Koffein: Wachstumsbremse für den Embryo?

3. Mai 2013
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Forscher gingen in einer aktuellen prospektiven Kohohrten-Studie der Frage nach, wie sich der Genuss von koffeinhaltigen Getränken in der Schwangerschaft auf das Risiko von Frühgeburten, das Geburtsgewicht, die Schwangerschaftsdauer und die Größe des Embryos auswirkt.

Bisherige Studien kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Daher sollte die neue Studie, die in der Zeitschrift “BMC Medicine” veröffentlicht wurde und für die 59.123 gesunde Schwangere in Norwegen befragt wurden, Klarheit schaffen, ob die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation WHO, nicht mehr als 300 mg Koffein/Tag während der Schwangerschaft zu konsumieren, bzw. 200 mg/Tag (American College of Obstetricians and Gynecologists, Food Safety Authority Norwegen) aufrecht erhalten werden können. Diese Grenzwerte werden bereits bei einem relativ geringen Konsum von einer Tasse Filterkaffee, zwei kleinen Espressi oder zwei bis drei Tassen Schwarztee erreicht.

Die schwedisch-norwegische Studie basiert auf der Norwegion Mother and Child Cohort Study (MoBa), die vom Norwegischen Institut für Public Health in den Jahren 2000 bis 2009 durchgeführt wurde und 108.000 Schwangerschaften untersuchte. 38,5 Prozent der eingeladenen Frauen haben an der Untersuchung  teilgenommen. Die Teilnehmerinnen wurden aufgefordert, Fragebögen in den Schwangerschaftswochen 17,22 und 30 auszufüllen und Fragen zum allgemeinen Gesundheitszustand, Lifestyle-Verhalten und Ernährungsgewohnheiten und ihrem Konsum koffeinhältiger Getränke, wie Kaffee, Schwarzem Tee oder Cola-Getränke und Schokolade zu beantworten.

Koffeinkonsum der Studienteilnehmerinnen

Insgesamt nahmen die Frauen vor ihrer Schwangerschaft  im Schnitt 126mg Koffein/Tag zu sich, 7.406 Frauen konsumierten überhaupt kein Koffein. In der Schwangerschaftswoche 17 hat sich die Zahl der Nicht-Koffein-Konsumentinnen auf 14.012 Frauen verdoppelt und der durchschnittliche Koffeinverbrauch ist auf 44mg/Tag gesunken. In der Schwangerschaftswoche 30 stieg der durchschnittliche Koffeinverbrauch auf 62mg/Tag und 9.762 Frauen haben kein Koffein konsumiert. Um die Auswirkungen des Koffeinkonsums auf das Geburtsgewicht quantifizieren zu können, wurde für alle Studienteilnehmerinnen ein erwartetes, durchschnittliches Geburtsgewicht von 3.600 Gramm errechnet. Der Unterschied zwischen Geburtsgewicht (BW) und erwartetem Geburtsgewicht wurde als Prozentsatz des erwarteten Geburtsgewichtes berechnet.

Auswirkungen auf das Geburtsgewicht

Das Ergebnis: Der Konsum von 100mg Koffein pro Tag führte zu einer Reduktion des Geburtsgewichtes zwischen 21 und 28g, abhängig von den drei zugrundeliegenden Wachstumskurven von Gardosi, Skjaerven und Marsal. Bei den schwangeren Nichtraucherinnen (54.136 Frauen) war die Reduktion des Geburtsgewichts geringer (zwischen 12 und 15 Gramm). Bei einem täglichen Konsum von 200 mg Koffein verringerte sich das Geburstgewicht im Schnitt zwischen 60 und 70 Gramm.

Studienleiterin und Gynäkologin Dr. Verena Sengpiel vom Sahlgrenska-Universitätsklinikum in Göteborg begründet den Gewichtsrückgang mit dem ungehinderten Passieren von Koffein durch die Plazentaschranke. “Im mütterlichen Blut bewirkt das Koffein eine Zunahme von zyklischem Monophosphat und Epinephrin (Adrenalin), wodurch es zu einer uteroplanzentaren Gefäßverengung kommt und in Folge die Plazenta schlechter durchblutet wird”. Als Folge könnte dies das Wachstum der Föten negativ beeinflussen, vermuten die Studienautoren. Eine andere These wurde von Weathersbee et al. postuliert: Demnach wirkt Koffein als Phosphodiesterase-Hemmer, was zu einem Anstieg des zellulären Botenstoffs cAMP (zyklisches Adenosinmonophosphat) führt und dadurch das Wachstum des Föten beeinträchtigt.

SGA um fast ein Drittel erhöht

Neben den Auswirkungen auf das Geburtsgewicht untersuchten die Studienautoren die Korrelation zwischen Koffein und Körpergröße zum Zeitpunkt der Geburt (small for gestational age: SGA). Laut Definition sind Kinder mit einem Geburtsgewicht unterhalb der zehnten Perzentile SGA. Tatsächlich ist SGA mit einem erhöhten Sterberisiko bei Neugeborenen sowie mit kurz- und langfristiger Morbidität verbunden. In Norwegen liegt die Prävalenz für SGA bzw. Frühgeburten (PTD) zwischen fünf und sieben Prozent. Jene 7,7 Prozent der Frauen, die täglich zwischen 200 und 300mg Koffein konsumierten, hatten demnach ein um fast ein Drittel höheres Risiko SGA-Kinder zur Welt zu bringen im Vergleich zu denjenigen Frauen die zwischen 0 und 50mg Koffein/Tag konsumierten. Bei denjenigen 3,3 Prozent der Frauen, die mehr als 300mg Koffein/Tag zu sich nahmen lag das relative Risiko für SGA-Geburten bei 60 Prozent.

Koffein verlängert Schwangerschaftsdauer

Der Konsum von 100mg Koffein/Tag aus allen untersuchten Quellen (von Kaffee, über Schokolade, koffeinhältige Limonaden etc.) erhöht die durchschnittliche Schwangerschaftsdauer (gestational length) um fünf Stunden, wurde das Koffein ausschließlich in der Form von Kaffee konsumiert, verlängerte sich die Schwangerschaft sogar um acht Stunden. “Eine mögliche Begründung ist, dass sich im Kaffee Substanzen  befinden, welche die Schwangerschaftsdauer beeinflussen, die in den anderen Koffeinquellen nicht vorhanden sind”, vermutet Sengpiel. Beispielsweise haben Melanoidine, die während des Kaffee-Röstprozesses entstehen antioxidative und antimikrobielle Wirkungen, was den Zeitpunkt der Geburt beeinflussen könnte.

Keine Hinweise auf Früh- oder Fehlgeburten durch Koffein

“Wir haben keinen Zusammenhang zwischen Koffeinkonsum und Früh-bzw. Fehlgeburten gefunden”, berichtet Sengpiel. Auch schwerwiegende Komplikationen konnten bei Frauen, die viel Koffein konsumiert haben, nicht häufiger nachgewiesen werden, als bei Schwangeren, die weit unter den empfohlenen Tagesdosen lagen. In der Studie konnten 1.451 Fälle von spontanen Frühgeburten (PTD) nachgewiesen – davon waren 240 frühe und 1.211 späte PTDs – verglichen mit der Kontrollgruppe von 27.498 Frauen.

Zusammenfassung der Studienergebnisse

Nach Ansicht der Studienautoren war dies die erste Studie, die einen getrennten Zusammenhang zwischen Schwangerschaftsdauer und Koffein aus Kaffee und Koffein aus anderen Quellen herstellte. “Wir fanden einen signifikanten Zusammenhang zwischen Koffeinkonsum und SGA und geringerem Geburtsgewicht”, so die Studienautoren. Dies wurde durch ähnliche Resultate bei anderen Koffeinquellen erhärtet. Einen der häufigsten Confounder für die Auswirkungen von Koffein konnten durch die Untergruppe der Nichtraucherinnen ausgeschlossen werden.

“Unsere Ergebnisse könnten durchaus klinische Relevanz haben. Da das Risiko für SGA-Geburten auch bei der von Norwegen empfohlenen Tagesration von 200mg Koffein zunimmt, sollte dieser Zusammenhang weiter erforscht werden und die bisherigen Empfehlungen neu evaluiert werden. In der Zwischenzeit empfehlen die Studienautoren, Frauen während der Schwangerschaft generell ihren Koffeinkonsum so weit wie möglich einzuschränken.

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Gynäkologie, Medizin

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12 Kommentare:

Die Dosis machts.Ich glaube nicht,das bei einer Schwangeren,welche 1-2 Tassen/Tag
trinkt,negative Auswirkungen auf die Entwicklung des Embryo zu erwarten sind.
Ich würde ihr allerdings von höherem Kaffeekonsum abraten.
Man weiß natürlich nicht genau,welche “Gifte” noch in der Nahrung darauf warten,
durch Kumulation Schaden anzurichten und sich später z.B.hyperaktive Kinder
entwickeln.

#12 |
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Ich frage mich, wie viele Kommentatoren vor mir, was soll uns diese Studie sagen? Sie zeigt uns einen Zusammenhang von steigendem Koffeinkonsum und abnehmendem Geburtsgewicht. Eine Aussage zur statistischen Signifikanz liegt in dem Bericht hier nicht vor. Selbst wenn dies signfikant wäre, wird uns gezeigt, dass Koffein im Rahmen der empfohlenen Mengen zwar schon Effekte auslöst aberin einem tolerablem Ausmaß. Was sind 60 g bezugen auf ein Geburtsgewicht von 3000 g? Das sind 2%. Noch geringer ist der Anteil von 8 Stunden früheren Partus in Korrelation zu 39 Wochen Schwangerschaft. Also heißt das wohl dass in den empfohlenen Bereichen an Koffeinkonsum Effekte zu verzeichnen sind, wenn sie ach gering sind. Auch eine Dosis-Wirkungsbeziehung scheint da zu sein mit der Schlussfolgerung: Die Dosis macht das Gift. Etwas Kaffee ist ok, kannenweise in der Schwangerschaft nicht unbedingt empfehlenswert.
Zudem habe ich 2 Töchter, Geburtsgewicht 2850 g und 2550 g, sie gedeihen prächtig und die 2-jährige ist intelektuell den meisten voraus. Auf die Zahlen und Perzentilen sollte sich nicht so versteift werden wenn alles andere gut passt.

#11 |
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Diese Studie scheint mir doch sehr pointiert Effekte darzustellen, die nicht existieren odeer nicht wichtig sind. Selbst 60-70g Gewichtsunterschied bei den Neugeborenen starker Kaffeetrinkerinnen sind nur 2% des mittleren Geburtsgewichts. Viel wichtiger sind Kopfumfang und Gehirnentwicklung, normaler Herzrhythmus, und die Frage, was das denn für SGA-Kinder sind. Unbeantwortet ist, ob alle Confounder/Störgrößen herausgerechnet wurden, nicht nur das Rauchen, sondern zum Beispiel andere Lebesstil- und Ernährungsaspekte. Ansonsten ist die Studie wertlos.

#10 |
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Dipl.Psych Beate Wethkamp
Dipl.Psych Beate Wethkamp

Ich halte die Studie auch für Humbug.
So nebenbei wird das eigentliche Ergebnis erwähnt:
kein Zusammenhang zwischen Fehl- und Frühgeburten und Kaffeekonsum, keine schwerwiegenden Komplikationen.
Der Rest ist Nebel, um doch noch an der offenbar lieb gewonnenen Hypothese, dass es doch einen Zusammenhang geben muss, festhalten zu können.
28 g Geburtsgewichtabweichung von einem geschätzten Mittelwert von 3600 g bei üblichen Gewichtsschwankungen bei gesunden Neugeborenen von bis zu 1500 g ist einfach lächerlich wenig und hätte hier überhaupt nich erwähnt werden dürfen. Meiner Meinung nach ist das bewusste Irreführung.

#9 |
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Heilpraktikerin Gesa Frömberg
Heilpraktikerin Gesa Frömberg

Was für schräge Hypothesen.
Vor ca 30 Jahren hatte ich 32 Schwangerschaften – mit viel Kaffe und auch Nikotin.
Die Erstgeborene hatte 4040 Gramm, die nächste 3030 Gramm
Beide sind gesund und munter und haben selbst Töchter.
Wozu solche Untersuchungen?
Es ist das gnetische Material was wir weitergeben was vieles beeinflusst und wie bekannt das soziale Umfeld und der seelische Zustand der werdenden Eltern
G. F

#8 |
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Ärztin

Ich halte die Studie für Humbug! Man geht von einem angenommenen Geburtsgewicht von 3600g aus und baut eine ganze Studie auf dieser Vermutung auf. Jedes Ergebnis eine Mutmaßung. Es gehört verboten so einen Unsinn zu veröffentlichen. Man kann sich ausrechnen was nach dem Flüstertütenprinzip später für ein Schwachsinn zitiert wird. So ein Blödsinn! Pseudowissenschaftlicher Quatsch!

#7 |
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Stefan Margraf
Stefan Margraf

Herr Pöhlmann,
was salbadern sie da?
Schreiben sie hier im Forum, weil ihnen sonst keiner mehr zuhört?
Die haben recht!
Dr. med. Stefan Margraf

#6 |
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Die Ergebnisse dieser Studien solltel in den Medien verööfentlicht werden. egbert loenicker

#5 |
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Bernd Brüggemann
Bernd Brüggemann

Kann es nicht viel einfacher sein….
Koffein sorgt bei der Mutter für eine Erhöhung des Glucosespiegels im Blut. Dieser wird in Relation auch im Plazenta Blut abgebildet.
Weniger Nahrung = Geringeres Wachstum?? Wäre das denkbar?
Und wenn ich die zugrundegelegten Linien genau anschaue, so handelt es sich in der eien oder anderen Form immer um Berechnungen basierend auf dem Gesamtquerschnitt des Gewichtes ALLER Gleichaltrigen, oder?
Nun, was ist denn mit der aussage, Kinder würden immer dicker und das Geburtsgewicht sei in den letzten 40 Jahren so unwahrscheinlich angestiegen?
Was sagt das über eine “Ideallinie” innerhalb der Basislinien aus? “Gesund”??
Gleichzeitig sehe ich natürlich auch die Folgen der “Koffeinvergiftung” des Fötus bei sehr hohem Koffeinniveau….
Meine Frau hat viel Cola getrunken (zum ersten Mal nach Beginn der Schwangerschaft => Ganz klar MEIN Kind…), zwei bis drei Tassen Kaffee am Tag.
Unser Kind traf so etwas von exakt die Mitte der Gewichtskurve und das exakt (!) am berechneten Geburtstermin (bis auf die Stunde genau…) und ist heute, mit drei Jahren trotz – oder wegen – regelmäßigen Colakonsums ab dem 1. Lebensjahr sehr pfiffig und in der Zwischenzeit laut “Gewichtslinien” an der unteren Grenze. also keineswegs übergewichtig……und auch nicht in Gefahr, es zu werden…

#4 |
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Interessant wäre noch ein Follow-Up mit der Fragestellung, ob Menschen mit durch Koffeinkonsum der Mutter ausgelöstem SGA ähnliche Prognosen haben wie andere SGA-Geborene.

#3 |
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Dr. med Horst Pöhlmann
Dr. med Horst Pöhlmann

Der plötzliche Kindstot wurde schon vor vielen Jahren als eine Impffolge bewiesen (Viera Scheibner et al.). Solange man in Japan Kinder unter 2 jahren nicht mehr geimpft hat ist SIDS in dieser Zeit verschwunden.
Kaffee wird bis zu 26 Mal mit schweren Nervengiften gespritzt ehe er geröstet wird. Ist es nicht viel wahrscheinlicher, dass es die Nervengifte sind, die die Probleme machen? Viele dieser Gifte sind auf Schwermetallbasis und Schwermetalle (z.B. aus Amalgamfüllungen) sind eine bekannte Ursache für Sterilität und Geburtsschäden. Bei Amalgamfüllungen dampft ausserdem eine erhebliche Menge von Quecksilber aus den Füllungen aus wenn man heisse Getränke zu sich nimmt. Man müsste die Studie mit biodynamischem Kaffee wiederholen, an Frauen ohne Amalgamfüllungen. Da könnte das Ergebis ganz anders aussehen. Von den Giftstoffen in Cola Getränken (z.B. technisches Karamel) wollen wir lieber gar nicht reden.

#2 |
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Klaus-Michael Bartels
Klaus-Michael Bartels

Was ist eigentlich aus den Verdacht von hohem Koffeinkonsum waehrend der Schwangerschaft und ploetzlichem Kindstod (Atemzentrum Empfindlichkeit ) geworden?

#1 |
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