Gesundheitsberufe: Sand im Ausbildungsgetriebe

13. Februar 2012
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Daniel Bahr zeigt Flagge gegen den Mangel an Ärzten und Pflegekräften, doch Bundesrat und EU schießen mit eigenen Vorstellungen quer. Dürfen künftig nur noch Abiturienten Gesundheitsfachberufe erlernen? Und steht die sehnlichst erwartete Novelle der Approbationsordnung vor dem Aus?

Alles begann mit einer längst vergessenen europäischen Richtlinie über die Anerkennung von Berufsqualifikationen für Krankenpfleger und Hebammen. Einmal mehr geht es um die Harmonisierung, und Deutschland hinkt hinterher: Laut EU-Politikern hätten bereits 24 Staaten Zulassungsvoraussetzungen für die Ausbildung modifiziert. Statt wie früher zehn sind nunmehr zwölf Ausbildungsjahre – zum Beispiel das Gymnasium – vorgesehen. Alternativ käme auch ein Hauptschulabschluss mit Ausbildung infrage. Insofern ist das geflügelte Wort „Pflegeabitur“ eigentlich falsch, bestimmte Schulabschlüsse sieht die EU nicht vor. Eine Ratifizierung des Papiers hätte dennoch weit reichende Folgen.

Verschiedene Qualifikationen im Pflegebereich

Bereits ab 2015 könnte es Jugendliche treffen, vor Ausbildungsbeginn länger die Schulbank zu drücken, falls das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) nicht erfolgreich interveniert. Daniel Bahr (FDP) ist klar, dass auch Haupt- und Realschüler die Möglichkeit haben müssen, einen Pflegeberuf zu erlernen. Die Realität sieht aber schon heute anders aus: In manchen Institutionen schreiben sich immer mehr Schüler mit Abitur ein, andererseits scheitern viele junge Menschen mit niedrigerem Schulabschluss bereits in der Probezeit. Steuert man jetzt nicht gegen, wird es noch schwieriger, den ohnehin schon drohenden Fachkräftemängel zu kompensieren. Um dennoch alle Bereiche abzudecken, fordern Kollegen zusätzliche akademische Pflegeberufe. Schließlich wachsen die Anforderungen immer weiter, etwa im Rahmen der Übertragung von Heilkunde auf Berufsangehörige der Alten- und Krankenpflege. Eine neue Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses öffnet jetzt zumindest Modellprojekten die Tür. Auch bräuchten Pflegekräften in Führungspositionen höhere Qualifikationen – künftig ist mit einer weitaus stärkeren Differenzierung des Berufsbildes zu rechnen. Bleibt zu hoffen, mit entsprechenden Angeboten mehr Interessierte anzulocken.

Studierende händeringend gesucht

Nicht nur Pflegeberufe sind vom Fachkräftemangel betroffen, auch bei Medizinern ist eine Lücke absehbar: Vertreter der Bundesärztekammer fanden heraus, dass rund 72.000 Kollegen in den nächsten zehn Jahren das Rentenalter erreichen werden. Jetzt soll ein umfangreiches Reformpaket den Beruf attraktiver machen, quasi als Phase zwei des Versorgungsstrukturgesetzes. Für Medizinstudierende sah die Sache anfangs sogar recht gut aus: Ende Dezember brachte das BMG eine Änderung der Approbationsordnung auf den Weg, auch das Kabinett stimmte zu. Die Kernpunkte: Bahr setzt beim Staatsexamen am Ende des Studiums, besser bekannt als „Hammerexamen“, an. Schriftliche Prüfungen wären vor Beginn des praktischen Jahrs abzulegen, damit sich angehende Ärzte ganz der Ausbildung widmen können und nicht nebenbei auch noch büffeln müssen.

Erst danach kämen mündlich-praktisch Inhalte an die Reihe. Das PJ selbst können angehende Ärzte bald in Teilzeit absolvieren, entsprechend länger, aber immerhin ein Beitrag zur Vereinbarkeit von Job und Familie. Auch wären künftig 30 statt bislang 20 Fehltage möglich, sei es durch Schwangerschaft, Geburt oder Krankheit. Zudem soll die Allgemeinmedizin einen höheren Stellenwert bekommen: über längere Blockpraktika sowie über mehr PJ-Plätze, momentan plus zehn, später plus 20 Prozent. Die Änderungen stießen auf breite Zustimmung, doch wo dürfen angehende Ärzte ihr praktisches Jahr absolvieren?

Kampf um die besten Köpfe

Um die Mobilität zu erhöhen, stehen PJlern schon bald die Türen aller Lehrkrankenhäuser Deutschlands offen. Momentan beklagen Medizinstudenten, es sei leichter, ein Tertial tausende Kilometer entfernt zu absolvieren als im Bundesland um die Ecke. Auch besteht die Welt eben nicht nur aus Einrichtungen der Hochschulmedizin – hier bietet die Neuregelung vielen angehenden Ärzten einen Blick über den Tellerrand, und zwar stärker als bisher. Die Sache hat einen strategischen Hintergrund: Gesundheitspolitiker hoffen, dass junge Mediziner kleineren Einrichtungen auch nach ihrer Approbation treu bleiben würden, um gerade strukturschwache Regionen besser zu versorgen. Kliniken hingegen hätten den Vorteil, ärztlichen Nachwuchs schon früh unter die Lupe zu nehmen und langfristig zu binden. Hingegen befürchten Kritiker schon jetzt, die Wahl könne sich eher an der Aufwandsentschädigung als an der Ausbildungsqualität orientieren. Vor allem die Hochschulmedizin ist besorgt, kämen doch preisgünstige Arbeitskräfte abhanden – Zeit, aktiv zu werden.

Zurück auf los

Das beginnt schon mit organisatorischen Fragen, schafft die neue Mobilität etwa ein bürokratisches Ungetüm? Laut Medizinischem Fakultätentag (MFT) müssen nunmehr alle betroffenen Unis mit rund 600 Kliniken entsprechende Verträge abschließen, aus Sicht der Lehrkrankenhäuser wären sage und schreibe 36 verschiedener Logbücher für die Ausbildung relevant. Vertreter der Bundesärztekammer sehen hier nur vorgeschobene Argumente. Deshalb ein Griff in die juristische Trickkiste: Entsprechende Änderungen verstoßen möglicherweise gegen die Bundesärzteordnung. In Paragraph 4 Absatz 3 steht zu lesen, dass Hochschulen im Einvernehmen mit der zuständigen Gesundheitsbehörde Krankenhäuser auswählen – und eben nicht der Gesetzgeber. Laut MFT ganz klar ein Affront gegen die Lehrfreiheit der Universitäten, gleichzeitig befürchtet man drastische Einschnitte der Ausbildungsqualität. Auch der Kulturausschuss des Bundesrats stellte sich quer. Sollte ursprünglich bereits Mitte Februar abgestimmt werden, geht die Kabinettsvorlage aufgrund zahlreicher Änderungswünsche erst einmal zurück an die Landesministerien. Eine Umsetzung vor 2013 wird immer unwahrscheinlicher.

Europa schießt quer

Weitere Hiobsbotschaften kommen vom europäischen Parlament: Brüssel plant, zwei Semester zu streichen, bestehende Inhalte aber nicht auszumisten. Das bedeutet im Klartext, rund 3.500 Arbeitsstunden zusätzlich unterzubringen. Alle Erleichterungen der neuen Approbationsordnung wären mit einem Federstreich hinfällig, aber auch unter Qualitätsaspekten ist das Ansinnen äußerst fragwürdig. Die deutsche Hochschulmedizin äußerte dementsprechend ihren Unmut – schließlich würden besagte Reformen alle Bestrebungen, mehr Medizinstudierende anzulocken, konterkarieren. Ob es mit einer besseren Approbationsordnung jedoch getan ist, das bleibt zu bezweifeln. Schließlich entscheiden sich laut der Bundesärztekammer rund zwölf Prozent aller Absolventen gegen einen Job am Patienten – und für die Industrie beziehungsweise für die Verwaltung. Ein Modellprojekt der Landesärztekammer Thüringen könnte gegen den ursächlichen Praxisschock vielleicht helfen: Bereits während des Studiums geben erfahrene Mentoren Einblick in die reale Welt der Patientenversorgung – und deren Mentees profitieren, da gerade in dieser Phase die Weichen meist noch nicht gestellt sind.

68 Wertungen (4.03 ø)
Medizin

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22 Kommentare:

Gesundheits- und Krankenpfleger

Nicht Neues in der Pflege!!!
Gemeinsame Grundausbildung aller 3 Berufe, Verortung der Ausbildung an die FHS, 4 Jahre Ausbildung, Modularsystem und, und, und….! Kürzung der Gelder für die Schulen, Schaffung von Zentralschulen und Schliessung von Schulen,plötzliches Bewusstwerden des Pflegenotstandes, Abbau von Stellen in den Krankenhäusern, Reduzierung der Förderung durch die Arbeitsagentur auf 2 Jahre, ein Konjunkturpaket, daß die Förderung wieder verlängert, aber auch nicht für alle gilt, bald die Umlagefinanzierung und, und, und….
Zugangsvoraussetzung FOR dann HASA 10 und demnächst FHS-Reife?
Übernahme ärztlicher Tätigkeiten durch Pflegepersonal, das geht ja schon mal gar nicht, man kann doch den real existierenden Alltag im rechtlosen Raum nicht legitimieren!
Und alle Beteiligten sind wie schon immer völlig unterschiedlicher Auffassung. Nächster möglicher Schritt: Krankenpflege wieder zur Ländersache machen, Injektionen nur mit Abitur erlauben, einen neuen Ausbildungsberuf schaffen: Der Aushilfspfleger, allzeit bereit mobil und flexibel einsetzbar im ganzen Bundesgebiet.

#22 |
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Pflegewissenschaftlerin

Ich arbeite als Lehrerin und bilde Pflegekräfte aus, wir haben viele Schüler mit Abitur und dennoch sind sie nicht unbedingt die besten-der Wille gut zu sein bedeutet mehr Pflegequalität- außerdem wir brqauchen nicht nur Häuptlinge sondern auch gute Indianer.

#21 |
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Medizinphysiker

@Frau Schink
Ihren Ausführungen ist nichts hinzuzufügen. Beinahe alles was “die EU” macht ist undemokratisch und bürgerfeindlich.
Von den Energiesparlampen über die 22-stelligen Kontonummern bis zur Bevormundung des griechischen Volkes..Wo soll das noch enden?

#20 |
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Altenpfleger

Ich verstehe das Problem jetzt nicht. Die Prüfungsinhalte gelten doch gleichermaßen für Abiturienten wie für berufserfahrene Pfleger. Für den Patienten macht es keinen Unterschied, auf welchem Bildungsweg der Arzt seine Approbation erhalten hat. Viel wichtiger ist doch die Fragestellung, inwieweit einerseits das im Studium vermittelte Wissen und andererseits seine praktische Umsetzung (abhängig von den Bedingungen des bestehenden “Gesundheitssystems”) dem Patienten dienlich sind. Und genau hier bedarf es eines korrigierenden Ansatzes, um es milde auszudrücken.

#19 |
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Dr. med. Winfried Westermann
Dr. med. Winfried Westermann

Wer versteht den Schwachsinn eigentlich noch? – Einerseits fordert die EU die Krankenschwester mit Abitur, andererseits kann man ab WS 11-12 an der European Medical School in Oldenburg als Arzthelferin oder Krankenschwester nach 3 Berufsjahren ohne Abitur Medizin studieren.

#18 |
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Altenpfleger

Die Zukunft der Pflege bereitet mir in Anbetracht der politischen Situation die geringsten Sorgen. Anscheinend ist das hier kaum einen Kommentator klar. Stichwort Iran … !!!

Hallo? Aufwachen!

#17 |
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Medizinphysiker

Wie wäre es mal mit einer Untersuchung der Berufsqualifikation und deren Harmonisierung der Gesundheitsminister in der EU?
Was sollen wir uns noch alles von diesem Moloch EU vorschreiben lassen?

