Medizinstudium beim Bund: Feldzug gegen Wartesemester und NC

14. Januar 2015
Teilen

Abiturienten mit dem Berufswunsch Arzt stehen häufig vor dem Dilemma langer Wartezeiten. Ohne Einser-Abi geht nichts. Einen möglichen Ausweg bietet der Dienst am Vaterland: Die Bundeswehr sucht händeringend Ärzte. Und schaut dabei längst nicht nur auf die Note.

Selbst Eignungstests der Universitäten, veränderte Zulassungsbedingungen und eine Namensänderung der Zentralen Vergabestelle für Studienplätze – heute schlicht hochschulstart.de genannt – konnten bislang nicht verhindern, dass Wartezeiten von bis zu sechs Jahren für mittelmäßige Abiturienten eher die Regel als die Ausnahme sind.

Mediziner beim Bund sehr begehrt

Stethoskop statt Maschinengewehr? Ganz so einfach ist es nicht – schließlich müssen auch angehende Sanitätsoffiziere mit all dem Wissen und den praktischen Fähigkeiten ausgestattet sein, um im Kriegsfall als „richtige Soldaten“ zur Verteidigung der Bundesrepublik beitragen zu können. Und um gleich einem Missverständnis vorzubeugen: Medizinstudenten bei der Bundeswehr sind mitnichten alle „NC-Flüchtlinge“, im Gegenteil: Viele Jungakademiker sehen die durchaus vorhandenen Vorteile einer Beschäftigung bei einem der größten Arbeitgeber Deutschlands. Der Dienst an der Waffe schreckt sie dabei ebensowenig ab, wie die Gewissheit, möglicherweise in eines der mittlerweile sehr zahlreichen Krisengebiete geschickt zu werden, in denen die Bundeswehr tätig ist.

„Wir. Dienen. Deutschland.“ Seit Aussetzung der Wehrpflicht im Juli 2011 wirbt die Bundeswehr in zahlreichen Werbespots aktiv mit diesem und anderen Slogans um Mitarbeiter verschiedenster Art. Der im zivilen Bereich bereits jetzt postulierte Mangel an medizinischen Fachkräften macht auch vor der Truppe nicht halt: „Wir haben einen großen Ärztemangel“, so der Wehrbeauftragte des Deutschen Bundestages Hellmut Königshaus. Bereits seit dem Jahr 2012 beläuft sich die Zahl der offenen Medizinerstellen im deutschen Militär auf rund 300. Im Bundeswehrzentralkrankenhaus Koblenz sind in der Herz– und Gefäßchirurgie mittlerweile die ersten zivilen Mediziner beschäftigt – der Bedarf lässt sich durch das Kontingent der Bundeswehr nicht decken. Die Gründe für den Ärztemangel sind vielseitig. Viele Bundeswehrärzte kündigen nach der verpflichtenden Zeit, um sich beispielsweise mit einer eigenen Praxis selbstständig zu machen. Aus der – nicht unberechtigten – Angst vor der Entsendung in ein Kriegsgebiet ziehen zudem immer mehr Medizinstudenten in spe die lange Wartezeit einer zivilen Ausbildung vor.

Längst kein Selbstläufer

Es lässt sich festhalten: Wer bereit ist, den Weg eines Medizinstudiums bei der Bundeswehr zu gehen, wird sich kaum bis gar keine Sorgen um seinen Arbeitsplatz machen müssen. Aber auch ein Studienplatz bei der Bundeswehr ist absolut kein Selbstläufer. Der Weg in den Sanitätsdienst beginnt für jeden Interessenten am Rhein: In der Offiziersbewerberprüfzentrale in Köln muss zunächst ein dreitägiges Auswahlverfahren bestanden werden. Das gilt freilich nicht nur für die angehenden Lebensretter, sondern für jeden Offiziersanwärter. Von den knapp 10.000 Studienplätzen im Fach Humanmedizin entfallen etwa 250 auf die Bundeswehr. Auch diese werden z. T. durch die Abiturnote vergeben, die Anforderungen sind hier aber nicht ganz so restriktiv wie bei den zivilen Kommilitonen.

