Psoriasis: Das geht unter die Haut

22. Januar 2015
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Knapp 2 Millionen Menschen sind in Deutschland an Psoriasis erkrankt. Der Name geht auf den griechischen Begriff „psao = ich kratze“ zurück und weist auf eine isolierte Hauterkrankung hin. Doch Psoriasis ist eine hochkomplexe Systemerkrankung, wie ein Studienüberblick zeigt.

In der Studienreihe PsoCare wurden die Sekundärdaten der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) erhoben und in einer Langzeitanalyse Defizite bei der Versorgung von Psoriasispatienten analysiert. Die dritte Phase des Projektes soll 2015 abgeschlossen werden. Besorgniserregend war in Phase 1 und 2 der Studie der extreme Einsatz von systemischen Glukokortikoiden. Gemäß der S3-Leitlinie zur Therapie der Psoriasis sind diese nicht indiziert. Systemische Glukokortikoide wurden in dieser Studienreihe häufiger als das leitliniengerechte Systemtherapeutikum Fumarsäureester eingesetzt und sogar häufiger als alle anderen Systemtherapeutika und Biologika zusammen. „In der Zusammenschau sprechen die Daten dieser Studien für eine noch nicht befriedigende Versorgung der Patienten mit Psoriasis vulgaris in Deutschland“, so die Studienautoren.

Die Vorstände von DDG und BVDD formulierten folgende Versorgungsziele für 2015:

  • Patienten mit Psoriasis haben eine gute Lebensqualität.
  • Psoriasis-Arthritis wird frühzeitig diagnostiziert und therapiert.
  • Komorbidität bei Patienten mit Psoriasis wird frühzeitig diagnostiziert und therapiert.
  • Kinder mit Psoriasis werden frühzeitig behandelt und erlangen eine gute Lebensqualität.

Das Erreichen der Ziele soll in der PsoHealth3-Studie verifiziert werden. 133 Arztpraxen und dermatologische Kliniken nehmen an der Studie teil. Unter anderem soll geklärt werden, welche Defizite noch bestehen, welchen Stellenwert Biologika und Systemtherapeutika leitliniengerecht besitzen und welche Prädiktoren für die Qualität der Versorgung existieren. Bei der Umsetzung der Versorgungsziele gilt es auch, die deutlich erhöhten Risiken für das Auftreten von Komorbididäten mit einzubeziehen. Nach einer Studie von Augustin, Glaeske et al. weisen Psoriasispatienten ein erhöhtes Risiko für Übergewicht, Diabetes, Hyperlipidämie und Herzerkrankungen auf.

Herz und Gefäße in Gefahr

Mehrere Beobachtungsstudien der letzten Jahre zeigen bei Psoriatikern ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Thrombosen. Laut einer Studie von Gelfand et al. ist das Herzinfarktrisiko eines 30-Jährigen mit schwerer Psoriasis gegenüber einem gleichaltrigen Gesunden dreimal so hoch. Die Schwere der Erkrankung korreliert mit der Anzahl der kardialen Ereignisse. Die wichtigsten kardiovaskulären Risikofaktoren wie Diabetes, Bluthochdruck, Hyperlipidämie und Adipositas traten bei Psoriasispatienten signifikant öfter auf als in der Kontrollgruppe.

Krebsrisiko erhöht

Nach der Analyse von Gelfand sterben Männer mit schwerer Psoriasis 3,5 Jahre früher, Frauen mit Psoriasis sogar 4,4 Jahre früher. Psoriatiker erkranken häufiger an Lymphomen und bestimmten Karzinomen, außerdem spielen Lifestylefaktoren von Psoriatikern eine Rolle. Kann eine effiziente und in das inflammatorische Geschehen eingreifende Therapie auch die Lebenserwartung beeinflussen? Dieser Frage ging eine Studie von Ahlenhoff et al. vom Gentofte Hospital der Universität Kopenhagen nach.

Im dänischen Patientenregister erfassten die Forscher über einen Zweijahreszeitraum insgesamt 2.400 Patienten mit schwerer Psoriasis. Es wurde analysiert, welchen Einfluss Biologika, Methotrexat sowie andere Therapieformen wie Retinoide, Cyclosporin und Phototherapie auf die Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse hatten. Das Risiko für den kombinierten primären Endpunkt „Tod, Herzinfarkt, Schlaganfall“ ließ sich durch den Einsatz von Biologika (HR 0,28) und Methotrexat (HR 0,65) deutlich senken. Die anderen untersuchten Maßnahmen zur Therapie der Schuppenflechte bieten dagegen keine kardiale Protektion. Die Autoren vermuten, dass die Pharmaka ihre antiinflammatorischen Eigenschaften nicht nur an der Haut, sondern im gestressten Gefäßendothel ausüben.

Entzündungen nicht nur an der Haut

An der Pathogenese der Psoriasis sind neben Keratinozyten und dendritische Zellen auch spezifische T-Zellen, die entzündungsfördernde Zytokine freisetzen, beteiligt. Botenstoffen wie IL-12 und -23 steigern die Produktion proentzündlicher Faktoren wie TNF-α, IL-17 und IL-22. Diese inflammatorische Kaskade begünstigt die Einwanderung neutrophiler Granulozyten. Diese führen in der Epidermis zu Mikroabszessen. Die Psoriasis wird heute den „immune-mediated inflammatory diseases“ (IMID) zugeordnet. Auch die rheumatoide Arthritis und Morbus Crohn sind in dieser Gruppe lokalisiert.

Risikoanalyse: Tolles Tool

Auf der Basis systematischer Literaturrecherchen erarbeiteten mehrere Arbeitsgruppen die Evidenz zum Einsatz von Screening-Parametern für die einzelnen Begleiterkrankungen. Mit dem Screening-Tool PASI (Psoriasis Area Severity Index) steht ein Instrument zur Früherkennung von Komorbiditäten bei Patienten mit Psoriasis zur Verfügung.

Übergewichtige und Adipöse: Schwer betroffen

Adipositas zeigt mehrere Verknüpfungen zur Psoriasis. Übergewicht begünstigt eine Psoriasis. Eine Studie von Naldi et al. belegte, dass eine Verringerung des BMI die Hautbeschwerden verbessern können. In der Studie kam es im Rahmen einer Gewichtsreduktion zu einer Reduktion der Psoriasis-Plaques um die Hälfte.

Patienten mit Übergewicht sprechen einerseits nicht so gut auf eine Therapie an, andererseits neigen Adipöse zu verstärkten Nebenwirkungen mit dem zur Psoriasistherapie eingesetzten Methotrexat. In dieser Patientengruppe wird ein Anstieg der Leberenzyme ebenso häufiger beobachtet als eine gesteigerte Fibroserate. Diese Erkenntnis ist nicht neu, wurde bereits im Jahr 2007 von einer schwedischen Arbeitsgruppe nachgewiesen. Die schwedischen Forscher aus Stockholm untersuchten 169 Leberbiopsie-Proben von insgesamt 71 Psoriasis-Patienten, bei denen die Indikation zur Leberbiopsie während einer Methotrexat-Therapie gestellt worden war.

Risiko für Leberfibrose erhöht

Das Risiko für eine Leberfibrose war bei Patienten mit Risikofaktoren wie Diabetes mellitus oder einem BMI über 25 signifikant erhöht. Bei 96 Prozent der Patienten (25 von 26) mit mindestens einem Risikofaktor kam es zu einer Leberfibrose. Bei ihnen betrug die kumulative Methotrexat-Dosis durchschnittlich 1500 mg. Im Vergleich dazu kam es nur bei 58 Prozent (26 von 45) der Psoriasispatienten, die nicht zusätzlich an Diabetes erkrankt und normalgewichtig waren, zu einem fibrotischen Leberumbau.

Fast die Hälfte der Patienten mit schwerer oder mittelschwerer Psoriasis haben einen Body Mass Index über 30. Das metabolische Syndrom kommt bei Psoriasispatienten sechsmal häufiger vor als bei Patienten einer nicht erkrankten Kontrollgruppe. Therapieerschwerend kommt hinzu, dass in der Psoriasistherapie eingesetzte Pharmaka wie Methotrexat sowie Ciclorsporin, aber auch die Begleittherapeutika wie Statine, zu zahlreichen Interaktionen neigen. In der S3-Leitlinie Psoriasis sind diese tabellarisch erfasst und sollten bei der Therapie Berücksichtigung finden.

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10 Kommentare:

Als Betroffener,ohne Komorbiditäten, der in 50 Jahren so ziemlich alles an Therapien hinter sich hat (ausser Ciclosporin, MTX und Biologica), inclusive mehrjähriger homöopathischer Therapie im Kindesalter, Diäten, Darmsanierung, Psychotherapie usw., kann ich nur sagen, dass mich die unproffessionelle Haltung der “Komplentärmedizin” nur noch anödet. Die Ursachen und Wechselwirkungen mit anderen Faktoren sind, wie bei vielen chronischen Erkrankungen, kompliziert. Es ist und bleibt ein immnologisches Geschehen, das durch psychogene Faktoren allenfalls (ein bißchen) moduliert wird. Der Verweis auf die “Psyche” oder den”Darm” spiegelt in meinen Augen nur die Hilflosigkeit angesichts dieser noch nicht ganz verstandenen Erkrankung wieder. Im Übrigen bekommen Sie als GKV-Patient Biologica von Ihrem Dermatologen gar nicht verordnet (zu teuer). Mir geholfen hat bisher immer das gute alte Dithranol, das aber weitgehend vom Markt verschwunden ist. Etwas kompliziert in der Anwendung,aber effektiv und Nebenwirkungsarm. Rezepturen machen die Dermatologen ebenfalls nicht mehr (oder nur auf Privatrezept. Ein Tiegel Dithranol in ASS kostet ca. 50 Euro). Und die Patientenverbände betreiben eine Appeasment-Politik gegenüber den Kassen und Fachärzten. Manchmal hilft es, einfach sein Haupt in Demut vor der Natur zu neigen.

#10 |
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@ #6 Meine Psoriasis wurde durch Vitamin D3 nicht im Mindesten gebessert.
Ausserdem fehlt Ihre Berufsbezeichnung und die Quelle der von Ihnen angeführten Studien…
@ #8 Diese Mode mit der Darmflora kann ich schon nicht mehr hören oder lesen!

#9 |
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Mitarbeiter Industrie

Wenn man die Korrelationen mit bestimmten Erkrankungen (rheumatoide Arthritis, Diabetes Typ II, Adipositas) betrachtet und mit Behauptungen verbindet, daß die Familienanamnese und Ernährung bei vielen Psoriatikern eine Rolle spielt könnte man eine andere Hypothese aufstellen. Vielleicht spielt ja doch die Darmflora die entscheidende Rolle und Stuhltransplantationen könnten hier helfen ? Methotrexat beeinflusst ja auch sehr stark die Darmflora. Gibt es Erkenntnisse die in diese Richtung gehen ?

#8 |
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Seit wann sagt der PASI etwas “zur Früherkennung von Komorbiditäten bei Patienten mit Psoriasis” aus? Dies ist ein reiner Schweregrads-Parameter- welcher lediglich die Haut statet. Das die Wahrscheinlichkeit bei einer hohen Aktivität hoch ist für Komorbiditäten ist klar.
Der Punkte sollte entweder besser erläutert (vielleicht ist mir mehreren Jahren etwas entgangen) oder doch revidiert werden.

#7 |
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Johannes Reinders
Johannes Reinders

Blutuntersuchungen sowohl bei Psoriasispatienten als auch bei Diabetespatienten
haben ergeben, dass eine starke Unterdeckung an Vitamin D und Vitamin B3 Niacin
besteht, was impliziert, dass Supplemente heilsam sein könnten. Der Niacin-Flush
kann durch Einschleichen vermieden werden. Die Wirkung kann nur positiv sein,
die optimale Niacin-Dosierung muss jeder Arzt selbst herausfinden. Bei rheumatoider
Arthritis ist eine Niacingabe ohnehin nicht unüblich. #

#6 |
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DocCheck News Redaktion
DocCheck News Redaktion

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#5 |
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Juergen Schwertner
Juergen Schwertner

Was für Kommentare!!
Sind wir jetzt auf der Face Book Seite gelandet?
Muss ich jetzt den newsletter doccheck abbestellen?
Jürgen Schwertner

#4 |
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Zahnarzt

Da ist offenbar ein Authentifizierungsleck aufgetreten. Ziemlich befremdlich und bedenklich, wie hier die Kontrolle versagt.

Artikel ist gut.

#3 |
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Dr. Rüdiger Gall
Dr. Rüdiger Gall

was sind das für Kommentare ??????

#2 |
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Alex
Alex

Sind die betroffenen Stellen besonders trocken?

Ich (M,17) habe zwei helle Flecken auf der Haut. Der Hautarzt hat mir zuerst eine Feuchtigkeitscreme verschrieben, die wirkt aber nicht wirklich… :/

#1 |
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