Klarträumer: Selbstreflektion rund um die Uhr

28. Januar 2015
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Bei Klarträumern ist im Gehirn der anteriore präfrontale Kortex größer. Klarträumer sind somit möglicherweise auch im Wachzustand stärker selbstreflektierend. Ob sich diese metakognitiven Fähigkeiten trainieren lassen, soll eine weitere Studie klären.

Klarträumer wissen, wenn sie träumen. Manchmal können sie den Traum sogar mitgestalten. Die meisten erleben dieses Phänomen aber nur ein paar Mal im Jahr und nur sehr wenige fast täglich. Internet-Foren und Blogs sind voll mit Anleitungen und Tipps zum Klarträumen. Möglicherweise hängt dieses luzide Träumen mit der menschlichen Fähigkeit zusammen, über das eigene Denken nachdenken zu können – der sogenannten Metakognition.

Anteriorer präfrontaler Kortex bei Klarträumern größer

Hirnforscher des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie haben die Hirnstrukturen von Menschen miteinander verglichen, die häufig oder die nicht beziehungsweise nur selten klarträumen. Demzufolge ist bei Klarträumern das vordere Stirnhirn größer. Dieser auch als anteriorer präfrontaler Kortex bezeichnete Bereich steuert als Kontrollinstanz bewusste kognitive Prozesse. Er spielt auch für die Fähigkeit eine wichtige Rolle, das eigene Denken zu reflektieren.

Die Größenunterschiede im vorderen Stirnhirn zwischen Klarträumern und Nicht-Klarträumern deuten darauf hin, dass luzides Träumen und Metakognition tatsächlich miteinander zusammenhängen. Dafür sprechen auch Tests, bei denen die Probanden im Wachzustand Metakognitionsaufgaben lösten. Die dabei erstellten Hirnbilder zeigen, dass die Aktivität bei den Klarträumern höher war.

Über das eigene Denken nachdenken

„Das Ergebnis unserer Studie lässt vermuten, dass Menschen, die ihre Träume kontrollieren können, auch in ihrem Alltag besonders gut über ihr eigenes Denken nachdenken können“, sagt Elisa Filevich, die als Postdoc-Wissenschaftlerin im Forschungsbereich „Entwicklungspsychologie“ des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung arbeitet.

Die Forscher interessiert auch, ob sich metakognitive Fähigkeiten trainieren lassen. Deshalb wollen sie Freiwillige in einer weiteren Studie im luziden Träumen trainieren und untersuchen, ob sich dadurch auch die Fähigkeit verbessert, sich über das eigene Denken Gedanken zu machen.

Originalpublikation:

Metacognitive Mechanisms Underlying Lucid Dreaming
Elisa Filevich et al.; The Journal of Neuroscience, doi: 10.1523/JNEUROSCI.3342-14.2015; 2015

31 Wertungen (4.39 ø)

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12 Kommentare:

Gast
Gast

ich habe daher tief selbstreflektierend beschlossen,
auch zukünftig von Luzi zu träumen,
irgendwann muss sie ja dann auch in der Realität auftauchen,
das sagen mir meine metakognitiven Fähigkeiten.
Ich muss nur noch etwas trainieren.

#12 |
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Gast
Gast

Ich habe auch schon von Luzi geträumt,
ich will jetzt lieber nicht sagen was sie an hatte.

#11 |
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Gast
Gast

Ich hatte vor ca. 14 Jahren zufällig meinen ersten Klartraum. Hab unbewusst visualisierungs Techniken angewandt.
Den Punkt im Artikel mit der selbstreflektion kann ich bestätigen. Bin selbst sehr selbstreflektirend im wachzustand, auch bevor ich klarträume hatte.
Hab mal mein Wissen online gestellt: http://www.klartraum24.de

#10 |
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Heilpraktikerin

Kategorie “Unnützes Wissen”. Gibt wichtigere Themen. Und dafür 4,5 Sterne?

#9 |
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Dr Gabriela Robotka-rau
Dr Gabriela Robotka-rau

Luzide Träume habe ich schon seit Ewigkeiten, nicht ständig, aber immer wieder. Seit ich weiss, was ich damit “anfangen” kann, finde ich sie in keinster Weise bedrohlich. Ganz im Gegenteil, es gibt Erlebnisse, die kann man so durchspielen, bis sie sich gut anfühlen und dann sind sie abgehakt. Ich möchte meine luziden Träume nicht missen. Manchmal machen sie echt Spass! Ich habe es ja selbst in der Hand/Kopf.

#8 |
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Arzt
Arzt

Traumdeuter und Astrologen wird es immer geben.
Was der Mensch zur Aufrechterhaltung seiner Gesundheit benötigt, ist gesunder Schlaf, dazu gehört obligat eine ausreichende (traumlose) Tiefschlafphase, weil hierbei schädliche Stoffwechselprodukte des Gehirns (Amyloid) wieder abgebaut werden.
Die Traumphase stört diesen eher.

#7 |
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Arzt
Arzt

Wenn ich schon das Wort Neurophysiologen höre,
die angeblich “den freien Willen” physikalisch messen können,
dann sträuben sich einem logisch denkende Menschen schon die Nackenhaare.
Ein Rückfall auf Vatter Siegmund Freud und seine phantasievollen Erotikkomplexe.

#6 |
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Arzt
Arzt

@ Dr.Sauter: “Einfluss auf Träume” ist keine Legende-allerdings…”
also doch eine Legende.

#5 |
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Manfred Schmidt-Kirchner
Manfred Schmidt-Kirchner

Viele wünschen sich die Fähigkeit zum luziden Träumen, wobei man allerdings fragen muss, ob dies denn wirklich so erstrebenswert ist.
Ich kenne einen Narkoleptiker, Ende 20, der, sobald er abends im Bett die Augen schließt, mit Bewußtsein träumt und was von ihm eher als sehr bedrohlich erlebt wird.

Es hängt ja wieder einmal mehr daran, welche Ursache und Bedeutung man denn dem Träumen zuspricht: für einen eher klassischen Freudianer ist Träumen immer mit enormer Bedeutung geladen – für einen Hirn- und Neurowissenschaftler sind Träume offenbar eher zufällige “Entladungen” ohne irgendeine Bedeutung.

Mein Gefühl sagt mir: es scheint gesünder zu sein, einfach zu träumen und die Inhalte gleich nach dem Aufwachen zu vergessen. M.E. haben die Träume ihren Sinn in sich selbst und bedürfen keiner besonderen Bewußtseinswahrnehmung und schon gar nicht einer Deutung.

#4 |
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“Einfluss auf Träume” ist keine Legende-allerdings ist das Thema sehr komplex-auch bei den Diskussionen unter Neurowissenschaftlern und den verschiedenen psycholog. Richtungen einschließlich Philosoph. “Strömungen”.
Man müsste natürlich zahllose Definitionen als Begriffs Grundlagen erst darstellen um weiter zu diskutieren.
Bewusstsein/Unbewusstes-Traumdeutung, symbolisches Denken, Trance, Imagination, geführte Meditationen,—

#3 |
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Arzt
Arzt

Philosophische Überinterprätation!
“Einfluss auf die Träume” ist eine Legende.
Richtig ist, dass Probleme des Tages im Schlaf weiterwirken und diesen bei entsprechender subjektiver (emotionaler) Schwere natürlich auch einmal ernsthaft behindern können. Das ist wohl ausgeprägter bei eher mental fokussierten Menschen.
Solche “Anspannungen”, die man nicht ohne weiteres abbauen kann,
können sicher gut vermindert werden wenn man “das Gehirn” vor dem Schlafen mit etwas anderem beschäftigt werden, also auch durchaus stumpfsinnigen Spielen, die aber Aufmerksamkeit erfordern.
Besser als eine Tablette. :-)

#2 |
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Mitarbeiter med. Verlage

Vor ein paar Monaten wurde eine Studie veröffentlicht, dass häufiges spielen von Ballergames oder Echtzeit-Rollenspielen Alpträume weitgehend egalisieren, weil der spielerprobte Träumer Einfluss auf seinen Traum nehmen kann.

#1 |
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