ADHS: Sport als Therapieergänzung bei Kindern

7. Januar 2015
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Durch sportliche Aktivität können die kognitiven Fähigkeiten – insbesondere die Aufmerksamkeit und die Gedächtnisleistung – von Kindern mit ADHS verbessert werden. Der Einsatz entsprechender Bewegungsprogramme für ADHS-Kinder als Therapieergänzung wäre somit denkbar.

Bei Kindern mit ADHS sind neben den Hauptsymptomen der Krankheit (Unaufmerksamkeit, Hyperaktivität und Impulsivität) auch häufig gravierende Defizite im Bereich der motorischen und kognitiven Fähigkeiten zu beobachten. In früheren Untersuchungen konnten Forscherteams der Universität Regensburg bereits einen Zusammenhang zwischen diesen beiden Fähigkeiten aufzeigen. Für Diplom-Sportwissenschaftlerin Susanne Ziereis und Prof. Dr. Petra Jansen vom Institut für Sportwissenschaft lag deshalb die Vermutung nahe, dass sportliche Bewegungseinheiten auch einen positiven Einfluss auf Kinder mit ADHS haben könnten. Der Einfluss von Sport auf die Entwicklung von ADHS wurde bislang weltweit kaum erforscht.

Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten?

Ziereis und Jansen untersuchten in Zusammenarbeit mit der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Praxis Manfred Wurstner (Regensburg), ob unterschiedliche Sport-Trainingsprogramme einen Einfluss auf die kognitiven Fähigkeiten bei Kindern mit ADHS hatten. 43 Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren (32 Jungen und 11 Mädchen), bei denen ADHS diagnostiziert wurde, nahmen an der Studie teil.

Die Kinder wurden in drei verschiedene Gruppen eingeteilt, wobei es sich um zwei sogenannte Interventionsgruppen und eine Kontrollgruppe handelte. Beide Interventionsgruppen nahmen an einem 12-wöchigen motorischen Trainingsprogramm teil, das sich jeweils von dem der anderen Interventionsgruppe unterschied. Ein Trainingsprogramm beinhaltete beispielsweise spezielle Übungen zur Handgeschicklichkeit, der Ballfertigkeit oder der Balance. In dem zweiten Programm wurde der Schwerpunkt auf Sportarten gelegt, bei denen eben diese Fähigkeiten nicht oder kaum gefordert waren. Vor und nach der ersten Trainingseinheit sowie im Anschluss an die gesamte 12-wöchige Trainingsphase wurden die jeweilige kognitive und motorische Leistungsfähigkeit der Kinder erfasst.

Leistungssteigerung bei ADHS-Kindern mit Training

Die Ergebnisse der Studie waren eindeutig: Die Kinder, die an einem der beiden Trainingsprogramme teilnahmen, zeigten eine signifikante Leistungssteigerung im Bereich der kognitiven Funktionen. Dem gegenüber stagnierten die entsprechenden Leistungen bei der Kontrollgruppe. Die Regensburger Wissenschaftlerinnen folgerten daraus, dass sportliche Aktivität im Allgemeinen zu einer Verbesserung der Aufmerksamkeit und der Gedächtnisleistung von Kindern mit ADHS beitragen kann.

Auf der Grundlage dieser Beobachtungen sind gezielte Bewegungsprogramme eine äußerst geeignete Methode zur Reduktion vorhandener kognitiver Defizite. Die Bewegungsprogramme könnten ergänzend oder alternativ zur medikamentösen Therapie in den Alltag und den Behandlungsplan von Kindern mit ADHS integriert werden.

Originalpublikation:

Effects of physical activity on executive functions and motor performance in children with ADHS
Ziereis
S., Jansen P. ; Research in Developmental Disabilities, doi:10.1016/j.ridd.2014.12.005, 2014

14 Wertungen (4.86 ø)
Forschung, Medizin

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6 Kommentare:

Unglaublich, wie hier Selbstverständlichkeiten als Forschungsneuheiten resp. -bedarf präsentiert werden! “Der Einfluss von Sport auf die Entwicklung von ADHS wurde bislang weltweit kaum erforscht.” – Ja, das ist auch entbehrlich, schaut man sich Menschsein an! Bewegung, rein motorisch, aber auch i.S. von Neugier etc. sind menschliche Grundbedürfnisse! Und: das gilt eben nicht nur für Kinder!! Das ist allgemeines Basiswissen.
Cave! Im Grundansatz des Institut-Teams ist wieder die leistungsgesellschaftliche Zurechtbiegung der Kinder impliziert.

#6 |
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Medizinjournalist

Schon längst abgestumpfte Erwachsene verlangen von Kindern, dass sie den ganzen Tag still sitzen. Eine Frechheit. Ich bin hin und her – gerissen. Hingerissen, weil es erkannt wird. Hergerissen, weil ich mich schäme, dass wir Menschen derart Selbstverständliches offenbar so gründlich vergessen konnten, dass es erneut nach tausenden von Jahren wieder neu erfunden werden muss. Menschen sind wie alle anderen Wirbeltiere auf andauende Bewegung angewiesen. So sind wir entstanden, so sind wir konstruiert. Niemand kann gesund sein, der sich kaum bewegt. Klar laufen wir zur Nahrungssuche etc. nicht mehr den ganzen Tage herum. Die meisten sitzen den ganzen Tag herum. Also muss man Sport in intensiver Form machen, damit er etwa den Wirkungsgrad des den ganzen Tag Herumlaufens erreicht. Alle Prozesse im Körper sind darauf angewiesen. Blut, Lymphe, Stoffwechsel, Aufbau schlägt Abbau etc. Von Sport erschöpfte Kinder sind vollautomatisch ruhiger. Die ADHSler, wage ich zu behaupten, sind die, die es schon immer gab, die einfach mehr Bewegung brauchen, dann zappeln sie auch nicht. Die Natur baut uns alle unterschiedlich. Die AHDHSler sind dem Typ Steinzeitler einfach ähnlich. Sie sind mehr auf ständige Bewegung angewiesen und dies überaus natürliche Verhalten wird durch unsere modern Sitz- und Friss – Philosophie unterdrückt. 2 Stunden Schulsport die Woche, sind noch nicht einmal ein Witz, nur ein grundlegendes Missverständnis unserer Natur.

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Carola Schaffrin
Carola Schaffrin

Das ist nichts neues, ich denke, es zählt aber auch für alle Kinder, also auch die ” Gesunden “…
Meine Tochter ist auch von ADHS betroffen, geht zum Therapiereiten, schwimmen und ist im Sportverein ( Turnen )…
Es powert sie aus, es macht ihr Spass, aber das wars im Prinzip schon…..
Das einzigste,vom Therapiereiten hat sie eine bessere Körperhaltung bzw. Anspannung bekommen.
Aber ich denke, alle Kinder sollten ein Ventil haben, wo sie sich auspowern können, gerade in der heutigen Zeit.

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Arzt
Arzt

wäre auch ein heißer Tip für die Schule
(für alle Kinder!)

#3 |
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Antje Sonntag
Antje Sonntag

Und dennoch ist immer wieder ein großer Baustein die Ernährung (ZUCKER!) und konsequente klare Linien. – Meine Beobachtung

#2 |
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Welch eine Neuigkeit!!!
Aber es gilt für alle Kinder .

Und Kontinuität ist gefragt – was sind 12 Wochen ? Und danach?

#1 |
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