Dafür sind aber für die endgültige Aufnahme noch eine Reihe anderer Herausforderungen zu bewältigen: So ist eine gewisse körperliche Fitness schon am Beginn der militärischen Laufbahn unerlässlich. Die Kölner Offiziersprüfer bitten die Interessenten zu diversen körperlichen und mentalen Tests. So gilt es, eine Vielzahl an Liegestützen ebenso selbstverständlich zu absolvieren, wie einen raschen Sprint und diverse andere sportliche Einheiten. Im Rahmen psychologischer Tests werden die künftigen Stabsärzte auf Herz und Nieren geprüft. Aus dem gesamten Prozedere ergibt sich eine Punktzahl, die letztlich über die Aufnahme entscheidet. Wer mindestens 17 Punkte erreicht, erhält eine Anstellung bei der Bundeswehr. Wer besonders gut abschneidet, darf sich den Studienort sogar teilweise aussuchen. Denn: Anders als bei vielen anderen Studiengängen der Bundeswehr, wird das Medizinstudium an einer zivilen Universität Seite an Seite mit anderen Jungmedizinern absolviert. Daher sind die eigentlichen Studieninhalte zwischen militärischer und ziviler Ausbildung völlig identisch. Bevor es aber soweit ist, muss erst einmal eine dreimonatige militärische Grundausbildung absolviert werden. Soldat ist schließlich Soldat, egal ob Funker, Panzergrenadier oder eben Arzt. Welche Art von Facharztausbildung man später einschlägt, ist übrigens nur bedingt frei wählbar. Die Bundeswehr bildet solche Ärzte aus, die sie auch braucht. Wie wir aber erfahren haben, braucht sie derer sehr viele.

Medizinstudenten im Militärdienst: Volles Gehalt – volle Verantwortung.

Bereits während des Medizinstudiums sind die angehenden Ärzte als Offiziersanwärter fest angestellt und erhalten ein entsprechendes Festgehalt. Ein Studienkredit, BAföG oder Jobben ist hier kaum nötig – bereits in der Vorklinik können die Studenten mit einem Nettogehalt von rund 1.600 Euro pro Monat rechnen. Zudem finanziert die Bundeswehr zahlreiche Posten wie Studiengebühren, Unterkunft, etc. Während der Semesterzeiten erfolgt eine Freistellung vom militärischen Dienst, um sich voll und ganz auf das Studium und seine Lerninhalte konzentrieren zu können. Die weniger strenge Handhabung mit den Abiturnoten mag den Druck zunächst etwas senken. Im Medizinstudium angekommen, dürfen sich Bundeswehrstudenten jedoch weit weniger Ausfälle leisten, als ihre zivilen Kommilitonen.

Ein Urlaubssemester für eine Weltreise, ein Jahr länger studieren, um weniger Druck zu haben oder ein Au-pair-Aufenthalt in den Semesterferien? Für „normale“ Medizinstudenten – je nach Geldbeutel – kein Problem. Ein Studium bei der Bundeswehr erlaubt praktisch keinen Freiraum: Es wird erwartet, dass die Ausbildung in der Regelstudienzeit absolviert wird. Schon ein einziges Zusatzsemester muss beim Arbeitgeber beantragt werden und verschafft dem Sanitätsoffizieranwärter Minuspunkte. Punkte werden während des gesamten Studiums gesammelt. Wer am Ende durch gute Leistungen besonders viele Pluspunkte beisammen hat, kommt in den Genuss, sich unter Umständen eine Facharztrichtung aussuchen zu können. Ansonsten gilt: Die Bundeswehr macht aus Dir das, was sie gerade braucht. Allerdings ist es möglich, beispielsweise durch freiwillige Praktika bzw. Famulaturen, Sonderpunkte zu sammeln. Viele Fehlversuche bei Prüfungen können im Extremfall zur Kündigung des Arbeitsverhältnisses führen.

Langer Atem vonnöten

Genau diesen Druck wollen sich viele nicht antun. Denn wer glaubt, in den Semesterferien wäre etwa Freizeit angesagt, irrt: Muss nicht gerade ein Pflegepraktikum oder eine Famulatur absolviert werden, stehen Wehrübungen, Lehrgänge und sonstige militärische Tätigkeiten an. Zwar wird man als Medizinstudent noch nicht in Kriegsgebiete entsendet, die Vorbereitung hierauf füllt aber den Zeitplan bereits vollends aus. Um überhaupt Medizin bei der Bundeswehr studieren zu können, muss sich der Interessent für 17 Jahre verpflichten. Macht insgesamt rund 7 Jahre Studium und 10 Jahre Dienst als Militärarzt. Zahlreiche Versetzungen innerhalb Deutschlands sind eher die Regel als die Ausnahme.

Dennoch: Das Medizinstudium bei der Bundeswehr bleibt attraktiv: „Die Bundeswehr gab mir die Chance, trotz mäßiger Noten, das Medizinstudium sofort zu beginnen. Und das, obwohl ich verweigert hatte“, erzählt Leutnant Christian Geis im Interview. Allerdings sollte sich jeder angehende Arzt bei der Bundeswehr im Klaren darüber sein, dass sich die Last der Verantwortung immer weiter steigert. Je weniger Nachwuchskräfte sich für das Medizinstudium bei der Bundeswehr entscheiden, desto mehr Arbeit verteilt sich auf den Schultern jedes Einzelnen. Kritik gibt es auch an den sehr restriktiven Anforderungen während des Studiums. Es gibt immer einmal Themen, bei denen mehrere Anläufe notwendig sind. Persönliche Schwächen hat auch derjenige, der später einmal in einem Feldlazarett an der Front arbeitet. Probleme bereitet vielen Interessenten auch die moralische Frage „Bin ich nun angehender Arzt und helfe Menschen? Oder doch Soldat, der auf den Feind schießen muss“.

So oder so ähnlich ging es auch Stefan Paulsen. Der junge Mann begann sein Medizinstudium bei der Armee. Mit zunehmender Zeit spürte er, dass er sich in einen immer größeren Gewissenskonflikt hineinbegab. „Ein Mediziner will das Beste für seinen Patienten, er will Schaden lindern. Das Militär geht immer mit Schaden einher. Ich hatte so ein Gefühl im Herzen, dass ich das nicht will. Ich wollte Arzt sein, nicht Soldat.“ Nach einem langen Rechtsstreit beendete die Bundeswehr das Arbeitsverhältnis mit dem heute 27-Jährigen. Und schlussendlich muss sich auch jeder darüber im Klaren sein, dass der Arbeitgeber bis fast zum 40. Lebensjahr Bundeswehr heißt. Die Wartezeit, die anfangs beim Studienplatz eingespart wurde, könnte dann, z. B. bei der Planung einer eigenen Praxis, plötzlich wieder da sein.

65 Wertungen (4.15 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

10 Kommentare:

Gast
Gast

“Wartezeit auf eigene Praxis” verkennt, dass zu jeder “Niederlassung” eine gründliche klinische Ausbildung erforderlich ist, die nur durch ältere erfahrenen Kollegen im Team vermittelt werden kann, darum muss man sich schon selbst intensiv bemühen, 10 Jahre ist da nicht viel!
Immerhin ist es schon ein Privileg, ein Studium mit vollem Gehalt durchführen zu können.
Für mich war es nur ein nicht uninteressanter Abstecher mit viel Freizeit (Wehrdienst), die eine normale ärztliche Tätigkeit niemals bietet. Die optimale Ausbildung (woanders) war mir wichtiger. Andererseits hat auch die ärztliche Tätigkeit in der Bundeswehr ihre Reize, denn er ist hier mehr geschützt vor der heute üblichen antiärztlichen Polemik unserer Gesellschaft und er kann mehr Mitarbeit der “Patienten” bei seiner Heilung anfordern, sie aber auch andererseits vor unangemessener Behandlung durch Vorgesetzte schützen. Hackordnung ist ja eines der Grundprinzipien von Militär und hier ist der Doktor bemerkenswert unabhängig.

#10 |
  2
Medizinjournalist

Liebe Userinnen und User,
zunächst einmal freue ich mich, dass sich aus meinem Artikel eine rege Diskussion entwickelt hat. Natürlich kann mein Artikel nicht alle Erfahrungen, sowie Vor- und Nachteile eines Bundeswehr-Studiums beleuchten. Umso interessanter ist die Diskussion hier, an der erfreulicherweise auch Betroffene teilnehmen.
@ Frau Georgens: Zunächst einmal bin ich überrascht über die Heftigkeit Ihrer Kritik. Mitnichten sollte mein Artikel eine Lobeshymne auf die Bundeswehr werden. Erlauben Sie mir dennoch eine Anmerkung: Wenn Sie schon derart heftige Vorwürfe mir bzw. DocCheck gegenüber erheben, dann doch bitte auf der Basis richtiger Fakten. 1. Die GESAMTZEIT der Verpflichtung dauert 17 Jahre, darin ist das Studium bereits enthalten. 2. Diese lange Zeit wird nicht nur beiläufig erwähnt, vielmehr schließt mein Artikel mit diesem Sachverhalt ab (Stichwort “Wartezeit auf eigene Praxis”).

Auf eine weiterhin sachliche und angeregte Diskussion.

Gunnar Römer.

#9 |
  0
Arzt
Arzt

@Leonie Goergens, was genau “scheut Sie ab”?
@Timo der Arzt ist nach der Genfer Konvention ausdrücklich NICHT-Kombatant,
darf also keinen Dienst mit der Waffe machen.
Nur aus diesem Grund darf man deshalb offiziell auch keine deutlich gekennzeichneten San-Fahrzeuge angreifen.
Das höchste der Gefühle ist zur Selbstverteidigung ein Revolver.
Ist meistens gut eingepackt und nicht zum Üben freigegeben.
Ich durfte nach Nachfrage im Ramen meines Wehrdienstes als Arzt in der Sanstaffel (Stabsarzt) dann ersatzweise bei den normalen Schießübungen der Rekruten mitmachen.
War eine schöne Zeit.

#8 |
  3
Gast
Gast

#6: 17 Jahre ingesamt.

#7 |
  0
Student der Humanmedizin

Ein, zwei Kleinigkeiten stimmen so nicht, z.B. duerfen wir nicht in der Truppenunterkunft wohnen und bekommen auch unsere Privatunterkunft nicht gezahlt. Der Punkt Unterkunft ist also falsch. Ausserdem finde ich es schade, dass niemals jemand etwas anderes als Sport als zusaetzlich benoetigte Qualifikation in Koeln erwaehnt. Wie waere es z.B. mal mit den Persoenlichkeitsmerkmalen, die man als zukuenftiger Offizier mitbringen muss?
Und jedem, der der Meinung ist, sich und seine Patienten zu verteidigen, stuende in Konflikt mit dem Arztberuf moechte ich die Frage stellen: Wenn ein Terrorist in Ihre Praxis gerannt kommt, wehren Sie sich denn dann nicht, weil Sie Arzt sind?

#6 |
  1
Maximilian Micka
Maximilian Micka

Als ehemaliger SanOA (Sanitätsoffiziersanwärter) darf ich vielleicht folgende Dinge dem – sehr ausführlichen – Artikel noch hinzufügen.

