Update Koloskopie: Gelobt sei der Tunnelblick

18. Februar 2015
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Vor zwölf Jahren ist die Koloskopie als Maßnahme zur Früherkennung von Darmkrebs eingeführt worden. Seitdem hat sie viele Krebsfälle verhindert. Doch noch läuft es nicht optimal: Nur ein Viertel aller Berechtigten nimmt teil. Auch der späte Startpunkt ist fragwürdig.

Deutschland war 2002 eines der ersten Länder weltweit, das für Frauen und Männer ab 55 Jahren die Darmspiegelung als Bestandteil des gesetzlichen Krebsvorsorgeprogramms eingeführt hat. Die Darmspiegelung gilt als die derzeit zuverlässigste Methode, um Darmkrebs frühzeitig zu erkennen. Zudem kann der Arzt während der Untersuchung gutartige Wucherungen (Polypen) entfernen und damit das Risiko für die Entstehung einer Krebserkrankung drastisch verringern. Wissenschaftler im Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) haben nun im Rahmen einer Studie die Daten der ersten zehn Jahre der Vorsorge-Darmspiegelung ausgewertet. In diesem Zeitraum ließen sich rund 4,4 Millionen Personen mithilfe dieser Methode untersuchen. Die Ergebnisse der Darmspiegelung wurden in anonymisierter Form in einem nationalen Register festgehalten.

Die Wissenschaftler um Prof. Hermann Brenner verwendeten aber nicht nur die Daten aus dem nationalen Register für ihre Analyse, sondern berücksichtigten zum Beispiel auch die allgemeine Sterblichkeitsrate der Bevölkerung und wie häufig verschiedene Darmkrebsvorstufen in einen bösartigen Tumor übergehen. „Bei rund einem Viertel der Teilnehmer fanden die behandelnden Ärzte Polypen, aber nicht alle dieser Personen hätten zu Lebzeiten Darmkrebs bekommen“, sagt Brenner, der Leiter der Abteilung für Klinische Epidemiologie und Alternsforschung am DKFZ ist. „Bei manchen Patienten entwickelt sich aus den Vorstufen niemals Krebs, bei anderen Patienten entwickelt sich daraus zwar Krebs, sie sterben aber aus anderen Gründen, bevor der Darmkrebs sich mit Symptomen bemerkbar macht.“

Bei älteren Patienten besteht ein höheres Risiko von Überdiagnosen

Wie Brenner und seine Mitarbeiter in der Fachzeitschrift Clinical Gastroenterology and Hepatology berichten, konnten dank der Vorsorge-Koloskopien rund 180.000 Darmkrebsfälle verhindert werden. Bei etwa 40.000 Patienten entdeckten die Ärzte dadurch den Darmkrebs in einem früheren Stadium, in dem die Heilungschancen sehr viel besser sind als bei späterer Diagnose. „Ein Großteil dieser Fälle hätte sich ansonsten erst später in einem fortgeschrittenen Stadium klinisch manifestiert“, sagt Brenner. Dem stehen 4.500 Fälle mit einer Überdiagnose gegenüber: Bei diesen Patienten spürten die Ärzte einen Tumor im Darm auf, der aber aufgrund des sehr hohen Alters beziehungsweise des schlechten Allgemeinzustands der Patienten wahrscheinlich gar nicht mehr zu deren Lebzeiten diagnostiziert worden wäre.

Bei einer von 121 Untersuchungen wird ein bösartiger Tumor frühzeitig erkannt. Aber nur eine von 1.089 Untersuchungen resultiert in einer Überdiagnose“, berichtet Brenner. Von Überdiagnosen waren vor allem ältere Patienten ab 75 Jahre betroffen: Bei jüngeren Teilnehmern führten nur 0,4 Prozent der Darmspiegelungen zu einer Überdiagnose – damit schneidet die Vorsorge-Koloskopie laut Brenner deutlich besser ab als andere Programme zur Krebsfrüherkennung. Die Wahrscheinlichkeit, durch die Darmspiegelung einen Krebsfall zu vermeiden, ist am höchsten, wenn die Untersuchung vor dem 60. Lebensjahr vorgenommen wird: Jüngere Teilnehmer, findet der Heidelberger Mediziner, hätten insgesamt den größten Nutzen.

Nicht alle Berechtigten nehmen die Vorsorgeuntersuchung in Anspruch

Brenners Fazit ist eindeutig: „Es gibt keine andere Maßnahme, mit der man einen derartig großen Effekt in der Prävention von Darmkrebs erzielen kann. Darmkrebs ist auch eine der wenigen Krebsarten, wo wir wirklich die Möglichkeit haben, durch Vorsorge einen Großteil der Erkrankungen zu verhindern. Ein Hauptanliegen unserer Analyse war es, diese Tatsache noch mehr ins Bewusstsein der deutschen Bevölkerung zu bringen und die Teilnahme an der Darmkrebsvorsorge zu fördern.“ Denn nur knapp 25 Prozent aller Berechtigten nahmen im Auswertungszeitraum am Screening-Programm teil.

Auch wenn die Darmspiegelung als sehr sicheres Verfahren gilt, sind Risiken nicht völlig auszuschließen. Brenner und Kollegen untersuchten deshalb in einer kontrollierten Studie mit rund 66.000 Teilnehmern mögliche Nebenwirkungen des Eingriffs und veröffentlichten die Ergebnisse vor zwei Jahren im Fachblatt Gastrointestinal Endoscopy. So traten in 0,8 von 1.000 Fällen eine Perforation der Darmwand und in 0,5 von 1.000 Fällen eine Blutung auf; der Unterschied zur Kontrollgruppe war bei beiden Indikationen statistisch signifikant. Das Risiko eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls dagegen war im Vergleich zur Kontrollgruppe nicht erhöht.

Die Darmspiegelung kann alle zehn Jahre in Anspruch genommen werden. „Kürzere Intervalle ergeben wenig Sinn, da bei einer negativen Koloskopie das Risiko, dass ein Darmkrebs neu entsteht, in den nächsten zehn Jahren sehr niedrig ist“, sagt Brenner. „Wichtig ist allerdings die Qualität der Untersuchung, das heißt die behandelnden Ärzte müssen so ausgebildet und erfahren sein, dass sie möglichst keine Krebsvorstufen übersehen.“ Ein deutlich größerer Effekt, so Brenner, lasse sich jedoch erzielen, wenn man die bisherige Teilnahmerate steigern würde. Seiner Meinung nach wird die Darmspiegelung auf lange Sicht dann nicht nur die Darmkrebssterblichkeit, sondern auch das Auftreten neuer Krebsfälle deutlich senken.

Prävention spart Behandlungskosten ein

Experten weltweit empfehlen, dass Darmspiegelungen als Vorsorgeuntersuchung allen Personen ab dem 50. Lebensjahr angeboten werden sollten. Dass in Deutschland der Startpunkt erst das 55. Lebensjahr sei, habe, so Brenner, keine medizinischen sondern primär finanzielle Gründe. „Dabei wären die Kosten der eingesparten Darmkrebstherapien beträchtlich höher als die Kosten, die durch die Darmspiegelungen tatsächlich entstehen. Das Problem ist aber, dass die Kosten für die Darmspiegelungen heute anfallen und die Kosten für die Behandlung der verhüteten Krebsfälle erst viele Jahre später“, sagt Brenner. „Die Kostenträger schauen oft mehr auf den Haushalt des nächsten Jahres als auf die Kosten der nächsten zehn oder zwanzig Jahre.“

121 Wertungen (4.77 ø)

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24 Kommentare:

Dr. med. Andreas Brauksiepe
Dr. med. Andreas Brauksiepe

Guten Abend, als Gastro-Enterologe wüßte ich nicht, wie ein Polyp virtuell ENTFERNT werden sollte. Und die Aussage, dass die virtuelle Coloskopie auch die offenbar immer wichtiger werdenen rechtscolischen komplett flachen sog. sessilen serratierten Adenome entdeckt, die meist noch eine Schleimkappe tragen, halte ich für nicht flächendeckend übrertragbar. Unsere Radiologen (Praxis am Haus der Grundversorgung) machen die virtuelle Colo. kaum noch, wohl aus mehreren Gründen (Vorbereitung, Aufwand, Zeit, wenig Ertrag?). Eine sehr gut vorbereitete Coloskopie unter sanfter Propofolsedierung ist m.A.n. immer noch der Platin-standard der Diagnostik & Therapie von Colonadenomen und deren Folgen. Ich habe mich mit 50 J. aufgerafft (keine Vorrisiken) und bin prompt ein kleines Adenom losgeworden. Do it!

#24 |
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Gast
Gast

@Dr.Dr.med. Richard Westhaus kann man auch schon ganz virtuell Polypen entfernen?
Das wäre in der Tat sehr akzeptabel, wenn auch viel teuerer als bei der Koloskopie.

