophe zwar für die gesundheitliche Versorgung – aber doch ein Feld wunderbarer Gewinnmaximierung. Könnten sich doch auf ihm geschäftstüchtige Dienstanbieter mit un-informierten Politikern und agierenden „Spezialisten“ um die Wette und um die Pfründe tummeln. Alle Wege der sogenannten heutigen „Telemedizin“ weisen darauf hin, dass sie hauptsächlich professionell agierender Geschäftemacherei dienen soll.

Diese „Telemedizin“ hat ja auch schon ihren erfolgreichen Vorgänger: Nämlich das nicht weniger ausschlachtfähige Wundmanagement. Ich nenne es gerne auch „Wunder-“Management, weil hier im Wesentlichen nur der Kuchen der teuren Wundauflagen ausgekämpft werden soll, um ihn in möglichst großem Umfang und Gewinn auf die Wunden zu bringen. Dass die geringst entlohnten Verteiler dieser „Wunder“-Materie dabei gelegentlich nicht einmal noch mehr etwas von Sterilität wissen, erhöht nur das einzige Ziel der hohen Gewinnerwartung.

Eine weitere Liga auf diesem Gebiet stellt die nach gleichen Gewinn-Maximen ausgearbeitet Pflegemedizin dar. Sie entspricht längst einer Pflegeindustrie, bei der es nur noch um die „Behandlung“ des Papiers und nicht mehr um die des Patienten geht. Was in dieser gezielt lancierten Dokumentationshysterie der einzige Hintergrund ist, ist nur, dass mit diesem der für das Auge geschaffene Aufwand an Geschriebenem, Fotografiertem und Abgezeichnetem als Legitimation für das einzustreichende Geld erarbeitet werden soll. Die eigentlich erforderliche echte Arbeit am Patienten kommt regelmäßig zu kurz, wenn sie nicht gleich ganz ausfällt.

Das Problem ist nicht nur für den einzelnen Patienten, sondern für die Gesellschaft insgesamt gravierend. Denn umso stärker solche Aufsplitterungen von Medizin und Gesundheitswesen erfolgen, umso teurer wird gleichzeitig das Ganze – und leider auch noch gleichzeitig umso schlechter. Es versagt das System von Ärzteschaft und Politik gleichermaßen, wenn es nicht fähig ist, diese Fehlentwicklungen zu steuern.

Die „Reform“ auf diesen genannten Gebieten und speziell bei dieser in den Startlöchern stehenden Telemedizin kann in unserer so viel wie noch nie reformierten Welt nur sein, dass die Gestaltungen so gemacht werden, dass in der aktuellen Ausformung nicht schon die nächste Reform impliziert ist. Dafür gäbe es auf dem Gesundheitssektor einen eindeutigen Weg: Alle Steuerung ist wieder in die Hand mit der höchsten Kompetenz zurückzugeben. Das ist die Ärzteschaft. Hier bei der Telemedizin könnte noch in Anfangsentwicklungen eingegriffen werden. – Aber nur, wenn sich Politik und Ärzteschaft aus den Fängen der Wirtschaft löst!

#15 |
  0
Gast
Gast

Hallo @Medizin-Student, man muss nur wissen, dass es sich dabei NICHT um Medizin handelt, sondern simpel um Datenübertragung, das ist enorm wichtig auseinanderzuhalten. Begriffsbildung ist aber manipulatives Marketing gerne auch in Englisch :-) immer fast eine Garantie für falsche Simplifizierung.
Natürlich ist die Datenübertragung und vor allem auch Speicherung und Zugriff von Daten gerade in der komplexen Medizin sehr wichtig, aber eben keine “Medizin”.
Auch ein “Automat” kann und sollte den Dr. aus Risikogründen nicht ersetzen und auch nicht ersetzen dürfen. Es muss weiter “Medizin” mühsam persönlich gelernt und gepaukt werden, daran führt kein Weg vorbei.
Mit dem inhaltlich irreführenden Schlagwort ist aber auch der offenbar unstillbare Hunger des meist anonymen “kommerziellen Komplexes”, leider auch des “Staates” selbst an persönlichen Daten verbunden, eine Falle, auf die zu achten der Arzt gesetzlich mit Strafandrohung verpflichtet ist!!!

#14 |
  0
Medizin-Student
Medizin-Student

Kenne mich mit der Telemedizin nicht sehr gut aus, aber für mich ist es eine Form von Apotheken ähnlichem Gespräch. Theoretische Fragen und leichte Diagnosen können schon vorgenohmmen werden. Es gibt genug Menschen die einfache Physiologie des Menschen nicht kennen und bei Bachschmerzen bei einer Frau an Prostata denken…

– Außerdem gibt es häufiger den Fall das man den Patienten schon nach einem

#13 |
  0
Nichtmedizinische Berufe

an Dr.med.Thomas Georg Schätzer:
Danke für ihren Kommentar, der mir aus der Seele spricht.
Sicher gibt es für die Telemedizin Anwendungsbereiche zum Beispiel die Buchkontrolle beim Diabetes-Patienten, auch gern Austausch unter Medizinern. Wo es meiner Meinung nach nichts zu suchen hat ist die Diagnostik und allem, was damit zusammenhängt.

#12 |
  0
Arzt
Arzt

der Herr Gesundheitsminister hat sich offensichtlich nicht gegen Grippe geimpft, will aber die Medizin ändern,
wahrscheinlich geht es wieder nur um Kosteneinsparung, der Patient ist gemeint und der Doktor wird beschimpft.

#11 |
  0
Arzt
Arzt

#9 ein dummer Satz was hat den bitte das Internet mit Telemedizin zu tun?
Was ist denn deiner Meinung nach “Telemedizin”.
Wenn dir dein handy sagt wie hoch dein Blutdruck ist,
ist das dann Telemedizin?

#10 |
  0
Gast
Gast

Die Telemedizin ist genau wie das Internet gar nicht aufzuhalten. Ob es einem nun gefällt oder nicht.

#9 |
  0
Rudi Haas
Rudi Haas

Herr Dr. med. Schätzler spricht mir voll aus dem Herzen.
Das Erfahrungswissen eines Mediziners kann niemals per email oder “Dr. on Demand” weitergegeben werden.
Eine Diagnose ist hiermit unmöglich.
Selbst dann nicht, wenn der Patient ein leidlich vorgebildeter Laie ist.

#8 |
  0
Heilpraktiker

An Dr. med. Thomas Georg Schätzler

Vielen Dank für Ihre Einschätzung. Das entspricht voll und ganz auch meiner Überzeugung.

#7 |
  0
Gast
Gast

Die “Digitalisierung” ist nicht nur in der Medizin eine zunehmende Gefahr, die die Opfer (wegen falschen Versprechungen) merkwürdigerweise gar nicht erkennen.
Sie führt schließlich zu einer menschenunwürdigen Versklavung.
Menschenunwürdig, weil der Mensch zu einem “Terminal” eines Rechenprogramms erniedrigt wird.
Versuch mal einer die hotline des Staates, wenn die überhaupt existiert, oder die eines großen Unternehmens am Telefon zu erreichen, wenn in einem “Bescheid” einer Behörde oder in einem Produkt, oder Rechnung eines großen Unternehmens EIN FEHLER aufgetaucht ist, was immer wieder vorkommen wird.
Es hat sich die Unsitte eingebürgert, dass diese hotline mit ahnungslosen Abwimmlern besetzt ist und Fehler mit höflichen Worten “automatisiert” bestritten werden. Ein normales postalisches Schreiben wird ebenfalls zunehmend abgelehnt und auf direkte online-Bedienung von fremden (fehlerhaften) Programmen verwiesen.
Dabei wird auf Gewinnmaximierung auch im “Pfennigsbereich” spekuliert und die oft STUNDEN-dauernden Bemühungen des “Endkunden”, einen Ausweg zu finden – auch beim ihm gilt selbstverständlich “time is money” – brutalst ignoriert.

#6 |
  0
R.Scheuerl, Heilpraktikerin
R.Scheuerl, Heilpraktikerin

an Dr.med.Thomas Georg Schätzer:

Herzlichen Dank ! Sie sprechen mir aus der Seele!

#5 |
  0
Medizin
Medizin

Telemedizin werden ggf. junge aufgeklärte Patienten oder welche mit Hautläsionen die trotzdem nicht zum Arzt gehen oder diejenigen denen Wartezimmer ein graus sind sicher gern nutzen. In Deutschland werden Ärzte und Patienten von dieser Entwicklung wohl sehr spät profitieren denn Ärzte sehen darin Ihre Pfründe gefährdet. Die Chancen werden nicht erkannt.

#4 |
  0

Zwischen “Tele-Tubbies” und der ominösen “Cloud” – Warum das eHealth-Gesetz nichts ändern kann:
Vgl. die exzellente Übersicht von Shari Langemak auf Medscape Deutschland: http://praxis.medscapemedizin.de/artikelansicht/4903270?nlid=75163_3161 “Schwacher Referentenentwurf: Warum das eHealth-Gesetz wichtig ist, und dennoch kaum etwas ändert”: Wesentliche Probleme, provokatorisch auf den Punkt gebracht. Viele Medizin-bildungsferne Entscheidungsträger wissen gar nicht, worum es bei der Telemedizin geht. Einige verwechseln Telemedizin mit den “Tele-Tubbies”. So zum Beispiel Sabine Bätzing-Lichtenthäler (SPD), Diplom-Verwaltungswirtin (FH), derzeit als Rheinland-Pfälzische Ministerin für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie die Vorsitzende der Gesundheitsminister-Konferenz. Sie konfabuliert illusionär verkennend gegenüber dpa: – dass Telemedizin ein Ansatz sei, dem ländlichen Ärztemangel entgegenzuwirken – Patienten dann für das Blutdruck messen nicht mehr zum Arzt zu gehen müssten, – ambivalent erklärt sie, “die Telemedizin wird nicht das Patentrezept sein, um dem demografischen Wandel zu begegnen”, – diese könne aber zugleich helfen, “ärztliche Versorgung weitestgehend sicherzustellen.” Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/61561/Widerstand-gegen-Telemedizin-Nicht-in-NRW
Kein Mensch sucht seinen Haus- oder Facharzt einzig und allein zur Blutdruck-Messung auf. Da stecken ganz andere Anliegen und Beratungsbedarf dahinter. RR-Messen geht zu Hause und in der Apotheke. Doch für die primär hausärztlich-internistische Versorgung, fehlen der Telemedizin wesentliche Sicherheits-, Diagnose- und Therapie-relevante Fakten:
1. Psychosomatische Wahrnehmungen in der direkten Arzt-Patienten-Interaktion wie Haltung, Hautfarbe, Hautturgor, Körpergeruch, Tonus, Sinnesorgane, Kraft, Temperatur, Pflegezustand, Foetor, Dolor, Calor, Rubor, Tumor, Stridor, Atem- und Herzgeräusche, Muskeltonus oder Muskelschwund, Haltungsprobleme, Gemütszustand, bio-psycho-soziale Schwingungsfähigkeit etc.
2. körperlich-physikalische Untersuchungsergebnisse: Kopf-, Hals-, Thorax-, Abdomen-Organe, Extremitäten, Haut, Schleimhaut, “digitale” Untersuchungen, Arterien/Venen, ZNS, Nervensystem, Psyche, Sinnesorgane, usw.
3. Differenzial-diagnostische Weiterführung mittels EKG, Lungenfunktion, Ultraschall, Laborparameter, Herz-Kreislauf-Tests o. ä.
Telemedizin und eHealth, verbunden mit der eCard, birgt weitaus mehr Probleme, Chancen und Risiken als ein putziges „Plants vs. Zombies“-Computerspiel. Patient und Mediziner schalten sich per Computer und Webcam zusammen, um Probleme zu lösen, die entweder völlig harmlos und nichtssagend sind oder von denen sie vorher noch gar nicht wissen konnten, dass sie sie haben könnten. Die schnelle Übertragung medizinischer Daten würde zwar erfolgen. Medizinisch relevante Untersuchungen können aber bei nur virtueller Präsenz von Arzt und Patient gar nicht realiter durchgeführt werden.
Dass der Telematik-Vorsitzende der Bundesärztekammer, Dr. Franz-Joseph Bartmann gemeinsam mit Oliver Bruzek als “Vice President Politik und Unternehmenskommunikation” der “CompuGroup Medical”, in den Chor der unkritischen Telematik-Befürworter einstimmt, ist wenig überraschend. Genauso gut könnte man Metzger zur Einführung von schärferen Schlachtermessern befragen. Doch die laufenden EDV-Kosten und IT-Investitionen werden allein von den Vertragsärzten und-Psychotherapeuten getragen. Und nach wie vor gilt: „Durchs Telefon und durch die Hose stellt man keine Diagnose“ – nur per EDV ist viel zu ungenau.

#3 |
  0

Und wer übernimmt die Haftung bei der Telemedizin? Der Arzt?? Oder soll das haftungsfrei funktionieren?

#2 |
  0
Arzt
Arzt

eine echte Krankheit,
warum ist das so schwer zu erkennen?

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: