Adipositas: Pillen gegen das dicke Ende

23. Januar 2015
Teilen

Die US-amerikanische Food and Drug Administration hat das Antidiabetikum Liraglutid zur Gewichtsreduktion zugelassen. Das Abspecken per Pille ist jedoch mit zahlreichen Nebenwirkungen verbunden. Vielen Patienten werden adipositaschirurgische Eingriffe nicht erspart bleiben.

Ab einem Body Mass Index (BMI) von 30 kg/m² sprechen Ärzte von Adipositas. Laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation sind mehr als 300 Millionen Menschen betroffen – in Industrieländern, aber auch zunehmend in Schwellenländern. Das Spektrum an Arzneistoffen bleibt mehr als überschaubar. Nachdem Sibutramin aufgrund kardiovaskulärer Risiken vom Markt genommen wurde, gibt es bei uns nur noch den Wirkstoff Orlistat. In den USA sorgt jetzt ein weiteres Präparat für Furore.

Antidiabetikum zur Gewichtsreduktion

Die FDA hat jetzt ihre Zulassung für Liraglutid erweitert. Das bekannte Antidiabetikum darf auch bei Patienten mit Adipositas, aber ohne Typ 2-Diabetes, verschrieben werden. Das Pharmakon wirkt als Inkretinmimetikum. Es ahmt Effekte des Glucagon-like Peptid 1 (GLP-1) nach. Pharmakologisch kommt bei Adipositas weniger die gesteigerte Insulinausschüttung zum Tragen. Patienten profitieren von einer langsameren Magenentleerung, und sie sind schneller satt. Mittelfristig verringert sich das Körpergewicht, was als Begleiteffekt bei vielen Diabetikern auftrat. Diese durchaus gewünschte Nebenwirkung soll jetzt in den USA zum Hauptnutzen von Liraglutid werden. Dazu hat der Hersteller empfohlene Dosierungen von 1,6 auf 3,0 Milligramm pro Tag erhöht.

Zwischen Wirkung und Nebenwirkung

Zur Zulassung wurde Liraglutid an 4.800 Personen mit Übergewicht (BMI mindestens 27 kg/m2) oder Adipositas (BMI mindestens 30 kg/m2) getestet. Unter Verum verringerte sich das Körpergewicht nach 12 Monaten um 4,5 Prozent, verglichen mit Placebo. Analysen zufolge verloren 62 Prozent im Liraglutid-Arm sogar fünf oder mehr Prozent, verglichen mit 34 Prozent im Placebo-Arm. Patienten mit Typ 2-Diabetes speckten nach einem Jahr 3,7 Prozent ab, wieder gemessen an Placebos. Hier verloren 49 Prozent unter der Medikation fünf oder mehr Prozent an Körpergewicht, während es unter Placebo nur 16 Prozent waren. Als häufigste Nebenwirkungen traten gastrointestinale Störungen auf. Damit nicht genug: Zumindest im Tierversuch traten bei Nagern C-Zell-Tumoren der Schilddrüse auf. Entsprechende Hinweise müssen deshalb auf US-Fachinformationen genannt werden. Versagen alle pharmakologischen Methoden, bleibt immer noch die bariatrische Chirurgie.

13 Wertungen (3.92 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

2 Kommentare:

Arzt
Arzt

Der Königsweg ist immer noch die bedarfsgerechte Nahrungsaufnahme,
also KEINE Radikalkur.
Die Chirurgie kommt vereinbarungsgemäß erst ab 35 BMI infrage, besser ab 40.
“bedarfsgerechte Nahrungsaufnahme” scheint mir eine gesellschaftliche Aufgabe zu sein, die man offenbar schon verloren hat, siehe McDonald & Co. besonders für die Jugend.
Die DGE ist da nicht besonders hilfreich (zuviel KH, zu häufige Nahrungsaufnahme).
Politisch schimpft man schon lange nicht mehr auf die umsatzorientierte Nahrungsindustrie, sondern möchte eher die Opfer (Konsumenten) bestrafen (Steuern!).

Das ist der falsche Weg in eine Diktatur, die genau das Gegenteil tut wie frühere Regierungen:
nämlich das zu bestrafen, was für den Mensch, auch den Ärmsten UNENTBEHRLICH ist: Nahrung, Wasser, Strom (Energie), dazu gehört auch der Verkehr, das Autofahren. Es fehlt nur noch die Luft zum Atmen, dafür wird schon mal, wissenschaftlich völlig lächerlich, CO2 offiziell zum Schadstoff erklärt.
Kritik ist nicht erwünscht.

mfG

#2 |
  0
Naturwissenschaftler

Ein paar Anmerkungen (die auch der DocCheck News Redaktion hätten auffallen können):
1. “Pillen gegen das dicke Ende”: Nix Pille, Liraglutid muss injiziert werden
2. Auch in Europa steht die Zulassung bevor. Der CHMP hat schon zugestimmt:
http://www.pharmatimes.com/Article/15-01-22/EMA_advisors_back_Novo_obesity_drug_Saxenda.aspx
3. Es wirkt, aber wieviel adipösen Patienten mit ~5 % Gewichtsverlust wirklich geholfen ist? Einen Anlass für “Furore” sehe ich auf jeden fall nicht.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: