Morbus Mutter: Wenn Mama krank macht

23. Februar 2012
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Klassische Rollenverteilung: Meist kommen Mütter mit dem kranken Nachwuchs im Schlepptau zum Pädiater. Mamas Einfluss auf ärztliche Entscheidungen ist nicht zu unterschätzen – und kann in Einzelfällen durchaus pathologische Züge annehmen.

Montag früh, eine Kinderarztpraxis in Düsseldorf. Das Wartezimmer quillt förmlich über, etliche Mütter mit ihren Sprösslingen sind wie so oft ohne Termin erschienen. Scheinbar hat das Wochenende wieder Spuren hinterlassen: Halsweh, Bauchweh oder Ohrenweh stehen auf der Tagesordnung – und das Chaos nimmt seinen Lauf.

Gelassen reagieren

„Natürlich stimmt es, dass viele – ich sag jetzt mal vor allem – Mütter besorgt um ihre Kinder sind. Manchmal machen sie sich zu viele Gedanken und kommen wegen Banalitäten fast jede Woche zum Arzt“, erzählt der Pädiater Dr. Joseph Zakarian im DocCheck-Interview. Damit ist jede Terminplanung passé und andere Eltern mit ihren kleinen Patienten müssen sich auf lange Wartezeiten einstellen. Den Schaden haben neben Kollegen – wie sollen sie etliche Einzeltermine pro Quartal abrechnen – vor allem ernsthaft kranke Kinder, für die weniger Zeit bleibt.

Erstaunlich: „Übertriebene Fürsorge ist eindeutig älteren Müttern zuzuschreiben“, weiß der Kinder- und Jugendpsychiater Professor Dr. Michael Schulte-Markwort vom Altonaer Kinderkrankenhaus in Hamburg. Diese gelten als „over protective“, sprich überbesorgt. Jüngere Mütter hingegen seien sich vieler Risiken gar nicht bewusst.

Gut gebildet – schlecht geimpft

Andererseits spielt die Schulbildung eine große Rolle, wie Forscher im Rahmen eines Kinder- und Jugendgesundheitssurveys zeigen konnten. Sie untersuchten die Durchimpfung unter soziodemografischen Gesichtspunkten und erfassten, da nach wie vor meist Mütter die pädiatrische Praxis besuchen, auch deren Bildungsgrad. Ihr Ergebnis ist auf den ersten Blick überraschend: Bereits bei den Zwei- bis Sechsjährigen fanden sie für die Unter- und Mittelschicht eine bessere Impfquote als bei der Oberschicht. Vor allem lehnten Mütter mit guter Ausbildung häufiger Mumps-Masern-Röteln-Impfungen ab. Diese Diskrepanz setzte sich bei Sieben-bis Elfjährigen noch ausgeprägter fort. Über Gründe lässt sich nur spekulieren: Höhere Bildung korreliert oft mit einem stärkeren Interesse an alternative Behandlungsweisen, klassische Therapien werden teilweise abgelehnt. Auch sind oft bessere Netzwerke vorhanden, um das kranke Kind trotz des Jobs versorgen zu können. In der pädiatrischen Praxis werden diese Aspekte mehr und mehr zum Problem.

Beruhigungspillen für die Mutter

Ein Klassiker vieler Sprechstunden: Bekanntlich muss sich das kindliche Immunsystem erst entwickeln, und so jagt ein Infekt den anderen – in der Kita stecken sich die Kleinen gegenseitig an. Mütter sind in Sorge, fehlt dem Nachwuchs vielleicht doch etwas Ernsteres? Schließlich hustet der Nachwuchs jetzt schon fast zwei Wochen. Nach einer gründlichen Untersuchung, die Lunge ist unauffällig, ansonsten deutet alles auf einen banalen Infekt hin, ist für den Kollegen schnell klar: Abwarten und Tee trinken, aber keine Pharmakotherapie einleiten. Die Mutter macht sich dennoch Gedanken und ist mit der Diagnose nicht wirklich zufrieden. Bekäme sie Antibiotika für Filius oder Filia, wäre die Sache klar gewesen. Die Praxis aber ohne Rezept zu verlassen, fällt schwer. Was bleibt, sind Homöopathika oder Phytopharmaka, unter Evidenz-Kriterien bei Husten, Schnupfen und Heiserkeit wirkungslos, unter psychologischen Aspekten dennoch unbezahlbar: Tinkturen oder Globuli helfen eher der besorgten Mutter als den Sprösslingen selbst. Würden Kollegen besagte „Therapie“ aber verweigern, gingen vor allem Mütter so lange in andere Praxen, bis doch noch einer den Rezeptblock zückt und die chemische Keule verordnet. Von noch größeren Problemen berichten Pädiater, sollten chronische Krankheiten zu therapieren sein.

Die Mutter leidet

Besonders häufig quält sich der Nachwuchs mit allergischen Erkrankungen, die Prävalenz beträgt immerhin rund zwölf Prozent. Dahinter steckt neben genetischen Faktoren und Umwelteinflüssen eine unheilige Allianz zwischen Körper und Seele: Dermatologen fanden bereits 1986 psychosomatische Auslöser und folgerten, Mütter von Neurodermitis-Kindern seien „unspontaner“, „beherrschter“ sowie „weniger emotional“. Zwar wurden diese Resultate in Fachartikeln kontrovers diskutiert, eine Sache ist heute dennoch klar: „Wir behandeln eigentlich immer drei Parteien: Mutter, Kind und Krankheit“, weiß Professor Dr. Johannes Ring von der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie am Biederstein, Technische Universität München. In seiner Praxis sind besonders viele kleine Patienten. Ring: „Ein Beispiel: Stelle ich Fragen an das Kind, antwortet immer die Mutter.“ Statt falscher Scheu rät er zu deutlichen Worten: „Merken Sie nicht, dass ich mit Ihrem Sohn / mit Ihrer Tochter spreche?“ Das führt zwar erst einmal zur Verstimmung, langfristig gaben viele der so Gescholtenen dem Arzt aber Recht.

Ansonsten festigt sich der Teufelskreislauf: Bringen Mütter ihrem leidenden Sprössling eine unproportional hohe Aufmerksamkeit entgegen, festigen sich möglicherweise schädigende Verhaltensweisen wie das Kratzen. Da viele Symptome zu einem subjektiv mehr oder minder hohen Leidensdruck führen, sollten in der Praxis vor allem die Kinder im Mittelpunkt stehen, sprich zu Wort kommen, und nicht deren Erziehungsberechtigte. Mit Informationsangeboten können Kollegen den Teufelskreis aber durchbrechen.

Mehr Gelassenheit entwickeln

Schulungen mit dermatologischen und psychologischen Ansätzen schaffen hier Abhilfe. Die Kurse verringern nachweislich seelische Belastungen, beispielsweise das Gefühl etlicher Mütter, überfordert zu sein. Wichtige Bausteine sind Strategien zur Stressbewältigung, etwa der Umgang mit Juckreiz auslösenden Verhaltensweisen rund um Ärger und Wut. Die kleinen Patienten lernen über ihre Eltern, auch in schwierigen Situationen ein selbstsicheres Verhalten an den Tag zu legen. Mütter wiederum bekommen eine Hilfestellung, über das eigene Verhalten zu reflektieren und ihren Nachwuchs gut zu versorgen – aber nicht vor der Welt zu behüten.

Pathologische Züge

Dennoch kann Fürsorge in manchen Fällen krankhafte Formen annehmen. Besonders schockierte Kollegen die Geschichte eines kleinen Mädchens. Sie litt seit ihrer Geburt an regelmäßig wiederkehrenden Krämpfen. Schnell stand als Diagnose Epilepsie im Raum – doch konnten weder Pädiater noch Neurologen krankhafte Vorgänge nachweisen. Anfälle traten immer nur in Gegenwart der Mutter auf, nie war der Vater oder ein Arzt zugegen. Als Notfallmedikation verschrieb man schließlich Benzodiazepine – und musste später feststellen, dass die junge Frau ihr Kind damit regelrecht vollgepumpt hat, immer häufiger kam es scheinbar zu kritischen Situationen. Doch eine Sache machte alle beteiligten Mediziner schließlich stutzig: Auch während längerer Kontrollen in der Klink gab es keinerlei Krämpfe.

