QMS: Geld gut verbrannt

9. Januar 2015
Teilen

Rund zwei Jahre nach Einführung von Qualitätsmanagementsystemen (QMS) sind zwei von drei Apothekern aus pharmazeutischer Sicht zufrieden. Dem gegenüber stehen höhere Kosten und ein größerer Aufwand. Nicht immer geht die Rechnung auf.

Unliebsame Herausforderungen durch die Apothekenbetriebsordnung (ApBetrO): Seit 2012 sind Inhaber verpflichtet, Qualitätsmanagementsysteme (QMS) einzusetzen. Details regelt die ApBetrO, Paragraph 2a. Ein QMS legt vor allem betriebliche Abläufe fest und dokumentiert Ereignisse. Ziel des Gesetzgebers ist, zu gewährleisten, dass Arzneimittel „nach Stand von Wissenschaft und Technik hergestellt, geprüft und gelagert werden und dass Verwechslungen vermieden werden sowie eine ausreichende Beratungsleistung erfolgt“. Jetzt wagt das Kölner Institut für Handelsforschung (IFH) einen Blick in die Praxis.

DIN macht zufrieden

An einer aktuellen Befragung nahmen rund 260 Apothekenleiter teil. Sie setzen auf DIN-Zertifikate (37,5 Prozent), Kammerzertifikate (27,3 Prozent) oder auf interne QMS-Handbücher ohne Zertifikat (36,4 Prozent). Besonders hoch ist der Anteil zufriedener Kollegen bei QMS mit DIN-Zertifikaten (20 Prozent sehr zufrieden, 58,9 Prozent eher zufrieden), gefolgt von QMS, die auf Kammerzertifikaten basieren (18,6 Prozent sehr zufrieden, 52,9 Prozent eher zufrieden).

Sichere Arzneimittel, schlanke Prozesse

Zu den Details: Für Inhaber stand an erster Stelle, Fehler zu vermeiden und die Arzneimittelsicherheit zu verbessern. Hinsichtlich dieser Punkte waren 18,3 Prozent sehr zufrieden und 54,6 Prozent eher zufrieden. Um die Kundenberatung und -betreuung zu optimieren, sehen 11,1 beziehungsweise 50,4 Prozent einen großen beziehungsweise kleineren Mehrwert. Und 13,5 beziehungsweise 40,4 Prozent sind sehr zufrieden beziehungsweise eher zufrieden mit Verbesserungen bei internen Prozessen. Dazu gehört die Möglichkeit, effizienter zu arbeiten und letztlich Geld einzusparen. Noch ein Blick auf Aspekte zur Außendarstellung: Hier waren 9,3 Prozent aller Interviewten sehr zufrieden und weitere 41,9 Prozent eher zufrieden.

Das geht ins Geld

Jenseits aller Erfolge bleiben noch Überlegungen aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Wer ein QMS mit DIN-Zertifikat hatte, sprach in 15,2 der Fälle von stark erhöhten Kosten. Weitere 61,6 Prozent gaben leicht erhöhte Kosten an. Bei QMS mit Kammerzertifikaten beklagten sich 8,5 Prozent über deutlich erhöhte Ausgaben, und bei 66,2 Prozent war von leicht erhöhten Ausgaben die Rede. Nicht zuletzt gingen interne QMS-Handbücher ohne Zertifikat bei 11,6 Prozent stark und bei 54,7 Prozent etwas ins Geld. Über alle QMS gemittelt, sparte nur jeder fünfte Inhaber Mittel ein. Drei von vier Apothekenleitern urteilten, Kosten und Aufwand des QMS stünden in keinem Verhältnis zum Mehrwert. Und zwei Drittel aller Befragten lehnten verpflichtende Umsetzungen gemäß ApBetrO ab.

22 Wertungen (4.82 ø)
, , ,

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

2 Kommentare:

Gast
Gast

Wen wundert das noch ? In anderen Branchen werden zum Teil horrende Summen für die jährliche Zertifizierung berechnet – nur um den Anforderungen der Auftraggeber gerecht zu werden. Einfach lachhaft!

#2 |
  0
Gast
Gast

Danke für den Bericht über den Zertifizierungswahn.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: