Geburtshilfe: Krieg im Kreißsaal

21. Januar 2015
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Hausgeburt oder Klinik, Kaiserschnitt oder vaginale Entbindung? Über die vermeintlich beste Variante wird mit Leidenschaft gestritten und gekämpft, nicht unbedingt zum Wohle des Kindes. Die risikogerechte Versorgung erscheint als passende Lösung für Mütter und Kinder.

Zwischen Gerichtssaal und Kreißsaal: Das Dortmunder Schwurgericht hat im Herbst eine Hebamme und Ärztin zu sechs Jahren und neun Monaten Haft verurteilt. Gegner werfen ihr vor, aus Ideologie eine Patientin nicht in die Klinik gebracht zu haben – Anhänger sprechen von einem „Hexenprozess“. Jetzt ist der Bundesgerichtshof am Zuge. Laien reagierten verunsichert – wie gefährlich sind Hausgeburten tatsächlich?

Studien mit Schwachpunkten

Dazu einige Fakten: In den Niederlanden stehen Hausgeburten hoch im Kurs. Grund genug für Amsterdamer Wissenschaftler um Ank de Jonge, nach möglichen Risiken zu fahnden. Sie werteten Daten von 146.752 Frauen aus. Von ihnen entschieden sich 92.333 (62,9 Prozent) für eine Niederkunft in trauter Umgebung. Weitere 54.419 (37,1 Prozent) gingen lieber in die Klinik. Bekannte Risiken wie Mehrlingsschwangerschaften, Beckenendlagen oder Kaiserschnitte in der Vorgeschichte hat de Jonge ausgeschlossen. Als schwere Zwischenfälle galten starke Blutungen, Eklampsien, das HELLP-Syndrom sowie Behandlungen auf der Intensivstation. In beiden Gruppen waren die Komplikationsraten mit 2,3 (Hausgeburt) versus 3,1 (Klinik) Ereignissen pro 1.000 Frauen niedrig. Bei Nullipara fand de Jonge keine statistisch signifikanten Unterschiede. Anders sah die Situation bei Multipara aus. Hier schnitten Hausgeburten mit einer Komplikation pro 1.000 Frauen signifikant besser ab als Niederkünfte im Krankenhaus (2,3 Ereignisse pro 1.000 Frauen). Statistisch betrachtet halbierte sich das Risiko.

Eine mögliche Interpretation: Vielleicht haben sich Schwangere nach ihrer ersten traumatischen Geburt zu Hause beim nächsten Kind für das Krankenhaus entschieden. Informationen zum Body Mass Index (BMI) sucht man auch vergebens – Adipositas erhöht das Entbindungsrisiko. Vielleicht haben Ärzte stark übergewichtigen Frauen geraten, besser Kliniken aufzusuchen. Bleibt als Fazit: Bei risikoarmen Schwangerschaften spricht den Daten zufolge nichts gegen eine Hausgeburt. Zwei Jahre zuvor hatte Peter Brocklehurst, Oxford, weniger Erfreuliches zu berichten. Er wertete Daten von 64.538 Frauen aus. Insgesamt mussten 45 Prozent der Erstgebärenden während geplanter Hausgeburten stationär versorgt werden, weil Hebammen Komplikationen nicht mehr beherrschten. Bei Frauen ab der zweiten Geburt waren es noch 12 Prozent. Mit 9,3 versus 5,3 Komplikationen auf 1.000 Geburten waren Brocklehurst zufolge Niederkünfte außerhalb der Klinik deutlich riskanter als stationäre Alternativen. Wissenschaftler bleiben die Antwort, ob manche Komplikationen durch engmaschigere Untersuchungen vorhersehbar gewesen wären, schuldig. In vielen europäischen Ländern machen sich ohnehin gegenläufige Tendenzen bemerkbar. Beim kleinsten Anzeichen einer Gefahr raten Ärzte zur Sectio caesarea.

Gut im Schnitt dank Kaiserschnitt?

Dazu ein paar Zahlen: In Deutschland bringt knapp jede dritte Frau ihre Kinder per Kaiserschnitt zur Welt, berichtet das Statistische Bundesamt. Forscher fanden regional große Unterschiede, etwa 23,8 Prozent in Sachsen oder 38,1 Prozent im Saarland. Die Entscheidung für einen Kaiserschnitt hängt vor allem von Geburtshelfern ab. Gibt es vor Ort keine vollständig besetzte, notfallbereite Geburtsmedizin, etwa nachts und am Wochenende, präferieren Ärzte eine Sectio caesarea – aus Gründen der Planungssicherheit teilweise zwei oder mehr Wochen vor dem errechneten Geburtstermin. Und nicht selten wünschen Patientinnen diese Variante. Medizinische Argumente gibt es kaum. Selbst bei früheren Kaiserschnitten gelingt es heute, das Risiko gefürchteter Uterusrupturen sonographisch einzuschätzen.

Ob bei Zwillingsschwangerschaften zum Skalpell gegriffen werden muss, untersuchten Forscher der internationalen Twin Birth Study Collaborative Group. Sie fanden 2.800 werdende Mütter mit entsprechenden Voraussetzungen. Einschlusskriterien waren unter anderem die Kopflage beim ersten Kind, ein geschätztes Geburtsgewicht von 1.500 bis 4.000 Gramm sowie eine Schwangerschaft in der 32. bis 38. Gestationswoche. Als Kontraindikationen galten Fehlbildungen, starke Größenunterschiede der Feten sowie monoamniotische Zwillinge. In der Gruppe mit geplanter Sectio caesarea führten Ärzte 90,7 Prozent aller Geburten per Kaiserschnitt tatsächlich durch. Geplante vaginale Geburten beider Kinder fanden in der Kontrollgruppe bei 56,2 Prozent der Frauen statt. In 39,6 Prozent aller Fälle mussten Ärzte zum Skalpell greifen.

Statistisch signifikante Unterschiede hinsichtlich der Morbidität oder Mortalität gab es zwischen der Sectio- und Vaginalgeburt-Gruppe nicht. Ob neue Veröffentlichungen zu einem Umdenken führen, bezweifelt der Editorialist Michael F. Greene im „New England Journal of Medicine“. An mögliche Folgen denken Ärzte kaum. Operative Eingriffe führen bei der nächsten Schwangerschaft zu geringfügig erhöhten Risiken. Beispielsweise steigt die Zahl an Eileiterschwangerschaften an, und es kommt zu mehr Totgeburten. Nach fünf oder mehr Kaiserschnitten – in Deutschland eher eine Seltenheit – nehmen Geburtskomplikationen und Frühgeburten zu. Bleiben noch generelle Folgen: Kinder haben ein erhöhtes Risiko, an Typ 1- Diabetes, Asthma oder Allergien zu erkranken.

Natürliche Geburten im Ländle

Viele Argumente, die sich nicht mehr ignorieren lassen. Jetzt werden Politiker langsam aktiv. In Baden-Württemberg hat Arbeits- und Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) eine Aufklärungskampagne zur natürlichen Geburt gestartet: bei risikolosen Schwangerschaften nach wie vor der beste Weg. Ob es sich um Hausgeburten oder Entbindungen im Krankenhaus handelt, ist zweitrangig.

95 Wertungen (3.89 ø)

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48 Kommentare:

Tierärztin

Hallo, natürlich ist die Geburt ein “natürlicher” Vorgang und erstmal nichts pathologisches. Da wird aber in den Medien, von naturheilkundlich orientierten Hebammen und auch von Müttern, die eine schöne Hausgeburt erleben durften, das Bild einer idealen Geburt sehr schön zelebriert und hochgehalten mit weichgezeichneten Fotos, schönen Farben und Begriffen wie “sanft”, “natürlich” “schön”. Bei manchen traut man es kaum zu erwähnen, dass man um eine Periduralanästhesie gebeten hat.
In der Realität ist es leider nicht so, eine Geburt ist prinzipiell auch eine gefährliche Situation, man weiß nicht, wie es kommt, auch wenn es ganz harmlos beginnt und man sich perfekt vorbereitet. Ich musste es selber erfahren, dass eine normale Geburt auf einmal zum Stillstand kam und es in einem Notkaiserschnitt endete, da war ich auch sehr froh, dass ein komplettes OP-Team in 15 Minuten für mich bereit war. Da musste ich mir auch schon anhören, dass in einem Geburtshaus die ungute Situation erst gar nicht entstanden wäre, weil man dort als Gebärende besser betreut und auf Ängste besser eingehen würde. Vielleicht ist etwas daran, ich habe mich auch in der Situation von den Ärzten und Hebammen im Krankenhaus sehr verlassen gefühlt, aber am Ende war ich nur froh, dass alles noch mal haarscharf gut gegangen ist. Ich will gar nicht wissen, wie das bei der Hausgeburt oder im Geburtshaus abgelaufen wäre.

#48 |
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Arzt
Arzt

Frau Hebamme, auf die Frage mit dem Dammriss bei Hausgeburten ist bisher niemand eingegangen.
Ich hab daher versucht ein bischen zu recherchieren und eine Schweizerin gefunden, die stolz eine Serie von 100 Hausgeburten ins Netz gestellt hat,
wobei mehr als 50 leichte bis ernsthafte Dammrisse beschrieben sind.
Das hat mich ehrlich gesagt doch etwas schockiert. Insbesondere weil auch stolz erklärt wurde, dass “man heute nicht mehr schneiden” würde.

#47 |
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Hebamme

@ #40:
Sie fragen, wie weit eine Hausgeburt von einem Krankenhaus entfernt ist, um eine Risikobewertung durchzuführen. Ja, das ist eine interessante Frage.
Ist Ihnen dabei auch klar, daß in den meisten geburtshilflichen Abteilungen KEIN Oberarzt (bzw. Facharzt) vor Ort ist, also für eine Saugglockengeburt, eine Zangengeburt, einen Kaiserschnitt, häufig sogar für eine Blutuntersuchung des Kindes bezüglich des Sauerstoffgehaltes, dieser Könner erst von zu Hause komen muß?
Im Klartext: die Zeit, die von Entscheidung bis Entbindung vergeht, ist in den meisten Fällen NICHT davon abhängig, wie lange Mutter und Kind brauchen. Der Bevölkerung ist nur nicht bewußt, daß nachmittags und nachts nur sehr selten das komplette Kreißsaalteam anwesend ist.

Und da die Krankenkassen sehr stark daran arbeiten, kleinere Geburtsabteilungen komplett zu schließen, werden sich die Wege zum Krankenhauskreißsaal (hier in Schleswig-Holstein) bald auf 60-90 Minuten verlängern. Hoffentlich haben dann alle Gebärenden bei ihrem Gynäkologen gelernt, welche Gründe ein wie frühes Losfahren bedingen …

#46 |
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Hebamme

Ich wundere mich sehr, wie unsachlich hier aufeinander eingedroschen wird.
Zur Sicherheit der außerklinischen Geburtshilfe empfehle ich, mal die Statistiken auf http://www.quag.de anzuschauen.
Warum war wohl in jahrzehntelanger Hausgeburtenzeit das medizinische Personal meine größte Klientel?
Eine gute Selektion ist alles; ich hatte nach begonnener Hausgeburt eine Sectiorate knapp unter 1%.
Habe allerdings großzügig verlegt, nicht “wegen Komplikationen, die von den Hebammen nicht mehr beherrscht wurden”, wie der Artikel meint, sondern damit gar keine ernsthaften Komplikationen auftreten.

#45 |
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Dr. med. dent Susanne Ifland
Dr. med. dent Susanne Ifland

Das Leben ist NIE sicher, weder vor, um und nach der Geburt. Wir Menschen denken das nur. Wenn wir für uns Anvertraute mit entscheiden, dann sollten wir so gut aufgeklärt werden wie es geht (ohne instrumentalisiert zu werden). Auch mit den Folgen der Entscheidung müssen Eltern leben können. Und ja, ich finde, dass nach sorgfältiger Abwägung des Für und Widers jede Frau selbst entscheiden sollte, wo sie entbinden möchte.

Ich habe selbst 3 Kinder in der Klinik entbunden und habe mich jedes Mal gut aufgehoben gefühlt…weil ich in der Klinik von erfahrenen Hebammen betreut wurde. Der Arzt hat nur am Schluss daneben gestanden. Ich habe beide als Team wahrgenommen und das hat mir geholfen.

@#43 Warum reagieren Sie so aggressiv? Ihre Vorrednerin hatte doch “brav” in der Klinik entbunden. Manches kann man mit noch so viel Fachwissen und Praxiserfahrung einfach nicht verhindern, egal ob in der Klinik oder zu Hause. Zu Hause wäre eine 1 zu 1 Betreuung möglich gewesen, in der Klinik kann es eben passieren, dass eine Hebamme 2 oder mehr Gebärende um sich hat.

#44 |
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Ärztin
Ärztin

@ Gudrun Carius: Und weil auch das Anschnallen beim Autofahren weder garantiert, dass nichts passiert noch dass der Fahrstil optimal ist (und man sich ohne Gurt wohler, natürlicher und selbstbestimmter fühlt), ist beides gleich gut, ja? Sollte also jeder für sich – und mitfahrende Kinder! – entscheiden, ob Gurt oder nicht? Das nenn ich Menschenliebe.

#43 |
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Gudrun Carius
Gudrun Carius

Das Leben ist hart, und auch eine Geburt im Krankenhaus garantiert weder, dass nichts passiert, noch, dass die Betreuung optimal ist. Ich selbst hatte beim ersten Kind den schlechten Geschmack, Wehen zu einem Zeitpunkt zu bekommen, an dem alle 6 Kreißsäle belegt waren, und bekam eine Hebammen-Schülerin zugeordnet, die nicht befugt war, mir Anweisungen zum Veratmen von Wehen zu geben. In der Nacht gab man mir Opiate, die den Schmerz zwar nicht wegnehmen, mich aber ruhig wimmern ließen und die Geburt verzögerten. In der Mittagspause bekam ich für zwei Stunden eine junge Hebamme zugeteilt, die mir “atmen half” und in dieser Zeit ging die Geburt wieder voran. Leider bekam ich dann die nächste Schülerin zugeteilt, es tat sich nichts mehr und am Abend wurde mein Kind mit der Glocke geholt. Meine Schwester wurde -in einer Klinik, versteht sich- so geschnitten, dass sie danach zweistrahlig Stuhlgang hatte und 2x nachoperiert werden musste. Ich bin nicht grundsätzlich gegen Klinikgeburten, mein zweites Kind hätte ohne Kaiserschnitt vermutlich nicht überlebt und beim dritten fühlte ich mich auch sehr gut betreut. Aber auch in Kliniken passieren Dinge, die besser nicht passieren sollten, und wie viel Betreuung eine Frau bekommt, hängt neben ihrem Bedarf auch von der Personaldecke ab.

#42 |
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Arzt
Arzt

@Silke Becker, wir wissen ja alle, dass für Frauen das “sich wohl fühlen” offenbar eine geradezu magische Bedeutung hat. Für die normale Schwangere gehört dazu aber weniger das eigene Wohnzimmer, wie Sie offenbar meinen, als das Gefühl der Sicherheit und der Angstfreiheit.
Da im Wohnzimmer ja keine Sektio möglich ist, erlaube ich mir mal die Frage:
Wie halten Sie´s denn mit dem Dammriss, ist das für Sie auch natürlicher = besser, als die klassische Episiotomie, die ja heute in Krankenhäusern nach aktuelle Umfragen rel. selten geworden ist? Können Sie einen natürliche Dammriss nähen,
oder ist das für Sie schon zu unnatürlich? Eine Infektion im Ramen der Geburt ist ja auch etwas 100% “natürliches”.

#41 |
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Gast
Gast

Meine Antwort liebe Hebammen in diesem Forum
lautet immer: wie weit ist denn die nächste Klinik entfernt wenn etwas aus dem Ruder läuft?
Bei der Antwort von 10 Minuten – kann ich immer nur antworten-
dann halte jetzt mal 10min die Luft an- wenn das klappt alles gut –
um das Kind kann man sich ja dann später kümmern,…
welch eine Farce –

#40 |
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Gast
Gast

Was für eine unerhebliche und idiotische Behauptung:
“An mögliche Folgen denken Ärzte kaum.”
Dies zeigt welch Geistes Kind dieser Artikel ist.
Dies kann nur jemand behaupten, der ideologisch verbohrt und dem schlussendlich die Verantwortung im Kreißsaal tragenden Arzt bösartig eingestellt ist.
Eine Rechtssprechung, die die Verantwortung der Mutter in der Schwangerschaft nicht berücksichtigt und nur das “Outcome” sieht (Siehe Urteil zu der Schwangeren, die sich in einer Oberhausener Klinik pressend als Notfall vorgestellt haben soll ohne jemals eine Konsultation eines Gynäkolgen. Die Klinik wurde “verknackt” weil “nur” ein AiP’ler im Vordergrund war.)
Falsch Herr Autor.
Wir Ärzte denken durchaus an die Folgen einer operativen Geburtshilfe.
Kennen diese und vermitteln die Risiken und Folgen durchaus den Frauen/Paaren.
Es sollte nicht vergessen werden, wie die Kooperation und Leidensfähigkeit der werdenden Mutter wärend der Schwangerschaft und der Geburt diametral entgegengesetzt zur Anspruchshaltung steht (Nikotin, Adipositas, Geburtsschmerz, Tendenz zur fetalen Makrosomnie…).
Noch eine Korrektur. Nicht die steigende Zahl der EUG’s steht im Vordergrund nach sectio, vielmehr sind die Plazentationsstörungen nach Uterotomie ein wichtiger Punkt.
Aber auch gehabt (Abort-) Abrasiones/Interruptiones können die Plazentationsstörungen begründen.

#39 |
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Kann man in den Kliniken überhaupt noch von Geburtshilfe reden? Hat sich die Geburtshilfe in den Kliniken nicht eher zur Geburtsmedizin gewandelt? Wie ist das Wissen in den Klinken um die geburtshilfliche Physiologie? Ist das fetale Outcome in den Klinken besser als zu Hause? Ist die Klinik wirklich sicherer, trotz Personalmangel und Überlastungsanzeigen? Es gibt auch Kliniken die Gebärende abweisen müssen, weil sie gerade “voll” sind.
Muss die Diskussion nicht viel früher einsetzen? Wie soll den Geburtshilfe in unserer Gesellschaft zukünftig grundsätzlich sein? Geburtshilfe oder Geburtsmedizin oder hat auch beides Bestand? Und welche Ressourcen werden dann dafür benötigt? Ich glaube nicht dass eine Klinikgeburt automatisch für mehr Sicherheit sorgt zumindest nicht unter den derzeitigen Bedingungen.

#38 |
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Anna Maria Kosak
Anna Maria Kosak

Eine grundsätzliche Übegung, die soweit ich die Debatten mitbekomme kaum mit einbezogenwird ist unter welchen Vorraussetzungen eine Geburt natürlich verlaufen kann und wodurch Komplikationen begünstigt werden.
Die Antwort liegt in der Physiologie. Oxytocin wird dann ausgeschüttet wenn sich die Gebährende sicher und geborgen fühlt. Angst und Stress und die damit verbundene Adrenalinausschüttung führen dazu, dass die Oxytocinausschüttung und damit der natürliche Geburtsverlauf gehemmt werden- steigendes Komplikationsrisiko.
Danach muss man bei einer gesunden Schwangern ohne irgendwelche vorhersehbaren Risiken in erster Linie dafür sorgen, dass sich die Frau gut aufgehoben fühlt und Stressoren vermeiden. Ist das bei einer Klinikaufnahme realistisch? Ich fände es schön wenn es so wäre aber ich glaube es nach allem was ich erlebt und gehört habe nicht.
Wie oft kommt es vor, dass ein geburtshilflicher Notfall so wenig vorhersehbar war, dass eine Klinikverlegung nicht mehr rechtzeitig geschehen konnte?
Und wie oft werden geburtshilfliche Probleme durch die Klinikroutine erst provoziert?
Dazu gibt es soweit ich weiß keine Zahlen.
Ich glaube, der Königsweg bestünde darin, die Grabenkämpfe zwischen den Gegnern und Befürwortern der außerklinischen Geburt beiseite zu legen (ich habe noch Träume) und Schwangeren neutral die Vorteile und Nachteile beider Seiten darzulegen. Es ist eine Individuelle Entscheidung, ob einem die Sicherheit, dass möglichst schnell alle EIngriffe durchgeführt werden können oder die Sicherheit ungestört in vertrauter Umgebung begleitet durch bekannte Personen gebähren zu können, wichtiger ist.
Die Idee, von Hebammen geleitete Einrichtungen an gynäkologische Abteilungen anzugliedern – so zu sagen das Geburtshaus im Krankenhaus- finde ich sehr gut. Damit müssten doch eigentlich beide Seiten glücklich sein.
@ Herr Dr. Umbreit: seit längerem ist bekannt, dass durch eine routinemäßige Episiotomie mehr Schaden angerichtet als verhütet wird. Zum einen wird öfter geschnitten als der Damm dann tatsächlich gerissen wäre, der Dammschnitt selbst ist auch nicht komplikations- und folgenfrei und bietet auch noch eine Prädilektionsstelle zum weiter einreißen.

#37 |
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Ärztin
Ärztin

@Silke Becker
Das ist schlicht nicht korrekt, dass die “natürliche” Geburt im Sinne von “ohne Eingriffe und “Hilfs”griffe aus eigener Kraft durch die Gebärende” in den meisten Kliniken die absolute Ausnahme ist. Bitte geben Sie doch Ihre Quelle dafür an!
Sie haben sicherlich recht, dass die Geburt mit noch weniger Risiken verbunden ist, wenn zusätzlich zur objektiven Risikominimierung sich die Gebärende wohl fühlt.
Das hebt aber “Wohlfühlen” nicht auf die gleiche Stufe mit der Sicherheit, im Ernstfall ohne weitere Verzögerung Mutter und Kind ärztlich versorgen zu können.
Ihre Definition der “besten” Geburt funktioniert nur so lange, wie alles beherrschbar ist. Wenn es das nicht ist, was ab und zu vorkommt, dann sind Wohlfühlen und die Möglichkeit, dass “mein Kind ungestört zur Welt kommen kann” zweitrangig.
Das bedeutet: Kliniken müssen daran arbeiten, Frauen eine weitgehend “ungestörte” Geburt in geborgener Atmosphäre zu ermöglichen, wenn alles gut läuft. Das bedeutet nicht, dass Frauen ermutigt werden sollten, einen anderen Geburtsort als die Klinik zu wählen.

#36 |
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Hebamme

@ Dr. Bayerl
“Am besten und sichersten ist eine natürliche Geburt im Krankenhaus.”

Wie definieren Sie “am besten”?
Was ist “am sichersten”?
Und was ist eine “natürliche Geburt”?

So einfach kann man das nicht sagen.
Es ist höchst individuell.

Meine persönliche(!) Meinung dazu:
– “am besten” ist die Geburt, wenn ich als Gebärende mich rundherum wohl fühle und mein Kind ungestört zur Welt kommen kann
– “am sichersten” ist die Geburt, wenn nach vorheriger Risikoeinschätzung der Geburtsort gewählt wird, der gleichzeitig den individuellen objektiven Risikoaspekt UND den subjektiven Wohlfühlaspekt berücksichtigt. Denn fühlt die Gebärende sich nicht wohl, ist dies meiner Meinung nach ein Risikofaktor. Und hier gilt auch: Fühlt sie sich zuhause nicht wohl, ist es ebenfalls nicht der richtige Geburtsort für sie!
– “natürlich” ist die Geburt, wenn das Kind ohne Eingriffe und “Hilfs”griffe aus eigener Kraft durch die Gebärende geboren wird. In den meisten Kliniken ist das leider die absolute Ausnahme.

Sie sehen, Ihre Ansicht deckt sich sicherlich nicht mit meiner.

Deswegen muss die Wahlfreiheit hinsichtlich des Geburtsortes unbedingt erhalten bleiben.

#35 |
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Gast
Gast

Haftpflicht steigt selbstverständlich wegen Schadensfällen und sind in Krankenhäusern daher nicht niedriger sondern noch wesentlich höher, so dass ettliche sehr gute Abteilungen auch deshalb dicht gemacht haben.
Die Frage warum der so hoch ist muss an die Rechtssprechung gestellt werden, die auch Medizin gehörig manipuliert.

#34 |
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Gast
Gast

#21 Osteopath, bitte nur stänkern mit handfesten Argumenten!

#33 |
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Ärztin
Ärztin

Ich finde eben nicht, dass man es sich so leicht machen kann, zu sagen, die Entscheidung zwischen Hausgeburt und Klinik könne jede werdende Mutter schon am besten treffen, wenn sie für sich selbst Sicherheit und emotionale Aspekte abwägt.
Der entscheidende Punkt bleibt: Auch bei vollkommen komplikationsloser Schwangerschaft kommt es unter der Geburt in einigen wenigen Fällen eben doch zu einem plötzlichen Notfall, bei dem das Leben der Mutter, des Kinder oder beider auf dem Spiel steht. Selbst wenn es nur eine von 1000 ist: da möchte ich nicht diejenige sein, die die Mutter beraten hat und darin bestärkt hat, wenn für sie die vertrauensvolle Umgebung besonders wichtig ist, dann wird die Entscheidung für Hausgeburt schon die beste für sie sein. Und ich möchte auch nicht die Mutter sein, die hinterher merkt, wie absolut belanglos dieser Aspekt war im Vergleich zu dem, was sie in der Entscheidung nicht hoch genug für sich und ihr Kind gewichtet hatte: die Sicherheit.
Na klar freu ich mich über jede hier berichtete glücklich verlaufene Hausgeburt; aber jede unglücklich verlaufende ist eine zuviel, und sooo niedrig ist die Wahrscheinlichkeit dafür dann eben doch nicht! Man kann also nicht guten Gewissens sagen, die Mutter hat schon alle nötigen Informationen um für sich und ihr Ungeborenes richtig entscheiden zu können. NIEMAND weiß, ob es nicht gerade bei ihr zu einer unvorhergesehenen Komplikation kommt.
Dessen unbenommen ist es natürlich total korrekt, dass die Zusammenarbeit von Ärzten und Hebammen in der Klinik verbessert werden muss und dass die natürliche Geburt in der Klinik so zu gestalten ist, dass sich die Frauen selbstbestimmt und geborgen fühlen, ganz zu schweigen von den absurd hohen Sectio-Zahlen.
Ich habe das Glück, vier Kinder in der Klinik auf sehr schöne Weise glücklich bekommen zu haben – im Nachhinein hätten es auch alles Hausgeburten sein können. Aber dennoch wäre es im Voraus egoistisch und verantwortungslos gewesen, die Geburten direkt als Hausgeburten zu planen.

#32 |
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Melanie Wamper
Melanie Wamper

Die Versicherungsprämien für die Geburtshilfe steigen nicht aufgrund steigender Schadenzahlen, sondern daher, dass 1. aufgrund der besseren medizinischen Versorgung sowohl Mutter und Kind als potentieller Pflegefall ein normales Lebensalter erreichen können. Das heißt, jahrzehntelange Kosten und Renten, die die Berufshaftpflicht der Hebamme/ des Arztes/ des Krankenhauses zahlen muss und 2. die Schmerzensgeldansprüche der Eltern auch anderen Vorstellungen unterliegt als vor fünfzig Jahren. Heute möchten die Eltern ihren durch Geburtskomplikationen geschädigten Kind ein Leben ermöglichen als wäre es gesund, also möglichst mit Physiotherapie, Förderung, ggf. behindertengerechter Ausbildung, usw. . Die Versicherer versuchen diese Risiken der höheren Schadenersatzansprüche mit hohen Versicherungsbeiträgen aufzufangen.

Ich selbst hatte eine Hausgeburt, gerade weil ich beruflich mit Medizinern versicherungstechnisch zu tun habe und mich die beiden Kreißsaalbesichtigungen absolut nicht davon überzeugen konnten, dass ich mich in einem Krankenhaus bei einem fremden Arzt und schichtwechselnden fremden Hebammen besser fühlen soll als bei einer mir schon seit Schwangerschaftsbeginn bekannten und vertrauten Hebamme aus dem Nachbarort. Dieser Frau konnte ich absolut vertrauen, auch weil sie u.a. Erste-Hilfe-Kurse für Säuglinge für Eltern anbietet und absolute Kompetenz ausstrahlt. Ich möchte als werdende Mutter nicht bevormundet werden, wie ich zu liegen habe, ob ich essen oder trinken darf, ob ich einen Einlauf oder einen Zugang gelegt bekomme und vor allem hatte ich schon gar keine Lust auf die dämliche Anweisung, noch einmal eine halbe Stunde spazieren zu gehen. Als meine Hebamme kam, war der Muttermund schon über die Hälfte geöffnet. Das schafft man also auch ohne medizinisches Zugerede oder Anleitungen.

#31 |
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Ich war selbst mehrere Jahre Oberarzt in einer Kölner Frauenklinik!

#30 |
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Rettungssanitäterin

@Dr.Klaus Umbreit

Von wo beziehen Sie Ihr Wissen bezüglich Dammschnitte ?
Die meisten Hausgeburten finden im Wasser statt,so das es gar nicht erst zu einem
Dammriss/Dammschnitt kommt.

#29 |
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Bei so vielen Zuschriften ist ein postpartales Risiko nicht erwähnt worden: unabhängig von der schnelleren Hilfs-Möglichkeit beim Auftreten eines Risikos bei einer Klinik-Geburt, wurden spätere sexuelle Disharmonien in einer Ehe nicht berücksichtigt. Bei Hausgeburten ist die Hebamme darauf bedacht, mit einem “guten” Dammschutz einen Dammriss zu verhindern. Selbst wenn es ihr gelingt. ist soviel Muskulatur zerrissen – die später mit bindegewebigen Narben ausheilt – , dass die Damm-Muskulatur frühzeitig atrophisch wird. (Eine Episiotomie wäre sinnvoller gewesen.) Harninkontinenzen und die Zunahme von Scheidungen sind die Folgen. – Und wer spricht von den Hirnschäden bei Kindern mit protrahierten Geburtstraumata? Frühzeitige Kaiserschnitte haben im Durchschnitt intelligentere Kinder gezeigt. Wohlgemerkt: ein hinzugerufener Oberarzt wird gegebenenfalls auch verantwortlich entscheiden – und sicher nicht danach, ob eine Op. mehr Geld bringt.

#28 |
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Rettungssanitäterin

Wieso werden Antworten gelöscht/umgeändert ?

[Anmerk. der Redaktion: Der besagte Kommentar wurde auf Wunsch der Kommentierenden entfernt.]

#27 |
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Gast
Gast

Hat irgendjemand schon einmal realistisch nachgehalten, welche Folgen Geburtstraumata durch eine spontane Entbindung für die betroffenen Frauen haben? Die Diskussion über Sectio oder Spontanentbindung driftet mir zu oft auf die Ebene, Ärzte wollen Geld verdienen und Mütter können keine Schmerzen mehr aushalten. Das ist mir zu oberflächlich.

#26 |
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Die emotionale Diskussion wird – oft unbemerkt – auf zwei Ebenen geführt.
Die Sicherheitsebene: selbstverständlich lassen sich sich mit Airbag und Gurten die Komplikationen reduzieren.
Für viele ist aber die emotionale Ebene der Geburt in einer intimen vertrauten Umgebung ein ebenso hoher Wert.
Die Entscheidung muss jede werdende Mutter selbst treffen.

#25 |
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Rettungssanitäterin

Danke, kannte die Sendung noch nicht.

#24 |
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Gast
Gast

Jede werdende Mutter, deren Schwangerschaft komplikationslos ist sollte dort gebären können wo sie sich am Besten fühlt!
Wer will das sonst bestimmen? Das grenzt an Entmündigung.
Hebammen, die freiberuflich Geburtshilfe leisten sind kein Himmelfahrtskommando! Es besteht eine Fortbildungspflicht von 60 Stunden in 3 Jahren, mit Notfallmanagement(!),und Klöppeln gilt da nicht!
Ich finde es wirklich mal wieder zum Brechen wie einige Ärzte sich hier mal wieder auslassen! Wenn die Zusammenarbeit zwischen Ärzten und Hebammen besser funktionieren würde, dann wäre das zum Wohle der Mütter und Kinder! Wie oft werden Frauen von ihrem Gynäkologen dazu gebracht, dass sie einen Kaiserschnitt wollen weil mit ihren Ängsten gespielt wird. Hauptsache die IGEL- Leistungen werden ausreichend gebucht! Angst ist kein guter Begleiter für die Geburt.

#23 |
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Gast
Gast

Wie jeder/jede erfahrene Gynäkologe, Anästhesist, Hebamme weiß kann eine auch vorher völlig normale Schwangerschaft/Entbindung in einer Akutsituation sowohl für Mutter als auch Kind enden. Ich als einer der seit vielen Jahren unter anderem auf einem Rettungshubschrauber seinen Dienst leistet darf dann diese Situation weit ab von einer Klinik behandeln überbrücken etc.. Ich möchte nochmal betonen dass es sich in der Regel dann um 2 Notfallpatienten handelt, die dann von einem Rettungsassistenten und einem Notarzt zu versorgen sind. Hebammen sind für solche Situationen nicht ausgebildet.
Ich finde dass jede Schädigung egal ob Mutter oder Kind, die sich durch solche Entscheidungen ergeben können und schon ergeben haben eine zu viel ist. Das sind meiner Meinung nach Diskussionen die völlig unnötig und viel zu ideologisch geführt werden. Oder sind sie noch in einem PKW ohne Airbag unterwegs??

#22 |
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Gast
Gast

Ich arbeite als Osteopathin oft mit Babies nach einer Sectio. In den meisten Faellen stellt sich bei der Anamnese eine ähnliche Abfolge während einer Klinikgeburt dar – Einleitung – PDA – Sectio. Ich frage mich oft, wo bei dieser manipulativen Geburtspraxis eigentlich das Kind gesehen wird, dessen Leben hier beginnt. Ich wünsche mir etwas mehr Achtung und etwas weniger Druck fuer die ohnehin oft unsicheren Eltern. Die gesundheitlichen Folgen fuer das Kind wurden meiner Meinung nach sowieso noch nicht ausreichend erforscht. Ich sehe allerdings in meiner Arbeit oft noch nach Jahren Probleme, die ihren Ursprung in der Geburt haben dürften.

#21 |
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Dr. Matthias Schulze
Dr. Matthias Schulze

Insgesamt schlecht recherchierter Artikel, der scheinbar verkürzt auch noch Unwahrheiten wiedergibt.
Das Rupturrisiko bei Z.n. Sektio lässt sich nicht vorhersagen, auch nicht sonografisch.
Warum sind Risiken wie Blutung, Eklampsie, Hellp vom Ort der Entbindung abhängig? Am ehesten lässt sich noch von einer Risikoselektion reden. Aber sind diese Risiken vorhersehbar?
Und damit sind wir am Grunddilemma: Hinterher von einer risikoarmen Geburt zu reden ist einfach! Aber wer kann bitte vorneweg mit entsprechender Sicherheit einschätzen ob im Laufe der Geburt Risiko und dann Notfälle auftreten.
und zuletzt noch zu den Versicherungsprämien -die übrigens auch für Belegärzte ins nahezu unermessliche gestiegen sind- diese Versicherungsprämien kommen ja irgendwo her, von Schadensfällen, von Prozesskosten, etc.
wenn alles so komplikationslos wäre und sich alle verantwortungsvoll verhalten würden, hätten wir solche Probleme nicht!!
Und zum Schluss wünsche ich jeder Frau eine schöne, komplikationslose Geburt :-)
… bloss garantieren kann ichs leider nicht.

#20 |
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Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Am besten und sichersten ist eine natürliche Geburt im Krankenhaus.

#19 |
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Nichtmedizinische Berufe

@ Dr.med Klaus Schwarzmaier (#11):
Besser kann man das nicht ausdrücken.

Trotzdem scheint das doch eher “Glaubenssache” zu sein.

Und bzgl der zit. “Studien” und deren Intrepertation fällt mir trotz nur 1 Sem. Statistik nicht viel mehr als Kopfschütteln ein. Vielleicht sollte man noch den Hang zu Globuli mit in die Studie einfließen lassen.

#18 |
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Als Ergänzung zum Dortmunder Schwurgerichts-Prozess: “Clash of Cultures” in der Geburtshilfe?
Dramatisch und vital bedrohlich waren für Mutter und Kind eine Becken-End-Lage mit peripartalem Mekonium-Abgang. Die Ärztin und Hebamme war zu dieser Hausgeburt mit 17-stündigem Geburtsvorgang bei Becken-End-Lage erst etwa 11 Stunden nach Wehen-Beginn erschienen. Aus selbst geäußerter ideologischer Einstellung (“wegen ihrer inneren Einstellung messe sie keine Herztöne des ungeborenen Kindes und kläre die Schwangeren nicht über bestimmte Risiken auf”) wurde sie allein deswegen verurteilt, weil sie die schwangere Patientin und ihr Kind in größter Lebensnot, Gefahr und Selbstüberschätzung nicht fachgerecht behandelt hatte. Sie hat gegen Ihre Verurteilung Revision beim Bundesgerichtshof eingelegt.

Einzelheiten und Hintergründe vgl.
http://www.aerztezeitung.de/praxis_wirtschaft/recht/article/870326/notfall-hausgeburt-aerztin-geht-revision.html

#17 |
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Wer seine Kinder wo zur Welt bringt, sollte neben allen sozio-ökonomischen Gedanken Privatsache bleiben. Wichtig ist, meiner Meinung nach, dass alle Wahl-Möglichkeiten bei guter Aufklärung möglich bleiben und es nicht passiert, dass ein ganzer Berufszweig, fast so alt wie die Menschheit, durch das Handeln von Versicherungen in den Ruin getrieben wird.
Bedenklich finde ich aber davon ganz abgesehen, wie wenig wissenschaftlich neutral in diesem hoch emotionalen Thema dieser Artikel an manchen Stellen geschrieben ist. So z.B. bei der einen möglichen Schlussfolgerung aus der Studie von de Jonge – es gibt sicherlich auch Schlußfolgerungen aus der Studie, die pro Hausgeburt sprächen, warum so einseitig?
Auch die Interpretation der Studie von Bocklehurst bleibt lückenhaft und ein wenig tendenziös. So bleibt zum Beispiel völlig unerwähnt, dass nicht nur Haus- mit Klinikgeburten verglichen wurden, sondern auch “Geburtshaus”-ähnliche hebammengeführte Einheiten in den Vergleich einbezogen wurden. Zwischen diesen und den Klinikgeburten gab es keine signifikanten Unterschiede im Risiko, wohl aber in den Interventionsraten.
Mein Vorschlag: eine vielseitigere und, wenn möglich, tiefergehende, objektive Darstellung der Fakten. Mein Wunsch für Deutschland: weiterhin Wahlfreiheit für werdende Familien und mehr hebammengeleitete “Geburts”-Häuser in unmittelbarer Nähe zu Kliniken, nach dem Beispiel Großbritanniens.

#16 |
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Rettungssanitäterin

Wenn es keine Hebammen mehr gibt,die Hausgeburten betreuen werden diese Frauen nicht in die Köinik gehen sonder zukünftig allein entbinden.
Ich möchte mal die Ärzte erleben wenn eine Frau kommt,die das CTG und Braunüle legen verweigert.

#15 |
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Birgit Hörger
Birgit Hörger

Was reden wir hier um eine Situation, die sowieso von Politik und Wirtschaft gesteuert wird. Ohne Hebammen und niedergelassene GEburtshelfer werden Schwangere gar nicht merh zuhause entbinden können. Die VErsicherungsprämien müssten erst wieder sinken und dem wirklichen Risiko angepasst werden.
Ansonsten denke ich , ist mir die Zeit zu schade, Leute zu überzeugen, die sowieso meinen, sie könnten wissen, wie es einer Frau geht bei der Geburt. Hr. Kollege Bordt, waren sie denn schon mal bei einer Hausgeburt dabei?

#14 |
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Christiane Thiele
Christiane Thiele

Die Komplikationsrate sagt noch nichts über das Outcome aus. In einer Klinik hat die Komplikation unter der Geburt für gewöhnlich weniger schlimme Folgen, da dort umgehend professionell reagiert werden kann. Als Pädiaterin rate ich von Hausgeburten stets ab. Dafür habe ich wie der Kollege Bordt schon zu viele vorher nicht zu erwartende Komplikationen wie Mekoniumaspirationen oder Kinder, die trotz aller vorher erhobenen Daten auf Grund eines Missverhältnisses im Geburtskanal stecken blieben, erlebt.

#13 |
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selbst habe ich 30 jahre als geburtshelfer in 2 kliniken der maximalversorgung gearbeitet. pro jahr ereignete sich mindestens 1 völlig überraschender geburtshilflicher notfall, der nur aufgrund des hohen organisationsgrades der kliniken glimpflich für mutter und/oder kind ausging. mütter, bringt eure kinder dort zur welt, wo man innert 5 minuten einen kaiserschnitt durchführen kann, und das neugeborene nach seiner geburt intensivmedizinisch betreut werden kann. geburtshilfe kann unvorhersehbar zur reinsten katastrophenmedizin werden. so isses!
BTY, eine Hausgeburt ist der reinste blödsinn!

#12 |
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Dr.med Klaus Schwarzmaier
Dr.med Klaus Schwarzmaier

Ich habe es oft erlebt, daß im OP ganz schnell und laut der Ruf “Notsectio im Kreßsaal” tönte. Und da war dann ein trainiertes Team unterwegs und innerhalb von Minuten konnten wir die vorher anscheinend “harmlose” natürliche Entbindung per Sectio zu einem guten Ende bringen.

1. Schwangerschaft ist keine Krankheit.
2. Eine Geburt ist etwas normales. Allerdings eine gefährliche Situation im Leben von Mutter und Kind. Niemand will mehr akzeptieren: “von 8 Kindern haben 3 überlebt und beim neunten ist die Mutter im Kindsbett gestorben”.

Somit ist Frau Winterhager zuzustimmen. Auch in einer Klinik kann man ohne “furchtbare, chrombltzene, andauernd piepsende Apparate” entbinden. Aber wenn’s brennt ist schnelle Hilfe da.

Studentin Frau Michell Holm: on y soit qui mal y pense!
Ärzte sind nicht nur geldgeilgierig! Sie sollten alle Gründe beider Seiten KENNEN. Dann Können sie (be)urteilen. Dann würden Sie möglicherweise zwar eine Richtung bevorzugen, aber nicht die Vertreter einer anderen Richtung mit billigen Argumenten abtun.
Weiterhin gutes Studium!

#11 |
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Woldemar Dorn
Woldemar Dorn

Ist doch alles ein Politikum. Die Hebammen die noch Hausgeburten anbieten werden doch schon alleinig mit den Versicherungen unter Druck gesetzt. Der Wahn nach maximaler Sicherheit… Ist doch Prima wenn alle komplikationslosen Schwangeren ins Krankenhaus rennen, da boomt ein neuer Wirtschaftszweig ! Meine 3 Kinder sind alle Zuhause geboren und das ist ein Segen auch wenn man da durchaus als verrückt erklärt wird. Meine Nr.1 wäre sonst sicherlich ein Kaiserschnitt geworden (Risiko: Es bringt Geld, schnelles eingreifen, keine Geduld, Wehentropf rauf und runter etc. und dann noch Privatversichert). Ich bin nur Dankbar das es noch solche erfahren Hebammen gibt, die sind tausendmal mehr wert als so mancher Assistenzarzt im Krankenhaus. Zumindest bei komplikationslosen Schwangerschaft sollte mehr Aufklärung stattfinden und das Vertrauen ins Leben… in die Natur…aber jedem wie es ihm gefällt und der jetzige Stand passt doch perfekt zu unserer Zeit.
Für mich.. entspannt Zuhause..mit erfahrener Hebamme… Zeit…Geduld…Liebe…ohne Druck und mit 100%Konzentration auf die Geburt…als wir wollen jetzt dies und das (Wehentropf, PDA etc). mit Ihnen machen…
Für mich ist das sicherste und das schönste Zuhause zu sein.

#10 |
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Dr.Alfred Richter
Früher gab es noch die sogenannte Beleghebamme. Sie arbeitete sowohl im Krankenhaus als auch als Hebamme in der Hausgeburt
Will sagen: Geburtshilfe in erfahrenen Händen -ob als Arzt oder als Hebamme- ist das A und O ein Kind gesund zur Welt zu bringen. Dazu bedarf es eines guten Ausbildungsstandartes. Nicht die Anzahl der in einer Klinik entbindenen Frauen ist entscheidend über die Güte in der Geburtshilfe,
sondern die Zahl der Geburten des einzelnen Geburtshelfers oder der Hebamme in deren Ausbildungszeit. Bei der heutzutage grossen Zahl an Auszubildenen in den Kliniken kann kaum noch jerner Erfahrungsschatz gesammelt werden wie bei der früheren Generation von Geburtshelfern. Lieber bringe ich mein Kind unter dem weiten Kleid auf dem Acker zur Welt, als dass man mir die Notwendigkeit einer operativen Entbindung einredet.

#9 |
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Ich finde im Gegenteil, die Entscheidung für einen Kaiserschnitt wird oft zu spät oder gar nicht gestellt, stattdessen versucht man krampfhaft das Kind per Vakuumextraktion aus dem Geburtstkanal zu ziehen und wundert sich dann, wenn man die Behandlung der Folgeschäden im HWS-Bereich im Anschluss beim Osteopathen teuer bezahlen muss, weil das Kind den Kopf nur zu einer Seite drehen kann, oder dauern spuckt. Ich hätte mir beim ersten Kind (4000g, 40+9, großer Kopf) im Nachhinein einen Kaiserschnitt geschwünscht, anstatt ein halbtotes, im Gesicht hämatomübersäätes Sterngucker-Kind (hintere HHL) mit miesem APGAR, bei schlechtem CTG nach endlosen 50 Minuten Vakuumextraktion und Dammschnitt zu bekommen. Im Anschluss konnte ich dank einer schlimmen Symphysenlockerung/-ödem 6 Monate kaum laufen und musste zur Physiotherapie. Es war keine Hausgeburt, sondern eine Klinik mit Neonatologie-Station. Ich wollte eben auf Nr.. sicher gehen! Viele der Frauen dort hatten per Vakuumextraktion entbunden, was ich für das Kind inzwischen schlimmer finde als ein Kaiserschnitt. Bei einer Hausgeburt hätte ich in die Klinik gebracht werden müssen. Evolutionsgeschichtlich werden wir uns wohl auf immer größere Menschen und damit auch auf Babys einstellen müssen, die bei der Geburt auch mal die Beckenmaße überschreiten und öfters per Sectio geholt werden müssen.

#8 |
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Angela Winterhager
Angela Winterhager

Die natürliche Geburt kann auch in der Klinik stattfinden, für den überraschenden Fall, dass etwas nicht so läuft wie gedacht ist dort vorgesorgt. Ich würde immer eine große Klinik mit Neonatologie Level 1 bevorzugen.
Diese sollten weiter zentralisiert werden, wo es Alltag ist Frühchen zu behandeln, da ist die Qualität der Behandlung geübter und die Ergebnisse besser.
( ich habe das selbst in der 32 Woche erlebt und war froh über die kompetenten Ärzte / Spezialisten einer großen Klinik)

#7 |
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Rettungssanitäterin

Nach 3 Geburten,davon die beiden ersten leider in der Klinik und einer geplanten Hausgeburt kann ich für mich folgendes Fazit ziehen,nie wieder Klinik wenn die Schwangerschaft ohne Probleme verläuft.
Kliniken und auch die Sectio mögen ihre Berechtigung haben,wenn Komplikationen auftreten.
Viele dieser Komplikationen sind allerdings auch Klinikgemacht(Einleitungen).

#6 |
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Studentin

Ich als Medizinern würde immer eine Hausgeburt bei mir machen.

Die Höhe der sectio Rate basiert doch quasi darauf, dass Krankenhäuser sich daran dumm und dämlich verdienen!
Zeitersparnis, hohe OP Kosten … – gerade bei privatpatientinnen das beste was der Klinik passieren kann.

Und den Wunsch der Mutter denkt doch niemand mehr dabei !

#5 |
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Nichtmedizinische Berufe

Unsere beiden Jungs sind beide zu Hause geboren worden und ich kann nur sagen: Schöner geht es nicht! Unsere Tochter mußte wegen Plaz. praevia per Kaiserschnitt geholt werden und es ging alles gut. Wenn vorher alles für eine komplikationslose Entbindung spricht Frau muß nicht immer in einer Klinik entbinden, schließlich sind dies Krankenhäuser und eine Krankheit ist so eine Schwangerschaft ja nicht, oder?
Grüße
Sebastian (Abrechner im Krhs)

#4 |
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Gast
Gast

Wahrscheinlich wollen Politiker weitere Möglichkeiten ausschöpfen, Geld zu sparen,
auch wenn Mutter und Kind dabei gefährdet werden.

#3 |
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Gast
Gast

Es ist doch durchaus glaubhaft, wenn alle Risikofälle in die Klinik gehen, dass es da eine Idee mehr Komplikationen geben muss.

#2 |
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Gast
Gast

was Politiker alles so regeln wollen.

#1 |
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