Ihr Verdacht: Die Erziehungsberechtigte leidet am Münchhausen-Stellvertreter-Syndrom, einer subtilen Form der Kindesmisshandlung. Wie beim berühmt-berüchtigten Lügenbaron hat sie alle Leiden nur erfunden, um selbst im Mittelpunkt zu stehen, das Mädchen selbst ist kerngesund. Psychiater stufen die Krankheit als selten ein, vermutlich mit hoher Dunkelziffer: Seit der britische Pädiater Roy Meadow vor 35 Jahren im Fachmagazin „The Lancet“ den ersten Bericht veröffentlicht hat, wurden weltweit nur einige hundert Fälle dokumentiert – fast ausschließlich bei Müttern, die als korrekt, kooperativ und unauffällig galten.

219 Wertungen (3.97 ø)

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18 Kommentare:

Insgesamt ist der Artikel verzichtbar und nicht weiterführend, aber nach über 25 J. Pädiatrie muss ich schon feststellen, dass Eltern von Kindern zunehmend geringer den Zustand ihres Kindes einschätzen oder beurteilen können, sie sehen sehr wohl die führ. Symptom Husten, Schnupfen etc., aber oft scheitert es schon am Fiebermessen, , dass trifft aber Männlein und Weiblein, jeglichen Alters und Bildung oder sozialen Status. Es wäre , denke ich, eine Entlastung für die ganze Familie des erkrankten Kindes (und des Arztes), wenn diese Fähigkeit und ingewissem Maße auch Verantwortung wieder zu erlangen wäre. Wie weiß ich auch nicht, Großfam.,?, Kurse für angehnde Eltern?? Also weiter Eltern ernstnehmen, aber wenn montags 80- 90 Pat. versorgt werden müssen (oder noch mehr), dann ist es nicht immer ganz leicht, und ich mich darauf beschränken, ernsth. Erkrankungen nicht zu übersehen.- Und ein Wort zu der Heilpraktikerin: die Mutter wird auch nicht dankbar sein, wenn sie unangemeldet in der Praxis steht, weil ihr Kind fiebert, hustet weint, und ich dann zwar sie nach Ihrem Befinden und Ihren Sorgen frage, sie dann mit Kind nach Hause schicke und sage, kommen sie mit ihrem Kind doch mal in 1-3 Wochen wieder. Diesen Luxus können sich Heilpraktiker, aber keine Kinderärzte erlauben.

#18 |
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Dr. med. dent. Ulrike Sipeer-Cameron
Dr. med. dent. Ulrike Sipeer-Cameron

Der Artikel spiegelt die Realität dieses Jahrhunderts wieder! Wir leben in einer medizinisch aufgeklärten Gesellschaft und was man weiß über die Medien macht einen schnell heiß! Als Kinderzahnärztin kann ich auch ein Lied von der Übertragung der Ängste/Unsicherheiten etc. der Mütter auf ihren Nachwuchs singen…..Die ersten 9-12 Lebensjahre sind extrem prägend im Vorleben vom Umgang mit Krankheiten…daher mein Tipp: man wende sich als Therapeut direkt an den Patienten ohne die Mutter zu ignorieren, jedoch sollt dem Patienten ganz klar zu verstehen gegeben, daß er die Hauptperson ist! Den Mütter muß man halt manchmal freundlich und bestimmt auch Einhalt gebieten in ihren Worten und in ihrem Verhalten auch. Schließlich zeigen die kleinen Patienten nach der Behandlung den Müttern wieder wo es lang geht…nämlich wieder in unsere Praxis da sie sich dort gut aufgehoben gefühlt haben! Was wären wir ohne unsere Kinder!