#16 |
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maike rieckmann-meyn
maike rieckmann-meyn

Wie wäre es, wenn sich die Ärzteschaft nicht ständig um ihre eigene Besitzstandswahrung kümmern würde, sondern sich als stake Lobby für Ihre wichtigsten Partner, die Pflegenden einsetzte? Ohne deren konstruktive Mitarbeit auf hohem fachlichem Niveau können die Mediziner auch nichts ausrichten, Teamsolidarität wäre gefragt! Das bezieht sich auf Ausbildungsstandards, Arbeitsstrukturen in der Pflege UND auf die Bezahlung der Pflegenden. Man kann die nichtärztliche Fürsorge am Nächsten aber auch weiterhin hintanztellen oder gar aushungern – wie das geht, sieht man derzeit exemplarisch an der Vernichtung des Hebammenstandes (der satte 0,3% aller Gesundheitskosten verursacht). In der Geburtshilfe ist die Lösung real gefunden: Kaiserschnitt bei möglichst vielen Müttern – schnell, sauber, planbar, doppelte DRG für die Klinik, kaum Hebammen nötig, die nebenbei bemerkt fast alle die Hochschulreife besitzen…
Wollen die Ärzte das für die gesamte Pflege? Wenn nicht, dann unterstützen Sie die Pflegenden!

#15 |
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Altenpfleger

Herr Heuvel weiss natürlich genau, welche Argumente man besser verstärkt und welche man einfach weglässt.
In unseren Nachbarländern sind ja nicht nur die Zugangsvoraussetzungen zum Pflegeberuf höher, sondern dort wird in der Regel Pflege auch studiert. So macht das Ganze dann auch Sinn.
Und wie schaffen es diese Länder eigentlich, trotz dieser Anforderungen genügend Pflegekräfte auszubilden? Vielleicht, weil der Beruf dort attraktiver ist, mehr Anerkennung geniesst, man besser verdient?
Und dass müssen wir in Deutschland mit Hilfe von Herrn Bahr und Herrn Heuvel unbedingt verhindern.

#14 |
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Martina Reinecke
Martina Reinecke

Wer bitte schön, soll denn in Zukunft die Patienten pflegen? Glaubt irgendjemand, dass mit einem Studium die Hinwendung zum Patienten erlernt werden kann? Ich habe vor vielen Jahren Krankenpflege gelernt. In meiner Ausbildung war es wichtig, den Patienten zu pflegen, zu beobachten und in seiner Situation als Kranken zu begleiten. Dazu gehörte auch, die vom Arzt angeordneten Dinge auszuführen und mit ihm Hand in Hand zu arbeiten. Heute wird doch u.a. darum gestritten, was Arzt-oder Schwesternarbeit ist. Von Dokumentation, die die Masse des Arbeitstages einnimmt und als Zeit am Pat. fehlt, ganz zu schweigen. Man kann alles akademisiern, wer aber bitte schön bleibt als Pflegender übrig? Junge Menschen, mit gesundem Menschenverstand und nicht der blödesten einer, fehlen in diesem Beruf. Ob es dazu unbedingt eines Abiturs bedarf, wage ich zu bezweifeln. Würde die Pflege besser bezahlt und die Pflegenden hätten mehr Zeit für ihre Aufgaben (das bedeutet wesentlich mehr Planstellen im Pflegebereich), sähe es sicher anders aus.

#13 |
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Dr. med. ERNST  H. Tremblau
Dr. med. ERNST H. Tremblau

die schlimmste SCHANDE ist eines Kulturlandes unwürdig:
Das Heer der sog.Betreuer, die al reine Schreibtischtäter
ohne aller erfordferliche Ausbildung viel zu viele
Alte in Heimen betreuen.
Das Wort Betreuung ist eine schöne Lüge die vortäuscht
es sei die böse Bevormundung abgeschafft.-
Tasächlich gibt es seitdem mehr Mundlose als vorher.
Entschieden wird nur nach billigstem Standard. Kontrollen
der Betreuungsberichte werden kaum geprüft weil die Menge
zu hoch ist. Wenn rechnerich alles stimmt ist die
Qualität unerheblich. Einsprüche selbst von Angehörigen
sind kaum wirksam. Gesundheitlicher Sachverstand bei Richtern selten !

