Kataraktoperation: Übung macht den Meister

27. Januar 2015
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Mindestens 300 Operationen sollte ein Augenarzt unter Aufsicht durchgeführt haben, bevor er eigenständig den Grauen Star operiert. Durch Operationserfahrungen lässt sich das Risiko für Komplikationen von 4 % auf 1 % senken.

Mit rund 600 000 operierten Augen pro Jahr gehört die Operation des Katarakt zu den häufigsten Eingriffen in Deutschland. Dabei tauscht der Augenarzt die getrübte Augenlinse gegen eine Kunstlinse aus und stellt so das Sehvermögen des Patienten wieder her. „Auch wenn die Kataraktoperation ein Routineverfahren ist, können Komplikationen auftreten“, sagt DOG-Generalsekretär Professor Dr. med. Thomas Reinhard. „Dabei beeinflussen das Können und die Erfahrung des operierenden Augenarztes die Sicherheit des Patienten“, so der Geschäftsführende Ärztliche Direktor der Klinik für Augenheilkunde am Universitätsklinikum Freiburg.

Deshalb empfiehlt die DOG bereits seit 2012 für Nachwuchs-Augenärzte Eingangskriterien zur Qualitätssicherung operativer Eingriffe in der Augenheilkunde. Für die Kataraktoperation rät die DOG den angehenden Operateuren mindestens 300 Eingriffe unter Aufsicht eines erfahrenen Kollegen durchzuführen, bevor er eigenverantwortlich zu Werke geht. „Diese Mindestmengen spielen gerade hier eine entscheidende Rolle für die Behandlungsqualität“, betont auch Professor Dr. med. Christian Ohrloff, Mediensprecher der DOG aus Frankfurt.

Das handwerkliche Können steigt mit der Erfahrung

Dass die Anforderungen gerechtfertigt sind, belegt eine Studie der Universitätsklinik Freiburg jetzt durch Prüfung von insgesamt 5475 Kataraktoperationen von 13 Operateuren mit unterschiedlichem Erfahrungsgrad. Anhand der Operationsberichte recherchierten die Ophthalmologen ob nach der Operation Schäden an der Hinterkapsel der Augenlinse aufgetreten waren – die häufigste und gefährlichste Komplikation, die in der Kataraktoperation vorkommt. Im Extremfall kann sie das Sehvermögen des Patienten dauerhaft beeinträchtigen. Anhand der Daten erstellten die Augenheilkundler eine Lernkurve, die das handwerkliche Können eines Augenarztes im Verhältnis zu seiner Erfahrung anzeigt. Dementsprechend ist das Risiko für Komplikationen mit 4 Prozent am höchsten bei Nachwuchs-Operateuren, die weniger als 300 Eingriffe durchgeführt haben. Dieses Risiko verringert sich bis zum 1 500. Eingriff und darüber hinaus auf 1 Prozent oder weniger.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Mindestanforderungen der DOG ein geeignetes Maß sind, um die Qualität in der Kataraktchirurgie zu verbessern“, sagt Reinhard. Es sei es sogar denkbar, die Kriterien noch weiter zu verschärfen. Junge Ärzte mit weniger als 300 Fällen Erfahrung sollte immer ein Kollege anleiten. Die Freiburger Untersuchung ist die erste Studie, die den Lernfortschritt angehender Kataraktchirurgen so detailliert festhält.

Originalpublikation:

Are Entry Criteria for Cataract Surgery Justified?
Böhringer D. et al.; PLoS ONE , doi: 10.1371/journal.pone.0112819, 2014

17 Wertungen (4.71 ø)

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3 Kommentare:

Arzt
Arzt

Ich halte diese Aussage als alter Chirurg nicht für seriös.
Klingt eher wie eine Zugangshürde für den Nachwuchs.
Das erste ist immer das Zusehen, bzw. assistieren bei einem Erfahrenen,
also zusehen und VERSTEHEN, nicht gleich selbst operieren. Pedagogische Talente sind unterschiedlich ausgeprägt,
in der Regel spricht man nicht während der Op.
Die Erfahrung sagt eher, wer es nicht mit 50 eigenen Ops kann, das ist schon recht viel, lernt es auch mit 300 nicht besser. Die Nachbeobachtung der EIGENEN Ergebnisse ist dabei immer extrem wichtig und sollte nicht einem anderen übertragen werden.
Es gibt auch Chirurgen, die es nach 300 noch nicht besonders gut machen,
das nennt man dann “den Ruf” eines Chirurgen.
Es gehört übrigens zum Charakter eines guten Chirurgen, immer nach “Verbesserungen” zu suchen, so minimal sie auch seien mögen. Dazu spricht man auch mit Kollegen, etc.
Ein Chirurg, der also nach einigen 1000 Eingriffen immer noch alles genau gleich macht, ist für mich eher verdächtig.

#3 |
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Dr. med. Norbert F. Bomholt
Dr. med. Norbert F. Bomholt

Es muss korrekt heißen: “die Operation der Katarakt” (vgl. Cataracta senilis)

#2 |
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Naturwissenschaftlerin

Wie kann ich als Patient herausfinden, wie viel Erfahrung mein vorgesehener Operateur hat? Sind die Kliniken verpflichtet, solche Informationen auf Anfrage zu geben?
Welche sonstigen Möglichkeiten habe ich, das aus mangelnder Erfahrung des Operateurs resultierende OP-Risiko für mich als Patient zu minimieren?

#1 |
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