LMIV: Tief ins Glas geblickt

9. Januar 2015
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Ab sofort gilt die neue Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV). Ziel des europäischen Regelwerks ist, Verbraucher besser über Inhaltsstoffe zu informieren. Das Thema betrifft Apotheker, falls sie diätische Lebensmittel, Sondennahrung oder Trinknahrung im Programm haben.

Egal, ob bei Präsenz- oder Internetapotheken: Seit 13. Dezember haben Verbraucher im Rahmen der Lebensmittel-Informationsverordnung (LMIV) neue Rechte. Bereits vor Einkäufen müssen alle Pflichtangaben auf einen Blick verfügbar sein, was zu teils aufwändigen Programmierarbeiten an Websites geführt hat. Eine verpflichtende Angabe von Nährwerten folgt später. Christian Schmidt (CSU), Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, spricht von einem „Meilenstein für mehr Klarheit und Wahrheit bei der Aufmachung und Kennzeichnung von Lebensmitteln“.

Die wichtigsten Regelungen für Apotheken

  • Alle Pflichtangaben sind vom Hersteller an Gebinden gut lesbar anzubringen. Die Mindestgröße von Text liegt bei 1,2 Millimetern, bezogen auf ein kleines „x“.
  • Die 14 wichtigsten Stoffe mit allergieauslösendem Potenzial müssen im Zutatenverzeichnis nicht nur erwähnt, sondern auch hervorgehoben werden. Bei Ware ohne Umverpackung sind entsprechende Angaben vor Ort ebenfalls verpflichtend.
  • Raffinierte pflanzliche Öle und Fette müssen mit ihrem Herkunftsnamen genannt werden, zum Beispiel Palmöl oder Kokosfett.
  • Alle Zutaten, die in Form technisch hergestellter Nanomaterialien im Lebensmittel vorhanden sind, müssen im Zutatenverzeichnis eindeutig aufgeführt werden.
  • Ab dem 13. Dezember 2016 folgen einheitliche Darstellungen für Nährwerttabellen; deren Angabe ist verpflichtend. Dazu gehören der Energiegehalt, die Menge an Fett, gesättigten Fettsäuren, Kohlenhydraten, Zucker, Eiweiß und Kochsalz – normiert auf 100 Gramm oder 100 Milliliter.

Schwachpunkt Werbung

Entsprechende Angaben zur Kennzeichnung gelten nicht für Marketingaktionen – ein großes Defizit, wie Verbraucherschützer betonen. Hier steckt die LMIV mit Artikel 7 („Lauterkeit der Informationspraxis“) einen äußerst vagen Rahmen ab. Auch hat der deutsche Gesetzgeber noch keine Regelungen erlassen, wie Verstöße gegen die LMIV zu ahnden sind. Altbestände dürfen weiter abgegeben werden, neue Wareneingänge sind jedoch hinsichtlich besagter Kennzeichnungspflichten zu kontrollieren.

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1 Kommentar:

Gast
Gast

Die Deklarationspflicht ist prinzipiell zu begrüßen, sie ist etwas “allergielastig” wie bei Medikamenten. Es fehlt die Angabepflicht von gesundheitsschädlichen “Transfetten” (sehr preiswertes gehärtetes Fett). Also eher kosmetische Eingriffe.

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