Grundsätzlich: Der Mangel an Medizinern bei der Bundeswehr ist hausgemacht!
Ich begann direkt nach dem Abitur 1994 meine Laufbahn unter den zahlreichen, positiven Gesichtspunkten. Bereits damals war klar, daß die Bundeswehr nur unter ganz bestimmten Bedingungen meinen Zeitsoldatenvertrag verlängern würde, bzw. nur wenigen aus meinem Jahrgang die Möglichkeit bliebe, das Verbleiben bei der Bundeswehr als Berufssoldat zu erhoffen. Die Sanitätsoffiziere sind also nicht abgewandert, sondern abgewandert worden!
Während meines Studiums wurde uns mehrmals nahegelegt auf die medizinische Laufbahn zu verzichten und stattdessen einen Schwerpunkt als Truppenführer im Verwaltungsapparat zu besetzen. Zu dieser Zeit wurden wir auch immer kräftig unter Druck gesetzt: Die Einhaltung der Regelstudienzeit war eine heilige Kuh, um die die Betreuungsoffiziere tanzten, Zusatzsemester galten als Katastrophe. Ich brauchte eines und durfte bei der Gelegenheit (zusammen mit einigen meiner Kameraden) die Abgründe menschlichen Charakters in Führungsposition kennen lernen. Die oben genannten Truppenpraktika kamen bei uns eigentlich eher selten vor. Wir hatten schlicht keine Zeit dafür. Lehrgänge, wie z. B. Fallschirmspringen usw. wären schon heiß begehrt gewesen, wurden aber mit Verweis auf den Studienschwerpunkt nur in geringer Menge gewährt. (Beliebt waren in unserer Einheit dafür Wanderunternehmungen, die vom Kommandeur organisiert wurden. 2-3 Tage zum Wandern auf die Reiteralpe mit gemütlichem Beisammensein unter den Kameraden war einfach herrlich und erholsam. Später erfuhr ich, daß unsere Einheit noch am besten mit ihren Schützlingen umging.)
Gegen Ende meines Studium fiel mir dann in der Einheit ein Schreiben in die Hände, das die Führungsoffiziere aufforderte, nach Anwärtern für die SanOA-Laufbahn zu suchen. (Jetzt kommts!) Das “Prinzip der Bestenauslese”, das wir in den vergangenen Jahren immer um die Ohren gehauen bekommen hatten, “könne nun vernachlässigt werden”. Aha, welch Umdenken… Meine Begeisterung hielt sich damals in Grenzen.
Direkt nach dem Examen wurde ich aufgrund einer Gesundheitsstörung, die sich bei mir während der Dienstzeit ergeben hatte, ausgemustert. Und das schmerzte!
Die Bundeswehr hatte mich in einer sensiblen Phase meines Lebens entscheidend geprägt. Gut das Leben war manchmal hart, aber alles war zu überleben. Materiell beklagen konnte ich mich während meines Studiums nicht. Ich war zum Zeitpunkt meines Examens verheiratet und hatte einen Sohn. Ohne BW wäre daran nicht zu denken gewesen.
Ich hatte bei der Bundeswehr Freunde gefunden und echte Kameradschaft gelebt. Ich denke mir heute oft, was es doch für eine Schande ist, wie unkollegial sich manche Kollegen verhalten. Dieses grob fahrlässige Verhalten stößt bei mir und meiner Prägung auf Kameradschaft hin auf schieres Unverständnis.
Ich hatte bei der Bundeswehr gelernt zu führen. Anderen Erwachsenen mit den richtigen Worten, mit der richtigen Haltung und Überzeugung, Anweisungen zu geben ist für viele Mediziner eine enorme Überwindung. Menschenführung muß man lernen und auch wenn manch einer lacht, beim Bund ist der richtige Platz dafür.
Leider erfuhr ich die größte kameradschaftliche Enttäuschung auch durch meinen damaligen Arbeitgeber. Ich konnte meine Ausmusterung nicht verhindern, obwohl ich heute als Facharzt für Allgemeinmedizin, als Notarzt und Chirotherapeut, voll einsatz- und leistungsfähig bin, Dienste am Wochenende und in der Nacht geleistet habe, nur halt zivil. Der bürokratische Apparat der BW war damals unüberwindbar und wird es auch heute noch sein! Das muß jeder wissen, der diese Dame zum Tanz auffordert.
Viele meiner Kameraden, die ihre Dienstzeit durchgezogen hatten und sich nun niederlassen / niedergelassen haben, klagten mir über genau diese Bürokratie und die Beschneidungen ihrer Ausbildung. Jeder Lehrgang muß beantragt werden, darf ein Kostenkontingent nicht überschreiten, findet auch am anderen Ende Deutschland statt, usw…
Die (neue???) Diskussion über den Mangel an Material bei den Streitkräften bringt mich eher zum Lachen, wenn auch etwas verbittert, hat sich doch die Situation in den letzten zwanzig Jahren überhaupt nicht verändert, und naiv ist, wer glaubt, unser aller Mutter der Streitkräfte würde das jetzt einfach so ändern.
Wie Sie sehen, zeichne ich ein durchaus gespaltenes Bild von meiner Zeit beim Bund. Ich möchte keinen Tag und keine Stunde dort missen. Es war echt eine gute Zeit! Was mir später widerfahren wäre, kann ich nicht sagen, meine zivile Karriere verlief anschließend bestens. Ob ich meinem Sohn den Dienst bei den Streitkräften raten würde, evtl. mit Studium, evtl. mit SanOA-Laufbahn? Schwer zu beantwortende Frage… Ich glaube ich würde sagen: “Geh hin! Schau es Dir an! Mach Dir ein Bild und lerne!”