#17 |
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Medizinjournalistin

@ Herrn van den Heuvel: Glückwunsch zu Ihrem Beitrag zur ¿Mütter sind doch immer schuld¿-Denkweise. Was sagen Ihre Kolleginnen dazu?

#16 |
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Miriam Ruhenstroth
Miriam Ruhenstroth

Einen ganzen Artikel mit der reißerischen Überschrift “Wenn Mama krank macht” aufzumachen, um dann im letzten Abschnitt auf einen einzigen anekdotischen Fall eines seltenen pathologischen Syndroms zu kommen, wo das wirklich so ist, das ist ganz schlechter Journalismus. Sie versuchen um jeden Preis, das altes Vorurteil von der Schuld der Mütter an allem, was ihre Sprösslinge später so haben, wieder zu beleben. Dazu kann ich nur sagen: Würden die Väter endlich ihre Fürsorgepflicht annehmen, sie stünden genauso oft wegen Schnupfen beim Kinderarzt wie Mütter. Wahrscheinlich öfter. Und mit einem einzigen Hinweis auf eine alte und zudem höchst umstrttene Studie zu den psychosomatischen Aspekten von Neurodermitis unterstellen sie hier einfach mal jeder besorgten Mutter, ihrem Nachwuchs zu schaden. Haben Sie eigentlich noch alle Tassen im Schrank? Soll ich mich lieber vom Arzt fragen lassen, warum ich nicht schon vor drei Wochen da war?

#15 |
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Arzt

Lasst den Kindern ihre Mütter, sie sind die einzigen, die sie mit optimaler Nahrung versorgen können (die Väter, bei aller Liebe nicht), das ist naturgegeben. Aber auch die Väter sind in der Menschwerdung wichtig! am Wichtigsten ist aber, dass ein Kind, wenn es in Not ist, eine Vertrauensperson, das kann auch ein Opa oder eine Tante sein, die berechtigt ist in ggf. notwendige medizinische Massnamen einzuwilligen, in Rufweite hat.
Nochmal: wenn ein Kind um Hilfe ruft, dann muss eine ‘Vertrauensperson das hören!
An meinen Kindern und Enkeln habe ich es selber erlebt, dass meist die Mutter, gelegentlich aber auch der Vater und bei älteren kindern und pubertierenden auch andere bezugspersonen sehr wichtig sind.
Wichtig aber daraus ist für mich:
Die ausserhäusliche Erwerbstätigkeit der Mutter ist ein besonderer Risikofaktor für Störungen in der Entwicklung eines Kindes!
Die Erwartung unserer Gesellschaft, dass jede Frau nach dem Abstillen sofort wieder in eine Vollzeitbeschäftigung eintreten soll wird uns noch grosse Probleme machen.

Eugen Rehm

#14 |
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Perdita Kolbe
Perdita Kolbe

Ich bin froh, dass ich Heilpraktikerin bin. Dadurch habe ich die Möglichkeit, meinen verängstigten und verunsicherten Müttern zur Seite zu stehen. Unsere Medienwelt trägt meines Erachtens sehr viel zu dieser Verunsicherung bei. Ich bin auch froh, dass wir keine Impfpflicht haben, sondern dies noch freiwillig ist. Aus homöopathischer Sicht ist – wie sich alle denken können – impfen kritisch zu betrachten. Es muss abgewägt werden, welche Impfung ich als Mutter meinem Kind zukommen lassen will. Meines Erachtens wird zu früh und vor allem zu viel geimpft: 6-fach-Impfung in einen Körper dessen Immunsystem noch nicht voll ausgereift ist. Wissen wir, was wir unseren Kindern antun.

Mittlerweile wird auch darüber berichtet, dass zu schnell und zu viel Antibiotika verschrieben werden. Junge Mütter, d. h. Mütter mit ihrem ersten Kind gewinnen dadurch keine Sicherheit. Die Werbebranche trägt noch ihr übriges dazu – perfekte Mütter mit einem sauberen Haushalt und immer einem strahlenden Lächeln im Gesicht. Der Alltag sieht oft und phasenweise anders aus, was uns Müttern vorher nicht erzählt wird. Es findet keine Vorbereitung auf das Muttersein statt.

Kommt ein Kind zu mir in die Praxis, gibt es anfangs zwei Termine. Der erste Termin für die Eltern, damit sie einfach mal ihre Sorgen loswerden können, ohne “falsche” Rücksicht auf ihr Kind nehmen zu müssen und der zweite Termin für das Kind, wo ausschließlich das Kind im Mittelpunkt steht und die Eltern im Hintergrund. Meine Eltern wissen das. Außerdem vereinbare ich eine besondere Schweigepflicht für die Kinder, so dass sie die Möglichkeit habe sich auch einmal über Mama, Papa und Geschwister auszulassen, mit Einverständnis der Eltern und das klappt ganz prima.

Ich wünsche uns allen, dass wir anderen das Verständnis entgegenbringen, das wir uns für uns selbst wünschen. Fangen wir doch erst einmal bei uns selbst an, dann können wir die anderen bestimmt auch besser ertragen.

#13 |
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Christine Donth
Christine Donth

Diese Diskussion ist eine Gratwanderung. Auf der einen Seite gibt es sicherlich die “überbesorgten” Mütter. Während meiner Famulatur in einer Kinderarztpraxis ist auch mir aufgefallen, dass viele Eltern bei einer einfachen viralen “Erkältung” (ohne bakterielle Superinfektion!) Antibiotika für ihre Kinder verschrieben haben wollen. Dem sollte sicherlich nicht nachgegeben werden.
Auf der anderen Seite ist die elterliche Sorge und Unsicherheit nicht nur verständlich, sondern auch durchaus angebracht. Ein kritisches Hinterfragen der klassischen Schulmedizin sowie der Methoden der sogenannten Alternativmedizin sollte nicht als Infragestellen der eigenen Kompetenz betrachtet werden, sondern als Chance, die Compliance der Patienten zu erhöhen – vorausgesetzt man nimmt deren Ängste und Probleme ernst und erklärt ihnen die medizinischen Sachverhalten verständlich.
Leider sieht die Praxis oft anders aus, wie ich auch aus eigener Erfahrung bestätigen kann. Nur ein Beispiel: ich hätte während meiner gesamten Kindheit Cortisonsalben aufgrund von Neurodermitis bekommen – wenn sich meine Eltern nicht heftigst dagegen gewehrt hätten, wofür ich ihnen äußerst dankbar bin. Heute bin ich praktisch beschwerdefrei – ohne Cortison o.ä., dafür mit strenger allergenarmer Diät und eigenständig entwickeltem Pflegeprogramm…

#12 |
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Christine Donth
Christine Donth

Diese Diskussion ist eine Gratwanderung. Auf der einen Seite existiert die beschriebene Problemeatik der “überbesorgten” Mütter sicherlich. Während meiner Famulatur in einer Kinderarztpraxis ist auch mir aufgefallen, dass viele Eltern bei einer einfachen “Erkältung” Antibiotika für ihre Kinder verschrieben haben wollten.
Auf der anderen Seite ist die Sorge der Mütter / Väter nicht nur verständlich, sondern durchaus angebracht. Ein kritisches Hinterfragen der gängigen Schulmedizin wie auch der Methoden der sogenannten Alternativmedizin sollte nicht als Angriff auf die eigenen Kompetenz gesehen werden, sondern als Chance, die Compliance eines Patienten zu erhöhen – aber dazu muss man dessen Ängste und Probleme ernst nehmen und ihm erklären, warum man eine bestimmte Behandlung etc. für nötig hält. Leider sieht die Praxis oft anders aus.
Ich selbst hätte während meiner gesamten Kindheit ständig Cortisonsalben wegen Neurodermitis bekommen, wenn sich meine Mutter nicht dagegen gewehrt hätte. Heute bin ich praktisch beschwerdefrei – ohne Cortison o.ä. (aber mit allergenarmer Diät und speziellem EIGENSTÄNDIG ausgearbeitetn Pflegeprogramm).

