Schwangerschaft: Jodmangel früh ausgleichen

21. Januar 2015
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Trotz verordneter Präparate kann Jodmangel während der Schwangerschaft nicht ausgeglichen werden. Daher sollten Frauen schon vermehrt Jod zu sich nehmen, wenn sie planen, schwanger zu werden. Denn ein milder Mangel kann sich ungünstig auf die Hirnentwicklung des Kindes auswirken.

Jodmangel tritt bei österreichischen Frauen auch dann auf, wenn sie während der Schwangerschaft  beginnen, vom Arzt verordnete Jod-Präparate zu sich zu nehmen. „Das lässt den Schluss zu, dass Frauen bereits dann vermehrt Jod zu sich nehmen sollten, wenn sie planen, schwanger zu werden“, sagen die Studienautoren Heidelinde Lindorfer und Alois Gessl von der Universitätsklinik für Innere Medizin III der MedUni Wien. „Wenn sie schwanger sind, ist es zu spät. Dann sind die Jod-Speicher offenbar bereits so leer, dass sie während der Schwangerschaft aufgrund des um rund 50 Prozent höheren Bedarfs an Jod nicht mehr adäquat gefüllt werden können.“

Das lässt auch den Schluss zu, dass bereits vorher ein Jodmangel vorgelegen hat. Generell, so die Wissenschaftler der MedUni Wien, sei bei der österreichischen Bevölkerung ein gewisser Mangel an diesem wichtigen Spurenelement gegeben. Österreich hat laut Verordnung eine der niedrigsten Salzjodierungen der Welt, nämlich nur 15 bis maximal 20 Milligramm pro Kilogramm Salz, das wurde sogar über die Jahre hinweg in Österreich nach unten korrigiert. Die Weltgesundheitsorganisation WHO empfiehlt dagegen 20-40 Milligramm pro Kilo Salz.



Migrantinnen besser mit Jod versorgt

Urinmessungen mittels Massenspektrometrie ergaben höhere Jod-Konzentrationen bei Frauen mit Migrationshintergrund – unabhängig von der Schwangerschaftswoche und von dem Vorliegen eines Gestationsdiabetes.

„Jede schwangere Frau sollte laut WHO täglich rund 250 Mikrogramm Jod zu sich nehmen, was bis zum Ende der Stillperiode fortgeführt werden sollte“, so die Studienautoren. Jod, das hauptsächlich über Kochsalz konsumiert wird, sei aber in der Bevölkerung teilweise negativ besetzt. Zusätzlich wird aus medizinischen Gründen generell eine Einschränkung der Salzaufnahme empfohlen. „Vor, während und nach der Schwangerschaft ist Jod aber extrem wichtig für die Gehirnentwicklung des Embryos. Schon ein milder Jodmangel beeinträchtigt die intellektuelle Entwicklung des Kindes, die Verringerung des Intelligenzquotienten um immerhin ein paar Punkte konnte in rezenten Studien in Großbritannien und Australien nachgewiesen werden.“

Die extremste Ausformung von Jodmangel ist der sogenannte Kretinismus mit Stoffwechselveränderungen, Missbildungen des Skeletts und einer Schilddrüsenunterfunktion. Dieses Krankheitsbild ist in Österreich aber gänzlich verschwunden.



Schwangere in Österreich sind Präventionsmuffel

Generell ist das Interesse an Spurenelementen und Vitaminen in der Schwangerschaft bei werdenden Müttern (und ihren betreuenden Ärzten) in Österreich noch verbesserungswürdig, wie die aktuelle Studie ebenfalls zeigt: Von den 246 interviewten Frauen in der Diabetesambulanz der Universitätsklinik für Innere Medizin III bzw. der Schwangerenambulanz der Universitätsklinik für Frauenheilkunde der MedUni Wien gab ein Drittel an, überhaupt keine Vitamine oder unterstützende Präparate wie etwa Folsäure zu nehmen, von den restlichen zwei Drittel wiederum nahm nur jede Zweite ein Jod-hältiges Präparat. Lindorfer und Gessl: „Die meisten Frauen sind sich der Bedeutung von Jod in der Schwangerschaft nicht ausreichend bewusst. Aber auch die Gesundheitsbehörden sind hier gefragt.“

Originalpublikation:

Iodine deficiency in pregnant women in Austria
H. Lindorfer et al.; European Journal of Clinical Nutrition, doi:10.1038/ejcn.2014.253; 2014

12 Wertungen (4.42 ø)
Forschung, Gynäkologie, Medizin

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4 Kommentare:

Arzt
Arzt

liebe @Manuela Stoll, wenn Sie Interesse an der Hashimoto-Erkrankung haben,
würde ich empfehlen, einen Arzt zu fragen oder einfach mal bei Wiki nachzusehen.
Sie werden dann erkennen, dass sie sich mit Ihren interessanten Vermutungen auf dem Holzweg befinden.
Und das mit dem “Gift” und der Wasserlöslichkeit ist auch nicht ganz so einfach, wie Sie hier meinen.
Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg.

#4 |
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Tierheilpraktikerin

Interessant. Ich habe gar nicht behauptet, dass ich Hashimoto vom Jod bekommen habe. Allerdings gibt es Theorien, die sagen, dass Hashimoto durch eine Jodüberdosierung ausbrechen oder sich verschlimmern kann. Weitere Theorien sind Stress, Hormonumstellungen u.a.. Ob Vitamin D, eigentlich ein Prohormon, auf eine Autoaggressionserkrankung spürbaren Einfluss ausüben kann bezweifle ich. Dass Jod einen ausgesprochen negativen Einfluss ausübt weiß ich, da ich es jedesmal zu spüren bekomme, wenn ich zuviele Jodhaltige Lebensmittel zu mir nehme (Schlafstörungen, Unruhe etc.).
Ich dachte auch nicht nur an Supplemtierungen in der Schwangerschaft, sondern grundsätzlich. Und da kann alles, was nicht wasserlöslich ist und ausgeschwemmt werden kann, auch überdosiert werden.

#3 |
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Arzt
Arzt

Hashimoto entsteht nicht durch Jod
und “zu allen anderen” gehört auch Folsäure und Vit.D, das man blind geben kann.
Vit.D wirkt z.B. “nebenbei” auch entzündungshemmend und daher auch gegen Hashimoto, das rel. bald zur Unterfunktion führt.

#2 |
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Gast
Gast

In meiner 2. Schwangerschaft konnte ich plötzlich nicht mehr schlafen (ca.2-3 Monat). Durch einen Hinweis in einem Hebammenbuch hatte ich schnell den Auslöser gefunden. Es war das JOD!!! Die Dosis wurde im Vergleich zur 1. Schwangerschaft 3 1/2 Jahre zuvor verdoppelt! Nachdem ich das Jod abgesetzt hatte konnte ich wieder schlafen. Später wurde bei mir Hashimoto festgestellt, was die Reaktion auf Jod erklärt. Die in Deutschland übliche Zwangsjodierung von Lebensmitteln z.B. Brot könnte man auch als Körperverletzung betrachten, da ja vorher keine Untersuchung der Schilddrüsenwerte stattfindet. Übrigens auch nicht vor der Gabe in der Schwangerschaft. In meinen Augen ist das schon ein ärtzlicher Kunstfehler, da bekannt ist, das je nach Schilddrüsenerkrankungen Jod schädlich ist.
Bei allen anderen Vitamin- und Mineralstoffpräparaten wird empfohlen, diese nur bei tatsächlichem Mangel zu nehmen, nur Jod wird einem ungefragt verabreicht.
Ich lebe übrigens in Süddeutschland, einem sogenannten “Jodmangelgebiet”, verzichte seit Jahren auf jodiertes Speisesalz u.ä. und meine Töchter sind durchaus sehr intelligent, die Zweite nicht weniger als die Erste.
Manuela Stoll

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