Neugeborene: Calprotectin reguliert Immunantwort

19. Dezember 2014
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Eine massive Ausschüttung des Entzündungsmediators Calprotectin schützt Neugeborene vor überschießenden Entzündungen und somit schweren Erkrankungen. Er dient bei der Geburt als Regulator der Immunantwort und bremst das Immunsystem gegenüber Mikroorganismen aus.

Neugeborene haben ein vollkommen anderes Immunsystem als Kleinkinder oder Erwachsene. Es wurde bisher als „unreif“ bezeichnet. Doch eine Studie von Prof. Dr. Dorothee Viemann aus der Klinik für Pädiatrische Pneumologie, Allergologie und Neonatologie der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) spricht dafür, dass das Neugeborenen-Immunsystem sehr aktiv und auf die spezielle Situation der Geburt abgestimmt ist.

Protein mit wichtiger Rolle

Das Immunsystem von Babys, die mit einem normalen Körpergewicht nach Vollendung der Schwangerschaft auf natürlichem Weg geboren werden, schafft es, sich in angemessener Weise gegen Krankheitserreger zu wehren – also weder zu schwach, noch zu stark. Viemann entdeckte mit ihrem Team, dass für eine solche angemessene Reaktion des Immunsystems der Stoff Calprotectin entscheidend ist.

„Calprotectin ist ein körpereigener Entzündungsmediator: Akut ausgeschüttet verstärkt es zunächst Entzündungsreaktionen des angeborenen Immunsystems im Rahmen der Abwehr von Krankheitserregern. Entscheidend ist aber auch, dass es parallel und nach längerem Einwirken das Abstellen der Entzündungen einleitet, damit diese nicht zu stark ausfallen“, erläutert die Wissenschaftlerin. Es reguliert also die Entzündungsreaktion – ohne die Abwehr der Krankheitserreger zu beeinflussen.

Calprotectin bremst Immunsystem

„Wir haben beobachtet, dass mit der Geburt massiv Calprotectin ausgeschüttet und das Immunsystem von Neugeborenen dadurch in seiner Reaktion gegenüber Mikroorganismen quasi gebremst wird“, sagt Viemann. Da ihre Arbeitsgruppe nachweisen konnte, dass Frühgeborene nur wenig Calprotectin im Nabelschnurblut haben, erweist sich die Calprotectin-Freisetzung bei der Geburt als ein Regulator der Immunantwort. So erklärt die Forscherin die Tatsache, dass fast alle schweren Erkrankungen von Frühgeborenen komplexe Entzündungsreaktionen sind – beispielsweise die Sepsis.

Der Körper reagiert dann zu stark auf Erreger aus der Umwelt, das Immunsystem ist zu aktiv. „Damit keine überschießende Entzündungsreaktion stattfindet, muss Calprotectin ausgeschüttet werden. Dieser wichtige Mechanismus bereitet uns auf die Auseinandersetzung mit der Umwelt vor, die anschließend dauerhaft stattfindet“, formuliert Viemann.

Originalpublikation:

Alarmins MRP8 and MRP14 Induce Stress Tolerance in Phagocytes under Sterile Inflammatory Conditions
Dorothee Viemann et al.; Cell Reports, doi: 10.1016/j.celrep.2014.11.020; 2014

11 Wertungen (4.45 ø)

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3 Kommentare:

Gast
Gast

Nun ja, wieder etwas zu eindimensional.
Bei dem “Geburtsstress” wird ja keineswegs nur “Calprotectin” ausgeschüttet, sondern auch so ein “unwichtiges” Hormon wie Cortison,
(weniger bei Kaiserschnitt).

mfG

#3 |
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Gast
Gast

Allein das, dass unsere 4-monatiger Sohn “nur” 1x Schnupfen hatte, obwohl sein älterer Bruder (gerade 20m, Kita) hinterrücks heimlich mal immer wieder seinen Schnuller “ausborgt” und mit den ganzen Kindergartenkeimen wieder zurückgibt, versetzt mich in Staunen über diese Kleinen….

#2 |
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Kinderkrankenschwester

Die Frage stellt sich dann, inwieweit Einleitungen und Keiserschnitt die Produktion von Calprotectin beeinflussen?

#1 |
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