Frontallappen: Übergewicht lässt Bahnen altern

16. Dezember 2014
Teilen

Befunde zu Leitungsbahnen des Frontallappens bei übergewichtigen Frauen ähneln denen älterer Menschen. Die Leitstrukturen altern demzufolge scheinbar frühzeitig und verringern dadurch die Weiterleitung von Signalen.

Übergewicht kann den Aufbau des Gehirns beeinflussen und seine Arbeitsweise beeinträchtigen. So ist zum Beispiel ein Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index (BMI) und Veränderungen im Gehirn, wie zum Beispiel der Großhirnrinde, bekannt. Der sogenannte dorsolaterale präfrontale Kortex, eine Region im Frontallappen der Großhirnrinde, ist an der Kontrolle unseres Verhaltens in den unterschiedlichsten Situationen des alltäglichen Lebens beteiligt, darunter auch an der Kontrolle unseres Essverhaltens.

Leipziger Forscher haben nun an einer Gruppe normal- und übergewichtiger Frauen die gewichtsabhängigen Veränderungen der Leitungsbahnen und Region des Frontallappens analysiert. Sie betrachteten dabei verschiedene Indikatoren für Übergewichtigkeit, etwa den Body-Mass-Index und den Leptinspiegel. Die Befunde im Gehirn ähneln dabei solchen bei älteren Menschen: Im Alter nimmt die Weiterleitung von Nervensignalen über diese Leitungsbahnen ab, sodass ein Nervensignal nicht so schnell vom einen an den anderen Ort gelangen kann. Dafür sind mitunter die Ummantelungen der Nervenstränge verantwortlich, die aus Myelin bestehen. Im Alter nimmt dieser Myelinmantel ab, sodass Signale nicht mehr so schnell übertragen werden können. „Das führt dazu, dass sich gewisse Denk- und Handlungsprozesse im Verlauf des Alters verändern“, sagt Burkhard Pleger, einer der Mitautoren. „Eine mögliche Interpretation unserer Ergebnisse könnte sein, dass die Struktur einiger Leitungsbahnen bei Übergewichtigen frühzeitig gealtert ist. Dies bleibt aber zurzeit noch spekulativ.“

Die Veränderung von verhaltensrelevanten Strukturen des Frontallappens bestätigen zudem die Idee, Diäten in Zukunft mit verhaltenstherapeutischen Ansätzen aus der Psychologie zu kombinieren, damit die Betroffenen lernen, auch in Zukunft ihr Essverhalten besser zu kontrollieren. „Wenn wir wissen, welche Hirnregionen und Leitungsbahnen durch Übergewicht verändert werden, lernen wir auch etwas darüber, wie Übergewicht die Arbeitsweise des Gehirns beeinflusst. Durch die Kombination einer Diät mit gezieltem Verhaltenstraining versuchen wir nun, den Betroffenen ein besseres Essverhalten beizubringen um damit langfristig das Gewicht zu stabilisieren“, sagt Pleger.

Originalpublikation:

Obesity associated cerebral gray and white matter alterations are interrelated in the female brain
Burkhard Pleger et al.; PLOS ONE, doi: 10.1371/journal.pone.0114206; 2014

17 Wertungen (4.06 ø)

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

5 Kommentare:

Dr.Bayerl
Dr.Bayerl

Richtig #3 und #4. Die DGE ist eine Schande
Z.B. die 10 Regeln:
1. Die Lebensmittelvielfalt genießen …
2. Reichlich Getreideprodukte sowie Kartoffeln …

Ich denke inzwischen, die ist industriegesponsert.

#5 |
  0

Es ist schon lange bekannt, dass z.B. erhöhter Körperfettanteil und höhere HbA1C mit verminderter Gehirnmasse und kognitiver Leistung einhergehen. Ernährungsbedingte, metabolische Schäden finden auch im Gehirn statt, genau wie in jeder anderen Körperzelle. Und dazu gehört auch ein beschleunigter Alterungsprozess. Das Wissen ist nichts neues, nur will sich keiner eingestehen, dass das die Folgen hauptsächlich der Kohlenhydratmast sind und die Empfehlungen der DGE und DGEM die Bevölkerung nur kränker machen, auf ganzer Linie. Der BDNF, der zur Regeneration und sogar zu Mobilisierung von Nervenstammzellen führt, kann beim Lebensstil der meisten auch nicht seine Wirkung entfalten. Double Whammy!
@ Gast: Leider gibt es bei uns kaum Mediziner, die etwas von Ernhährungsphysiologie, Einfluss der Makronährstoffe auf die Zeltbiologie und nahrungsbedingte hormonelle Zusammenhänge, leider auch nicht bei Kollegen der DGEM. Nicht einmal die Wirkmechanismen von Insulin scheinen richtig bekannt zu sein, sonst würde man als Diätvorschlag bei Übergewicht, Dyslipidämie oder sonst was nicht immer hören: “Essen sie weniger Fett” Man sieht ja, wo es uns hingebracht hat.
Insulin am morgen macht Kummer und Sorgen.
Schöne Feiertage!

#4 |
  0
Gast
Gast

Die Psychologen haben schon genug Unheil bei der Übergewichtsbehandlung angerichtet,
insbesondere die Giesener Gruppe mit ihren Radikalrezepten wie Optifast etc.
Das sollten also lieber richtige Ärzte machen, die etwas von Ernährung verstehen.

#3 |
  0
Jutta Weber-Karn
Jutta Weber-Karn

Es wäre doch interessant, ob die Versuchspersonen allesamt ausschließlich alimentär bedingtes Übergewicht hatten. Wurde untersucht, ob eine hypothyreote oder sonstige glanduläre Beeinflussung des Gewichts vorlag? Läge es nicht nahe, dass Übergewicht aufgrund verschiedener Ursachen auch entsprechend unterschiedliche Hirnveränderungen hervorruft – wenn’s denn wirklich so ist?

#2 |
  0
Jens-Peter Petritzki
Jens-Peter Petritzki

“So ist zum Beispiel ein Zusammenhang zwischen dem Body-Mass-Index (BMI) und Veränderungen im Gehirn, wie zum Beispiel der Großhirnrinde, bekannt.”

Der BMI allein sagt doch gar nichts aus. Schwarzenegger wäre damals adipös gewesen nach BMI Definition.

#1 |
  0


Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: