Drogentest: Auf den Zahn gefühlt

7. Januar 2015
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Neben Speichel-, Blut- und Haarproben ist es nun möglich, Drogen anhand von Dentin nachzuweisen. Interessant ist dieses neue Verfahren für Untersuchungen an Toten, bei denen Zähne das letzte erhaltene Gewebe sind. Auch Archäologen können von der Analysemethode profitieren.

Zähne sind oft das letzte Gewebe, das von einem Toten übrig bleibt. Bislang gab es aber keine Möglichkeit, an ihnen einen Drogentest zu machen. Nun haben Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Universitätsklinikums Freiburg um Dr. Merja Neukamm und Prof. Dr. Volker Auwärter vom Instituts für Rechtsmedizin gemeinsam mit Prof. Dr. Markus Altenburger von der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie ein Verfahren entwickelt, mit dem sie Morphin, Kokain, Ecstasy und fünf weitere Stoffe in Zähnen nachweisen können. Die Methode, die sehr wenig Probenmaterial benötigt, entwickelten sie an speziell präparierten Rinderzähnen. Erstes archäologisches Human-Material wurde bereits erfolgreich analysiert.

Drogen-Analyse am Zahn

Den Freiburger Forschern gelang es, Dentin, auch Zahnbein genannt, für die Drogen-Analyse zu nutzen. „Es war lange unklar, ob Zahnsubstanz grundsätzlich für den Nachweis von Drogen- oder Medikamentenkonsum genutzt werden kann. Genau das bestätigt unsere Studie eindeutig“, sagt Prof. Auwärter, Leiter der forensischen Toxikologie am Universitätsklinikum Freiburg. „Außerdem eignet sich die Methode, um bereits geringste Mengen an Drogen nachzuweisen.“ Die Forscher etablierten das Verfahren an Dentin von Rinderzähnen, welches im Aufbau dem menschlichen Dentin weitgehend entspricht, aber garantiert frei von Kontaminationen ist. Für die Untersuchung auf Morphin, Codein, Ecstasy, MDEA, Amphetamin, Metamphetamin, Kokain und ein Kokainabbauprodukt benötigten die Forscher gerade einmal 0,05 Gramm Zahnsubstanz.

Mit der neuen Methode steht nicht nur Rechtsmedizinern, sondern auch Anthropologen und Archäologen ein neues Analysewerkzeug zur Verfügung. Denn für sie ist der sparsame Umgang mit Probenmaterial von großer Bedeutung. Darüber hinaus dürften Zähne als Untersuchungsmaterial noch weitere Vorteile mit sich bringen. „Es ist durchaus möglich, dass in den Zähnen eine Art toxikologischer Fingerabdruck über einen langen Lebenszeitraum vorzufinden ist“, erklärt Prof. Auwärter.

Zahn als Langzeitgedächtnis?

In einer auf der Methode aufbauenden Studie untersuchten die Wissenschaftler den Zahn eines Menschen aus der frühen Eisenzeit. „Wir konnten in dem über 2000 Jahre alten Zahn Rückstände der Betelnuss nachweisen“, freut sich Dr. Neukamm. Betelnuss wird seit Jahrtausenden als Appetithemmer und Wachmacher im südostasiatischen Raum gekaut. Als nächstes möchten die Wissenschaftler die Methode nun anhand menschlicher Zähne von Verstorbenen weiter ausbauen und den Einfluss der Mundflora und den genauen Einlagerungsmechanismus in die Zähne untersuchen.

Für ihre Untersuchung brachten die Forscher das Dentin von Rinderzähnen in ein dem Mundraum ähnliches Milieu. „Um die Eintragswege der Drogen möglichst naturgetreu nachzubilden, haben wir bei den Zähnen außerdem einen leichten Kariesbefall simuliert“, erklärt Oberarzt Prof. Altenburger. Nach neun Tagen Einwirkzeit untersuchten sie die Zahnteile mithilfe eines mit einem Massenspektrometer gekoppelten Flüssigkeits-Chromatographen, einer hochempfindlichen Methode, und konnten damit die Drogen nachweisen.

Originalpublikation:

Determination of drugs of abuse in bovine dentin using liquid chromatography–electrospray ionization tandem mass spectrometry 


J. Spinner et al.; Journal of Mass Spectrometry, DOI: 10.1002/jms.3464, 2014

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Forschung, Medizin

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1 Kommentar:

Dr. med. Dipl.-Phys. Andreas-Roman Metza
Dr. med. Dipl.-Phys. Andreas-Roman Metza

Hochinteressante Publikation über eine neue toxikologische Analysemethode – und beileibe nicht nur aus ” human-medizinischer ” Sicht !
Oui, chapeau ! – aussi du bonnet doctoral ! – und Glückwunsch an alle wissenschaftlich tätigen Kolleginnen und Kollegen aus der Forensischen Toxikologie im Institut für Rechtsmedizin des Universitätsklinikums der altehrwürdigen Albert-Ludwigs-Universität Freiburg für die Entwicklung dieses neuen hochempfindlichen massenspektrometrisch-flüssigkeitschromatographisch gekoppelten Untersuchungsverfahren, mit dem künftig ein spezieller toxikologischer Fingerabdruck über einen langen Lebenszeitraum gewonnen werden kann.

Dr.med. Andreas-Roman Metza
Facharzt für Innere Medizin / Diplom-Physiker
Frankfurt am Main / München

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