#12 |
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Andrea Freudenhammer
Andrea Freudenhammer

Das bestehende System der medizinischn Versorgung in Deutschland ist in der jetzigen Form nicht mehr bezahlbar.Dieses Problem war schon vor mindestens 10-15 Jahren abzusehen durch den Altersstrukturwandel der Bevölkerung .Die Politiker appellierten an die Bürger mit Zuteilung unzureichender Unterstützung,mehr Nachwuchs zu produzieren.Die Verwaltungsebene baute ein Labyrinth aus zu befolgenden Beschlüssen in verschiedenen Ebenen,zudem noch länderabhängig, auf und weitet dies derzeit aus.So kommt es,dass sich dringend notwendige Schnittstellen nicht treffen und Verantwortlichkeiten verschoben und verzerrt werden.Medizinische Versorger an der Basis sind daher in ihrer Orientierung und Handlungsfähigkeit gelinde ausgedrückt verunsichert.Wie sollen sich also die Patienten aufgehoben fühlen?Da es Deutschland nicht gelingt,aus diesem Dickicht zu finden,sollte der Schlüssel
in der Öffnung zu einheitlichen EU Vorschriften liegen.

#11 |
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Rettungsassistent

Es gibt ja das Gerücht, dass das RettAssG noch dieses Jahr den Bundestag passieren soll.

Vom Arzt wird imemr noch erwartet, dass er i mStuidum lernen soll, alles am Menschen zu behandeln statt früher nach Fachrichtung zu differenzieren.
Eine Angleichung der Fachberufe findet kaum statt (Ausbildungsdauer, Qualifizierung) und wenn es mal dazu kommt, dass gesetze überarbeitet werden, sind so viele Interessengruppen vertreten, dass das Ergebnis immer der kleinste gemeisname Nenner ist.

#10 |
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@Gast 2: Bravo
Tatsächlich haben wir mehr als genug Interessierte, sowohl bei den Pflegeberufen als auch bei den angehenden Medizinern. Ich weiß leider nicht, wie viele Studienplätze in den Sommersemestern dazukommen, aber zu meiner Zeit (Beginn 1985) gab’s 12.000 Studienplätze/Jahr – für Deutschland West! Ich habe aufgehört zu zählen, wie viele Studienbewerber in den letzten 10 Jahren hier bei uns im Rettungsdienst ihre Zeit vergammelt haben: Studienbeginn mit 23, was soll der Quatsch. Meine Tochter hat dann doch lieber gleich was anderes gemacht.
Die Lösung? Wir brauchen sicher auf Station, im Altenheim oder in den ambulanten Pflegediensten wie auch im Rettungsdienst nicht lauter studierte Leute. Aber wir brauchen einen vernünftigen Mittelbau, der mehr drauf hat, mehr darf, aber auch mehr verdienst, als der durchschnittliche Pfleger/die Schwester heute. Warum also nicht für diese ein FH-Studium? Genügend Bewerber wird’s schon geben bei demnächst 50% Abiturienten.
Oder noch besser: Für alle medizinischen Berufe das Oldenburger Modell – Bachelor nach 3 Jahren, Masterstudiengang für Ärzte und modifizierte Weiterbildung für die “medizinischen Hilfsberufe”.
Natürlich spielt auch die Arbeitswirklichkeit eine Rolle, aber die ist doch vor allem deswegen so schlimm, weil es keinen Nachwuchs gibt. Und der Blick nach Skandinavien hilft: Es ist nicht unbedingt mehr Geld, das das Arbeiten dort so angenehm macht. Es ist auch der geringere Stress, weil Pflegekräfte tatsächlich das machen dürfen, was sie mal gelernt haben, es ist die angemessenere Bezahlung für durchgearbeitete Nächte (Vollbezahlung mit Zuschlag statt Bereitschaftsdienst Stufe XY, damit man anderntags noch weiterarbeiten kann) usw. usf.
ES gäbe viel zu tun, aber wie ich unsere Lobbyisten so kenne (Ärztekammer, die nur an Besitzstandswahrung interessiert ist; Kranke Kassen, den es nie in den Sinn käme, für qualifiziertere Pflege Geld in die Hand zu nehmen usw.) und dann noch dieses unsägliche Ländergerangel, wird’s wohl nichts werden. Leider!

