Ernährung: Rapsöl besser als sein Ruf?

8. Dezember 2014
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Der tägliche Konsum von 50 g Rapsöl verbesserte in einer Pilotstudie im Vergleich zu Olivenöl den Cholesterinspiegel sowie die Leberwerte Übergewichtiger. Hinweise deuten zudem an, dass Rapsöl langfristig Entzündungsreaktionen entgegenwirkt.

Das Wissenschaftlerteam um die Mediziner Michael Kruse und Andreas F. H. Pfeiffer vom Deutschen Instituts für Ernährungsforschung (DIfE) veröffentlichte seine Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Molecular Nutrition and Food Research. An der Pilotstudie waren auch Forscher der Universität Hamburg sowie der Friedrich-Schiller-Universität Jena beteiligt.

Zahlreiche Untersuchungen weisen darauf hin, dass Übergewicht (Adipositas) mit chronischen Entzündungen einhergeht, die das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen. Ebenso leiden übergewichtige Menschen häufig unter Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und einer Leberverfettung, die zum Beispiel einem Typ-2-Diabetes oder einer schweren Herz-Kreislauf-Erkrankung vorangehen. Verschiedene Studien lassen dabei annehmen, dass ein hoher Verzehr von Olivenöl, wie er im Rahmen einer mediterranen Ernährung üblich ist, diesen Krankheiten vorbeugen kann.

Direkter Vergleich zwischen Rapsöl und Olivenöl

„Da Nordeuropäer Olivenöl nicht in dem hohen Maße verwenden wie Südeuropäer, wollten wir untersuchen, ob sich heimisches Rapsöl als Alternative anbietet, da es besonders reich an einfach- aber auch mehrfach ungesättigten Fettsäuren ist. Bisher fehlen Ernährungsstudien, welche die Wirkung beider Öle direkt miteinander vergleichen“, sagt Erstautor Michael Kruse.

An der Pilotstudie nahmen 18 übergewichtige Männer im Alter zwischen 39 und 63 Jahren teil, welche die Mediziner nach dem Zufallsprinzip in zwei gleichgroße Gruppen aufteilten. Die Studienteilnehmer erhielten für vier Wochen zu einer ausgewogenen Kost entweder täglich 50 g raffiniertes Rapsöl oder kaltgepresstes Olivenöl (extra vergine), wobei beide Öle in etwa den gleichen Gehalt an Vitamin E und Polyphenolen aufwiesen. Die Teilnehmer sollten die Öle zum Beispiel in Form von Salatsaucen oder Pesto verzehren.

Rapsöl mit positiven Effekten

Nach der vierwöchigen Diätphase hatten die Teilnehmer wie beabsichtigt weder ab- noch zugenommen. Im Vergleich zur Olivenölgruppe senkte sich der LDL-Cholesterinspiegel der Männer, die Rapsöl verzehrten, um etwa 0,45 mmol/L. Ebenso verbesserten sich ihre Leberwerte. Zum Beispiel verminderte sich der Wert für das Enzym Aspartat-Aminotransferase um 18 Prozent. Im Nüchternzustand produzierte das Unterhautfettgewebe dieser Männer zudem deutlich weniger entzündungsförderndes Interleukin-6, wobei allerdings der Verzehr einer Testmahlzeit vorübergehend die Synthese dieses Botenstoffs stimulierte.

„Dauerhaft erhöhte Interleukin-6-Spiegel, die oft bei Übergewicht zu beobachten sind, stehen im Verdacht, eine Insulinunempfindlichkeit der Körperzellen und Typ-2-Diabetes zu fördern“, erklärt Kruse. „Deshalb ist es gut, wenn das Fettgewebe nach der vierwöchigen Diätphase deutlich weniger dieses Botenstoffs synthetisierte als vorher.“

Weiteren Studien notwendig

„Aus anderen Studien wissen wir zudem, dass durch Muskelaktivität, zum Beispiel durch Sport, der Interleukin-6-Spiegel im Blut vorübergehend bis um das 100-fache ansteigen kann. Gleichzeitig ist bekannt, dass körperliche Aktivität Stoffwechselkrankheiten vorbeugt. Daher vermuten wir, dass der von uns beobachtete akute, aber kurzzeitige Anstieg der Interleukin-6-Synthese eher eine positive, hormetische Wirkung hat“, so Pfeiffer, der die Abteilung Klinische Ernährung am DIfE leitet.

„Zusammenfassend weisen unsere Ergebnisse darauf hin, dass der tägliche Verzehr von 50 g Rapsöl dazu beitragen kann, bei übergewichtigen Männern die Leber- und Cholesterinwerte zu verbessern. Weitere Studien mit weitaus größeren Probandenzahlen sind jedoch notwendig, um die von uns beobachteten Effekte genauer zu untersuchen.“

Originalpublikation:

Dietary rapeseed/canola oil supplementation reduces serum lipids and liver enzymes and alters postprandial inflammatory responses in adipose tissue compared to olive oil supplementation in obese men
Michael Kruse et al.; Molecular Nutrition & Food Research, doi: 10.1002/mnfr.201400446; 2014

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12 Kommentare:

Diätassistent

Bei diesem Link geht es überwiegend um Kosmetik, dennoch sind die Produktionsschritte gut erklärt.

http://www.olionatura.de/_oele/oelqualitaeten.php

#12 |
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Gast
Gast

“Raffinierung” ist der Sammelbegriff für mehrere Schritte der Ölherstellung, das Pressen ist nur ein Teil davon, ob kalt oder warm gepresst, ist per se kein “Qualitätsmerkmal”. “Kalt gepresst” enthält z.B. freie Fettsäuren, die den Rauchpunkt erniedrigen und dieses Öl für die Bratpfanne ungeeignet machen.
Ich bevorzuge daher zum menschlichen Verzehr raffiniertes Rapsöl, das enthält wie schon erwähnt wesentlich mehr “essentielle Fettsäuren” als Olivenöl, auch kalt gepresstes.

#11 |
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Gast
Gast

Die Studie belegt den Effekt leider nur für Männer….
Wie es bei Frauen aussieht bleibt wieder ungewiss.
Grade wenn man bedenkt das bei Frauen die schädlich Wirkung von chemischen Zusatzstoffe oder Alkohol schlimmere Auswirkungen auf deren Körper hat…

#10 |
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Gast
Gast

es wurde raffiniertes rapsöl verwendet, aber kaltgepresstes olivenöl.. wie sieht es dann erst bei kaltgepresstem rapspöl aus? da müssen die vorteile doch noch viel eindeutiger sein..

#9 |
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Dr. Corinna Spott
Dr. Corinna Spott

ich würde sagen “mehr als mutig” – das ist wissenschaftlich sinnlos. Zumal hier zahlreiche andere Faktoren bzgl. Ernährung, Bewegung, Lifestyle usw. kontrolliert werden müssten (ob das der Fall war wird nicht erwähnt). Bitte, liebe DocCheck-Journalisten, es gibt doch genügend Substanz-haltigere Original-Publikationen.

#8 |
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mutig mit 2 x 9 Fällen Aussagen zu treffen

#7 |
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Diätassistent

Rapsöl ist besonders Vitamin E haltig und hat ein besseres Omega 6 : Omega 3 Verhältnis (2:1) als z.B. Olivenöl (11:1) selbstverständlich gibt es diese Öle auch unraffiniert

#6 |
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Gast
Gast

Der “schlechte Ruf” ist eher eine geschichtliche Erbschaft unterschiedlicher Sorten und auch Reinigungsverfahren, da frühere Sorten eine Giftstoff für den Menschen enthalten haben (Erucasäure).
http://tinyurl.com/ktszbp3
Auf Grund der heutigen Massenherstellung müsste er fast um sonst sein.
Gesunder als Olivenöl ist er zusätzlich. siehe #4

#5 |
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Gast
Gast

Wenn Sie nach dem Geschmack gehen, empfehle ich McDonald.
Rapsöl ist selbstverständlich ebenso “raffiniert” wie Olivenöl.
Als beides benötigt eine Aufbereitung aus dem Rohprodukt und die Qualität des Endproduktes ist selbstverständlich auch von dieser Aufbereitung abhängig.
Zu den südeuropäischen “kaltgepressten” Kleinherstellern ist mein Vertrauen eher begrenzt, da hier auch nicht selten die Spritzmittel (Pestizide) für die Olivenbäume enthalten waren.
Da hab ich zu deutschem Rapsöl mehr Vertrauen.
Davon abgesehen,
liegt der Gesundheitsaspekt in dem höheren Gehalt von ungesättigten Fettsäuren,
wobei vor allem der omega-3-Anteil wichtig ist, der den Sonnenblumen im Vergleich fehlt
und im gut schmeckenden Olivenöl komplett fehlt.

mfG

#4 |
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Dr. med. Susanne Bihlmaier
Dr. med. Susanne Bihlmaier

Schade nur, dass natives Rapsöl nicht so schön schmeckt, wie die gelben Felder es erhofffen lassen. So auch bestätigt in sensorischen Prüfungen, bei denen fast alle Rapsöle durchrasselten (Stiftung Warentest) Dann doch lieber das mediterrane, aromatische Olivenöl, das man ja nicht wirklich als “fremd” oder ausländisch bezeichnen kann, zumindest im Vergleich zu Arganöl etc…. Und was nicht schmeckt, wird als Diät empfunden und hat keine großen Überlebenschancen in der täglichen Küche.

#3 |
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Gast
Gast

natürlich ist Rapsöl gesunder als Ölivenöl, dazu brauch es keine eigentlich “Studie”.
Das Problem scheint zu sein, es ist zu billig.

#2 |
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Dr. Jörg Heuser
Dr. Jörg Heuser

Bei einer Teilnehmerzahl von 18 Personen, die zudem noch auf zwei Gruppen aufgeteilt werden und bei der die “Therapie” relativ ähnlich ist (jeweils ein pflanzliches Öl) ist es statistisch fast unmöglich, einen überzufälligen und statistisch signifikanten Unterschied heraus zu bekommen. Wenn beide Therapien (hier Öle) potentiell wirksam sind, man ein Signifikanzniveau von p

#1 |
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