Uniwahl: Nach dem Abi in den Trabi?

22. Februar 2012
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Jedes Jahr das gleiche Spiel: Bei steigenden Bewerberzahlen stellt sich die Frage nach dem richtigen Studienort. Sind die Unis im Westen besser? Werde ich im Osten besser gefördert? Wo muss ich keine Studiengebühren zahlen? Bekomme ich in den neuen Bundesländern eher einen Studienplatz? Und wo sind meine Berufschancen letztendlich am besten?

Mit doppelten Abiturjahrgängen und Wegfall von Wehr- und Zivildienst rollt zur Zeit eine Welle von Bewerbern unaufhaltsam auf die deutschen Universitäten zu. Um einen Studienplatz zu bekommen, werden die Abiturienten zukünftig ihre Mobilität steigern und auch ein Studium weit weg von Zuhause in Betracht ziehen müssen. Bereits in den letzten Jahren zog es immer mehr westdeutsche Abiturienten in die Neuen Bundesländer. Ein Trend, der auch in Zukunft zunehmen werden muss, um alle Studienbewerber unterbringen und die durch Bevölkerungsschwund in Ostdeutschland frei werdenden Kapazitäten auslasten zu können.

Wo gibt es überhaupt noch Studiengebühren?

Ein wichtiger Grund für die Wahl des Studienortes waren bis vor kurzem die fehlenden Studiengebühren in den neuen Bundesländern. Doch nachdem im Wintersemester 2006/2007 die ersten Unis begannen einen Betrag von maximal 500 Euro zu verlangen, halten mittlerweile daran nur noch Bayern und Niedersachen fest. Baden-Württemberg wird die Gebühren zum aktuellen Sommersemester und Hamburg zum nächsten Wintersemester abschaffen. Höchste Zeit also zu resümieren und sich die Studienbedingungen in Ost und West abseits des finanziellen Aspektes anzuschauen.

Nur minimal bessere Bewertung der Ost-Unis

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung hat das vor kurzem getan und herausgefunden, dass nur von marginalen Unterschieden zu sprechen ist. Beauftragt von der Hochschulinitiative Neue Bundesländer, die vor einiger Zeit die Kampagne „Studieren in Fernost“ gestartet hat, hatte das Institut Absolventen der Jahrgänge 2001 und 2011 aus dem gesamten Bundesgebiet bezüglich ihrer persönlichen Beurteilungen und Karrierechancen befragt. Studierende an ostdeutschen Universitäten bewerteten ihre Uni nur minimal besser als die in Westdeutschland. Unterschiede wurden dabei vor allem bei der Aktualität der Lehre, der Ausstattung der Hochschule (etwa Bibliotheken, IT, Hörsäle) und der Betreuung durch Lehrende ersichtlich. Allerdings würden mit 82% die Absolventen einer westdeutschen Hochschule nur etwas seltener als die Absolventen einer ostdeutschen Hochschule mit 87% ihren Studienort erneut wählen, wenn sie jetzt ein neues Studium beginnen würden.

Aussagen sind sehr subjektiv

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch eine Erhebung des Reemtsma Begabtenförderungswerks. Sie legt darüberhinaus nahe, dass solche Aussagen von sehr subjektiver Natur sind: Generell werden die Studienbedingungen im Osten auch hier etwas besser eingeschätzt. Auffallend besser bewerten aber Studierende die Bedingungen in den neuen Bundesländern, die dort sowohl zur Schule gegangen sind als auch jetzt studieren. Bei einer allgemeinen Bewertung der persönlichen Studienbedingungen liegen Ost- und Westunis aber wieder gleich auf. Darüber hinaus wird in dieser Erhebung auch zwischen Bundesändern mit und ohne Studiengebühren differenziert, was ebenfalls keinen Unterschied aufzeigt. Studierende, die Gebühren zahlen, erleben demnach keine besseren Bedingungen als ihre Kommilitonen, die nicht bezahlen müssen.

Keine Daten für das Medizinstudium

In wieweit diese Aussagen auch auf das Medizinstudium anwendbar sind, bleibt offen. Bisher gibt es keine belastbaren Daten, die diese These unterstützen oder widerlegen. Eindeutig ist jedenfalls, dass Studienerfolg und die Chance auf einen Berufseinstieg nach dem Medizinstudium vom Studienort unabhängig sind. Ärztemangel und eine hohe Zahl an offenen Stellen bringt die aktuellen Absolventen in die vorteilhafte Lage unter einer Vielzahl von Angeboten auswählen zu können. Die Wahrscheinlichkeit eine Stelle in der gewünschten Fachrichtung und am gewünschten Ort zu bekommen ist extrem hoch. Zudem sind bei steigendem Numerus clausus die meisten Abiturienten sowieso nur froh überhaupt irgendwo einen Studienplatz zu bekommen und dann irgendwie die Vorklinik zu überstehen.

37 Wertungen (3.08 ø)
Studium

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3 Kommentare:

Annemarie Lippert
Annemarie Lippert

Die aufgewärmten Klischees sind wenig hilfreich. Für viele Studenten interessant ist aber sicher, neben den Studienbedingungen, das oft noch immer bestehende Gefälle in den Lebenshaltungskosten. In Halle bin ich mit 500 Euro im Monat sehr bequem zurechtgekommen, trotz monatlich ca. 80 Euro fürs nach Hause fahren an Wochenenden. Mein 8 m² WG- Zimmer (2er WG, gemeinsames Wohnzimmer von 20 m²) hat mich warm rund 160 Euro gekostet.

#3 |
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Student der Humanmedizin

“ossi” & “wessi” – das ist soo 90er.. pff

#2 |
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Student der Humanmedizin

“Ost oder West? Auf welcher Seite steht ihr?”
Sehr archaisch und definitiv nicht zeitgemäß! Über 20 Jahre nach dem Mauerfall kann ich solche Formulierungen
1. nicht mehr hören
2. auch nicht tolerieren
Ich bitte um mehr Reflexion der deutschen Vergangenheit! Derartige “Hau-drauf” Formulierungen gehören nicht in einen akademischen Kontext! Losgelöst vom restlichen Inhalt des Artikels!
Also wirklich: “Ab in den Trabi?” was soll denn das?

#1 |
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