Mukoviszidose: Nanoverpackte Antibiotika

2. Dezember 2014
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Ein neues Nano-Transportsystem für Medikamente verpackt Wirkstoffe in hoher Konzentration und liefert sie deswegen gezielter dort ab, wo sie wirken sollen. Die Technologie wurde als Behandlungsmethode gegen Atemwegsinfektionen entwickelt, die bei Mukoviszidose auftreten.

Gegen viele Krankheiten existieren heute wirksame Arzneistoffe. Um ihre Wirkung zu entfalten, müssen sie im Körper genau dorthin gelangen, wo sie wirken sollen. So auch die antibiotischen Wirkstoffe gegen Atemwegsinfektionen, die bei Mukoviszidose auftreten: Bei der Erbkrankheit setzt sich zähflüssiger Schleim in den Bronchien fest, der Krankheitserregern einen Nährboden bietet und zugleich ein Hindernis für Arzneimittel ist.

Zielortgenauer Wirkstofftransport für Antibiotika

Wird der Wirkstoff über die Blutbahn nach dem Gießkannenprinzip überallhin transportiert – also nicht nur an seinen Wirkort, in diesem Fall die Lunge, – dann zeigt er auch an Orten Wirkung, wo er es gar nicht soll: Nebenwirkungen treten auf. Deshalb arbeitet die pharmazeutische Forschung heute daran, den Wirkstoff-Transport zu verbessern und gezielter zu machen.

Nano-Partikel überwinden Lungenschleimhaut und Biofilm

Nazende Günday-Türeli hat als Doktorandin im Team von Professor Marc Schneider in Saarbrücken eine neue Methode entwickelt, antibiotische Wirkstoffe in Nano-Behältnissen zu verkapseln. Diese Nanopartikel-Transporter werden mithilfe einer patentierten Technologie hergestellt. Der Wirkstoff wird dabei nicht verändert und kann hochdosiert geladen werden. Er wird vom Patienten inhaliert, überwindet die Barriere aus Lungenschleim und Biofilm und liefert das Antibiotikum gezielt am Infektionsherd ab. Nach der Wirkstoff-Lieferung werden die Nano-Transporter vom Körper abgebaut. Für die Entwicklung erhielt Nazende Günday-Türeli den CPhI Worldwide Pharma Award 2014.

Technologie auch für andere Medikamente denkbar

Der Wirkstoff-Paketdienst wurde für Antibiotika entwickelt, er kann aber auch Medikamente gegen verschiedenste Krankheiten zustellen und beispielsweise auch bei Nahrungsergänzungsmitteln oder Kosmetik zum Einsatz kommen.

Der gezielte Wirkstoff-Transport über die körpereigenen Barrieren wie Darm– oder Lungenschleimhaut ist ein Forschungsschwerpunkt der pharmazeutischen Forschung an der Saar-Universität in der Arbeitsgruppe von Professor Claus-Michael Lehr am Lehrstuhl Biopharmazie und Pharmazeutische Technologie der Saar-Uni und der Abteilung „Wirkstoff-Transport“ am Helmholtz-Institut für Pharmazeutische Forschung Saarland (HIPS) auf dem Campus. Beide sind gemeinsam mit Professor Marc Schneider, der jetzt von der Universität Marburg nach knapp zwei Jahren wieder zurück an die Saar-Uni wechselt, beteiligt am Projekt FiDel, das vom Bundesforschungsministerium gefördert wird, und in dessen Rahmen die neue Technologie entwickelt wurde.

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