Medizin-eBooks im Vergleich – eine Auswahl

7. März 2012
Teilen

Medizin goes mobile: Medizinische Fachbücher erobern die digitale Welt. Immer mehr Standardwerke sind als eBook verfügbar. Wir haben in DocCheck Load gestöbert und ein paar bekannte Titel einander gegenübergestellt. Können sie als eBook überzeugen?

Nachdem wir in Teil 1 unserer eBook-Spezialreihe die Basics rund um das Thema eBooks und eReader beleuchtet haben, geht‘s nun an konkrete Beispiele. Zunächst beeindruckt das große Angebot in DocCheck Load, der eStore von DocCheck. Sämtliche große Medizin- und Wissenschaftsverlage sind bereits vertreten, das Schmökern im Buchladen kann nun auch bequem von zuhause aus zu jeder Tages- und Nachtzeit stattfinden. Kleiner Wermutstropfen: Elsevier bzw. Urban & Fischer lassen noch auf sich warten bzw. ihre Titel in DocCheck Load vermissen.

→ EKG-Kurs für Isabel
Der Klassiker im PDF-Format überrascht gleich nach dem Download mit einem fehlenden Frontcover, was weniger einen optischen Schnitzer als vielmehr ein schwierigeres Finden im digitalen Bücherregal bedeutet.

In der Printversion von vielen geschätzt, überzeugt das eBook aus dem Thieme Verlag in digitaler Version kaum. Zu groß sind die Einschränkungen, die in Kauf genommen werden müssen: markieren oder gar eigene Notizen fallen dank DRM (Digital Rights Management, ein unglücklich umgesetzter Kopierschutz) gänzlich weg.

Auch irritiert ein totes Inhaltsverzeichnis, es gibt keinerlei Verlinkungen zu entsprechenden Seiten. Wer mal eben schnell durch ein Kapitel blättern will, greift bald enttäuscht ins reale Bücherregal. Keinem der ausprobierten eReader gelingt ein flüssiges Anzeigen. Sogar gerade erst angezeigte Seiten müssen sekundenlang erneut geladen werden.

Positiv fallen die vielen anschaulichen Grafiken auf. Für die eReader offenbar eine Herausforderung, für den Leser wunderbar. Eine schnelle Fingerbewegung ermöglicht eine genaue Betrachtung des nun vergrößerten Bildes.

→ Herold Innere Medizin 2012
Der Klassiker von Dr. Gerd Herold ist schon einige Jahre bei DocCheck Load als eBook verfügbar. Sei es als PDF- oder ePub-eBook – oder seit kurzem auch als bahnbrechende sogenannte multeBook-Version für das iPad. In den beiden erst genannten Formaten besticht die Flexibilität, was z.B. das Einstellen der Schriftgröße betrifft (ePub) oder die praktische Suchfunktion. Ein interaktives Inhaltsverzeichnis verlinkt in der ePub auf sämtliche Kapitel, eine Navigationsleiste ermöglicht gezieltes Springen. Sowohl in der PDF- als auch der ePub-Version ist das Ausdrucken erlaubt.

Die Herold-eBooks im PDF- und ePub-Format können am Computer aber auch auf mobilen Geräten gelesen werden, bei welchen die Ansicht in Hoch- als auch in Querformat unterstützt wird. Der standardmäßig eingestellte Seitenrand vieler Reader ist jedoch insb. bei wissenschaftlichen Büchern oft zu großzügig gewählt, dieser sollte geändert werden da sonst zu viel Platz verschwendet wird. Ebenso muss man sich zunächst daran gewöhnen, dass beim Übergang vom Hoch- ins Querformat leicht die aktuelle Lesestelle aus den Augen verloren werden kann. Hier helfen das Setzen von Lesezeichen und Textmarkierungen.

Einen Meilenstein in der Geschichte von eBooks stellt wohl die neuste Version des Herold Innere Medizin 2012 dar: Ein multeBook, welches seinem Namen alle Ehre macht. Über den neuen Trend zu interaktiven und lebendigen eBooks und die gelungene Umsetzung beim Herold berichten wir in Kürze im 4. Teil unserer eBook-Spezialreihe.

→ Duale Reihe Pädiatrie
Nach einem überraschend komplizierten Download – sehr lange Ladezeit, was zum Abbruch des Downloads führt, sobald die eReader-App verlassen wird bzw. sich der Bildschirm nach 2 Minuten ausschaltet – fällt auch hier die fehlende Titelseite auf.

Das vertraute Design der dualen Reihe besticht wie gewohnt, ein Blättern ist in dieser PDF-Version flüssiger möglich. Mit ein wenig Geduld können Textstellen ausgewählt und per Lesezeichen markiert werden. Jedoch scheint der eReader bei dieser simplen Tätigkeit mächtig an seine Grenzen zu stoßen, ein gezieltes Auswählen ist aufgrund der sehr trägen Reaktion nahezu unmöglich.

Erfreulich: in die Struktur des eBooks wurde Zeit und Energie investiert, sowohl das ursprüngliche Inhaltsverzeichnis als auch die Inhaltsübersicht des eReaders verlinken detailliert auf sämtliche Kapitel und Unterkapitel.

→ Die neue Pflegeversicherung
Dieses kleine eBüchlein von Horst Marburger, erschienen im Walhalla Fachverlag, lässt sich unkompliziert downloaden und problemlos in allen gewünschten eReadern öffnen. Einmal mehr begeistert das ePub-Format mit einem der Bildschirmgröße angepassten Text.

Es liest sich flüssig, keine Zeitverzögerung beim Blättern oder Springen zu anderen Kapiteln. Sämtliche eingefügten Grafiken können per Doppeltip zügig in voller Größe angezeigt werden. So macht sich dieses eher unbekannte Werk im Gesamteindruck eigentlich besser als die bekannteren Werke von größeren Verlagen.

Ein Fazit

Weder ePub- noch PDF-eBooks können auf ganzer Linie punkten, es besteht auch bei den Klassikern oft noch Optimierungbedarf und der Teufel liegt im Detail. Wer mit Platzproblemen in den eigenen vier Wänden kämpft und sich bereits mit Tablets angefreundet hat, kann jedoch getrost zugreifen. eBooks stehen für Unabhängigkeit und Flexibilität. Egal wann und wo, man hat sie eben alle mit dabei. Und fehlt noch eins, so ist es nur einen Fingertip weit entfernt. Rund um die Uhr.

Was meiner Ansicht nach die Printmedien schlussendlich wirklich in den Schatten stellen könnte, macht sich unterdessen als multeBook einen Namen. Mehr über den kleinen neuen Shootingstar unter den eBooks erfahrt Ihr in Teil 4 unserer eBook-Spezialreihe.

Anmerkung: für den Vergleich der eBooks wurden mehrere eReader getestet und nach eingehender Prüfung der Bluefire-Reader als Standard-App für meinen Praxistest mit dem iPad 2 ausgewählt. Er unterstützt die Wiedergabe von DRM geschütztem Material und führt vom Handling her die Auswahl an eReadern an.

Alle Teile unserer eBook-Spezialreihe:
Teil 1: Medizin-eBooks im Fokus – eine Einführung
Teil 2: Medizin-eBooks im Vergleich – eine Auswahl
Teil 3: Medizin-eBooks in der Praxis – ein Bericht
Teil 4: Medizin-eBooks der Zukunft – ein Ausblick

12 Wertungen (3.83 ø)
Allgemein

Die Kommentarfunktion ist nicht mehr aktiv.

1 Kommentar:

Carsten Haefner
Carsten Haefner

Dann bin ich schon mal gespannt auf den Teil 4 Ihrer eBook-Spezialreihe mit dem multeBook und dem neuen Herold 2012. ;-)

#1 |
  0
Copyright © 2017 DocCheck Medical Services GmbH
Sprache:
DocCheck folgen: