Adipositas: Die Zeit läuft ab

19. Dezember 2014
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Starkes Übergewicht geht mit zahlreichen Erkrankungen einher. In der Schwangerschaft steigen Risiken für Säuglinge. Resultate einer Modellrechnung zeigen: Gelingt es, den BMI in vernünftigen Grenzen zu halten, gewinnen Patienten bis zu acht Lebensjahre.

Starkes Übergewicht ist nie gesund. Auch ohne weitere Risikofaktoren wie erhöhte Blutzucker– oder Cholesterinwerten riskieren Patienten einen frühen Tod, berichten Caroline K. Kramer und Ravi Retnakaran, Toronto. Im Rahmen einer Metaanalyse werteten sie Daten von 61.386 Personen aus. Insgesamt kam es zu 3.988 kardiovaskulären Ereignissen. Nach zehn Jahren und mehr hatten Teilnehmer mit BMI-Werten von mindestens 30 ein um 24 Prozent erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Ereignisse und für einen frühen Tod. Metabolische Parameter waren bei vielen Probanden unauffällig. Kramer und Retnakaran schreiben als Kommentar, gesunde Übergewichtige seien eben ein Mythos. Vielmehr sollten Health Professionals fettleibige Personen animieren, Gewicht zu verlieren.

Bis zu acht Jahre verloren

Steven A. Grover und Ilka Lowensteyn, Montreal, führten jetzt Modellrechnungen zu dem Thema durch. Als Basis verwendeten sie Daten aus dem National Health and Nutrition Survey (NHANES). Ihr Ergebnis: Personen mit BMI-Werten zwischen 25 bis 29,9 verlieren je nach Alter und Geschlecht maximal drei Jahre ihrer Lebenszeit – in manchen Fällen zeigte sich kein Effekt. Anders sah die Sache bei Adipösen mit BMI-Werten zwischen 30 und 34,9 aus. Sie starben ein bis sechs Jahre früher. Wer BMI-Werte über 30 hatte, musste den Zahlen zufolge sogar mit bis zu acht verlorenen Jahren rechnen. Noch stärker verringerte sich bei steigendem Gewicht die Zahl gesunder Lebensjahre – und zwar um den Faktor zwei bis vier. Grover und Lowensteyn verbinden ihre Resultate ebenfalls mit der Forderung, Betroffene intensiv zu beraten und medizinisch zu begleiten.

Kleine Kinder – große Sorgen

Ein weiterer Aspekt: Sind Schwangere stark übergewichtig, steigt das Risiko für Kinder, in den ersten 28 Tagen nach ihrer Geburt zu sterben. Auf diese Erkenntnis stieß Stefan Johansson, Stockholm, bei der Auswertung schwedischer Registerdaten. Danach erhöhte sich die Säuglingssterblichkeit von 2,4 pro 1.000 Lebendgeburten bei normalgewichtigen Schwangeren auf bis zu 5,8 für Frauen mit BMI-Werten jenseits der 40. Als Ursachen gibt Johansson vor allem Asphyxien, kongenitale Anomalien und den plötzlichen Kindstod an. Ein Grund mehr, mit ärztlicher und apothekerlicher Hilfe abzunehmen.

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Forschung, Pharmazie

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