#9 |
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Heilpraktikerin

Theoretisch sind wir auf allen Gebieten genug gerüstet, sowohl in der Wissenschaft als auch in der Industrie (med. Apparate), hinken tut das ganze meiner Meinung nach an den gesellschaftlichen und bürokratischen Strukturen in únserem Lande. Spätestens nach einer eigenen Erfahrung mit Krankheit (egal ob man selbst oder ein Angehöriger) bekommt man dies knallhart zu spüren. Ob Ärger mit Krankenkassen, mit Terminen für Untersuchungen, … Und auch dem Patienten selbst wird vorgegaugelt wir hätten eine Medizin der “Maximalversorgung”. Theoretisch ja, aber praktisch (oft aus vorgeschobenen finanziellen) und empatisch leider nein.
Auch den Patienten muss man endlich mal mit ins Boot holen! Was nützen Medikamente, Physiotherapie, Psychotherapie …, wenn der Patient dafür gar nicht “bereit” ist – sowohl im Sinne von “Eigenkompetenz des Patienten” als auch Mangelnde Aufklärung und Verantwortungsvollem Umgang beiderseits.

#8 |
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Leider kollidieren 2. und 3. mit unseren Grundrechten.

#7 |
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Volker Allwicher
Volker Allwicher

Die Arbeitsbedingungen werden Jahr für Jahr schlechter. Bisher lässt sich nur die Strategie erkennen, fehlende Pflegekräfte durch Pflegekräfte aus dem Ausland zu ersetzen, die z.T. mit großen Sprachschwierigkeiten kommen.
Die Ausbildung in der Pflege ist trotz aller Ankündigungen noch immer nicht neu geregelt.
Wo und wie also zeigt Herr Bahr Flagge für den Pflegeberuf, wie im Eingangssatz behauptet? Das kann ich nicht erkennen, aber ich lasse mich gerne eines besseren belehren…

#6 |
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Prinzipiell fehlt es a) an Studienplätzen und b) an Teilzeitmöglichkeiten in Medizin. Bisher hat nur die Uni Frankfurt den Versuch gewagt. Es gibt so viele, u.a. mich, die gerne Medizin studieren würden, auch in D. dann bleiben, es sich aber finanziell nicht erlauben können in anbetracht der eigenen Familienversorgung.

#5 |
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Stephan Holz
Stephan Holz

@Heinz-Gottfried Neff

ich möchte nicht wissen wie es um die Patienten bestellt wäre gäbe es die Quacksalber, Besserwisser und angeblichen Nichtswisser nicht: wahrscheinlich gäbe es gar keine Schwerkranken mehr weil sie schon vorher das zeitliche Segnen.

Meiner Meinung nach sind 2 Dinge für eine gute medizinische Versorgung Essentiell und das sind Zeit am Patient und Qualifikation der Betreuenden.

#4 |
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Heinz-Gottfried  Neff
Heinz-Gottfried Neff

Es ist die Naturheilkunde,
welche lehrt und beobachtet..

Es ist die Wissenschaftsmedizin,
welche sucht und forscht..

Es sind wir *
die streiten um Mensch und Leid..

*

..die Ärzte und Heilpraktiker.
..Quacksalber, Besserwisser, Nichtswisser.
Schwestern, Pfleger.
Physiotherapeuten.
Lernende,
..alle im medizinischen Dienst.

#3 |
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Na da wurde die ganze Welt in einem Artikel erklärt. Manchmal ist weniger doch mehr.

#2 |
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Student der Humanmedizin

2 Semester im Medizinstudium streichen? Purer Hohn! Lieber die Vorklinik um 2 Semester verlängern und mehr Praxis einbauen! So kommen vielleicht am Ende des Medizinstudiums auch Mediziner raus, die nicht gleich Mitte 40 an “stressbedingtem” Krebs erkranken.

#1 |
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