#23 |
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Dr.Dr.med. Richard Westhaus
Dr.Dr.med. Richard Westhaus

Die Akzeptanz einer gezielten Darmkrebsvorsorge ließe sich steigern, wenn man die risikofreie virtuelle Kolonographie zusätzlich als Screening-Methode anwendete bzw. zuließe. Eine Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt hat bereits die Ebenbürtigkeit von optischer Koloskopie und virtueller Kolonographie hinsichtlich therapiebedürftiger Polypen am 01.05.2009 beschrieben. Eine weitere Arbeit aus München (Ludwig-Maximilian-Universität, Campus Großhadern) hat in Gastroenterology in 2013 darüber hinaus auch die MRT- gestützte Kolonographie als sinnvolle Ergänzung an über 350 Patienten herausgestellt.
Die Sensitivität einer CT- gestützten virtuellen Diagnostik ist mit moderner Technologie und Apparatur identisch zum optischen konventionellen Verfahren, die Erfahrung und Expertise des Radiologen spielt hier vergleichbar der des Gastroenterologen für die Koloskopie die herausragende Rolle.
Die Strahlenexposition ( bitte benutzen Sie nicht den irreführenden Begriff einer “Strahlenbelastung”!) liegt in Abhängigkeit der Konstitution des Patienten dank moderner Niedrigdosis-Protokolle in den “high-end-scannern”, die heutzutage verfügbar sind, unter 3mSv. In der MRT ist die Strahlenexposition null.
Einen unschätzbaren Vorteil der Bildgebung des Abdomen und Beckens stellt die Tatsache dar, dass in ca. 13% der Untersuchungen relevante Begleitpathologien erfasst werden, die der optischen Koloskopie entgehen.
Die Verwendung von CO2 zur Dilatation des Kolon, Sigma und Rektum wird darüber hinaus als deutlich angenehmer als Raumluft empfunden, da das Gas über die Darmschleimhaut rasch resorbiert und über die Lunge abgeatmet wird.
Der Vorwurf, dass im Rahmen der virtuellen Verfahren keine Polypektomie durchgeführt werden kann, lässt sich dadurch entkräften, dass im Falle eines therapiebedürftigen Polypen die Zuweisung zur Koloskopie unmittelbar im Anschluss an die Bildgebung erfolgen kann, sodass eine einmalige Vorbereitung für Diagnostik und Therapie/Intervention genutzt werden kann.
Die stetige Weiterentwicklung der Software lässt heute auch flache Polypen, die kaum die Schleimhautebene überschreiten, sicher detektieren.
Das virtuelle Verfahren könnte maßgeblich dazu beitragen, die Akzeptanz der Dickdarmkrebsvorsorge zu erhöhen, zumal keine Sedierung erforderlich ist und der zeitliche Aufwand weniger als 15 Minuten beträgt.

#22 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

Stimme Kommentar 20 zu. Durch Absenken des cut-offs kann ich bei fast jedem Test die Sensitivität hoch schrauben. Das geht dann auf Kosten der Spezifität.
Können Sie weitere Angaben zur Studie machen?
– Spezifität?
– vorselektionierte Patienten (z. B. durch Koloskopie) oder Screening bei asymptomatischer Allgemeinbevölkerung?

Siehe hierzu auch die S3 Leitlinie:
https://www.ukb.uni-bonn.de/42256BC8002B7FC1/vwLookupDownloads/S3LeitliniekolorektalesKarzinom.pdf/$FILE/S3LeitliniekolorektalesKarzinom.pdf
Seite 43:
“Die Mehrzahl der Studien erfolgte an vorselektierten Patientenkollektiven und erlaubt somit keine Aussage zur Wertigkeit des Tests für die Vorsorge/ Früherkennung in der asymptomatischen Bevölkerung.”

#21 |
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Gast
Gast

…. Dennoch nicht empfehlenswert, wegen hoher falsch-positiv Rate.”

#20 |
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Jeffrey Jeffrey
Jeffrey Jeffrey

Prof. Kim untersuchte in einer koreanischen Studie den Enzym-Biomarker M2-PK Die Erkennungsrate des M2-PK Tests für Darmkrebs lag bei 92,8% und die für Polypen bei 69,4%. Ferner verglichen sie die Ergebnisse des M2-PK-Tests mit denen eines iFOBT. Dieser war dem M2-PK-Test deutlich unterlegen. Der iFOBT konnte lediglich 47,5% der Darmkrebsfälle und gerade einmal nur 12,1% der Polypen identifizieren. Damit erkennt der M2-PK-Test nahezu doppelt so viele Fälle von Darmkrebs und sogar sechsmal mehr Polypen als der iFOBT. Die wissenschaftlichen Ergebnisse der Universität von Korea bestätigen damit ausnahmslos die Leistungsfähigkeit des M2-PK-Test im Rahmen der Darmkrebsvorsorge und -früherkennung.

#19 |
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Dr. rer. nat. habil. Willibald Schliemann
Dr. rer. nat. habil. Willibald Schliemann

Zur Meinung von Gast:

Das Trinken der Mischung ist zwar lästig, aber eklig ist nur der Darmtumor!

#18 |
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@Dr. med. Frank Bollig (#13): Herzlichen Dank für die Info – dann hab ich bisher alles richtig gemacht

#17 |
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Gast
Gast

Die Darmspiegelung ist ja an sich relativ schmerzlos und auch ohne Sedierung zu ertragen. Aber die Flüssigkeit, die man zuvor literweise trinken muss, die ist so was von ekelig. Man könnte meinen, die ist zur Abschreckung von der Bertelsmannstiftung zusammengemixt worden.
Deshalb meine Frage: gibt es auf dem Gebiet der Ausräumung Fortschritte was die Flüssigkeit betrifft?

#16 |
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Arzt
Arzt

Ergänzung:
was bringen die Stuhlteste?
http://www.duesseldorf-gegen-darmkrebs.de/vorsorge-und-frueherkennung/stuhltests

Zitat daraus
“Fazit: Kein Stuhltest ist absolut sicher oder fehlerfrei. Dennoch gibt es neuere, verbesserte Tests, die den herkömmlichen Guajak-Test ablösen könnten. Der eigentliche „Testsieger” ist und bleibt die Darmspiegelung. ”

und zum ScheBo® · Tumor M2-PKTM Stuhltest:
“Gute Ergebnisse hinsichtlich der Sensitivität*. Dennoch nicht empfehlenswert, wegen hoher falsch-positiv Rate.”

#15 |
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Arzt
Arzt

Herr Dipl.-Phys. Manfred Dreusicke, das Wachstumstempo ist umso schneller je maligner der Tumor ist. Ein gutartiger Polyp wächst also sehr langsam. In der Regel sind das gleich mehrere Polypen an unterschiedlichen Stellen. Also eine anspruchsvolle Angelegenheit.
Zu ihrer 2. Frage die Sicherheit nach Polypenentfernung ist geringer als der primär (sicher) polypenfreie Darm aber nur wegen der Restunsicherheit einer wirklich kompletten Entfernung. Ein Endoskopiker wird daher danach eine kürzere Kontrolle vorschlagen, z.B. 2-3 Jahre und nur wenn dann die komplette Freiheit von Polypen bestätigt wird, geht er auf die 10-jahres-Frist.

Ein peripherer Bluttest kann keinen Polypen feststellen und ist damit nicht Vorsorge (Prophylaxe) sondern Früherkennung eines schon bestehenden Ca,
ein kleiner aber feiner Unterschied!
Ich würde als Onkologe vermuten, wenn man dann operiert gehört dann sogar eine Chemotherapie dazu.
Das macht man nach histologischen Kriterien (R0-Rersektion) nur bei nachgewiesenem LK-Befall.
Bedenken von der Kostenseite würde ich für inkompetent halten, da ein wirklich nicht seltenes Colon-Ca einfach viel teurer ist.

#14 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

@Dr. Graf
Ich zitiere nochmal aus der S3 Leitlinie:
https://www.ukb.uni-bonn.de/42256BC8002B7FC1/vwLookupDownloads/S3LeitliniekolorektalesKarzinom.pdf/$FILE/S3LeitliniekolorektalesKarzinom.pdf
Seite 48:
“Verwandte ersten Grades von Patienten mit kolorektalem Karzinom sollten in einem Lebensalter, das 10 Jahre vor dem Alterszeitpunkt des Auftretens des Karzinoms beim Indexpatienten liegt, erstmals komplett koloskopiert werden, spätestens im Alter von 40-45 Jahren. Die Koloskopie sollte bei polypenfreiem Darm in der initialen Koloskopie mindestens alle 10 Jahre wiederholt werden.”

Es soll auf jeden Fall in einem geringeren Lebensalter koloskopiert werden. Anscheinend geht man dann bei polypenfreiem Darm davon aus, dass der Patient kein erhöhtes Risiko hat und belässt es beim 10-Jahres Intervall.

#13 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

@Frau Jünemann-Kötter, @Frau Krause
Wenn ein Patient sich nicht überwinden kann, eine Koloskopie durchführen zu lassen (was ich durchaus nachvollziehen kann), ist ein Stuhltest als Alternative möglicherweise besser als gar nichts. Allerdings halte ich es für nicht legitim und fahrlässig, dem Patienten irgendeine Sicherheit vor zu gaukeln. Ein negativer Stuhltest schließt einen Tumor oder eine Vorstufe (Adenom) keineswegs aus, selbst wenn er in kurzen Abständen durch geführt wird. Umgekehrt sind die überwiegende Mehrzahl der positiven Teste falsch positiv und führen zu Angst und Verwirrung und im Endeffekt doch zur Koloskopie.
Ich hoffe sehr, dass Sie das in der oben beschriebenen Weise mit den Patienten besprechen, bevor Sie die Teste durch führen lassen.
Im Übrigen konnte eine Überlegenheit des M2PK Stuhltestes zu anderen Stuhltesten (Blut im Stuhl/immunologischer Stuhltest) nicht eindeutig wissenschaftlich belegt werden (siehe auch das Zitat aus der S3 Leitlinie in meinem vorherigen Beitrag).

#12 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

@Herrn Dreusicke
Ich empfehle als Lektüre die S3 Leitlinie “Kolerektales Karzinom” aus Juni 2013.

https://www.ukb.uni-bonn.de/42256BC8002B7FC1/vwLookupDownloads/S3LeitliniekolorektalesKarzinom.pdf/$FILE/S3LeitliniekolorektalesKarzinom.pdf

Vor allem auf den Seiten 35 – 43 (Kapitel “Vorsorge/Früherkennung”) wird ausführlichst zu den verschiedenen Testen Stellung genommen.
Zitat von Seite 37:
“Es wird davon ausgegangen, dass eine unauffällige Koloskopie nach 10 Jahren wiederholt werden sollte. So fanden sich 5,5 Jahre nach einer unauffälligen Koloskopie keine Karzinome und weniger als 1% fortgeschrittene Neoplasien [118]. Fall-Kontrollstudien legen nahe, dass das Risiko auch noch mehr als zehn Jahre nach einer unauffälligen Koloskopie sehr niedrig ist [113, 119].”
Zitat von Seite 43:
“Der M2-PK Stuhltest sollte nicht für die Darmkrebs-Vorsorge/-Früherkennung in der asymptomatischen Bevölkerung eingesetzt werden.”
Und weiter:
“Die Mehrzahl der Studien erfolgte an vorselektierten Patientenkollektiven und erlaubt somit keine Aussage zur Wertigkeit des Tests für die Vorsorge/ Früherkennung in der asymptomatischen Bevölkerung. In der extern durchgeführten Literatursuche wurden zwei Studien [169, 170] zur Untersuchung einer Vorsorge-/Früherkennungspopulation identifiziert. In einer Studie wurde der M2-PK Test mit der Koloskopie bei 1082 asymptomatischen Personen verglichen. Die Sensitvität für fortgeschrittene Adenome betrug 21,7% bei einer Spezifität von 82%. In einer weiteren Studie mit 1.079
Teilnehmern wurde der M2-PK Test mit verschiedenen FOBT verglichen. Die Sensitivität für fortgeschrittene Neoplasien betrug 27,3% (im Vergleich zu 7,3-20,0% für die FOBT) bei einer Spezifität von 86,2% (FOBT 92,9-94,0%). Der positive prädiktive Wert für fortgeschrittene Neoplasien betrug 11,5% und war niedriger als alle getesteten FOBT.
Insgesamt ist die Datenlage nicht ausreichend, um den Test für die Vorsorge/Früherkennung in der asymptomatischen Bevölkerung empfehlen zu können.”
Als Laborarzt sollte ich Ihnen den M2-PK Test natürlich verkaufen, ein gutes Gewissen hätte ich dabei aber nicht und rate Ihnen somit davon ab (wie von den meisten Tumor Screeningtests).

#11 |
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Ursula Jünemann-Kötter, Heilpraktikerin
Ursula Jünemann-Kötter, Heilpraktikerin

@Thosten Braun …”bei anderen Patienten entwickelt sich daraus zwar Krebs, sie sterben aber aus anderen Gründen, bevor der Darmkrebs sich mit Symptomen bemerkbar macht.“ Woher weiß man dann, dass diese Patienten einen Darmkrebs entwickelt haben, wenn sie die Zeit bis zu den Symptomen und damit ja wohl auch bis zur möglichen Erkennung der Erkrankung nicht erleben?
@Dipl.-Phys. Manfred Dreusicke: Darmkrebs gehört meines Wissens nach zu einem eher langsam wachsenden Krebs. Wahrscheinlich resultiert daraus die 10 Jahres-Frist. Selbstverständlich kann er vorher schon entstehen, aber bis er “sichtbar” ist, vergehen ca. 10 Jahre.
…die Sensitivität des M2-PK Tests für Darmkrebs bei 78 % und die Spezifität im Bereich von 74-83 %. (von GKV bezahlter Pap-Test: 51% und 98 %) als Alternative zur Koloskopie empfehlenswert. Kosten geringer, Patientenbelastung nahezu Null. Erst bei positivem Befund Koloskopie.

#10 |
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Sollten bei völlig unauffälliger Erstkoloskopie, aber familiärer Vorbelastumng (beide Elternteile mit Colon-CA), nicht besser kürzere Intervalle als 10 Jahre empfohlen werden?? Vielen Dank im Voraus für erfahrungsbasierte Expertenmeinung.

#9 |
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die Sensitivität des M2-PK Tests für Darmkrebs bei 78 % und die Spezifität im Bereich von 74-83 %

Wenn diese Aussagen stimmen, dann halte ich diesen Test, halbjährlich angewandt, für die bisher sinnvollste Vorsorge.
Man lese die Anleitung zum Test.

Zehn Jahre bis zur nächsten Koloskopie: Woher weiss der Körper, dem gerade (wie alte?) Polypen weg geknipst wurden, dass er nun zehn Jahre lang keine neuen bilden darf?

#8 |
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da bei einer negativen Koloskopie das Risiko, dass ein Darmkrebs neu entsteht, in den nächsten zehn Jahren sehr niedrig ist“, sagt Brenner.

Woher weiss das Herr Brenner?

#7 |
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Drs. Dirk Dechering
Drs. Dirk Dechering

@gabriele krause: überlassen Sie solche Dinge doch bitte den Experten: Eine Metaanalyse aus Deutschland über den M2-PK Darmkrebstest kam zu dem Ergebnis, dass die Sensitivität des M2-PK Tests für Darmkrebs bei 78 % und die Spezifität im Bereich von 74-83 % liegt. Bei Ihrer Empfehlung – also jungen Leuten mit niedriger Prätestwahrscheinlichkeit – also ein völlig nutzloser Test zum Populationsscreening…

#6 |
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Dr. med. Frank Bollig
Dr. med. Frank Bollig

Sehr geehrte Frau Krause,
meinen Sie M2PK aus Stuhl oder Blut?
Was meinen Sie mit Erfolg?
Sind Ihnen Sensitivität und Spezifität der Untersuchung bekannt?
MfG, Frank Bollig

#5 |
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Gast
Gast

was für einen Erfolg?
Ihren Umsatz?

#4 |
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Heilpraktikerin

Warum wird für jüngere Jahrgänge, z. Bsp. ab dem 45. Lj., nicht ein M2Pk-Test im Abstand von 5 Jahren als Pflichtuntersuchung von den GKVs bezahlt?
Preiswerter als eine Koloskopie und die Aussage über Polypen bzw. Divertikel als Krebsvorstufen durchaus den Fach-Ärzten bewußt.
In meiner HP-Praxis empfehle ich diese Untersuchung allen Patienten ab dieser Altersstufe mit gutem Erfolg!

#3 |
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Arzt
Arzt

@Thorsten Braun, bravo ein guter Beitrag mit klarer Aussage,
heute eher selten.
Beim Intervall würde ich allerdings keinen Epidemiologen fragen, sondern einen Endoskopiker fragen. Die 10 Jahre sind nur richtig OHNE vorhandene und entfernte Polypen.
Und wenn dann auch die 10 Jahre rum sind darf man auch über 60 weiter Vorsorge machen.
Leider tut es ein bischen weh, das scheint die Haupthürde zu sein. Optimal ist daher die Kombination mit einem Anästhesisten.

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Gast
Gast

Man muss wissen, dass die Frau Bertelsmann (Stiftung) dagegen ist.
Was Ärzte denken ist heute nicht mehr wichtig.

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