Hypnotika: Gute Nacht, Pharmakotherapie

19. Dezember 2014
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Ärzte verschreiben Benzodiazepine besonders häufig als Schlaf- und Beruhigungsmittel. Mit einer Kampagne will die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen auf Abhängigkeitspotenziale hinweisen. Apotheker hat sie nicht mit eingebunden, obwohl gerade diese viel unternehmen könnten.

Benzodiazepine in der Kritik: „Rund 40 Prozent der Verordnungen führen zu einer Langzeiteinnahme und damit in die Abhängigkeit“, sagt Dr. Raphael Gaßmann, Geschäftsführer der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen (DHS). Schätzungen zufolge sind 1,2 Millionen Menschen in Deutschland von Schlaf– und Beruhigungsmitteln abhängig – viele Frauen, aber auch viele Senioren. Grund genug für die DHS, gemeinsam mit der Barmer GEK und der Bundesärztekammer (BÄK) eine Präventionskampagne zu lancieren. Organe der Apothekerschaft sind nicht beteiligt.

Sicher mit der „4-K-Regel“

Genau das wäre bei pharmakologischen Fragen aber notwendig: Besonders groß ist das Abhängigkeitspotenzial bei Benzodiazepinen, „Z-Substanzen“, Opiaten und Opioiden. Suchtexperten verweisen Ärzte auf die sogenannte „4-K-Regel“ hin. Demnach sollten Verordnungen nur bei klarer Indikation mit der kleinsten notwendigen Dosis erfolgen. Kein schlagartiges Absetzen und kurze, zeitlich befristete Anwendung kommen mit hinzu. Viele Benzodiazepine eignen sich nur zur zeitlich befristeten Anwendung. Selbst bei geringen Gaben kann ansonsten eine schwer erkennbare „Niedrigdosisabhängigkeit“ entstehen. „Gewöhnung und Missbrauch finden sich aber auch in der Selbstmedikation mit Schmerzmitteln, ob mit oder ohne Coffein, und mit Abführmitteln“, schreibt die DHS im Manual. In H1-Antihistaminika wie Diphenhydramin und Doxylamin, die als OTC-Schlafmittel abgegeben werden, schlummert ebenfalls ein großes Missbrauchspotenzial. Hinzu kommen alkoholische Grippesäfte.

Keine Information für Apotheker

Für die Praxis haben DHS-Experten jetzt mehrere Leitfäden entwickelt. Die Online-Broschüren richten sich an Ärzte und Patienten. Informationsmaterial für Apotheker sucht man vergebens. Alles in allem eine vertane Chance. Dass Heilberufler gemeinsam die besten Erfolge erzielen, zeigte sich beispielsweise im Rahmen des Modellprojekts „Ambulanter Entzug Benzodiazepin-abhängiger Patienten durch Apotheker und Hausarzt“. Die Bundesapothekerkammer hat vor einigen Jahren auch ihren Leitfaden „Medikamente: Abhängigkeit und Missbrauch“ veröffentlicht.

10 Wertungen (4.2 ø)

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6 Kommentare:

Gast
Gast

@Herr oder Frau J Simon, Sie meinen den Holzhammer?

#6 |
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Nichtmedizinische Berufe

zu #4: Woher wissen Sie das, was Sie da behaupten? Vorurteile gegen psychisch kranke Menschen?

zu #3: Was leider die wenigsten Leute scheinbar wahrhaben wollen oder einfach nicht wissen: Es gibt glaube 80 Erkrankungen des Schlafes. Eine der am wenigsten bekannten Erkrankungen dabei ist Narkolepsie. Bedauerlich, doch es ist so. 10 Jahre dauert es durchschnittlich, bis die Erkrankung bei den Betroffenen vielleicht doch mal diagnostiziert wird. Kurios dabei ist, dass wir ständig müden Leute Nachts oft sehr schlecht schlafen und dem Schlaf nachhelfen müssen. Und das mit härteren Sachen, als die meisten Leute vermutlich nehmen.

#5 |
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Gast
Gast

Ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen.
zu #3 man merkt dass sie in psychiatrischer Behandlung sind.

#4 |
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@Gast #2: Schlafstörungen sind oft nur ein Symptom einer anderen (meist psychischen) Krankheit oder Ursache, wie z.B. PTBS oder Hirnverletzungen

#3 |
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Gast
Gast

Das ist richtig, wer sonst als Ärzte dürfen das auch, früher wurden noch wesentlich schlechtere Medikamente als “Schlaftabletten” verschrieben.
Übrigens das häufigste klassische Suizidmittel.
Das klappt mit Benzodiazepinen nicht.
Dass hier ein Abhängigkeitspotential besteht, ist der Grund der Rezeptpflichtigkeit.
Dahinter steht das Problem der Schlafstörung.

#2 |
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Gast
Gast

alter Schnee

#1 |
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