Landärztemangel: Bauer sucht Arzt

19. Januar 2015
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Drohender Mangel an Hausärzten in ländlichen Regionen ist eines der zentralen Themen gesundheitspolitischer Reformen. Den jüngsten Beweis dafür liefert das unlängst beschlossene Versorgungsstärkungsgesetz. Sind Landärzte tatsächlich eine aussterbende Spezies?

„Gute medizinische Versorgung darf auch in Zukunft keine Frage des Wohnorts sein. Gerade im ländlichen Raum sind verstärkte Anstrengungen nötig, um eine gute Versorgung aufrechtzuerhalten.“ Mit diesen Worten kommentiert Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) den Beschluss des „Gesetzes zur Stärkung der Versorgung in der gesetzlichen Krankenversicherung“, kurz GKV-Versorgungsstärkungsgesetz genannt.

Bei den von Gröhe angesprochenen verstärkten Anstrengungen im ländlichen Raum handelt es sich vorwiegend um Bürokratieabbau und finanzielle Anreize, deren Ausmaß zu großen Teilen in die Hände der Verantwortlichen vor Ort gelegt wird. Dadurch soll das Interesse an einer Niederlassung sowie an der Gründung medizinscher Versorgungszentren in unterversorgten oder strukturschwachen Gebieten gefördert werden. Zudem werden sowohl die Zahl der Weiterbildungsstellen als auch die Vergütung für Weiterzubildende in der hausärztlichen Versorgung heraufgesetzt.

Heftige Kritik seitens der Ärzteschaft hat sich jedoch vor allem daran entzündet, dass die Kassenärztlichen Vereinigungen durch das neue Gesetz in Zukunft dazu verpflichtet werden, vakante Kassenarztsitze in überversorgten Gebieten aufzukaufen. Der Vorsitzende des Hartmannbunds Klaus Reinhardt ist davon überzeugt, dass die Neuregelung keinen Einfluss auf den Landärztemangel hat: „Sie wird an den real existierenden Verhältnissen überhaupt nichts ändern.“ Stattdessen werde auch zukünftig nur sehr wenig Gebrauch von diesem Instrument gemacht, betont Reinhardt.

Hallo, Doc?

Der Auslöser für die politischen Bemühungen im niedergelassenen Bereich ist das bundesweit wachsende Loch in der hausärztlichen Versorgung ländlicher Bereiche. Ein Blick auf die Karte der Arztdichte in Deutschland verrät, dass vor allem in teils dünn besiedelten Bundesländern wie Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg deutlich weniger Ärzte je 100.000 Einwohner tätig sind, als es in den Ballungsgebieten und Großstädten der Fall ist.

Dieser Trend spiegelt sich auch in den Statistiken der Kassenärztlichen Vereinigungen wider. In der gesamten Bundesrepublik fehlen derzeit etwa 2.600 Hausarztpraxen, davon alleine über 350 in Niedersachsen und über 160 in Sachsen-Anhalt. Einer Prognose des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (ZI) zufolge müsse das Land Sachsen-Anhalt im Jahr 2025 sogar mit 825 verwaisten Stellen rechnen: „Der Ärztemangel […] ist keine Prognose mehr, sondern in vielen Regionen Deutschlands längst Realität. Und wir müssen davon ausgehen, dass sich dieser Mangel in den nächsten Jahren noch weiter verschärfen wird“, befürchtet Prof. Frank Ulrich Montgomery, Präsident der Bundesärztekammer (BÄK).

Kein schöner Stadt

Demgegenüber steht jedoch eine Steigerung der Zahl der berufstätigen Ärzte auf eine neue Bestmarke von über 357.000 in Deutschland. Allerdings wird der Zuwachs dadurch erstickt, dass auch andere Statistiken Rekordwerte verzeichnen. So stieg die Zahl der ambulanten Behandlungsfälle zwischen 2004 und 2012 um 136 Millionen Fälle: „Dies erfordert ebenso mehr Personal, wie die durch die wissenschaftliche Entwicklung bedingte zunehmende Spezialisierung der Medizin“, erläutert Montgomery.

Doch für eine Tätigkeit als Hausarzt interessiert sich laut einer bundesweiten Umfrage nur jeder zehnte Medizinstudent, jeder Fünfte schließt selbst die Weiterbildung zum Allgemeinmediziner kategorisch aus. Erschwerend kommt hinzu, dass jeder Dritte seinen späteren Arbeitsort auf keinen Fall in einem Ort mit weniger als 10.000 Einwohnern sieht, knapp die Hälfte der Befragten lehnt die potenzielle Niederlassung in Orten mit weniger als 2.000 Einwohnern ab.

Stattdessen sehen sich die Jung-Mediziner eher in einem Angestelltenverhältnis in urban gelegenen Krankenhäusern. Die Gründe lägen vor allem in der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der besseren Planbarkeit: „Junge Menschen mit einer hochqualifizierten Ausbildung sind zu Recht nicht mehr bereit, ihren Lebensstil, ihre Lebensqualität und ihre Arbeitnehmerrechte an den Pforten der Krankenhäuser und Arztpraxen abzugeben“, so Montgomery im Hinblick auf die steigende Bedeutung der sogenannten Work-Life-Balance.

Alter essen Ärzte auf

Während die Erben den Hausarztpraxen aus dem Weg gehen, geraten die Ahnen zunehmend in den Strudel des demografischen Wandels. Bundesweit und fächerübergreifend stieg im Jahr 2013 die Quote der in den Ruhestand verabschiedeten Ärzte erneut um 3,8 % auf über 72.000. Auch das Durchschnittsalter der niedergelassenen Ärzte befindet sich auf einem Allzeithoch von knapp 53 Jahren, jeder zehnte Hausarzt ist 66 Jahre oder älter.

Infolgedessen werden bis zum Jahr 2021 rund 51.000 Niedergelassene in den Ruhestand wechseln und vermutlich oftmals eine Lücke hinterlassen – im Ärztemonitor der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) ordneten über 80 % der befragten Hausärzte die Suche eines Nachfolgers als schwierig ein. Ein Beispiel: Im Freistaat Bayern ist der Trend besonders deutlich. Dort weist bereits jeder dritte Hausarzt ein Alter von 60 Jahren oder mehr auf und wird in absehbarer Zeit seine Praxistätigkeit beenden. Im Jahr 2013 ließ sich jedoch aufgrund des unzureichenden Nachwuchses für knapp 21 % der scheidenden Hausärzte keine Nachbesetzung finden.

“Rettrüsten” für die Landarzterschließung

Die Politik hat in den vergangenen Jahren zahlreiche Maßnahmen getroffen, um den scheinbar unaufhaltsamen Sturz des Damoklesschwerts auf die medizinische Grundversorgung in ländlichen Gegenden abzufangen. Von besonderer Bedeutung war dabei das 2011 errichtete Fundament des nun verabschiedeten Gesetzes, das Versorgungsstrukturgesetz: „Das VStG hat viele Grundlagen gelegt, um die hohe Qualität der ambulanten Versorgung zu erhalten und weiterzuentwickeln“, hebt Dr. Andreas Gassen hervor, Vorstandsvorsitzender der KBV. Bei den Kernpunkten handelte es sich um die vielfach gelobte Aufhebung der Residenzpflicht, den Wegfall der Abstaffelungen für Landärzte sowie verschiedene Förderprogramme.

Darüber hinaus konzentriert sich die Ärzteschaft darauf, die Weiterbildung im Bereich der Allgemeinmedizin attraktiver zu gestalten. Zu diesem Zweck wurden diverse Stipendienprogramme und Famulaturförderungen ins Leben gerufen. In Thüringen existiert beispielsweise ein Modell, bei dem der Stipendiat eine Vergütung von 50.000 Euro in Anspruch nimmt, wenn er sich für eine zukünftige Niederlassung in diesem Bundesland verpflichtet. In Bayern unterstützt der Bundesverband der Medizinstudierenden Deutschlands (bvmd) ein Projekt, bei dem Famulaturplätze in hausärztlichen Praxen auf dem Land vermittelt werden.

Land in Sicht

Von zentraler Bedeutung ist die seit 2010 stärker subventionierte Weiterbildungsförderung im Bereich Allgemeinmedizin, an der zahlreiche Verbände beteiligt sind. Das Förderprogramm registriert einen deutlichen Zuspruch, der sich in der steigenden Zahl der Förderbegünstigten niederschlägt. Seit Beginn des Programms hat die Zahl geförderter Ärzte im ambulanten Bereich um 32 %, im stationären Bereich um mehr als 25 % zugenommen.

Des Weiteren zog es in den letzten Jahren entgegen vieler Befürchtungen wieder mehr Hausärzte in ländliche Gebiete. Seit dem Beobachtungszeitraum 2010/2011 hat sich der Anteil der Landärzte bis 2012/2013 von 5,9 % auf 11,5 % nahezu verdoppelt. Georg Heßbrügge von der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) führt diese jüngste Entwicklung auf die Maßnahmen aus Berlin zurück: „Die Zahlen zeigen, dass die Politik mit der Aufhebung der Residenzpflicht 2012 einen Schritt in die richtige Richtung unternommen hat.“ Nach wie vor ließen sich allerdings zu wenige Hausärzte auf dem Land nieder. Die kommenden Jahre werden zeigen, welche Wirkungen das bereits im Vorfeld stark in die Kritik der Ärzteschaft geratene Versorgungsstärkungsgesetz erzielen kann.

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41 Kommentare:

Gast
Gast

“Die andere Seite hält sich moderat zurück” kann man hier auf Doccheck auch bei Ihnen doll nachvollziehen, wenn man von Hass der anderen spricht. So klingt Zurückhaltung. Auch die Bescheidenheit ist bemerkenswert, mit der Hp und Medizinerausbildung gleichgesetzt wird.

#41 |
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Gast
Gast

Um die Spötter zum schweigen zu bringen:
Nein, ich habe nicht “aufgegeben” ich hatte einen NC von 1,3!
Mir ist nur bewusst geworden, dass ich das, was ich gerne mache als Arzt später nicht mehr machen kann, weil ich an den Fäden der Politik und der KV hänge (ich denke nicht alleine so!)
Der Hass den ich beschriebe, war in der Richtung Arzt –> Heilpraktiker gemeint, nicht anders herum.
Was unterscheidet einen schlechten Mediziner vom guten Heilpraktiker?
Dass er keine verschreibungspflichtigen Medikamente rezeptieren darf?
Was spricht denn dagegen, wenn der Patient sowohl Arzt als auch HP konsultiert, um seine Behandlung zu optimieren?
Ich will Ihnen erläutern, wo das Problem liegt:
Die eine Seite, die der Ärzte, fühlt sich (aus unerfindlichen, nicht nachvollziehbaren Gründen) von den HPs auf eine sonderbare Art und Weise “bedroht” oder, noch schlimmer, sieht mit Verachtung auf sie herab.
Die andere Seite hält sich moderat zurück, weil sie einen Konflikt befürchtet.
Sie werden mir sicher zustimmen, dass so ist keine zufriedenstellende Patientenversorgung möglich ist.
Ich kenne mittlerweile sehr viele Ärzte, die offen und aufgeschlossen für eine kompetente Zusammenarbeit sind.
Genauso viele allerdings wünschen sich, dass der ganze Zitat “Heilpraktikerabschaum” endlich im Boden verschwindet und den Bereich der Patientenversorgung ganz allein den Ärzten überlasst.
Natürlich es gibt gute und schlechte HPs, aber genauso gibt es gute Ärzte und schlechte Mediziner.
Es gibt wirksame Naturheilmethoden (nein, nicht Homöopathie, um das direkt im Keim zu ersticken) die eine allopathische Medizin kompetent ergänzen können.

#40 |
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Petra Sybille Nothhelfer
Petra Sybille Nothhelfer

Als Allgemeinärztin,
sehr ich keinen Mangel an Landärzten, denn die kassenärztliche Vereinigung in Baden-Württemberg kann es sich leisten trotz Aufhebung der Niederlassungssperre Teilzulassungen im Ortschaften mit ca 1000 Einwohnern abzulehnen und vergibt diese in die Stadt. Nach 2 Jahren kommt dann eine Anfrage- wieso man denn noch nicht niedergelassen sei, das klingt ja fast wie Hohn.
So sieht die Alltagspraxis aus. Da nützen noch so viele Gesetze nichts.
Nothhelfer Petra

#39 |
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Dr. Taissir Darwisch
Dr. Taissir Darwisch

Der Beruf macht Spass und Freude, aber die Anerkennung seitens der KVN ist nicht gegeben; sie werden von uns bezahlt und klagen uns an;
es finden keine Beratungen bzw. Ermahnungen statt,

da wundert man sich dass es Hausärztemangel gibt?!

Die KVN ist ein totalitäres System, welche einfach über die Köpfe der niedergelassenen Ärzte entscheidet.

Ich bin entsetzt wie sie mit mir umgehen;

eine Plausibilitätsprüfung bzgl Hausbesuche im ALtersheim und chrirugische Wundversorgung habe ich gewonnen;

in demselben Verfahren kalgen sie mich dann nun wegen angeblicher Unwirtschaftlichkeit an;
aus 36.000 Euro werden dann mal eben 75.000€!

Die Wirtschaftlichkeitsprüfung habe ich verloren , nun muss ich zahlen obwohl ich vor das Sozialgericht gehen werden bzw ein Gerichtsverfahren vor dem Sozialgericht schon läuft gegen diese Entscheidung;

ich werde als Arzt bestraft, wenn andere Hausärzte zu machen ohne Nachfolger und ich diese Arbeit auffange;

wo kommen wir denn dahin ..

kein Wunder über diesen Hausarztmangel in Deutschland

#38 |
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Dr. Taissir Darwisch
Dr. Taissir Darwisch

Kein Wunder , dass bei diesem Faschistoidem KVN System sich niemand als Hausrzt und Landarzt niederlassen will;
ich kann jedem nur wärmstens abraten sich als Hausarzt niederzulassen ohne vorher beim Anwalt gewesen zu sein und alles finazielle geregelt zu haben bzgl Gütertrennung usw.

Als Hausarzt haftet man mit seinem PRIVATVERMÖGEN!
Wo gibt es denn soetwas.

Ich habe einen Regress in Höhe von 75.000 Euro, der mich nun jeden Monat einfach abgezogen wird von meinen Abschlägen, obwohl alles noch ein laufendes Verfahren ist und vor dem Sozielgericht ist!

Ich arbeite als Landarzt seit 2008 und habe durch Schliessung von 8 Arztpraxen vieles aufgefangen, die Folge alles Palusibel aber unwirtschaftlich.

TRAURIG was hier in Deutschland passiert

#37 |
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Gast
Gast

#33 Sie verspüren Hass auf die Ärzte?
Warum? Weil Sie selbst das Medizinstudium abgebrochen haben?
Da sehen Sie mal wo für die armen Mediziner überall die Feinde sitzen.

#36 |
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Amin Jurdi
Amin Jurdi

Solange es nicht gelingt und gewollt ist dem Mediziner die Wertschätzung entgegen zu bringen welche dem Engagement entspricht sehe ich kein Licht am Ende des Tunnels… Mich erreichen regelmässig Regressforderungen aus Deutschland , obwohl ich längst in die Schweiz ausgewandert bin…
Was für ein System- die GKV…

#35 |
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Gast
Gast

@Gast 33:

“Nachdem ich im sechsten Semester das Medizinstudium abgebrochen habe, weil mir bewusst wurde, dass ich später nur an den Fäden der Politik und der Krankenkasse hängen werde und die Heilpraktikerausbildung gemacht habe..”

Klingt für mich eher nach Frust im Studium und (etwas gemein ausgedrückt) mangelndem Durchhaltevermögen. Und nach 6 Semestern haben Sie ja dann noch nicht einmal die Hälfte gesehen… ganz zu schweigen vom Praxisalltag in der Realität.

Natürlich gibt es gute Heilpraktiker und schlechte Heilpraktiker.
Der Unterschied zu echten Medizinern ist jedoch folgender:
Keine einheitliche Ausbildung.
Es gibt viele verschiedene Schulen, aber nur das wenigste wird wissenschaftlich gestützt.

Sollte eine Ausbildung durchlaufen werden, ist diese auf meist viel oberflächlicherem Niveau, als das Medizinstudium. Es ähnelt meist einer Krankenpflege-Ausbildung (und hierfür ist das oberflächlichere Niveau ja auch nicht zwangsläufig schlechter, denn viele Dinge sind für einen Pfleger einfach überflüssig zu wissen für seinen Beruf).

Ein kleiner Auszug aus Wikipedia (ja aus Wikipedia!)

“Heilpraktiker ist als Ausbildungsberuf in Deutschland nicht gesetzlich geregelt. Es gibt weder eine vorgeschriebene Regelausbildung noch eine staatlich geregelte Prüfung. Die berufsmäßige Ausübung der Heilkunde ohne als Arzt approbiert zu sein, ist aber nach § 1 Abs. 1 HeilprG nur mit einer staatlichen Erlaubnis zulässig. Für die Erlaubniserteilung sind die Landesbehörden zuständig, die sich nach den jeweiligen landesrechtlichen Durchführungsbestimmungen richten.

Voraussetzung für die Erlaubnis ist nach § 2 der ersten Durchführungsverordnung zum Heilpraktikergesetz (HeilprGDV 1) ein Mindestalter von 25 Jahren, ein Hauptschulabschluss und die gesundheitliche Eignung und die “sittliche Zuverlässigkeit”, die durch ein ärztliches Attest bzw. eine polizeiliches Führungszeugnis nachgewiesen werden können.

Zur Erlangung der Erlaubnis muss sich der Antragsteller ferner einer schriftlichen und mündlichen Überprüfung seiner Kenntnisse und Fähigkeiten unterziehen, um festzustellen, ob der Stand der Kenntnisse und Fähigkeiten keine Anhaltspunkte dafür bietet, dass eine heilkundliche Tätigkeit durch ihn zu Schäden an der menschlichen Gesundheit führen könnte (§ 2 Absatz 1 Buchstabe i) HeilprGDV 1) sowie niedersächsische “Richtlinie zur Durchführung des Verfahrens zur Erteilung einer Erlaubnis nach dem Heilpraktikergesetz”). [8]”

Also ich persönlich möchte lieber von jemandem mit abgeschlossenem Medizinstudium und dem Facharztstandard entsprechend therapiert werden, als meine Gesundheit in die Hände von einem (evtl.) Hauptschüler mit uneinheitlicher Ausbildung zu legen.
Und wenn es hart auf hart kommt, dann geht jeder der bei klarem Verstand ist spätestens dann auch zum Arzt.

Natürlich ist es für jeden bei dem es nicht zum richtigen Arzt gereicht hat eine schöne Vorstellung sich an der langen und schwierigen Ausbildung vorbeizumogeln und mit einer Sondergenehmigung doch noch gleichberechtigt praktizieren zu können, ganz ohne die notwendigen Qualifikationen erlangt zu haben, aber das halte ich für sehr gewagt.
(Die notwendigen Qualifikationen sind das Medizinstudium und der Facharzttitel meine Herren und Damen).

Ich kann auch nicht einfach meine Kindergärtnerausbildung mit einem Wochenendeworkshop erweitern und danach die Oberstufe auf dem Gymnasium übernehmen oder den Physikunterricht an einer Universität übernehmen.

Für den Landarztmangel halte ich sowohl stationäre Lösungen mit “Satellitenärzten” für eine gute Lösung, als auch Anreize für junge Mediziner zu schaffen.
Bspw. ist die Ausbildung zum Allgemeinmediziner ohne zwingende Bindung an die Praxis für 2-5 Jahre sicherlich sehr gut in ländlichen Gegenden zu bewerkstelligen.

Auch müssen eigene Lösungen für das Budget (Medikamentenausgabe, Ziffern, Patientennummern) für diese Gegenden gefunden werden.

#34 |
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Gast
Gast

Ich stimme meinem Vorredner zu.
Niemand, der keine HP – Ausbildung gemacht hat, darf sich hinstellen und diesen Beruf kritisieren.
Nachdem ich im sechsten Semester das Medizinstudium abgebrochen habe, weil mir bewusst wurde, dass ich später nur an den Fäden der Politik und der Krankenkasse hängen werde und die Heilpraktikerausbildung gemacht habe, ist mir bewusst dass die HPs keineswegs so dumm und unwissend sind, wie sie oft von ihren ärztl. Kollegen hingestellt werden.
Ich konnte in beiden Ausbildungen keinen nennenswerten Unterschied feststellen, bis auf den fehlenden Präp.Kurs.
Und was Sie da in die Welt hinausschreien, lieber Kollege Nr 31, entbehrt jeder Grundlage.
Informieren Sie sich bitte vorher, was ein HP – Anwärter alles wissen und können muss, ehe er zugelassen wird.
Am besten besuchen Sie dafür das nächste Gesundheitsamt und fragen dort nach.
Man kann förmlich den Hass spüren, den Sie empfinden.
Warum nur, frage ich mich?

#33 |
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Gast
Gast

Liebes Doc-Check Team, bitte sorgt dafür, dass der Berufstand des Heilpraktikers von Unwissenden nicht in den Dreck gezogen wird. Ich fühle mich persönlich angesprochen.

#32 |
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Arzt
Arzt

@Philipp Rädel ihren persönlichen Frust lassen Sie lieber in einem anderen Forum aus, es gibt keinen einzigen akademischen Beruf, der so hochgradig bürokratisiert und fremdbestimmt wird, wie den des Arztes. Und für den Hausbesuch bekommt ein solcher weniger als ein Klempner der die Dichtung eines Wasserhahns wechselt. Das können Sie doch diesem Beitrag bestens entnehmen.
Im übrigen habe ich “Ernährungswissenschaftler” sogar einen Professor kennen gelernt, der wollte nicht glauben, dass man von Zucker zunehmen kann und hat doch tatsächlich Versuche gemacht mit zwei Liter Cola (=220gr.reiner Zucker) und sich dann gewundert das die tatsächlich Fett daraus gemacht haben und Gewicht zugelegt habe.
Das zeigt, dass hier nicht einmal die dazu vorhandene wissenschaftliche Literatur bekannt ist. Man kann auch durch Kohlenhydrate bei Kaninchen Gallensteine (Cholesterin) erzeugen. Und ein Chirurg der einen Dickdarmkrebs entfernt oder nur eine Rachenmandel, oder ein Internist der eine Herzrhythmusstörung versucht zu normalisieren ist kein “Superviser”, der Laien beauftragt.
Dass ein Medikament rezeptpflichtig ist, bedarf auch keiner tieferen Begründung.
Es ist einfach grotesk, lieber Herr Philipp Rädel, dass Sie hier noch gegen die gegängelten Ärzte polemisieren müssen. Vor Hitler waren in Deutschland übrigens “Heilpraktiker” verboten.

#31 |
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Ernährungswissenschaftler / Ökotrophologe

@Gast: “Reden” sollte man insbesondere über eine verbindliche Anerkennungspraxis von extern erworbenen Studienleistungen. Wozu wurden denn die ECTS-Punkteskalen eingeführt (hier im europ. Kontext)? Jaja, ich weiss, Mediziner sehen sich oft entkoppelt vom “normalen” Studienbetrieb. Sie können mir aber glauben das die Biochemie eines Chemikers oder Biologen der von Ihnen genannten medizinischen Biochemie in absolut nichts nachsteht. Es geht mir einfach nur darum, auf vorhandenem Potential aufzubauen, statt sich gegenüber möglichen Grundlagen für ein Aufbaustudium abzuschotten. Die Ökotrophologie bspw. steht auf einer erstaunlich breiten naturwissenschaftlichen aber auch medizinrelevanten Grundlage, je nach Uni auch inkl. Anatomie, ernährungsspezifischer Physiologie/Pathophysiologie, Biochemie usw… ich verstehe aber ihre Verwirrung, gerade, gerade da wir eben in der Regel mit Diätassistenten gleichgesetzt werden. Das Ergebnis unendlich schlechter Lobbyarbeit durch unsere selbsternannte Standesorganisation. Statt erweiterten Kompetenzen gegenüber Fachschul-ausgebildeten Heilhilfsberuflern (die sofort eine Krankenkassenzulassung besitzen) müssen gemäß Deal mit den Krankenkassen noch umfangreiche und kostenpflichtige (+ regelmäßige Fortbildungspunkte) Zusatzleistungen erbracht werden um entsprechende Tätigkeit abrechnen zu können… Die Ärzteschaft wird nach aussen hingegen vergleichsweise stark vertreten und hat entsprechend Angst, vor einer Stärkung von wie auch immer gearteten “Medical Practitioners”, um mal beim US-System zu bleiben. Staunen kann ich angesichts der akuten Problematik dabei eigentlich nur über (ärztlichen?) Standesdünkel. Ich rede ja nicht zwangsläufig von einer Vollapprobation (wie gesagt, nach akademischem Aufbaustudium)… ich sehe aber auch wenig Sinn darin, einen Augenarzt zwangsläufig in Geburtshilfe zu schulen (im Rahmen eines entkoppelten Grundstudiums). Die Zahnärzte machen es doch vor… Dass vielgelobte deutsche duale Ausbildungssystem erfordert hin zu einer Akademisierung dringend etwaige Aufbaustudiengänge bspw. für Hebammen, die nach Abschluss auch mit einer konkreten Erweiterung des Handlungs- und Kompetenzspektrums einhergehen müssen. Die standardmässig angefragte und gewährte Heilpraktikerzulassung für Physiotherapeuten zeigt den Bedarf an selbstständig agierenden Heilberuflern, neben der Ärzteschaft ebenfalls ganz deutlich. Anstatt vor dem Bedarf die Augen zu verschliessen sollte man besser konkrete Möglichkeiten einer Umsetzung diskutieren, die eine vergleichbare, gerne beschränkte Zulassung zur Ausübung der Heilkunde im Dienst des Patienten auch auf eine entsprechend akademische Grundlage stellt. Bachelor/Master-Aufbaustudiengänge für Heilhilfsberufler gehen heute m.w. in keinem einzigen Fall mit der Erweiterung von Kompetenz, Abrechnungsspektrum o.ä. einher und sind so nur Augenwischerei und der typisch deutsche Versuch, dem US-System nachzueifern ohne konkrete Auswirkung auf die Patientenversorgung. Die Zauberworte heissen für mich: Akademisierung (für Ausbildungsberufe), Aufbaustudium (für relevante Naturwissenschaften), Teilapprobation (nach entsprechendem Aufbaustudium). Den Arzt der Zukunft sehe ich als Supervisor (im Hausarztmodell) oder eben Facharzt, im Fall der unbedingten Notwendigkeit einer breiten Grundlagenausbildung.

#30 |
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Auf dem Land fällt es auf, wenn die einzige Praxis keinen Nachfolger findet. Es gibt sicher strukturschwache Gegenden, in die es junge Kollegen nicht hinzieht. Aber auch in den Landgemeinden wenige Kilometer von einer Großstadt entfernt, finden sich keine Nachfolger. In unserer Stadt (120.ooo Einwohner, Umland nochmal so viel, Hochschule, 5 Gymnasien, Drei-Sparten-Theater, mehrere Museen) werden laufend Hausarztpraxen ohne Nachfolger geschlossen. Jungmedizinerinnen mit Kinderwunsch können sich nicht niederlassen, männliche gibt es immer weniger (NC!). Das Gesundheitswesen wurde in den 33 Jahren meiner internist. Hausarzttätigkeit kontinuierlich an die Wand gefahren. Eine gesetzliche Kasse würde genügen; kein teurer Gesundheitsfond, aus dem die Kassen mit zusätzlichen Mitarbeiter Geld herausleiern müssen, keine teure Werbung um Mitglieder, keine -zig Verwaltungen, Vorstände und Aufsichträte (sitzen da womöglich auch viele Abgeordnete?). Die angeblich so wichtige Konkurrenz unter den Kassen besteht darin, dass Sonderwünsche erfüllt werden (“Mein Nachbar bekommt von seiner Krankenkasse einen Yogakurs” “Das bekommen Sie von uns natürlich auch!”). Stattdessen von dem riesigen Ersparnispotential eine vernünftige, den hohen Beiträgen entsprechend Behandlung der Patienten ohne dauernde Zuzahlung und Ausklammern nachgewiesen wirksamer, aber nebenwirkungsfreier Medikamente und natürlich auch eine leistungsgerechte Honorierung unserer Tätigkeit.

#29 |
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Gast
Gast

@Philipp Tobias Rädel, die Amerikaner sind nun was Studium betrifft wirklich kein Vorbild.
Ohne Physikum hat die Medizin keine Basis. Medizin ohne menschliche Anatomie ist sowieso undenkbar, die wurde übrigens zu meiner Zeit als topographische Anatomie in der Chirurgie mit 1/3 Benotung noch einmal geprüft. Wesentlich anspruchsvolle ist allerdings Physiologie und medizinische Biochemie.
Über den Dünkel von “Naturwissenschaftler” gegenüber Medizin kann man nur staunen. Reden kann man allenfalls über das Vorphysikum, die ersten 2 Semester.

#28 |
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Gast
Gast

die Grundschule ist allerdings auf dem Land in der Regel deutlich besser :-)

#27 |
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Dr. med. Walter Müller
Dr. med. Walter Müller

Wenn ein Arzt einen KV Sitz auf dem Land übernehmen oder neu gründen will, dann gibt es nicht nur finanzielle Gründe dagegen , sondern auch den daß
“Frau Doktor” nicht dorthin will wegen mangelnder kultureller Angebote und weiter führender Schulen ( selbst erlebt, Kollege wollte aber Sie nicht).
Wie wäre es denn, wenn KV en und ÄK in Gemeinschaft mit den unter versorgten Landkreisen geeignete Standorte aussuchten mit schulischen und kulturellen Angeboten und dann junge Kollegen ermutigten zu Gemeinschaftspraxen mit regelmäßiger Facharztunterstützung. Allein auf weiter Flur und die nächsten Kollegen demnächst im Ruhestand, da fühlt sich jeder junge und noch so engagierte Kollege von den Erwartungen und der Arbeit überrollt und die Ehe im A…
Leider fehlt es ÄK und KV an Phantasie und Engagement , Reden schwingen und den Finanzmangel zu beklagen erfordert auch nicht viel Hirn.

#26 |
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Dr. med. Gerrit Tarrach
Dr. med. Gerrit Tarrach

Ich lese immer “Wegfall der Abstaffelung für Landärzte”. Schön wenn es denn so wäre. Ich habe sei 2011 eine Landarztpraxis in Schleswig Holstein und werde mit schönster Regelmäßigkeit abgestaffelt. Bekäme ich das Geld, was ich laut meiner Punkte erwirtschafte habe, hätte ich mit meiner Landarztpraxis weniger finanzielle Probleme. Ich habe mittlerweile rund 1200 Patienten in grenzwertig versorgtem Gebiet und kann meine Kredite bedienen und die Kosten tragen, aber übrig bleibt nicht viel. Ich denke sehr ernsthaft darüber nach den Laden wieder dicht zu machen und wieder ins Ausland zu gehen.

#25 |
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Ernährungswissenschaftler / Ökotrophologe

Dazu kommt, dass als Gegenstrategie derzeit ein starkes Abwerben von ausländischen Ärzten betrieben wird. Eine Tatsache die ich auch gar nicht aufgrund deren teils schlecht vergleichbaren Ausbildungsstandards oder wegen etwaiger Sprachschwierigkeiten kritisieren möchte (wenngleich theoretisch möglich). Vielmehr erschaffen wir bei unseren zumeist bedeutend ärmeren Nachbarn damit einen noch größeren Versorgungsnotstand. Naja und der Staat spart sich die teure Medizinerausbildung auf dem Rücken Süd(ost)europas. Ich kann deshalb auch nicht verstehen, dass private Medical schools wie Nürnberg als Ausgründung von Paracelsus in Salzburg aus der Ärzteschaft heraus so stark angefeindet werden. Eine selbstbezahlte Medizinerausbildung mit einem Abischnitt von 2,7 halte ich für ehrlicher als die o.g., gängige Praxis.

#24 |
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Gast
Gast

Die Debatten um die (vielfältigen) Ursachen für den (keineswegs nur Landärzte-, durchaus auch qualifizierte Ass.Ärzte-Mangel) sind mir langsam zuwider.
Einfach erkennbar, ohne größere mathematische Mühen:
Abgang in Ruhestand p.a. 72000, sich im Studium befindliche (keineswegs zu 100% abschließende oder gar als Arzt arbeitend): 86376.
Noch Fragen, Kienzle?

#23 |
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Ernährungswissenschaftler / Ökotrophologe

Ich würde mich ja “opfern” … allerdings habe ich keine Lust noch einmal Mikrobiologie, Physik und Biochemie zu pauken. Deshalb plädiere ich für ein verkürztes Medizinstudium für Naturwissenschaftler nach US-Vorbild (4 Jahre Klinik) und Anerkennung des Physikums (mit relevanten Ausnahmen wie ggf. med. Terminologie). Das dann für uns älteren Semester (30+) noch mit einer vernünftigen Finanzierungslösung gepaart, die eine Förderung durch Staat oder Krankenkassen auf Grundlage zur Verpflichtung der Übernahme einer Landarztpraxis gewährt.

Ein weiterer, gangbarer Weg zur Vermeidung eines generellen Ärztemangels (ebenfalls nach US-Vorbild) sind 4-5 jährige “Facharzt”-Studiengänge wie Fussheikunde mit Option auf Fusschirurgie, Optometrie mit Möglichkeit auch kleinere Augenerkrankungen zu behandeln, oder die Naturopathic Doctors, welche aufgrund Ihrer standardisierten Ausbildung und entsprechenden Kompetenzen eben nicht mit deutschen Heilpraktikern vergleichbar sind (4 Jahre Medical school !) und häufig als Hausärzte in Arztmangelgebieten fungieren, mit Deckung durch die Krankenkassen…

Alle genannten Berufe verfügen über ärztliche (!) Kompetenzen auf Ihrem Gebiet, jeweils aber ohne die Möglichkeit, dann bspw. einfach das Fachgebiet zu wechseln.

Gerade auch als studierter Ökotrophologe sehe ich extrem wenige, meinem Ausbildungsstand entsprechende Weiterbildungsmöglichkeiten. Im Krankenhausbereich changieren Ernährungswissenschaftler in der Regel mit Diätassistenten, übernehmen ggf. in genanntem Bereich Führungsaufgaben. Was aber spricht gegen eine, gern ebenfalls akademische, Weiterbildung zum Diabetologen (?) – Auch hier sehe ich mich festgenagelt auf ein Niveau mit Pflegekräften und kann höchstens die Kompetenzen eines Diabetes-Beraters erreichen. Die englischsprachigen Länder machen vor, wie es besser geht. Diabetes, Parenterale Ernährung, Verabreichung von Medikamenten, die Möglichkeit einen definierten Katalog aus Nährstoffen auch zu verschreiben (bspw.: Vitamin B-Komplex bei Hyperhomocysteinämie, Mineralstoffe bei entsprechenden Mangelzuständen, Ballaststoffe oder Probiotika bei Darmbeschwerden usw…)

Die höchsten Gehälter entfallen hier auch immer noch auf DOs bzw. MDs mit vollumfänglichen Medizinstudium, die dann entsprechen auch als Supervisor ggü. anderen Medical Practitioners agieren können. Die Möglichkeit Standard-Impfungen durchzuführen erhalten NDs z.B. erst nach 1-jährigem Internship bei einem DO/MD.

Ich will damit auch keinesfalls sagen, dass es Sinn machen würde, Heilpraktiker wie dereinst Dentisten in den Ärztestand zu erheben, oder alle Ökotrophologen nun zu Ernährungsmedizinern weiterzubilden.
Eine standardisierte Ausbildung und entsprechend höhere Kompetenzen (Im Fall von Naturopathic Doctors z.B. Möglichkeit Antibiotika oder leichte Schmerzmittel zu verschreiben, Wundversorgung, …) NACH akademischer Fortbildung (Bachelor-Niveau ?) halte ich aber nicht für verkehrt. Auch weil der amerikanische PA (Physician Assistant) immer nur unter MD/DOs Aufsicht agieren darf, wohingegen ein Heilpraktiker auch wirklich zur Führung einer Praxis berechtigt wäre.

Von einer Einführung der US-üblichen Nurse Practitioners halte ich ebenfalls viel. Auch weil dem deuschen Gesundheitssystem eine (Teil-)Akademisierung des Pflegepersonals sicherlich gut täte. Arzt soll im Krankenhaus Arzt bleiben. Die o.g. akademische Fortbildung zur Landschwester mit arztähnlichen Aufgaben wäre aber zu überdenken.
Definiert als “ausführendes Organ unter ärztlicher Supervision in Versorgungsmangelgebieten” … ;-)

Mensch Leute macht Euch mal Gedanken!

#22 |
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Gast
Gast

@Ernst Fischer:

Auch Mediziner dürfen “das Streben nach Glück” verfolgen und sich einen Arbeitsplatz suchen, welcher Ihnen dieses durch entsprechendes Gehalt und Work-Life-Balance erlaubt.

Jeder der einen kleinen Einblick in das Dasein des Hausarztes hat, versteht warum es immer weniger Mediziner dorthin treibt. Als Medizinstudent im letzten Jahr spricht mich dieser Facharzt zwar an, aber die Arbeitsrealität die ich aus den Praxen kenne schreckt mich genügend ab um mich bewusst dagegen zu entscheiden.
Einer der wichtigsten Gründe ist die Planungsunsicherheit. Ganz grob sieht das so aus: Zwar ist man finanziellen Risiken ausgesetzt und darf/muss für zehntausende Euro und mehr investieren, über die Einkünfte hat man aber so gut wie keinen Entscheidungsfreiraum. Hauptsache der Patient hat eine Flatrate. Wenn man genügend Patienten am Tag schafft, dann bekommt man die Unkosten ja vielleicht wieder rein. Das lässt viel Zeit für eine gute Arzt-Patienten-Beziehung.
Budgetüberschreitungen werden aus der eigenen Tasche gezahlt, viele alte Nicht-Privatpatienten auf dem Land, benötigen viele teure Tabletten. Was heisst das für den behandelnden Arzt? Wenn er zu viele teure Medikamente herausgibt, zahlt er es aus eigener Tasche (kennt man so sicher nicht von anderen Berufen).
Wenn ein Arzt zu viele Patienten behandelt (ja das geht!), dann bekommt er für den Flatrate-Patienten ab Patient x (sagen wir mal 1.000) weniger Geld als für Patient 1-1000. Je mehr ich arbeite, desto weniger verdiene ich. Gleichzeitig gibt es aber nunmal in dem einen Quartal mehr Leute die krank sind und in dem nächsten weniger.
Das ganze wird mit sich ständig ändernden Punktewerten belohnt, was dazu führt, dass ich am Anfang eines Quartals nicht wirklich weiss wie viel ich an welcher Leistung verdiene (mal davon abgesehen, dass ich also nicht einmal entscheiden kann was ich für meine Leistungen haben möchte, weiss ich nicht einmal was ich überhaupt bekomme…).
Planungssicherheit ist etwas anderes und auch deshalb zieht es immer mehr junge Mediziner ins Krankenhaus, wo man als Angestellter sich nach Dienstschluss zumindest über solche Dinge keine Sorgen mehr machen muss. Da weiss ich übrigens auch was ich am Ende des Monats raushabe (garnicht mal so schlecht für die finanzielle Planung meines Lebens und meiner Familie).

Und ja, selbst wenn dann würde ich in der Nähe einer grösseren Stadt leben wollen. Ab einem gewissen Bildungsniveau hat man gewisse Ansprüche. Auch meine Lebensgefährtin hat Ansprüche, welche auf dem “Land” nicht erfüllt werden könnten.
An erster Stelle käme hier ein Job, der ihrer Ausbildung entspricht. So etwas findet sich NICHT auf dem Land. (Suchen Sie sich als Akademiker heute doch einmal einen Job auf dem Land… garnicht mal so einfach! Ausser vielleicht für Mediziner mit der Berufungs zum Landarzt… aber vielleicht bin ich hier zu egoistisch und sollte dem Patientenwohl zur Liebe meine Freundin wechseln und mir jemanden suchen der Auch Landarzt werden möchte…)

Aber entschuldigen Sie bitte, wenn jemand der den Beruf des Arztes ergreift auch noch ein Interesse an seinem eigenen Leben und dem seiner Familie hat.

[Anm. der Redaktion: Die persönliche Referenz dieses Kommentars auf einen anderen Leserkommentar wurde entfernt. Jener wurde, auf Wunsch des Kommentierenden, gelöscht.]

#21 |
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was Herr E.Fischer schreibt ist absoluter Unsinn und zeugt von unkritischer Übernahme der populären Standardpolemik gegen den Ärztestand. Ich habe meine Kassenzulassung zurückgegeben, da sich die Kassenpraxis mit 6 Angestellten nicht mehr trug. Ich habe meinen Sitz jetzt auf´s Land verlegt ( nächste größere Stadt 75 km ) und arbeite rein Privatärztlich mit einer unbudgetierten Medizin vom Feinsten. Eine Anfrage bei der KV auf erneute Kassenzulassung: Abgelehnt wegen mangelndem Bedarf. ( Der Kassenarzt am Ort hat 4 Monate Vorlauf ) Mir wurde aber angeboten, den Kassenärztlichen Nacht- und Feiertagsdienst mitzumachen! – Das schnelle Geld kommt aber immer noch nicht. Mache ich etwas falsch?

#20 |
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Dipl.-Ing. Christian Rosner
Dipl.-Ing. Christian Rosner

Der Gesundheitsminister hat immer noch nicht begriffen, dass es in allen Berufsgruppen eben auch das Prinzip der materiellen Interessiertheit gibt. Wenn ein Arzt ein flächenmäßig großes Gebiet betreuen soll und zudem in eine Gegend ziehen soll, die eben nicht so attraktiv ist wie eine große Stadt, dann muss das finanziell kompensiert werden. Es gibt Länder, in denen ist es normal, dass ein Arzt auf dem Lande oder in nicht so attraktiven Gegenden deutlich mehr verdient als in der Stadt – Stichwort “Buschzulage”. Aber leider traut sich da keiner ran, denn da der Topf, aus dem sich das Gesundheitssystem speist, nicht unendlich groß ist, müßte man den Kollegen in den Städten etwas wegnehmen, wenn man die Kollegen auf den Land besser stellen will. Aber dies ist der einzig gangbare Weg, das Problem zu lösen.

#19 |
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Nichtmedizinische Berufe

Ja, es gibt einen Landärztemangel… und die KV reagiert viel zu spät darauf. Aber bitte was ist mit den Docs los? Ist der Beruf noch Berufung? In der Stadt gibt es viele Patienten im direkten Umkreis- und auch Privatpatienten. Aber auf demLand? Vielen Ärzten ghet es nur noch ums schnelle Geld-nicht um wirkliche Patientenfürsorge.
Das ist der wirkliche Grund!

#18 |
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Dr. Helmut Weider, Zahnarzt
Dr. Helmut Weider, Zahnarzt

Wie wäre es, einfach den NC für Niederlassungswillige herabzusetzen, dafür die Verpflichtung, auf´s Land zu gehen? Vielleicht zeitlich beschränkt

#17 |
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Die Ärzte sind keine Idioten mehr.Das deutsche Krankenkassensystem ist pervertiert.
Überbürokratie,Kontrollwahnsinn,ein misserables Abrechnungssystem,eine
Fliesbandmedizin ,eine Verweigerungsmedizin,eine Abzockmedizin bei Privatpatienten,
ein korruptes hochbezahltes Ärztefunktionärssystem.
Unsinnige kassenärztiche Vereinigungen, alles ein Irrsinn.
Die Inkompetenten steuern ein System, das längst in den Mülleimer gehört.

#16 |
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Regressdruck und absurde Plausibilitätsprüfungen (bei mir als Landarzt wegen angeblich zu vieler dringender Hausbesuche…ausgerechnet!!) weg für alle Praxen, bei denen der Privatanteil bei < 5% liegt, und schon klappt`s wieder mit den Niederlassungen in "schwierigen" Gebieten (die es übrigens schon längst auch in bestimmten städtischen Lagen gibt!) . So einfach ist das….Aber dazu müsste man sich mit den kranken Kassen anlegen, doch welcher Gesundheitsminister traut sich das schon? ;-)

#15 |
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Warum gibt es eigentlich keinen Landzahnärztemangel?

Es lohnt sich doch einmal darüber nachzudenken. Hier in meiner Region fanden alleine im letzten Jahr 8 Hausärzte keinen Nachfolger, während in den letzten 10 Jahre jede Zahnarztpraxis, die in den gleichen Dörfern paktizieren einen Nachfolger fand. Warum ist das so?
Die Rentabilität ist bei Zahnärzten im Land und in der Stadt fast gleich. Da die Patienten für aufwendige Behandlungen massiv zuzahen müssen gibt es kein großes Stadt-Landgefälle.
In der Allgemeinmedizin liegt das Budget pro Patient in BaW bei ca. 43 Euro, hat man mehr ältere Patienten über 65 steigt es um sagenhaft 1-2 Euro. Es ist jedem klar, dass eine Praxis mit jüngeren Patienten sehr viel attraktiver ist. Und nicht zuletzt kommt dazu, dass auch der Anteil der Privatpatienten von im Schnitt 7%
zwischen Land und Stadt sich stark unterscheidet. So sind 3-4% auf dem Land schon sehr hoch, während in Ballungzentren 10-15 % privatversichert sind.
Fazit: Wer seinen Mehraufwand nicht vergütet haben will, leicht in einen Regress kommen will, dafür aber überdurchschnittlich viel arbeiten möchte, der geht aufs Land ,,, oder eben auch nicht mehr.
Das Versorgungsstärkungsgesetzt ändern an diesen Tatsachen leider rein gar nichts.

#14 |
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Liebe Kollegen
Die jungen Kollegen sollen endlich alle bei den Gro0konzernen anheuern; die spenden wenigstens.
Kassen und KV braucht man dann allerdings nicht mehr, vielleicht eine Rest-AOK
für die “unguten Risiken”. Diese Kasse wird dann aus Steuermitteln bezahlt und
“empfängt” die Preise dann von den Anbietern. Das nennt man dann Marktwirtschaft.

#13 |
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Na ja, viel Spaß beim häufigen Notdienst, 13.04 bzw 20.03 Euro in der Nacht sind ein echtes Spitzenhonorar; na der Besuch mit 99.00 Euro erst recht.
Ist ne echte Motivation für die Kollegen in die schweizer Berge zu ziehen.

#12 |
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Dr. med. Wolfgang Rostek
Dr. med. Wolfgang Rostek

Der Landarztmangel kommt unaufhaltsam. Bürokratiewahnsinn, Weiterbildungspflicht, DMP, Qualitätsmanagement etc. verstärken die Wahrheit, daß man nicht mehr adäquat honoriert wird. Wie soll man einem 30 Jährigen Akademiker erklären, daß er nachts um 3 h für 23 € aufstehen soll, um einen seit drei Wochen bestehenden Husten abzuklären und um zu erfahren, daß der Raucher früh ab 8 h dann sein Rezept ev. doch holt oder auch nicht. Das System ist krank. Herr Gröhe diskutiert eine Termingarantie. Woher sollen z. B. die Neurolgen kommen, die als Beleger in den regionalen Krankenhäusern Tag und Nacht zur Verfügung stehen sollen, bei Hungerpauschalen in der Praxis. Unverstand regiert das System oder ist es Absicht? Das Propagieren der Schwester Vera ist nur ein Akzeptieren der Tatsache, daß der Zug abgefahren ist im Hinblick auf den hausärztlichen Nachwuchs. Selbst in unserem angeblich voll versorgtem Bereich ist die Decke dünn geworden, die Dienstbereiche riesig geworden.
Dr. W. Rostek, Landarzt seit 30 Jahren in Oberbayern

#11 |
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Gast
Gast

zu#1 “Gut gemeint” ist leider eher gut geheuchelt.

#10 |
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D.Engmann Arzt für Allgemeinmedi
D.Engmann Arzt für Allgemeinmedi

Eine Facharztprüfung in Allgemeinmedizin
habe ich bereits vor 24 Jahren mündlich abzulegen gehabt. Habe es aber eher als freundliches Gespräch unter Fachkollegen empfunden.
Dem Nachwuchsmangel wird aber keine der Zwangsmaßnahmen wie auch Geldspritzen wirklich abhelfen. Junge männliche Kollegen werden in besser bezahlte (und mit mehr Sozialprestige) Sparten ausweichen und die “Trümmerfrauen” der Medizin in Stellungen
in denen sie Teilzeit und ohne Unternehmerisches Risiko arbeiten können.
Und wer von ihnen möchte schon in einer veralteten finsteren Praxis mit einem Haufen Schulden am Hals den Rest des Daseins mit einer 60 Stundenwoche verbringen?
Kinderwunsch ade?
Und was glauben Sie für wen Herr Gröhe wirklich arbeitet?
Unvergessen sein Vehementer Einsatz für die Gematik; wie für Herrn Lauterbach (Rhön Kliniken) wird sich später sicher ein (gutbezahlter) Verwendungszweck für ihn finden, es gibt ja noch mehr Klinikketten….
Und hier ist auch sein Einsatz für die “Gesundheitsstärkung” zu sehen.

#9 |
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Dr.med Jan Heller
Dr.med Jan Heller

Ich selbst gehöre zu denen, die den Allgemeinmediziner mit einem anderen Facharzt ergänzt haben, und damit gut leben können. Regelarbeitszeit von Montag bis Freitag, ohne Nacht- und Wochenenddienste, bei fairer Bezahlung. Nicht weil ich ungern als Allgemeinmediziner gearbeitet habe, sondern weil am Ende bei deutlicher Mehrarbeit als Allgemeinarzt nichts dabei im Geldbeutel übrig blieb.
Es ging auch nicht darum, nicht mehr nachts, und an Wochenenden zu arbeiten. Das mache ich heute gelegentlich auch noch, aber wenn ich es will.
Hauptgrund war die unverhältnismäßig anwachsende Bürokratie und die Budgetierung, die im Zusammenspiel mit hohem Arbeitsaufwand und Beanspruchung kaum Räume ließ.
Abhilfe: Massiver Bürokratieabbau, faire Entlohnung, praxisnahe Ausbildung, moderne Praxissysteme und förderndes und nicht gängelndes Qualitätsmanagement.

#8 |
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Keine zweite Zwangsenteignung mehr !

Dann bleibe ich lieber H4.

#7 |
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Gast
Gast

Solange Regressdruck und unsinnige Plausibilitätsprüfungen weiterhin Kollegen aus der Versorgung drängen darf sich weder KV noch Politik über fehölender Nachwuchs im hausärztl. sektor beklagen!

#6 |
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Magnus Ott
Magnus Ott

“Gute” Behandlung gibt es im Geltungsbereich des SGB V gar nicht! Paragraf 12 Sollte dem Hr. Minister bekannt sein – aber Kompetenz ist ja keine Voraussetzung für Politsprech. Peinlich oder Dämlich …

#5 |
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Dr. Elisabeth Pommé
Dr. Elisabeth Pommé

Seitdem die Prüfungspflicht für den Facharzt Hausarzt existiert, wäre man doch blöd, die ganze Innere, Chirurgie, möglicherweise noch die Gyn., Urologie etc. zu pauken. Da macht man doch gleich den Internisten! Ich persönlich hege grössten Horror gegenüber mündlichen Prüfungen. Früher ging´s doch auch “ohne”?

#4 |
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Dr. med.univ. Wolfgang Strott
Dr. med.univ. Wolfgang Strott

Im Zweifelsfalle wird es dann,wenn alle gut gemeinten Maßnahmen nichts fruchten,mit Zwang versucht.
In Baden-Württemberg wird ja schon über einen Rechtsanspruch auf einen Hausarzt in ländlichen Gebieten diskutiert.Und wie soll er dann umgesetzt werden?
Es erinnert mich ein wenig an die DDR,wo Ärzte von staatlicher Seite “gelenkt” worden sind,also verpflichtet wurden Allgemeinmediziner zu werden,um in abgelegenen ländlichen Gebieten zu arbeiten.
Eines ist für mich persönlich jedenfalls klar,sollte ich in Deutschland irgendeine Tendenz in diese Richtung bemerken,werde ich den weißen Kittel an den Nagel hängen.

#3 |
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Wenn die Bezahlung auf dem Land verbessert wird, werden auch die jungen Mediziner aufs Land gehen. Die städtischen Ärzte haben einen finanziellen Vorteil, da der Privatanteil in der Stadt deutlich höher liegt als auf dem Land !!!

#2 |
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Der Spruch von Herrn Gröhe ist sicher gut gemeint. Leider findet sich kaum etwas ausser guten Absichten, die er anderen zutraut, um es zu erreichen im Gesetz.
“Gut gemeint” ist halt das Gegenteil von “Gut gemacht”.

#1 |
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