#5 |
  0
Timo
Timo

In wie weit ist der Dienst an der Waffe und die damit verbundene Verpflichtung im Ernstfall für das “Vaterland” zu töten in irgendwelcher Art mit ethischen Aspekten der Medizin vereinbar?
Das Problem ist hier eher, dass man hier ein Schlupfloch gefunden hat, um das in gewisser Maßen ziemlich kaputte System zur Auswahl und Ausbildung zu Medizinern, zu überwinden.
Wobei dies natürlich nur das sich ergebene Subproblem darstellt, was das eigentlich Problem des völlig verzerrten und kaputten Auswahlkriterien zur Ausbildung eines Mediziners offenbart. Die Ursache wird hiermit also nicht beseitigt, sondern man “hackt” hier ein ohnehin schon kaputtes System, anstelle es zu reparieren…

#4 |
  4

Ich hoffe, dass die folgenden Beiträge Erfahrungsberichte sind – positive wie negative – und sich nicht in ›Kindergartenförmchenspiele‹ erschöpfen.
Mich würde es mehr interessieren, was ›Bundeswehr-Mediziner‹ im 17-jährigen Dienst erfahren haben. Wie waren ihre Erfahrungen bei der späteren Niederlassung? Was ist den Medizinern widerfahren, die sich für eine akademische Karriere an einer Uniklinik entschieden haben?

#3 |
  3
Medizinjournalist

Frau Kautsch, seien Sie bitte etwas vorsichtig mit solchen öffentlichen Anschuldigungen. Ich habe eben bereits gesagt, dass ich unter Eid aussagen würde, dass ich Ihren Artikel noch gar nicht gelesen habe. Möglicherweise haben wir uns auf die selben (sehr knappen) Quellen bezogen. Nenne Sie mir doch einfach die Dinge, die ich angeblich von Ihnen “übernommen” habe und ich erkläre Ihnen bis ins Detail, woher ich die Informationen habe. Wie war das nochmal mit Verleumdung?

#2 |
  0
Studentin der Humanmedizin

Schön, dass ich vor einiger Zeit so einen ähnlichen Artikel verfasst habe und daraus auch einiges übernommen wurde. Wie war das nochmal mit dem Plagiat?

#1 |
  35


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: