Parodontitis: Behandlung senkt zentralen Blutdruck

8. Dezember 2014
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Menschen mit Parodontitis erleiden häufiger einen Herzinfarkt oder Schlaganfall. Laut Bluthochdruckforschern senkt jedoch im Umkehrschluss eine Behandlung der Parodontitis den Blutdruck signifikant wieder ab und macht die Blutgefäße elastischer.

Noch ist der Zusammenhang zwischen Bluthochdruck und der Zahnfleischerkrankung nicht abschließend ergründet. „Sehr wahrscheinlich sind jedoch dieselben Bakterien, die die Parodontitis auslösen, auch die Ursache für den erhöhten Blutdruck und die vermehrten Herzinfarkte sowie Schlaganfälle“, erläutert Dr. med. Johannes Baulmann, der die Abteilung für Angiologie der Kardiologischen Klinik am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Lübeck leitet.

Die Erreger verteilen sich im ganzen Körper, so der Experte, und damit auch in den Blutgefäßen. „Dort regen sie entzündliche Prozesse an, die Gefäßwände werden fest und irgendwann sogar brüchig.“ Wie elastisch die Gefäße noch sind, können Forscher mittels der Pulswellengeschwindigkeit messen. Diese beschreibt, wie schnell die Druckwelle des Pulses die Arterien durchläuft. Eine hohe Pulswellengeschwindigkeit zeigt an, dass die Gefäße versteift sind – damit steigt das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen. In einer Vorläuferstudie, deren Ergebnis kürzlich in der Fachzeitschrift PLOS One veröffentlicht wurde, erforschte Baulmann gemeinsam mit anderen Medizinern, dass Patienten mit Parodontitis steifere Gefäße haben und einen höheren zentralen Blutdruck.

In der aktuellen Studie gingen sie der Frage nach, ob sich der Bluthochdruck im Umkehrschluss mit besserer Zahngesundheit wieder absenkt. Sie verfolgten dafür die Behandlungsfortschritte von 100 Patienten mit Parodontitis. Nach zwölf Monaten stellten die Forscher fest, dass Patienten mit erfolgreich bekämpfter Zahnfleischentzündung auch elastischere Blutgefäße hatten. Und besonders eindrucksvoll war für sie, dass der zentrale Blutdruck dieser Patienten gesunken war. „Die Studie gibt erste Hinweise darauf, dass mit der Parodontitis-Behandlung Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mögliche Folgen wie Herzinfarkt oder Schlaganfall reduziert werden könnten“, so Baulmann.

Originalpublikation:

Arterial Stiffness and Pulse Wave Reflection Are Increased in Patients Suffering from Severe Periodontitis
Johannes Baulmann et al.; PLOS One, doi: 10.1371/journal.pone.0103449; 2014

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6 Kommentare:

Zahnarzt

Das ist doch nichts Neues! Siehe Studie: Seinost G, et al. (2005): Periodontal treatment improves endothelial dysfunction in patients with severe periodontitis.
Schon hier wird gezeigt, daß intravasale Mediatoren die Gefässe steifer machen.
Und nach einer erfolgreichen PA-Behandlung relaxieren die Gefäße!
Interessant ist ja auch, daß bereits bei einer Gingivitis das C-reaktive Protein (CRP) erhöht ist! Auch der hsCRP (hochsensitive CRP) senkt sich nach einer PA-Therapie vor allem bei Diabetikern und Patienten mit CVD (Meta-Analyse TEEUW et al. (2014))
Ebenso interessant: Linden GJ, et al. (2012). All-cause mortality and Periodontitis in 60-70-year old men. Hier wird gezeigt, daß eine schwere PA zu 7% mehr Todesfällen über 10 Jahren führt!
Die PA wirkt sich also nicht nur lokal sondern systemisch aus!
Ich finde, das ist kein Hokus Pokus:-)

Ach so, und unter einer PA-Behandlung ist ja primär die Reinigung der mit Keimen besiedelten Wurzeloberfläche zu verstehen, was mechanisch erfolgt. Ob eine antibiotische Therapie notwendig ist, hängt von der Taschentiefe ab.
Eine Ernährungsumstellung wäre natürlich prima, vor allem vor dem Hintergrund, daß wir oft bei Fettleibigen eine erhöhte Entzündungsreaktion haben.
Hier ist also die PA eine Begleiterscheinung.
Aber die Realität schaut natürlich leider anders aus. wer stellt seine Ernährung um, nur weil das Zahnfleisch ein bisschen blutet?

#6 |
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Per Fossdal, Zahnarzt
Per Fossdal, Zahnarzt

Es gibt kaum eine Krankheit die besser untersucht wurde als die Parodontitis. Hauptursache Nr. 1 ist unzureichende Mundhygiene, 2. gentische Veranlagung und 3. Rauchen. Die Behandlung besteht seit langem drin, die Zahnfleischtaschen und den Mund von den pathogenen Bakterien – mechanisch – zu reinigen und eine Infektionskontrolle zu etablieren. Antibiotika können den Biofilm auf der Zahnoberfläche nicht durchdringen und helfen nur, wenn vorher der Biofilm aus den Taschen entfernt wurde und dies regelmäßig wiederholt wird – eine lebenslange Behandlung. Tasache ist aber, dass Parodontitis erfolgreich und nachhaltig behandelt werden kann.
Zahlreiche Studien belegen den schädlichen Einfluss der Parodontitis auf Frühgeburten, Diabetes, Herz und Hirninfakte. Zuletzt also auch als Ursache für eine höhere Sterblichkeitsrate auf der Intensivstation. (DocCheck). In der Praxis haben die sichtlich gesunden und fitten Patientin auch ein gesundes Parodont.

#5 |
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Heilpraktiker

Für mich stellt sich die Frage, was hier unter Parodontitis-Behandlung zu verstehen ist? Ist es eine antibiotische Behandlung oder ist es eine Ernährungsumstellung? – Parodontitis entsteht ja nicht aus sich selbst heraus, sondern ist Folge einer eher schädlichen Lebens- bzw. Ernährungsweise, welche wiederum auch die Zähne krank werden lässt (s. Dr. Schnitzer).bildet sich um einen kranken Zahn herum eine Parodontitis, so kann ich mir als Ursache für den erhöhten Blutdruck er den Zahn vorstellen, als die begleitende Parodontitis. Wird der Zahn in der richtigen Art und Weise behandelt, so verschwindet naturgemäß auch die Parodontitis mit der Folge, dass auch der Blutdruck sinkt. Also bleibt die Frage: wie war die Behandlung konkret? – Sonst ist die postulierte Erkenntnis nicht besonders wertvoll.

#4 |
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Nach 34jähriger Tätigkeit kann ich die Patienten herausfiltern, die in den nächsten Monaten oder Jahren einen Infarkt oder Schlaganfall bzw. Diabetes erleiden werden. Leider habe ich kein Labor im Keller, um dieses wissenschaftlich fundieren zu können. Dazu sollte die Forschung in der Lage sein. Falls ein Interesse an echter Prophylaxe besteht….

#3 |
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Gast
Gast

jetzt muss man diese Erreger in den Blutgefäßen nur noch finden.

#2 |
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Ob die statistische Signifikanz auch mit klinischer Signifikanz korreliert, das ist hier die Frage. Fraglos ist von einer erhöhten bakteriellen Aktivität bei Parodontitis auszugehen, deren Reduktion immer positive Effekte zeigen kann, aber die Wirkungskomponenten einer Parodontitistherapie auf die Gefäße scheinen mir allzu unklar, das hört sich etwas nach Hokus Pokus an.

#1 |
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