Embryonenspende: Ü-Ei sucht Adoptiveltern!

5. Januar 2015
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Verzweifelten Frauen mit Kinderwunsch, aber ohne fertile Eizellproduktion, kann seit letztem Jahr auch in Deutschland geholfen werden: Mit „übrig gebliebenen“ Embryonen anderer Kinderwunschpaare, die es eigentlich gar nicht geben dürfte.

In Spanien und Tschechien werden Wünsche nach einer jungfräulichen Geburt auch für Frauen ohne Menstruation zuverlässig erfüllt. Vorausgesetzt, die Dame oder das Paar hat genügend Ersparnisse, um sich die Prozedur der Einpflanzung eines befruchteten Embryos leisten zu können. Bis zu 5.000 Frauen oder Paare pro Jahr, so schätzen Reproduktionsexperten, nutzen diesen Embryonal-Tourismus, um sich so den Wunsch nach eigenen Nachkommen zu erfüllen.

Snowflake-Children

Rund sechs Millionen Paare in Deutschland haben einen bisher unerfüllten Kinderwunsch. Besonders dann, wenn die unzureichende Fertilität auf Seiten der Frau liegt, wird es in Deutschland schwierig. Aber auch hier könnte es, davon ist das „Netzwerk Embryonenspende“ überzeugt, in Zukunft etliche „Schneeflocken-Kinder“ geben. „Snowflake Children“ hießen die ersten Kinder in den Vereinigten Staaten, die vor knapp 20 Jahren in eine Familie mit völlig unterschiedlichem Erbgut hineingeboren wurden.

Junge Frauen, die aufgrund einer Erkrankung oder etwa einer onkologischen Behandlung keine fruchtbaren Eizellen produzieren – das sind immerhin drei bis vier Prozent aller Frauen in Deutschland – können sich seit letztem Jahr auf eine Warteliste für Embryonen anderer Paare setzen lassen. Ist das nun der Beginn eines legalisierten Menschenhandels in Deutschland? „Nein“, sagt Hans-Peter Eiden vom neu gegründeten Verein, der diesen Frauen zu einem erfüllten Leben verhelfen will.

Sechs befruchtete Eizellen für zwei Embryonen

16 Kinderwunschzentren aus Bayern und eines aus dem württembergischen Aalen haben sich zum „Netzwerk Embryonenspende“ zusammengeschlossen. Es sieht sich als Vermittler zwischen Paaren, die eine Kinderwunschbehandlung erfolgreich abgeschlossen haben und solchen, bei denen eine in-vitro-Fertilisation mit den eigenen Eizellen nicht möglich ist. Eine Eizellspende genauso wie ein „Handel“ mit Embryonen ist hier in Deutschland nicht erlaubt. Weil aber die Beteiligten dabei altruistisch, also ohne Gewinn, arbeiten, kommen sie dabei nicht mit dem Gesetz in Konflikt.

Das Embryonenschutzgesetz sagt, dass der Arzt nach der Vereinigung von Eizelle und Samen in der Kulturschale nicht mehr als drei Embryonen in den Uterus einsetzen darf, um Komplikationen bei Mehrlingsgeburten zu umgehen. Die Erfolgsrate dieser Technik liegt weit unter 50 Prozent. Daher sind meist mehr als drei Befruchtungen notwendig, um eine erfolgreiche Schwangerschaft in Gang zu setzen. „In der Regel bedarf es sechs befruchteter Eizellen oder sechs Eizellen im Vorkernstadium“, so Angelika Eder von Profertilita Kinderwunschzentrum in Regensburg, „auf dass man am Ende der verlängerten Kultur auch zwei schöne reife Embryonen generiert.“ Was aber soll mit jenen mühsam unter Hormonstimulation generierten und befruchteten Eizellen geschehen, die nicht anschließend in den Bauch der Schwangeren in spe wandern?

In Bayern sind entsprechend einer Umfrage auf diese Weise rund 28.000 Zellen im Vorkernstadium in Stickstofftanks gelagert. Das sind Eizellen, in die das Spermium eingedrungen ist und bei denen sich jeweils zwei „Vorkerne“ gebildet haben. Diese Vorkerne sind jedoch noch nicht verschmolzen. Daher handelt es sich auch nicht um einen kompletten Embryo, den der Uterus ohne vorherige in-vitro-Kultur aufnehmen würde. Die meisten dieser Reserve-Eizellen sind für weitere Versuche des möglichen Spenderpaars gedacht. Erst wenn dieses seine Familienplanung für abgeschlossen erklärt, stellt sich die Frage nach dem weiteren Schicksal dieser Zellen.

19 Jahre anonym

Zellen auf Vorrat befruchten, die für die Weitergabe an andere gedacht sind, das funktioniert bei diesem Vermittlungsangebot nicht. Das Spenderpaar bekommt keine Entschädigung. Allein die Lagerungsgebühr in den Stickstofftanks der Zentren fällt weg, sofern sich das Paar nicht schon vorher zum Auftauen dieser Zellen entschlossen hat. Diese Kostenstelle kann jedoch leicht mehrere hundert Euro pro Jahr betragen.

Vor der Weitergabe empfiehlt das Netzwerk eine externe Beratung, um sich der Konsequenzen eines weiteren „Geschwisterchens“ klar zu werden, das in eine fremde Familie hineingeboren wird. Zu einem bedingungslosen „Ja“ zur Spende gehört auch ein HIV-Test zum Schutz der Empfänger. Das Netzwerk gleicht auch die groben äußeren Merkmale wie Haar- und Hautfarbe von Spender und Empfänger ab, um das Kind und seine Eltern vor allzu neugierigen Nachfragen Unbeteiligter zu schützen. Das Risiko für ein möglicherweise behindertes Kind tragen jedoch allein die Empfänger.

Anders als etwa in den USA teilweise praktiziert, werden sich die beiden Paare niemals kennenlernen. Die Daten der Spender bleiben unter Verschluss und sind nur dem Kind nach seinem 18. Geburtstag zugänglich. Während etwa in Spanien oder jenseits des Atlantik je nach US-Bundesstaat auch alleinstehende oder lesbische Frauen auf diese Weise zu einem Nachkommen aus der eigenen Gebärmutter kommen können, ist das in Deutschland ausgeschlossen. Auch das Alter haben die Mediziner vom Netzwerk auf 45 bei der Frau und 55 Jahre beim Mann begrenzt.

Gefahr der Selektion?

Warum gibt es diese Form der Fertilisation nur in Süddeutschland? Der Vorstoß der bayerischen Reproduktionsmediziner wurde gerade von konservativen Kreisen mit viel Kritik bedacht. Das Embryonenschutzgesetz in Deutschland stammt aus dem Jahr 1990 und gehört zu den strengsten in Europa. Die Kinderwunschärzte im übrigen Deutschland wollen noch etwas warten, bis die Rechtslage klarer ist. Ein juristisches Gutachten bestätigt jedoch die Aktion des Netzwerks vor dem Gesetz. Vor einigen Monaten stellte auch die Staatsanwaltschaft München ihre Ermittlungen gegen mehrere Reproduktionsmediziner ein. Gegen sie hatte die Konkurrenz aus dem benachbarten Ausland wegen einer angeblich ungesetzlichen Befruchtung von mehr als drei Eizellen geklagt.

Dabei sind es rund ein Dutzend europäischer Staaten, die eine solche Embryonenspende erlauben. Nicht allen gelingt es jedoch, diesen Service von jeglichem Kommerz freizuhalten. Völlig anonym funktioniert etwa eine solche Spende in Tschechien. Dem Kind bleibt jedoch die Information über seine genetische Herkunft in der Regel lebenslang verwehrt. Gegen entsprechendes Entgelt ist dort auch schon die Kombination gewünschter Eigenschaften von Mutter und Vater möglich.

Katholische Organisationen in Deutschland stehen dem heimischen Weg zum Kind zwiespältig gegenüber. Einerseits rettet die Spende werdenden Embryonen das Leben, andererseits kann die Initiative, so der Augsburger Weihbischof und Mitglied des Deutschen Ethikrats, Anton Losinger, nicht zur Lösung des Problems „übrig gebliebener Embryonen“ beitragen. Außerdem bestünde dabei in Zukunft immer mehr die Gefahr einer Selektion beim Kinderwunsch.

Adoptivkind ohne Adoption?

Wissenschaftliche Umfragen in mehreren Ländern zeigen, dass die Embryonenspende besonders als altruistische Tat große Zustimmung findet. Bei Eltern mit erfülltem Kinderwunsch nach in-vitro-Fertilisation sieht das jedoch schon wieder anders aus. Besonders dann, wenn es um die Unterschrift unter einen Vertrag geht, der die eigenen befruchteten Eizellen zwar aus dem eisigen Stickstoff-Gefängnis befreit, ihren Erzeugern aber jegliches Recht nimmt, über ihr Schicksal – und ihr weiteres Leben – mitzubestimmen. Auch die Empfänger neuen Lebens müssen sich darüber klar sein, dass das Kind, das sie bekommen haben, niemals ganz ihr eigenes sein wird – auch wenn die Frau vor dem Gesetz immer die „Mutter“ bleibt. Dennoch entwickeln sich Aussehen und Persönlichkeit später einmal nicht anders als jene eines Adoptivkinds.

Trotz aller Bedenken ist das „Netzwerk Embryonenspende“ fest davon überzeugt, dass sich dieser „deutsche Weg“ innerhalb der nächsten Jahre durchsetzen wird. Anstatt nach einem ausländischen „Schwangerschaftsservice“ suchen zu müssen, könnte das „gespendete Kind“ dann einmal so selbstverständlich sein wie die Zeugung in der Kulturschale.

62 Wertungen (4.76 ø)

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35 Kommentare:

La_Luna
La_Luna

@ Anne,

ich denke, ich habe die Intention der Seite schon richtig verstanden. Allerdings habe ich bei den entsprechenden Artikeln und Kommentaren, die dort stehen, den Eindruck, dass viele der dort schreibenden Spenderkinder mit ihrer Entstehungsweise hadern und ehrlich gesagt war einer meiner ersten Gedanken: Wären die Umstände der Zeugung ungelüftet geblieben, stünden diese “Kinder” weder im Konflikt mit sich selbst, noch mit ihren Eltern. Da lt. der Homepage nur 5-10 % der aus Samenspende gezeugten Kinder von ihrer Entstehungsweise Kenntnis erlangen (und nur diese “Kinder” haben ja überhaupt die Möglichkeit, sich mit dieser Thematik auseinanderzusetzen), leben die übrigen 90 – 95 % wohl diesbezüglich völlig unbelastet ihr Leben.

Ich glaube Ihnen auch durchaus, dass den Eltern eine Last von den Schultern fällt, wenn sie die Umstände der Zeugung dem Kind offenbaren. Dass sie selbstsicherer werden (oder es viell. schon vorher waren? Denn es bedarf m.M.n. schon einer guten Portion Selbstsicherheit, um vor sich und der Umwelt zu dieser Art der Familiengründung offen zu stehen und eigene “Defizite” auf diesem Gebiet zu offenbaren. Insb. einem Mann mag dies sehr schwer fallen…). Andererseits geht es aber eben auch immer um das Kind. Nicht jeder Mensch ist möglicherweise gefestigt genug, mit dieser gespaltenen Vaterschaft zurechtzukommen? Zu Bedenken wäre auch die Reaktion des Umfeldes. Wenn das Kind z.B. dann nicht das geliebte Enkelchen, sondern der “Bastard” oder “Bankert” ist. Wenn das Kind in Kiga und Schule gehänselt wird usw. Die Studien, die Sie zitieren: stammen diese aus dem In- oder Ausland? Bedenken Sie bitte, dass andernorts die Gesellschaft offener ggü. alternativen Familien(gründungs)formen eingestellt ist. Im Gegensatz zu Deutschland sind in vielen Ländern Eizell-, Embryonenspenden und Leihmutterschaften erlaubt. Was hierzulande ein Tabu ist, ist in anderen Ländern gesellschaftlich bereits akzeptiert, so dass Wunscheltern(teile) offener mit der Thematik umgehen können, ohne für sich selbst oder ihre Kinder Stigmatisierung befürchten zu müssen.

Da dieser Artikel jedoch ein weiteres Problemfeld behandelt (das der Erzeugung überzähliger Embryonen bei Kinderwunschbehandlungen), woraufhin Sie vorschlugen, keine überzähligen Zellen im Vorkernstadium zu erzeugen, möchte ich meine Frage diesbezgl. gerne noch einmal in Erinnerung rufen:

“man soll keine Zellen im Vorkernstadium erzeugen?
Aber was soll man dann nach der Puktion mit den übrigen Eizellen tun?
Zudem: es ist nicht vorherzusagen, wie sich die befruchteten Zellen in der Kultur dann Verhalten. Wenn bei einer ICSI z.B. aus 10 befruchteten Eizellen 2 transferierbare Embryonen entstehen, kann es beim nächsten Versuch dann bei gleicher Eizellenanzahl zu 5 Embryonen kommen. Selbst erlebt. Die Ärzte sind nunmal keine Hellseher. “

#35 |
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Gast
Gast

@Glückskind, bitte keine Beleidigungen für Andersdenkende!

#34 |
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Glückskind
Glückskind

@Anne
Aus ihren Zeilen spricht pure Empathielosigkeit.
Einen unerfüllten Kinderwunsch werden sie nie gehabt haben.

#33 |
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Gast
Gast

Die Probleme sind ja nicht ganz neu durch “Fremdgehen” der Frau,
interessanterweise schützt das Gericht ja hier den bösen Schwindel.
Der Ehemann ist der gesetzliche Vater und darf auch nicht alleine “testen”.
Nun, wenn ein weißer Vater ein schwarzes Kind bekommt wird er wohl misstrauisch werden :-)

#32 |
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Anne
Anne

@ La_Luna: Schade, dass Sie die Seite so verstehen.
Die Studienlage weist darauf hin, dass die frühe Aufklärung von Kindern aus Keimzellspende sich keineswegs ungünstig auf die Eltern-Kind-Beziehung auswirkt (z.B. Blake et al. 2010). Entsprechend äußern früh aufgeklärte Kinder oft, dass die Aufklärung für sie keinen Unterschied im Verhältnis zu ihren Eltern bedeutet (Jadva et al. 2009). Die Aufklärung nimmt auch den Eltern die Last des Verschweigens und damit Spannung aus der Familie, was wohl kaum ein Nachteil ist. In einer belgischen Studie hatten aufklärende Eltern mehr Selbstsicherheit als nicht-aufklärende Eltern in ihrer Rolle entwickelt, als ihre Kinder das Kleinkindalter erreicht hatten. Bei den Eltern, die ihre Kinder dagegen nicht aufklären wollten, blieben Unsicherheiten, dass ihre Kinder über eine mangelnde physische Ähnlichkeit auf die fehlende Abstammung schließen könnten (Indekeu 2014).
Schwierigkeiten hinsichtlich der Beziehung, und insbesondere des Vertrauens zu ihren Eltern äußern hingegen diejenigen, die spät aufgeklärt wurden, oder gar nicht und die auf verschiedenste Weise selbst herausgefunden haben, dass sie durch eine Keimzellspende entstanden sind.
Daraus die Schlussfolgerung zu ziehen, Kinder (um des Kindeswohles willen) besser nicht aufzuklären, kann ich nicht nachvollziehen.
Dass die Aufklärung und der offene Umgang mit solch einer Form der Familiengründung für die Eltern persönlich nicht einfach ist und angstmachend ist, weil er den Eltern Ehrlichkeit, auch sich selbst gegenüber, abverlangt, das verstehe ich.

#31 |
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Gast
Gast

Ein Kind ist niemals “Besitz” von irgendjemand, auch nicht das Selbsterzeugte.
Es “gehört” den Eltern allenfalls “leihweise” bis zur Volljährigkeit.
Man kann ethisch allenfalls diskutieren, von mir auch festlegen, ab wann ein Kind ein Kind genannt werden muss.
Hier darf man rechtlich und scheinheilig politisch nicht ganz unterschiedliche Maßstäbe für Abtreibung und Kinderwunsch schaffen.
Verantwortlichkeit einschließlich finanzieller Haftung muss aber gleichzeitig gesetzlich geregelt sein, in dem Augenblick, wo ein Gericht meint, es gäbe keinen Anonymitätsschutz.
Das ist wohl nicht der Fall und ein ganzes Bündel von individuelle Verträgen kann das auch nicht ganz ersetzen.
Hier ist der Gesetzgeber gefragt:
Wer A sagt muss auch B sagen.

#30 |
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La_Luna
La_Luna

@ Anne

man soll keine Zellen im Vorkernstadium erzeugen?
Aber was soll man dann nach der Puktion mit den übrigen Eizellen tun?
Zudem: es ist nicht vorherzusagen, wie sich die befruchteten Zellen in der Kultur dann Verhalten. Wenn bei einer ICSI z.B. aus 10 befruchteten Eizellen 2 transferierbare Embryonen entstehen, kann es beim nächsten Versuch dann bei gleicher Eizellenanzahl zu 5 Embryonen kommen. Selbst erlebt. Die Ärzte sind nunmal keine Hellseher.

Die Homepage, auf die Sie verlinken, festigt in Kombination mit Ihren Kommentaren meine Meinung, Kinder aus Gametenspende lieber gar nicht erst aufzuklären, wenn ich ehrlich bin… Wer hat schon Lust, sich nach langer und schmerzhafter Kinderwunsch”karriere” als berechenbarer Egoist hinstellen zu lassen und zu riskieren, sich das Verhältnis zu seinem Kind zu versauen. Man hat beim Querlesen auf der HP als Kinderwunschpatientin das Gefühl, ein eiskaltes, berechenbares Monster zu sein.Dann lieber schweigen und hoffen, dass es niemals aufkommt.

#29 |
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Anne
Anne

@Gast #26: Faktenbehauptungen bitte mit Quellen untermauern. Die Spendenbereitschaft ist in Deutschland keineswegs zurückgegangen. In Großbritanien hat sie sich seit Aufhebung der Anonymität der Spender 2004 sogar mehr als verdoppelt: http://www.spenderkinder.de/aufhebung-der-anonymitat-aus-fur-die-samenspende-in-deutschland/

@Glückskind: Die Elternqualität steht m.E. in keinem Kausalzusammenhang mit der Intensität eines Kindeswunsches. Sich einen Kinderwunsch auch gegen Widrigkeiten zu erfüllen, zeigt lediglich, dass die Realisierung eigener Wünsche intensiv verfolgt wird. Wieviel Raum daneben für die Wünsche und Bedürfnisse des entstehenden Menschen bleibt, ist sicherlich sehr verschieden.

Wenn das Verwerfen imprägnierter Eizellen solch ein ethisches Problem darstellt, könnte man es auch in Erwägung ziehen, diese Situation nicht entstehen zu lassen, indem man sich gegen die Erzeugung von Zellen im Vorkernstadium entscheidet.

Wenn das “abgegebene Kind” von den abgebenden Eltern gewollt wäre, würde es nicht abgegeben werden. Auch wenn das Kind aus finanziellen Gründen nicht mehr von den biologischen Eltern gewünscht wird, ist das eine Entscheidung gegen das Kind und für bessere finanzielle Verhältnisse. Wie das Kind wohl später darauf reagieren mag und wie das sein Verhältnis zu seinen biologischen Eltern und Geschwistern beeinflusst? Hoffentlich wird es glücklich damit, den Kinderwunsch seiner Wunscheltern befriedigt zu haben.

#28 |
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Glückskind
Glückskind

Jede Frau mit jahrelangem Kinderwunsch wird sich i. d. R. besser um dieses “gespendete” Kind kümmern als viele Mütter, die ungewollt schwanger werden. Das verwerfen von befruchteten Eizellen stellt für Paare mit Kinderwunsch teilweise ein so ethisches Problem dar, dass man sich fragt, was einen mehr belastet: das Kind was man sich wünscht und ohne medizinische Unterstützung nicht entstehen würde, oder der Fall, dass befruchtete Eizellen danach vernichtet werden müssen. Ich würde präferieren, dass meine Eizellen bei einem Paar landen, was sich nichts mehr wünscht als ein Kind.
Die Behauptung, das “abgegebene” Kind wäre nicht gewollt halte ich für falsch. Der Vernichtung des “Menschens” möchte ich doch mit der Spende entgegenwirken. Finanziell ist halt nicht immer Luft für Kind Nr. 4, 5 und 6 wenn die vorangegangenen Kinderwunschbehandlungen positiv verlaufen sind.

#27 |
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Gast
Gast

Nachdem die Rechtsprechung den Samenspender für Nachwuchs praktisch haftbar gemacht hat, sehe ich die Sache nicht so optimistisch mit der “Freigabe”.
Samenspenden sind verständlicherweise damit drastisch zurückgegangen.

#26 |
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Heilpraktikerin

Wer sich mit dem Thema unerfüllter Kinderwunsch beschäftigt, weiss wie hoch der Leidensdruck der Betroffenen ist. Daher finde ich es unverschämt eine Beschäftigungstherapie o.ä. zu unterstellen. Ausserdem ist es meiner Meinung nach absolut nicht so, dass “übriggebliebene” Embryonen von ihren Familien nicht gewollt sind. Aber es werden nunmal mehrere Eizellen entnommen und befruchtet- das ist auch gut so, denn Hormonbehandlung und der Weg bis zur entnommenen Eizelle, etwaige Fehlgeburten nach Einsetzung usw. sind für die Betroffenen nicht gerade Lustig und die Erfolgsquote ist nunmal nicht so hoch um nur mit ein oder zwei Embryonen arbeiten zu können. Also kann man doch diesen übrigen Embryonen die Chance geben ein absolutes Wunschkind zu werden. Und wer sagt man solle doch dann lieber ein Kind adoptieren hat sich noch nie mit einerm Adoptionsverfahren in Deutschland befasst.

#25 |
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Muss so etwas sein? Pro Tag wächst die Weltbevölkerung um fast 300.000 Menschen! Und dann wieder Menschen ohne Identität, zum Zeitvertreib und zur Beschäftigungstherapie der Stiefväter/Stiefmütter – ein fragwürdiges Experiment!

#24 |
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Christina
Christina

Ich stelle mir vor, ich wäre ein junger Mensch, der weiß, dass er als Embryo gespendet wurde und nicht in der Familie aufwächst, die ihn “gemacht” hat. Ob ich das als “Kränkung” empfinde, hängt doch wohl vor allem davon ab, wie ich mein Leben selber empfinde. Bin ich mit liebevollen Menschen aufgewachsen, konnte ein gutes Selbstwertgefühl entwickeln und betrachte das Leben als etwas Schönes – wo bitte ist das Problem? Ich lebe gerne und bin dankbar, dass mir der Zufall das ermöglicht hat!

Bin ich ein unglücklicher Mensch und habe tausende von Sorgen und Problemen, habe schlimme Dinge erleben müssen und fühle mich ungeliebt – dann ergeht es mit ganz genauso wie allen Anderen, die sich JETZT in einer ähnlichen Situation befinden, ganz egal, ob ich alleine in einem Slum, im Waisenhaus, in der leiblichen Familie oder einer anderen Konstellation aufgewachsen bin, die eben ungeeignet dazu war, mich so zu formen, dass ich gerne lebe!

LEBEN ist RISIKO, das ist halt so!

Dieses Argument “man soll doch bitte nicht vorsätzlich Situationen schaffen, die später möglicherweise schwer zu erklären sind” von “Anne” und “Sabine Böker”, ärgert mich sehr. Ich empfinde es als zutiefst pessimistisch, lebensfeindlich und lähmend. Das ist für mich keine “ETHIK”, sondern feige. Ist es ethisch wirklich besser, ein Leben existiert niemals, als eine Chance auf Erfüllung zu haben ??? Das Lebensrisiko eines gespendeten Embryos, der ein “Wunschkind” werden darf, halte ich in dieser Welt für vergleichbar gering!

Wir sollten lieber eine Gesellschaft anstreben, in der Menschen nie mehr sagen müssen “Ach wäre ich doch nie geboren” statt “ich mache das Beste daraus”.

#23 |
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Katharina
Katharina

@ Herrn Lederer

Leider stolpert man auch hier wieder mal über tendentiöse Ausdrücke, wie
“Embryonal-Tourismus”, “legalisierter Menschenhandel”, “eisiges Stickstoffgefängnis”, “ausländischer Schwangerschaftsservice”.
Sie werden zwar zum Teil revidiert, aber ob das bei allen Lesern so ankommt?

[quote]Dabei sind es rund ein Dutzend europäischer Staaten, die eine solche Embryonenspende erlauben. Nicht allen gelingt es jedoch, diesen Service von jeglichem Kommerz freizuhalten. Völlig anonym funktioniert etwa eine solche Spende in Tschechien. Dem Kind bleibt jedoch die Information über seine genetische Herkunft in der Regel lebenslang verwehrt. Gegen entsprechendes Entgelt ist dort auch schon die Kombination gewünschter Eigenschaften von Mutter und Vater möglich.[/quote]
Und das hier stimmt so nicht, denn es kostet gleich viel, egal ob man sich die Haar- und Augenfarbe und die Blutgruppe oder die Körpergröße und den Bildungsstand aussucht. Manchen Paaren ist das völlig egal, die zahlen aber das Gleiche. Was daran soll Kommerz sein, wenn es gleich viel kostet, Merkmale auszuwählen oder nicht? Das Netzwerk Embryonenspende gleicht doch auch Merkmale des Spenderpaares mit dem Empfängerpaar ab.
[quote]Das Netzwerk gleicht auch die groben äußeren Merkmale wie Haar- und Hautfarbe von Spender und Empfänger ab, um das Kind und seine Eltern vor allzu neugierigen Nachfragen Unbeteiligter zu schützen. [/quote]

Das hier stimmt auch nicht so ganz:
[quote]Zu einem bedingungslosen „Ja“ zur Spende gehört auch ein HIV-Test zum Schutz der Empfänger.[/quote]
Ja, es wird ein HIV-Test gemacht, aber nicht explizit zum Schutz der Empfänger.
Der HIV-Test wird zunächst mal nicht gemacht, um spätere Empfänger zu schützen, sondern weil es gesetzlich vorgeschrieben ist, dass dieser Test bei Gewebeentnahmen gemacht werden muss. Das ist im Transplantationsgesetz geregelt.

Bevor die am Ende übrig gebliebenen Embryonen überhaupt entstanden sind, wurde schon ein Test gemacht, weil Gewebe überhaupt nur unter diesen Bedingungen entnommen und übertragen werden darf. Man kann einen weiteren Test ca. ein halbes Jahr nach dem Einfrieren machen, aber da geben die meisten Paare ihre Embryonen wohl noch nicht ab, eher nach ein paar Jahren. Und wenn sie nach Jahren HIV-positiv sind, kann das auch nach der Befruchtung der EZ geschehen sein und steht daher nicht in einem Zusammenhang mit den eingefrorenen Embryonen.
Ein HIV-Test beim Spenderpaar, der zwei, drei oder fünf Jahre nach der Gewebeentnahme gemacht wird, sagt nichts über eine Infektion zum Zeitpunkt der Gewebeentnahme und Befruchtung der Embryonen aus.

Es ist ja schön, dass es hier in D jetzt die Möglichkeit gibt, übrig gebliebene Embryonen zu spenden bzw. zu empfangen, aber mich stört diese Wertung, sie unterschwellig mitschwingt, dass das besser sein soll als der “ausländische Schwangerschaftsservice”. Es gab vor ein paar Jahren noch nicht diese Möglichkeit, man konnte nur ins Ausland fahren. Daher ist es eine Möglichkeit unter mehreren und sollte nicht so hervorgehoben werden, weil es Paare verletzt, die vor einigen Monaten oder Jahren eben nicht diese Möglichkeit nutzen konnten. Bei mir kommt es so an, dass das Netzwerk sich über die ausländischen Möglichkeiten stellt und diese aus den verschiedensten Gründen abwertet.

Auch wenn viel über Ethik und Menschenwürde diskutiert wird, so ist es doch schlichtweg Realität, dass jährlich Tausende deutscher Paare die Landesgrenzn in einem geeinten Europa überschreiten, um die medizinischen Möglichkeiten zu nutzen, die dort ganz legal angeboten werden und gesetzlich geregelt sind. Dass Menschen, die diesen Schritt gegen müssen, weil Ihnen hier in Deutschland wegen der Gesetzeslage nicht geholfen werden kann, ihren Kinderwunsch zu erfüllen, soviel Gegenwind entgegenschlägt, ist nicht menschenwürdig und ethisch bedenklich, weil sie als Minderheit und gesellschaftliche Randgruppe wenig Rückendeckung haben, sondern noch mit bösen Kommentaren überschüttet werden. Was hier so verwerflich und ethisch bedenklich sein soll, ist in vielen angrenzenden europäischen Ländern alltäglich.

Das Auskunftsrecht betreffend bin ich zuversichtlich, dass eine gesetzliche Regelung zugunsten der Kinder gefunden wird, wie es kürzlich auch bei der Samenspende geschehen ist.

#22 |
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Arzt
Arzt

@Dr. Dr. Ernst Heissler “Der Staat” ist der natürliche Feind der Familie.

#21 |
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Anne
Anne

@ Herr Dr. Dr. Heissler, ja, ich halte es tatsächlich für Aufgabe des Staates auch ethisch Stellung zu beziehen und Werte (wie z.B. die Wahrung der Menschenwürde) z.B. in Form von Gesetzen zu verankern. Bei der Embryonenadoption entscheiden Wunscheltern, abgebende Eltern und vermittelnde Ärzte nicht nur über sich selbst, sondern auch darüber, einem weiteren Menschen eine sehr herausfordernde Entstehungsgeschichte zuzumuten. Für die Grenzen der Zumutbarkeit zum Schutze der Menschenwürde wünsche ich mir gesetzliche Regelungen, die es in anderen Bereichen (z.B. Verbot der Leihmutterschaft) auch gibt. Die Erfüllung des Kinderwunsches über eine Embryonenadoption ist psychosozial eine höchst ambivalente Angelegenheit. Selbst wenn die annehmenden Eltern dem Kind alles “bieten”, was in ihrer Macht steht, muss sich das Kind mit der Tatsache arrangieren, dass es von einem anderen Paar abgegeben und nicht als Kind gewollt wurde. Das ist eine tiefe Kränkung – egal, wie gut es die annehmenden Eltern meinen. Bei einer Adoption bereits geborener Menschen lässt sich diese Kränkung nicht vermeiden, da geht es wieder darum, das Beste aus einer, durch unglückliche Umstände, schlechten Situation zu machen.

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@ Anne Für Sie ist es offenbar ethisch, dass der Staat sich da einmischt. Ich denke hier entscheiden erwachsene Menschen sich sehr verantwortlich und wrden dem Kind alles an Entwicklungsmöglichkeiten bieten, was in ihrer Macht steht. Warum also so etwas verbieten???

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@ Arzt eine sehr eigenartiger Beitrag von Ihnen. Der deutsche Staat tut sehr viel für Familien und Kinder, die in diesem Land in aller Regel wohlbehütet und sicher aufwachsen können.
Ob ein Verbot der Abtreibung “moralischer” ist als deren Zulassung unter bestimmten Bedingungen wurde in extenso diskutiert und unser Staat hat dafür eine Lösung gefunden, die einen Kompromiß darstellt. Anders geht es in so schwierigen Fragen nicht. Es ist sehr einfach einen vermeintlch ach so moralischen Standpunkt einzunehmen, der dann zu sehr viel leid im wirklichn Leben führt. Darüber sind wir zum Glück hinweg und suchen einen menschlichen Weg.
Woher nehmen Sie das Recht sich über Kinder in Patchwork oder gleichgeschlechtlichen Beziehungen zu stellen. Da frage ich mich welche “Moral” Sie vertreten. issenschaftlich ist Ihre Meinung ohnehin nicht zu unterstützen. Patchwork Familien sind so alt wie die Menschheit. In früheren Zeiten starb ein Elternteil sehr oft sehr früh, so dass es zum Patchwork schon deshalb kommt. Darin habe ich persänliche erfahrungen. Meine Muter starb sehr früh. Mein Vater hat wieder geheiratet. Meine zweite Mutter ist mir eine sehr wichtige Person in meinem Leben geworden. Sie hat mir die verstorbene Mutter ersetzt. Denken Sie nach bevor Sie blind andere Menschen herabsetzen.
Was haben Sie gegen gleichgeschlechtliche Paare, die Kinder haben? Wo haben Sie da ein Problem.
Die Embryonenspende ist eine weitere Möglichkeit. Niemand muss das machen. Für den einen oder anderen ist das aber sicher ein Möglichkeit und für ein Kind die Chance geliebt und gewünscht aufzuwachsen.

#18 |
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Bettina Klenke-Lüders
Bettina Klenke-Lüders

Es ist unerlässlich, das Auskunftsrecht des Kindes über die Hintergründe seiner leiblichen Herkunft zu verankern, will man nicht erneut die gleichen Fehler der anonymen Adoption oder der anonymen Samenspende wiederholen. Die psychologische Forschung weiß inzwischen durch Generationen von Adoptivkindern und auch durch Samenspende gezeugter Menschen, wie essentiell das Wissen um die genetischen bzw. leiblichen Eltern für eine gesunde Identitätsentwicklung ist. Diese Erkenntnis muss auch bei dem Zukunftsthema Embryonenspende berücksichtigt werden und lässt ohne Zweifel keine gute Prognose für ein anonymes Vorgehen erwarten. Gut zu wissen: in Deutschland gehört es zu den Persönlichkeitsrechten eines Menschen seine genetische Herkunft zu kennen. Dieses Recht leitet sich aus den Grundrechten ab! Für die Samenspende wurde im Februar 2013 ein wegweisendes Urteil verabschiedet: ein Spenderkind, inzwischen eine junge Frau, hat durch das OLG Hamm gegen einen Reproduktionsmediziner Recht bekommen, der seinen Samenspendern Anonymität zugesichert hatte. Der Mediziner ist verpflichtet worden, der Frau Auskunft über ihren genetischen Vater zu erteilen. Damit sich diese juristischen Auseinandersetzungen nicht beim Thema Embryonenspende wiederholen, muss aus Fehlern der Vergangenheit gelernt werden, d.h. eine anonyme Embryonenspende darf es im Interesse des Kindes nicht geben. Und wovor Angst haben? Die vielen geglückten Biografien von inzwischen erwachsenen Adoptivkindern und durch Samenspende gezeugten Menschen zeigen eines sehr deutlich: die Kenntnis der genetischen Wurzeln bzw. leiblichen Eltern schmälert die Liebe zu den sozialen Eltern nicht – im Gegenteil. Soziale Eltern, die ihrem Kind ermöglichen ein positives Selbstbild zu entwickeln, indem sie nicht einen Teil von sich selbst unterdrücken müssen, wissen, wie wertvoll diese zwar anspruchsvolle aber doch so lohnende Aufgabe ist.

Bettina Klenke-Lüders
Dipl.-Pol.
Systemische Beraterin & Familientherapeutin
http://www.kinderwunschberaterin.de

#17 |
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Arzt
Arzt

Für moralische Argumente hat “der Staat” seit Zulassung der Abtreibung ganz sicher jegliche Berechtigung verloren und es wirkt eher peinlich, welche “Schwierigkeiten” der nachwuchswünschenden “Familie” heute noch gemacht werden.
Der Staat ist auch eindeutig NICHT familienfreundlich, auch wenn das im Grundgesetz steht. Patchwork und Homoehe oder ganz alleine ist kein (geplanter) vollwertiger Ersatz aus Sicht des Kindes.
Moral ist hier sicher, wenn sie ernst gemeint ist, immer kinderorientiert zu sehen.
Adoption, die so alt ist wie die Menschheit und die IVF ist zweifellos in Deutschland eher katastrophal erschwert (auch medizinisch!).
Trotzdem ist aus dieser Sicht nicht ersichtlich welchen Vorteil nun die Implantation eines fremden Emryos haben sollte. Siehe @Andreas Rheinländer und #5. Das hört sich eher wie Experimente an oder Verzweiflung, als gäbe es keinen anderen Weg.
“Der Staat” sollte das eher als Appell sehen, Adoption in Deutschland zu erleichtern, man hört da wirklich nur schlechtes und ebenso die IVF auf den Stand bringen, den er im nahen Ausland schon lange hat (z.B. Österreich).

#16 |
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Anne
Anne

Lieber Herr Dr. Schwarzmaier, (und alle anderen)

alles zu erlauben, nur weil es irgendwo auf der Welt passiert – legal oder illegal, halte ich für keine gute Idee (und so haben Sie es vermutlich auch nicht gemeint). Selbstverständlich treffen auch auf herkömmliche Weise entstandene Menschen häufig auf ungünstige Lebensverhältnisse und problemfreie Leben würden keine Entwicklung ermöglichen. Absehbar problematische Situationen aber bewusst zu erzeugen, das halte ich für ethisch bedenklich. Sicher gedeihen auch Kinder in Patchworkfamilien und zur Adoption freigegebene Menschen nehmen nicht notwendigerweise seelischen Schaden – glücklicherweise! Diese Familienkonstellationen sind in der Regel aber nicht so geplant, sondern eben durch ungünstige Lebensumstände eingetreten.
Bei der Embryonenadoption wird dem entstehenden Menschen bewusst eine psychisch extrem herausfordernde Entstehungsgeschichte zugemutet. Frau Böker führt das etwas weiter aus. Nicht verhindern zu können, dass andere Länder dies offenbar für vertretbar halten und erlauben, ist die eine Sache. Dies deswegen selbst auch zuzulassen oder gar zu erlauben, könnte man böse als Ethikdumping bezeichnen.

#15 |
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Dr.med Klaus Schwarzmaier
Dr.med Klaus Schwarzmaier

Ein interessantes – und schwieriges Problem.
Ich bin überzeugt, daß auf Dauer immer alles was machbar ist, auch gemacht werden wird. Wenn nicht hier, dann eben anderswo. Wenn nicht legal, dann eben illegal. So wie es früher “Abtreibungstourismus” gegeben hat und noch gibt.
Die daraus entstehenden psychosozialen Probleme – groß oder klein- müssen dann eben irgendwie gelöst werden.
Genauso wie Probleme ‘irgendwie’ gelöst werden müssen wenn Papa und Mama sich plötzlich laut oder leise trennen. ( finanziell, sozial, wohnen, Freunde, Zeit…..)
Adoptierte oder Embryonen gespendete Kinder können in einer liebevollen, umsorgten “reichen” ( Essen, trinken, wohnen, lernen, Freude…..) Umgebung aufwachsen , geradeso wie “natürliche” Kinder in schrecklichen Verhältnissen aufwachsen können.
Wer will vorher – und wie- beurteilen, welchen Kindern es übers Leben gesehen besser gehen wird?
“Embryonentransfer” zu verbieten, weil es Probleme geben könnte wird nicht durchführbar sein.

Was also ???

#14 |
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Student der Humanmedizin

Lieber Herr Dr. Lederer,

nur weil die epigenetischen Implikationen nicht abschließend erforscht sind, können sie nicht einfach außen vor gelassen werden. Nicht jeder in der Leserschaft kennt die Zusammenhänge.

Vielmehr wäre es gerade zu relevant gewesen diesen Aspekt anzusprechen und zu fragen, ob diese Art der “Spende” nicht sogar bisher noch nicht vorhersehbare Auswirkungen auf Mutter und Kind haben: von epigenetischen Einwirkungen auf das Kind über immunologische Wechselwirkungen zwischen beiden bis hin zum Mikrochimärismus.
All das tritt bei jeder Mutter-Kind-Interaktion auf, hier jedoch könnte es eine andere Qualität besitzen.

Der Vergleich mit Adoptivkindern ist daher vollkommen fehl am Platze, da diese keinerlei biologische Interaktion mit der Adoptivmutter zeigen, sondern lediglich eine psychosoziale.

#13 |
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Medizinjournalist

Lieber Herr Rheinländer,
Daran hatte ich auch schon gedacht, als ich den Artikel geschrieben habe. Sicher treten bei der Entwicklung im Uterus auch Modifikationen im Erbgut des Embryos auf, die mit der spezifischen Umgebung (Ernährung in der Schwangerschaft, Gesundheitszustand der Mutter etc) zu tun haben, aber zum einen ist weitgehend unbekannt, was dabei genau geschieht und zum zweiten verändert natürlich die spätere Umgebung des Kindes (also Zuhause, Erziehung) genauso das Genom – und das auch bei Adoptivkindern, die erst nach ihrer Geburt in eine neue Familie kommen.
Daher habe ich bei den “genetischen Unterschieden” zwischen implantierten Embryo und seinen neuen Eltern die Epigenetik einmal aussen vor gelassen.

#12 |
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Student der Humanmedizin

Eine Aussage ist nicht ganz zutreffend: Aussehen und Persönlichkeit sind nicht vollständig genetisch prädeterminiert.

Durch die Einpflanzung in den Uterus kommt es zu zahlreichen Zell-Zell-Interaktionen, die sehr wohl Einfluss auf den Phänotyp sowie die Persönlichkeit haben (können) – vor allem durch epigenetische Modifikationen.

#11 |
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Gesundheits- und Krankenpflegerin

Gute Aussichten, ich bin der Meinung, dass die Gesetze zugunsten eines Kinderwunsches einzelner unbedingt in JEDE Richtung verändert werden müssen. Ich habe mich nach dem Tod meiner leiblichen Kinder furchtbar abstrampeln müssen, meine drei Kinder zu adoptieren. Dazu musste ich die halbe Welt bereisen, um an meine Kinder zu kommen, denn in Deutschland wollte man mir keine geben. In Brasilien hatte ich Glück und habe dort meine drei geholt. Mir wurden allerdings noch Jahre später immer wieder Steine in den Weg gelegt. Meine damals frisch geborenen Kinder sind heute 22, 25, 25 Jahre alt und von meinem Gefühl her macht das keinen Unterschied zu meinen leiblichen Zwillingen, die im Alter von knapp 12 Jahren verunfallt sind, denn ich liebe alle fünf gleich tief. Ich begrüße jedenfalls das Netzwerk sehr und hoffe auf ganz viel Erfolg.

#10 |
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Gast
Gast

Noch einmal, IVF ist eine ganz andere Hausnummer, das sind mit Recht “eigene Kinder”, die Häufung ist schlicht bedingt durch die allgemein spätere Schwangerschaft,
“gesellschaftsbedingt”. Man muss das nicht unbedingt negativ sehen, da ja auch die Lebenserwartung enorm gestiegen ist, was von der “Gesellschaft” imho noch lange nicht angemessen “verarbeitet” ist. Denn es wird zu negativ gesehen, als ob Alter eine Krankheit wäre.

mfG

#9 |
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Sabine Böker
Sabine Böker

Ist alles was machbar ist, auch sinnvoll?
Wie und wann wollen die Eltern ihrem Kind erklären, dass sie gar nicht wirklich die Eltern sind….das der Aufenthalt im Bauch der vermeidlichen Mutter nur Zufall war….das gerade dieser Embryo gewählt wurde und kein anderer…

Ist es nicht egoistisch von dieser Mutter, nur um selbst schwanger zu sein,nur um ein Kind in ihrem Bauch zu fühlen, einen künstlich gezeugten Embryo zu wählen, der aber eines Tages ein Kind sein wird, von dem, weder die vermeidlichen Eltern wissen, warum es so aussieht wie es aussieht, von wem es welche Talente oder Eigenschaften geerbt oder aber, im schlimmsten Fall warum es eine event. Erkrankung hat, noch wird das Kind wahrscheinlich niemals herausfinden, nach wem es wohl kommt und ob es noch Geschwister hat oder nicht…..ja, und was, wenn das Kind seine Eltern ausfindig macht, eine Familie trifft, mit der es genetisch verwandter ist, als mit seiner eigenen, die es aber gar nicht will oder je gewollt hat…..
Eine Samenspende ist schon schwer zu erklären….einen Vaterspender und einen Kümmervater, aber, zumindest eine leibliche Mutter….aber, ein Embryo irgendwo aus dem Tiefkühlfach….
Allein, der Gedanke, ein künstlich gezeugter Mensch,der erst einmal “übrig” ist und dann doch noch Verwendung findet ….es muß schon alles mehr als optimal laufen, damit, dieses Kind kein psychisches Trauma erleidet.

Und….auch lesbische Frauen könne Kinder adoptieren oder einfach, sich einen netten Erzeugervater suchen, der das Kind dann aber auch begleitet in seinem Leben…es ist eben nicht alles einfach….

Ich habe drei gesunde eigene Kinder, dafür bin ich unglaublich dankbar, wir haben dafür aber zwei Väter…..beide kümmern sich um ihr Kind/er und sind liebevoll zu dem / den nicht eigenen…..schon das, ist nicht selbstverständlich und hat viel Arbeit und Kraft gekostet, eine, für alle gute und harmonische Patchworksituation herzustellen….ich mag gar nicht darüber nachdenken, einem meiner Kinder erklären zu müssen, dass, es zwar in meinem Bauch war, aber eigentlich…….

#8 |
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Lieber Herr Lederer,

vielen Dank, für die neuen Zahlen 1,5-2,0 Mill. Kinderloser.

Anmerk.: Diese haben nicht alle eine “medizinisches Problem”, insbesondere kommen vielfach psychosoziale Faktoren zum tragen, u.a. kein Partner, keine Planungssicherheit im Beruf u.a. . Bezüglich der medizinischen Anwendungen reproduktionsmedizinischer Zyklen eine spannende Arbeit: Esme I Kamphuis PhD student1, S Bhattacharya professor2, F van der Veen professor1, B W J Mol Are we overusing IVF? The indications for IVF have expanded from tubal disorders to many causes of subfertility, includingunexplained. BMJ 2014;348:g252 doi: 10.1136/bmj.g252.

#7 |
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Medizinjournalist

#3 Liebe Frau Prof. Kowalcek,

Vielen Dank für Ihre Berichtigung. Da ist mir tatsächlich ein Fehler unterlaufen und ich hatte mich (was man als Journalist nicht machen sollte) auf eine unzuverlässige Quelle verlassen. Nach angaben der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie dürfte es zwischen 1,5 und 2 Mio. Paare sein, die einen unerfüllten Kinderwunsch haben.

#6 |
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Gast
Gast

Ehrlich gesagt,
wenn es ganz fremd ist, weder Papa noch Mamma,
warum nicht konventionelle Adoption?
Empfänger-Mamma geht ja auch ein gewisses Risiko ein.
Die Eltern würde ich mir in beiden Fällen ansehen.

#5 |
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Dr. Petra Thorn
Dr. Petra Thorn

Mit großem Interesse habe ich als Familientherapeutin, die seit über 20 Jahren psychosoziale Beratung für Paare mit Kinderwunsch anbietet, diesen Artikel gelesen. In der Tat gibt es in Deutschland – wie in vielen Ländern- sehr viele kryokonservierte, befruchtete Eizellen, und viele davon werden mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht mehr verwendet, da das Paar seinen Kinderwunsch erfolgreich abgeschlossen hat. Jedoch sind lt. den momentanen Studien nur wenige Paare bereit, „ihre“ befruchteten Eizellen tatsächlich anderen Paaren zu spenden. Der Hauptgrund liegt darin, dass sie sie als „ihre Kinder“ erachten und als Vollgeschwister ihrer bereits geborenen Kinder. Die Paare, die sich für eine Spende entscheiden, sollten in der Tat im Vorfeld eine psychosoziale Kinderwunschberatung durchführen, um vor allem zu klären, wie sie mit der Spende in ihrem sozialen Umfeld (die Eltern, die Freunde) und vor allem gegenüber ihren Kindern umgehen (erfahren die Kinder davon, dass sie Vollgeschwister in einer anderen Familie haben?). Für die Paare, die die Spende annehmen, entstehen ähnliche Fragestellungen, hinzu kommt die Aufklärung des Kindes über seine Entstehungsgeschichte. Wie bei einer Zeugung nach Samen- oder Eizellspende ist eine frühzeitige Aufklärung dieser Kinder sinnvoll, damit sie nicht mit den Belastungen eines Familiengeheimnisses aufwachsen und sie (bei einer späten Aufklärung) keine Identitätskrise erleben.

Dass die Embryonenspende in Deutschland nur anonym durchgeführt werden kann, ist nicht korrekt. Dies ist die (momentane) Vorgabe des Embryonennetzwerkes. Denkbar ist bei vorheriger Zustimmung aller vier Beteiligten, dass sich das abgebende und annehmende Paar kennenlernen (wie dies z.B. in Neuseeland seit einigen Jahren praktiziert wird) und somit selbst entscheiden können, ob sie die befruchtete Eizelle an eine bestimmtes Paar spenden, bzw. diese von einem bestimmten Paar annehmen. Immerhin sind beide Paare bei einer erfolgreichen Spende durch das Kind miteinander verbunden – unabhängig davon, ob das Kind später Kontakt zu den biologischen Eltern sucht oder nicht.

Die Embryonenspende kann durchaus für alle Beteiligten eine stimmige Entscheidung darstellen und die so gezeugten Kinder eine gute Entwicklung nehmen – solange dies bei den Paaren eine bewusste und reflektierte Entscheidung ist und die Erwachsenen die Bedürfnisse des Kindes nach Wissen um seine Abstammung respektieren.

Dr. Petra Thorn
Dipl.-Sozialarbeiterin
Dipl.-Sozialtherapeutin
Familientherapeutin DGSF
http://www.pthorn.de

#4 |
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Die Zahlenangaben sind nicht korrekt. In Deutschland sind nicht 6 Millionen Paare (also 12 Millionen Frauen und Männer) ungewollt kinderlos. Statisches Bundesamt
ungefähr 30 Mill. zwischen 20 und 50 Jahre. Demnach benötigen 40% eine Kinderwunschbehandlung.
Dazu aus den aktuelen AMWG Leitlinien: “1.3. Häufigkeit/Epidemiologie
Entgegen bislang verbreiteten Zahlen scheint die Prävalenzrate für Sterilität bzw. Infertilität nicht ganz so hoch zu sein wie häufig angenommen. Boivin et al. (2007) beschreiben in ihrem Review eine weltweite mediane Prävalenzrate für Sterilität, also dem zum Zeitpunkt der Datenerfassung aktuellen Ausbleiben einer Schwangerschaft trotz regelmäßigem, ungeschütztem Geschlechtsverkehr über einen Zeitraum von 12 Monaten, von 9% (Range 5-15%). In Ländern der Dritten Welt ist teilweise von höheren Prävalenzraten auszugehen, valide Daten hierzu sind aber kaum vorhanden (Dyer 2009).
Die Lebenszeitprävalenz von Infertilität, d.h. von einer Phase im Leben, in der über einen Zeitraum von einem Jahr trotz regelmäßigem ungeschützten Geschlechtsverkehr keine Schwangerschaft eintrat, wird häufig mit etwa 25% angegeben (Schmidt et al. 1995).” Die scheinbar alturistische Embryonenspende ist multidimensional differenziert zu betrachten, insbesondere vor dem Hintergrund der “Unumkehrbarkeit”

#3 |
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Janina Untiedt
Janina Untiedt

Vielen Dank für Ihren Artikel, Herr Lederer. Insbesondere für den Hinweis, dass es sich bei der “Embryonenspende” viel eher um eine Embryonenadoption handelt – mit sämtlichen psychosozialen Konsequenzen für alle Beteiligten. Der Verein Spenderkinder in Deutschland hat sich im letzten Jahr kritisch zur Embryonenadoption geäußert http://www.spenderkinder.de/kritik-am-netzwerk-embryonenspende/ Sollte die Würde eines Menschen nicht auch bei dessen Entstehung geachtet werden? Ist es würdevoll, Embryonen erst auf Eis zu legen um dann nicht umhin zu kommen, sie auch einzupflanzen? Mal abgesehen von den Kinderwunschpaaren – wie es wohl den auf diese Weise entstehenden Menschen später geht?

#2 |
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MA Monika Uszkoreit
MA Monika Uszkoreit

Bloß schade, dass es so gut wie keine spendewilligen Paare in Deutschland gibt!
Vielleicht ändert sich das noch, aber bislang hat sich gezeigt, dass zwar die Idee von den Paaren grundsaetzlich fuer gut befunden, leider aber nicht in die Tat umgesetzt wird.

#1 |
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