Sepsis: Richtwert für Blutkultur-Frequenz etabliert

23. Januar 2015
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Ein neuer Richtwert für Intensivstationen, an dem Kliniken ablesen können, wie häufig sie eine Blutkulturdiagnostik durchzuführen haben, soll nun insbesondere diagnostische Prozesse bei einer Sepsis verbessern. Weitere Klinikstationen werden folgen.

Jedes Jahr erkranken in Deutschland über 150.000 Menschen an einer Sepsis. Für rund ein Drittel der Patienten endet sie tödlich. Wissenschaftler des Helmholtz-Zentrums für Infektionsforschung (HZI) in Braunschweig haben nun untersucht, wie man die diagnostischen Prozesse bei einer Sepsis verbessern kann.

Wenig eingesetze Blutkulturdiagnostik führt zu Richtwert

Keime wie der Methicillin-resistente Staphylococcus aureus (MRSA), verursachen in deutschen Krankenhäusern jährlich eine Vielzahl von Infektionen, die häufig tödlich enden. Fast immer ist die Todesursache eine bakterielle Sepsis. Um die Erkrankung rechtzeitig zu diagnostizieren und somit Todesfälle zu verhindern, wird die sogenannte Blutkulturdiagnostik eingesetzt. „Es gibt allerdings Hinweise darauf, dass sie in Deutschland nicht häufig genug angewendet wird“, sagt Prof. Dr. Rafael Mikolajczyk.

Aus diesem Grund haben Wissenschaftler am HZI in Zusammenarbeit mit Kollegen aus dem „Nationalen Referenzzentrum für Surveillance nosokomialer Infektionen“ und dem „Integrierten Forschungs- und Behandlungszentrum Sepsis und Sepsisfolgen“ einen Richtwert etabliert, an dem Kliniken ablesen können, wie häufig sie eine Blutkulturdiagnostik durchführen sollten. Nur wenn die Kliniken diesen Richtwert erreichen, werden die meisten Sepsisfälle rechtzeitig und zuverlässig erkannt und die betroffenen Patienten können adäquat behandelt werden.

Sepsisfälle auf Intensivstationen am häufigsten

„Zunächst beschränken wir uns auf Intensivstationen, da hier der größte Teil der Sepsisfälle auftritt“, sagt Dr. André Karch, Erstautor der Studie. „In diesem Zusammenhang konnten wir auch zeigen, dass nur ein Drittel der in unserer Studie untersuchten Intensivstationen Blutkulturen in ausreichender Menge anlegt. Auf Intensivstationen, die nicht an der Studie teilgenommen haben, könnte dies sogar noch seltener passieren.“

Die Wissenschaftler möchten nun durch weitere Studien Richtwerte für andere Stationen in Krankenhäusern ermitteln. „Langfristig hoffen wir, den Krankenhäusern damit zu helfen, ihre Sepsisdiagnostik zu verbessern“, sagt Karch. „Ein wichtiger Schritt, um die Zahl der Todesfälle zu senken.“

Originalpublikation:

Proposing an empirically justified reference threshold for blood culture sampling rates in intensive care units
André Karch et al.; Journal of Clinical Microbiology, doi: 10.1128/JCM.02944-14; 2014

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