Epilepsie: Wirkstoff blockiert Resistenzbildung

16. Dezember 2014
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Eslicarbazepinacetat bindet im Tiermodell und in menschlichen Hirngewebeproben an die Natriumkanäle der Gehirnzellen, wo klassische Antiepileptika versagen. Außerdem verhindert der Wirkstoff die Chronifizierung der Anfallsschwere und -häufigkeit bei Epilepsie.

Bei rund einem Drittel der Patienten mit Epilepsie wirken die gängigen Medikamente nicht. Wissenschaftler suchen deshalb nach Wirkstoffen, die auch bei chronischer Epilepsie ihre Wirkung entfalten. Diesem Ziel ist nun ein Forscherteam der Klinik für Epilepsie des Universitätsklinikums Bonn sowie der Universität Porto einen Schritt näher gekommen.

Wirkstoffe binden an Natriumkanäle der Nervenzellen

Carbamazepin gehört zu den gängigen Medikamenten, gegen die ein Teil der Epilepsiepatienten resistent ist. Die Wissenschaftler des Universitätsklinikums Bonn untersuchten bei ihrer Fahndung nach Alternativen auch Abkömmlinge des Carbamazepins, die chemisch leicht anders aufgebaut sind. So auch das zugelassene Antiepileptikum Eslicarbazepinacetat. „Im Körper wird es zu Acetat und Eslicarbazepin, den eigentlichen Wirkstoff, zersetzt“, berichtet Prof. Dr. Heinz Beck von der Bonner Uniklinik für Epileptologie. Die Forscher zeigten an menschlichen Gewebeproben und Ratten mit Epilepsiesymptomen, dass die Wirkung von Eslicarbazepin erhalten bleibt.

Das Wirkungsprinzip von vielen Epilepsiemedikamenten ist, dass die Wirkstoffe an die Natriumkanäle der Gehirnzellen binden und dadurch insbesondere das krankhafte schnelle Feuern der Nervenzellen unterbinden. Die normale Aktivierung der Gehirnzellen wird durch die Substanzen jedoch nicht so stark beeinflusst. „Wir haben gezeigt, dass dieser Effekt bei klassischen Antiepileptika wie Carbamazepin im Tiermodell und Hirngewebe von Epilepsiepatienten verschwunden ist“, berichtet Beck. Eslicarbazepin entfaltete jedoch normale Wirkungen am Natriumkanal.

Anfallsschwere und -häufigkeit im Tiermodell reduziert

Bei Ratten und Mäusen kann sich nach einem heftigen Krampfanfall allmählich eine chronische Epilepsie entwickeln, indem sich bestimmte Strukturen im Gehirn umbilden. Die Forscher gaben den Nagern nach einem ersten großen epileptischen Anfall für nur einige Wochen Eslicarbazepinacetat. „Im Gegensatz zu unbehandelten Tieren zeigte sich, dass sich durch die frühe Behandlung in der Folge die Anfallsschwere und -häufigkeit dauerhaft reduzierte und auch weniger Nervenzellen verloren gingen“, fasst Beck die Ergebnisse zusammen.

Diese Resultate zeigten, dass Eslicarbazepinacetat ein interessanter Wirkstoff ist, der zumindest im Mausmodell und auch in Gewebeproben des Menschen unter Beweis gestellt habe, dass er die bei Patienten verbreiteten Medikamentenresistenzen überwinden und möglicherweise den Verlauf von Epilepsien günstig beeinflussen könne.

Wirksamkeit beim Menschen im Fokus

Eslicarbazepinacetat hat klinische Studien durchlaufen und ist bereits auf dem Markt als ergänzendes Medikament gegen Epilepsie verfügbar ist. „Die Herausforderung wird nun insbesondere sein zu zeigen, ob der Wirkstoff auch am Menschen die Schwere des Verlaufs und die Entstehung von Epilepsien reduzieren kann“, sagt der Wissenschaftler der Uniklinik für Epileptologie.

Originalpublikation:

Targeting pharmacoresistant epilepsy and epileptogenesis with a dual-purpose antiepileptic drug
Heinz Beck et al.; Brain, doi: 10.1093/brain/awu339; 2014

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1 Kommentar:

Arzt
Arzt

Wenn das schon am Markt ist,
sollte man für den Mensch doch schon etwas mehr wissen!
Für diese Erkrankung gibt es ganz sicher Bedarf.

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