Parkinson-Behandlung: ITSCs mit Nase vorn?

11. Dezember 2014
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Zum ersten Mal wurden adulte menschliche Stammzellen verwendet, um die Parkinson-Erkrankung bei Ratten zu heilen. Die dazugehörigen Stammzellen – sogenannte inferior turbinate stem cells (ITSCs) – wurden zuvor aus der Nasenmuschel isoliert.

Ein Team der Universität Bielefeld um Professorin Barbara Kaltschmidt (Abteilung Zellbiologie) und Professor Alexander Storch von der Technischen Universität Dresden zeigt, dass dopaminerge Neuronen im Labor aus den sogenannten „inferior turbinate stem cells“ (ITSCs) gewonnen werden können. Diese Stammzellen werden aus der Nasenmuschel isoliert, die nach einer Operation üblicherweise verworfen wird.

Das Team untersuchte dann, wie ITSCs sich verhalten, wenn sie in Ratten transplantiert werden, die zuvor experimentell erzeugt Parkinson entwickelten. Vor der Transplantation zeigten die Ratten schwere Motorik– und Verhaltensdefizite, sie liefen zum Beispiel nur noch im Kreis. Zwölf Wochen nach der Injektion von ITSCs sind die Zellen innerhalb des Gehirns gewandert, die Nervenfunktion hatte sich entscheidend verbessert. Das Verhalten der transplantierten Tiere hatte sich ebenfalls positiv verändert, das heißt, sie liefen wieder normal. Außerdem beobachteten die Wissenschaftler, dass sich nach der Transplantation dieser adulten Stammzellen keine Tumore entwickelten. Wenn embryonale Stammzellen zur Therapie verwendet werden, gilt das bisher als Risiko.

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„Adulte Stammzellen entwickeln sich in dopaminerge Nervenzellen (v. l.): Beginn des Experiments, nach 12 Tagen und 20 Tagen der Entwicklung. Diese Stammzellen können dazu verwendet werden, das erkrankte Gehirn zu regenerieren.“ © Bildquelle: Universität Bielefeld

„Weil sie leicht zugänglich sind, eignen sich ITSCs besonders gut für die regenerative Medizin“ sagt Barbara Kaltschmidt. „Ein entscheidender Vorteil ist auch: Es gibt keine ethischen Bedenken wie beim Einsatz von humanen embryonalen Stammzellen.“

Originalpublikation:

Intrastriatal Transplantation of Adult Human Neural Crest-Derived Stem Cells Improves Functional Outcome in Parkinsonian Rats
Janine Müller et al.; Stem Cells Translational Medicine, doi: 10.5966/sctm.2014-0078; 2014

11 Wertungen (4.09 ø)
Forschung, Medizin, Neurologie

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3 Kommentare:

Ach ja, da gab es doch mal Zell-Therapien nach Niehus. Oder veränderte Frisch-Zell Therapien nach Theurer. Oder modifizierte homöopathische Frischzelltherapien bei der Wala. Wurde alles verworfen als killefit. Ob diese Therapien doch noch eine Chance der Anerkennung bekommen?

#3 |
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Gast
Gast

Hallo,
Ab wann sollen Menschliche Tests ( Studien ) angewandt werden?

#2 |
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Heilpraktikerin

Das ist aber schön für die Ratten… Wird man dieses Verfahren auch erfolgversprechend auf Menschen anwenden können und wenn ja, ab wann?

#1 |
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