Apoplex: Informationsmangel macht depressiv

19. Januar 2015
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Menschen, die einen Schlaganfall erlitten haben und zu Hause leben, haben im Allgemeinen ein erhöhtes Risiko, an Depressionen zu erkranken. Es ist vor allem der Mangel an Informationen, der den Patienten Sorgen bereitet und zur Depression beiträgt.

Das ist das Ergebnis einer Studie von Gesundheitssoziologen der Universität Luxemburg. Die Depression kann bestehende Probleme wie eingeschränkte Bewegung und verminderte geistige Fähigkeiten, unter denen Schlaganfallpatienten häufig leiden, weiter verschlimmern und die Genesungschancen beeinträchtigen. „Depression ist dafür bekannt, physische, mentale und soziale Fähigkeiten einzuschränken und das Risiko von Behinderungen und frühzeitigem Tod zu erhöhen“, erläutert Michèle Baumann, Professorin für Gesundheitssoziologie an der Universität Luxemburg. Das Risiko sei besonders hoch für Schlaganfall-Patienten ohne familiäre oder soziale Unterstützung

Bedrückende Ungewissheit

Wie das vom Nationalen Forschungsfonds Luxemburg finanzierte Forschungsprojekt zeigte, zählt der Mangel an Informationen zu den Hauptsorgen der Betroffenen. Die Patienten machen sich Sorgen über mögliche Veränderungen ihres Gesundheitszustandes und über die Auswirkungen auf ihr Leben in den nächsten Monaten und Jahren. Viele fragen sich, ob sie den Informationen, die sie aus verschiedenen Quellen erhalten, trauen können. Auch fehlende Koordination zwischen Pflegediensten wurde als Quelle von Sorgen angeführt, und viele Patienten waren sich angesichts verschiedener möglicher Szenarien nicht sicher, welche Hilfe ihnen in Zukunft zur Verfügung stehen könnte.

Bildungs- und Einkommensniveau auch Faktoren

Geringverdiener und Menschen mit niedrigem Bildungsniveau sind laut der Studie von Depression am meisten gefährdet. Wer allerdings weiter berufstätigt bleiben konnte, war tendenziell geistig fitter. Zu den depressiven Symptomen, die in der Studie berücksichtigt wurden, zählen emotionale Störungen, Schlafprobleme, Kommunikationsschwierigkeiten, Schmerzen und Müdigkeit

Daten könnten Hilfsprogramme verbessern

Die Daten stammen von 94 Patienten im Alter von etwa 65 Jahren aus dem Großherzogtum Luxemburg, die zwei Jahre nach einem Schlaganfall zu Hause lebten. Die Forscher besuchten sie in ihrem Zuhause, um sie über ihre körperliche und geistige Gesundheit zu befragen, sowie über soziale Nöte und Pflegebedürfnisse. „Die routinierte Messung der Lebensqualität, der Patientengenesung sowie von Informations- und Pflegebedürfnissen hilft, Situationen zu identifizieren, die Hilfe benötigen“, fügt Michèle Baumann hinzu. Die Studie könnte so dem Gesundheitspersonal helfen, wirkungsvollere Hilfsprogramme zu gestalten.

Originalpublikation:

Associations between quality of life and socioeconomic factors, functional impairments and dissatisfaction with received information and home-care services among survivors living at home two years after stroke onset
Michèle Baumann et al.; BMC Neurology, doi: 10.1186/1471-2377-14-92; 2014

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1 Kommentar:

Lydia Müller-Ali
Lydia Müller-Ali

Liebes DocCheck-Team,
mein Mann erlitt im Januar vor einem Jahr einen Schlaganfall mit Hemiparese rechts. Er saß 4 Wohen im Rollstuhl und ich war 6 Wochen lang in seinem Zimmer in der Reha mit dabei zu seiner Untersützung. An Silvester besuchten wir wieder unsere Lieblingsband und tanzten ins Neue Jahr. An diesem Abend versicherte mir mein Mann, dass er ohne meine Hilfe diese Zeit nicht überstanden hätte. Kurz nach dem Schlaganfall hat auch er sich überlegt, mit welcher Methode er aus dem Leben scheiden könnte. Die Möglichkeiten waren für ihn nicht durchführbar. Es erfordert viel Kraft jede Woche 2 mal zur Physio- und Ergtherpie zu gehen bzw. gefahren zu werden und dann noch die Übungen zu Hause durchzuführen. Die Bewegungseinschränkungen beim Gehen – mit Wanderstöcken – sind noch sichtbar. Ebenso die “schmerzhafte Schulter” lässt ihn schlecht schlafen und die Armbewegung aus der Schulter ist sehr eingeschränkt. Alles allein durchzuhalten, ist kaum zu schaffen. Viele Grüße Lydia M.-A.

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