#11 |
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Seit Kurzem im Ruhestand hat mich als Allgemeinmediziner auf dem Land die Aussage eines alten, erfahrenen Kollegen begleitet, der sagte, dass wir Grundversorgerärzte Grossmutterfunktion haben, da viele der heutigen Eltern in
Kleinfamilien aufgewachsen sind und damit die Sicht und Erfahrung für das Normale fehlen. Diese Haltung gibt die Gelassenheit auch vordergründige Bagatellen ernst zu nehmen und die Möglichkeit selber viel Erfahrungen sammeln zu können.

#10 |
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Ärztin für Körpertherapie Petra Schiffmann
Ärztin für Körpertherapie Petra Schiffmann

Wenn ich sowas schon lese, Morbus Mutter, dann könnte ich bereits ….

#9 |
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Ärztin für Körpertherapie Petra Schiffmann
Ärztin für Körpertherapie Petra Schiffmann

Herr van den Heuvel,

ich dachte, Sie seien ein ernst zu nehmender Journalist.
Dies ist leider der größte Mist!
Ich habe täglich mit Müttern kleiner Kinder zu tun, auch mit Vätern. Die hysterischen sind in der absoluten Minderzahl.

#8 |
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Elke Wilhelm
Elke Wilhelm

Als meine Tochter 1 Jahr alt wurde begannen immer wieder Fieberperioden. In der Notaufnahmen, beim Arzt usw wurde ich beschwichtigt, dass Kinder ja ihr Immunsystem erstmal entwickeln müssen und “ichweissnichtwieviele” Infekte pro Jahr normal sind.Sie bekam immer wieder starkes Fieber mit Koliken….ich glaubte nicht an diese harmlosen Infekte. Mein Gefühl sagte mir etwas anderes. Leider hatte ich Recht. Als sie 5 Jahre alt war, stellte man fest dass sie wiederholte schwere Nierenbeckenentzündungen hatte. Die rechte Niere war bereits leicht vernarbt. Ein paar mal wurde die Diagnose unkomplizierte Blasenentzündung gestellt. Eine weiterführende Diagnostik sei nicht notwendig…..Ich bestand drauf. Sie hatte einen höhergradigen Reflux und nach einer Antireflux OP ist sie komplett beschwerdefrei.Das hätte sie 3 Jahre früher haben können und eine heile Niere. Aber damit nicht genug. Unser Sohn war von Geburt an sehr trinkschwach, aber nicht untergewichtig. Er weinte viel, bekam schlecht Luft und konnte mit 2 Jahren nicht sprechen. Der Kinderarzt belächelte mein Nachfragen nach einem Hörtest.Ich wechselte sofort den Arzt und ging in eine Pädaudiologie einer Uniklinik. Dort stellte man eine starke Schwerhörigkeit fest. Es dauerte noch 1 Jahr dann wußten wir, dass eine submuköse Gaumenspalte dahintersteckte. Es erfolgte ein Weichgaumenverschluss mit knapp 3 Jahren… Und mein Sohn kann wunderbar hören und sprechen. Er hatte übrigens eine deutliche Spaltung des Gaumenzäpfchens. Es interessierte nur niemanden. Patient war nämlich die Mutter die hysterisch war. Aber ich bin gerne hysterisch, wenn ich damit meinen Kindern weiteres Leid ersparen kann, welches oberflächliche Ärzte verursacht haben.
Ich habe eine wunderbare neue Kinderärztin die gut mit mir als mittlerweile sehr verunsicherte Mutter umgeht. Und es wäre schön, wenn alle Ärzte die Mütter ernst nehmen würden. Danke Frau Dr. Brakebusch, Sie sprechen mir aus der Seele!

#7 |
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ich kann diesen Artikel nicht bestätigen. In den allermeisten Fällen haben Mütter sehr feine Antennen, wenn mit den Kindern etwas nicht stimmt. Die letzte Mutter, die zu mir in die Praxis kam mit angeblichem Münchhausen-Syndrom hatte ein schwer krankes Kind, dessen Diagnose verkannt wurde. Erfreulicherweis ist die Mutter Juristin und wir gegen den schriftlichen Befund “Münchhausensyndrom” vorgehen.
Das Münchhausen-Synrdom halte ich für eine absolute Rarität. Mehr Empathie im Umgang mit den Patienten dagegen ist wünchenswert.
Das Feindbild “übertrieben besorgte ältere Mutter, am Ende gar eine Impfgegnerin, die sich sogar erlaubt Ihre eigene Gedanken zu machen” nützt keinem etwas.
Besser Zuhören als schnell in eine Schublade mit einem passenden Etikett packen.

#6 |
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Rettungssanitäter

Selbstverständlich gibt es genug Mütter, die überempfindlich sind, gar keine Frage. Ich für meinen Teil bin diesbezüglich sehr entspannt aufgewachsen. Meine Mutter hat mich nicht permanent zum Doktor geschleift, war vielleicht auch der Tatsache geschuldet, dass Sie selbst als Kinderkrankenschwester tätig war bzw. es in meinem familiären Umfeld durchaus einige Halbgötter in Weiss anzutreffen sind. Auch ist durchaus berechtigt angemahnt worden, dass Eltern die extrem überreagieren ausgebremst werden müssen, ernst nehmen sollte man Ihre Sorgen und Nöte dennoch.
Fakt aber ist Folgendes: Es dürfte sehr schwer fallen die Grenzen krankhaften Handelns zu erkennen, die verlaufen nämlich sehr fließend. Der gesunde Menschenverstand hilft einem manchmal mehr als jedes Lehrbuch.

#5 |
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Dennoch hätte ich mich als Mutter und Ärztin besser gefühlt, wenn auf die blauen Flecken meines Sohne nicht mit ” er hat sich halt sehr weh getan” reagiert worden wäre. Ich solle abwarten. 2 Monate später – die nächsten Hämatome – endlich eine Blutabnahme. Nach einer 2. Kontrolle war dann klar: schwere Hämophilie A.

Daher: auch bei sehr ängstlichen Mütter gilt meiner Meinung nach ernst nehmen, erklären, erklären, erklären …

#4 |
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Gegen MMR-Impfverweigerer muß mehr (statistisch untermauert)
publiziert werden besonders in Laienmedien !

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Auf der einen Seite heißt es, der Patient (hier Kind UND Mutter) soll ernst genommen-auf gleicher Augenhöhe angesprochen werden, auf der anderen Seite läßt der Artikel einschließlich der zitierten Kollegen noch etwas von der Hybris meiner ärztlichen Kindertage (Studium 1965-71) zu Tage treten.-Zum zweiten sollten wir dankbar sein, wenn Eltern wach und verantwortlich hinterfragen, insbesondere auch Impfungen und Antibiose.Gerade in den ersten 10/12 Lebensjahren werden die Weichen für die spätere pathophysiologische Biographie des dann Erwachsenen gestellt. Es wird bis heute nicht begriffen, dass der Pädiater und der Geburtshelfer die mit Abstand wichtigsten Disziplinen sind wegen dieser Weichenstellungen. Wir übrigen Kollegen begegnen später permanent deren Fußstapfen!!! Also seid dankbar für wache und hinterfragende Eltern, es kann davon garnicht genug geben.

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Medizinjournalistin

Hilft dieser Artikel wirklich weiter oder bestätigt er nur alte Vorurteile? Selbstverständlich ist es Aufgabe einer Mutter, ihre Kinder gelassen durch eine Krankheit zu führen. Entscheidend ist dabei die Prägung durch die eigene Mutter. Wer will schon Hypochonder großziehen? Aufklärung, HIlfe und Beratung kann teilweise von Büchern und Ämtern kommen, manchmal aber auch vom Arzt.

Damit bestreite ich nicht, dass es die beschriebenen Fälle tatsächlich gibt und dass dann sicher ein klärendes Wort angebracht ist!

#1 |
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