Semesterferien: Ich packe meinen Koffer…nicht

15. Februar 2012
Teilen

Geht Euch das auch so…? Die Semesterferien stehen an, Eure Freunde, die sich für ein vernünftigeres Studium als die Medizin entschieden haben, sitzen schon im Flieger nach Fuerte Ventura oder stehen auf den Skiern am Gipfel, während Ihr noch am Schreibtisch sitzt.

„Bald ist das Semester vorbei – schnell noch für ein Blockpraktikum während der Ferien angemeldet, dann muss ich das während dem Sommersemester nicht mehr machen – da ist ja schließlich schon genug zu tun… Ach, ich freu mich schon – in zehn Tagen sind endlich die Prüfungen um, dann ist erst mal Entspannen angesagt. Ich glaube, ich lasse mich am Freitag darauf mal wieder richtig von Mama bekochen. Und dann vielleicht am Wochenende ordentlich Feiern und Frühstücken mit Steffi, die hab ich seit Monaten nicht gesehen… Ach so – Montag fange ich ja dann schon auf der Unfallchirurgie an, meine zweite Famulatur. Wie das wohl wird? Die Arbeitszeiten hab ich schon gesagt bekommen – 7:00 bis 16:30 Uhr. Puh, da bleibt nichtmehr viel Zeit zwischendrin.

Nachtdienste wollte ich auch auf jeden Fall ein paar miterleben, da darf man so viel machen, hat mir ein Kommilitone verraten. Aber das muss ich mir gut überlegen: Abends wollte ich ja eigentlich noch ins Labor um mit meiner Doktorarbeit voranzukommen. Und ob sie mich bei der Famulatur wohl zwei Tage früher aufhören lassen? Da ist doch noch dieser interessante Notfallmedizin Kongress, da würde ich zu gerne hin – außerdem macht sich so was im Lebenslauf ja immer gut. Danach habe ich noch einen Job auf der Messe bekommen – ein bisschen Taschengeld fürs kommende Semester verdienen. Oder mach ich davon doch noch so richtig schön Urlaub? Ich wollte doch eigentlich noch entspannen… Thailand wäre toll. Ach Moment – ich gucke auf den Kalender – habe ja eh am Ende nur noch zehn Tage übrig. Scheint als ob der Kalender hier der Einzige wäre, der es sich leisten kann, die ganze Zeit rumzuhängen… Dann vielleicht doch einfach nur ein Kurztrip nach Berlin. In orange markiert sehe ich mir den Semesteranfang entgegenleuchten. Hm, das soll es schon gewesen sein? Und außerdem – ich wollt ja eben noch die Welt retten… Naja, in den nächsten Sommersemesterferien hab ich dann garantiert Zeit dazu… Ja klar.

So sehe ich zurück und ein aus der Literatur berühmter Vorgänger kommt mir in den Sinn: Dr. Faustus. Mephisto gestand ihm 24 Jahre zu, bevor er die ihm versprochene Seele einfordern würde. Aber auch Faust kannte keine Semesterferien – 24/7 war sein Motto. Nach zwölf Jahren stand der Teufel vor Fausts Türe. Der war schockiert: „Was machst DU denn hier – ist doch erst die Hälfte rum!“ Aber Mephisto antwortete: „Ja schon – aber Tag und Nacht“. Gut, ich gestehe, literarisch ist das sicherlich nicht ganz korrekt wiedergegeben, aber sinngemäß will ich Euch damit ans Herz legen: Das Studium mit seinen Semesterferien geht sowieso viel zu schnell vorbei. Also genießt es, geht ins Ausland, macht Urlaub, feiert bis der Arzt kommt und vor allem: Entspannt Euch mal und nehmt Euch ein bisschen Zeit für Euch – der Stress kommt wirklich noch früh genug.

24 Wertungen (3.13 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

4 Kommentare:

Studentin der Humanmedizin

Hmm… kenne das aber auch aus anderen Studiengängen so – v.a. wenn man die Prüfungen erst in den “Ferien” hat und nebenbei natürlich auch noch Praktika und dergleichen hineinorganisieren muß – da bleiben manchmal tatsächlich nur 2(!!) Tage sogenannte Ferien übrig… Medizin erscheint mir da im Verhältnis noch annehmbar, v.a. da man Praktika / Famulaturen etc. ja auch im Ausland machen kann –> 2 Fliegen mit 1 Klappe…

#4 |
  0

Man kann das auch als Assistenzarzt noch sehr gut. Okay, habe keine Kinder, aber trotzdem gehe ich fast jede Woche in sKino und bin jedes Wochenende unterwegs, wenn ich keinen Dienst habe. Alles nicht so schwer, sondern einfach eine Frage der Einstellung. Und ja ich lebe auch für meinen beruf.

#3 |
  0

@ Ingo – sehr schön :) – dann geh ich heute mal die Party wälzen während über mir die Bücher rocken…

#2 |
  0

Ich denke, für viele Patienten (und ich rede nicht unbedingt von Schockraum oder Intensivtation) bedeutet “Gesundheit” mehr als das Aufrechterhalten der Körperfunktionen und das sollte es idealerweise wohl auch für die, die sie behandeln – nämlich für uns als (zukünftige) Ärzte. Diese Erfahrung durfte ich zumindest bisher machen und das ist es denke ich auch, was Robby meinte.Das nur kurz von meiner Seite ohne eine Wertung aussprechen zu wollen.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: