Sunitinib: Auch bei Hirntumoren wirksam

13. Januar 2015
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Der Wirkstoff Sunitinib wird bei Bindegewebstumoren im Verdauungstrakt und fortgeschrittenen Nierenkarzinomen eingesetzt. Aktuelle Studienergebnisse deuten an, dass Sunitinib auch gezielt Tumorzellen im Gehirn attackiert und schützende Effekte auf Nervenzellen hat.

Neurochirurgen des Universitätsklinikums Erlangen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben eine neue Funktion eines Krebsmedikaments entdeckt. Bisher wird der Wirkstoff Sunitinib bei Bindegewebstumoren im Verdauungstrakt, sogenannten gastrointestinalen Karzinomen, und weit fortgeschrittenen Nierenkarzinomen eingesetzt. Die Ärzte stellten nun fest, dass das Medikament auch bei Hirntumoren wirksam ist. Ihre Ergebnisse haben sie kürzlich in dem Fachmagazin Cancer Science veröffentlicht.

Sunitinib hemmt Bildung neuer Blutgefäße

Bösartige Tumoren können ab einer bestimmten Größe nicht mehr ausreichend Sauerstoff und Nährstoffe aus dem umliegenden, gesunden Gewebe aufnehmen. Um weiter wachsen und auch Metastasen bilden zu können, benötigen sie eigene Blutgefäße. Der Wirkstoff Sunitinib hemmt bei gastrointestinalen Karzinomen und Nierenkarzinomen genau diese tumoreigene Bildung von neuen Blutgefäßen.

Wirkung auch bei Hirntumoren nachgewiesen

In der aktuellen Studie untersuchten die Ärzte um PD Dr. Nicolai Savaskan von der Neurochirurgischen Klinik, ob das Medikament auch bei Hirntumoren wirkt. Dabei zeigte sich, dass es für diese Gliome ein Zellgift ist und die Tumorzellen abtötet. Das Arzneimittel attackiert die Rezeptoren, die für die Bildung der Innenwände der tumoreigenen Blutgefäße verantwortlich sind. Darüber hinaus wiesen die Erlanger Forscher nach, dass Sunitinib normale Hirnzellen verschont und zudem schützende Effekte auf Nervenzellen ausübt. Außerdem wirkt es bei der Chemotherapie mit Temozolomid, die bei diesen Hirntumoren standardmäßig eingesetzt wird, unterstützend.

Originalpublikation:

Sunitinib impedes brain tumor progression and reduces tumor-induced neurodegeneration in the microenvironment.
Nicolai Savaskan et al.; Cancer Science, doi: 10.1111/cas.12580; 2014

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